Kate­go­rien

Wenn der falsche Job zum Fremd­körper wird

Published On: 16. Februar 2011Cate­go­ries: Karriere

Es fühlt sich falsch an, also ist es falsch. Ein falscher Job ist wie ein fremder Körper. Er macht unglück­lich. Sorgt dafür, dass man sich deplat­ziert fühlt. Und zwar dauer­haft, nicht nur zeit­weise.

Manchmal frage ich „wie unglück­lich fühlen Sie sich auf einer Skala von +30 Grad bis minus 30“? Wenn dann jemand antwortet „minus 30“ ohne Sibi­rien-Fan zu sein, dann weiß ich: das ist jemand, der wirk­lich handeln muss. Sehr oft stand eine falsche Berufs­ent­schei­dung in der Vorge­schichte, ein  Irrtum oder Kompro­miss. Viel­leicht hat man auf die Eltern gehört, mögli­cher­weise war die Freun­des­mei­nung stärker oder auch die Angst vorm Schei­tern oder dem großen Schritt. Fast immer war zum Zeit­punkt der falschen Entschei­dung schon etwas anderes da, eine Idee oder vage Vorstel­lung, viel­leicht auch eine konkrete — von dem, was man eigent­lich hätte machen sollen.

Bei 30 Grad minus gibt es kaum eine Frage; es besteht akuter Hand­lungs­be­darf – anders als bei 10-Grad-und-mehr. Die alltäg­liche Unzu­frie­den­heit, kleine Konflikte und die (normale) Abwe­sen­heit von dauer­haftem Glück wird als Indiz für die Notwen­dig­keit einer beruf­li­chen Umori­en­tie­rung erkannt – das ist meist zu wenig für  große Schritte, siehe mein Artikel über Krisen. Ist die Unzu­frie­den­heit in diesem erträg­li­chen Bereich, braucht es manchmal einfach nur ein neues Umfeld, ein anderes Team, eine Verän­de­rung des Orts oder ein höheres Gehalt. Menschen mit latenter Unzu­frie­den­heit, die aber nicht kurz vorm Erfrie­rungstod stehen, tut Verän­de­rung gut, viel­leicht auch ein Perspek­ti­ven­wechsel. Radi­kale Schnitte wollen sie bei näherer Betrach­tung oft gar nicht, sie kosten zu viel Geld und zu viel Zeit.

Wer dagegen wirk­lich im falschen Job ist, dem ist Verän­de­rung und der Weg dorthin etwas wert. Für mich sind das die einfachsten „Fälle“, denn hier geht es nicht um den Luxus eines Traum­jobs, sondern um das exis­ten­zi­elle Bedürfnis, seine eigenen Stärken ausleben zu können.  Nichts ist schöner, als einen mutigen Schritt zu begleiten, der später zu einem wohligen Tempe­ra­tur­emp­finden und zum Ende der Kälte­pe­riode führt.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Burk­hard Reddel 17. Februar 2011 at 11:10 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich kann Ihnen da nur aus eigener Erfah­rung zustimmen. Damals vor langer Zeit(ca.25Jahre her) habe ich mich durch Eltern und deren falsche Ansichten in einen Kaumän­ni­schen Job,Lehre Indus­trie­kauf­mann und vorher Höhere Handel­schule, drängen lassen. Dort war ich nie glück­lich und das lag mir auch nicht. Heute weiß ich, leider zu spät, ich hätte mich damals durch­setzen müssen und in einem hand­werk­li­chen Beruf oder als Cutter im Film bemühen sollen. Das wäre mein Weg gewesen. Leider hat sich der flasche Weg lange fort­ge­setzt bis es mir durch eine Umschu­lung gelang, wenigs­tens ein bischen Technik in meinen Beruf zu bringen, nämlich Program­mie­rung. Damals wurde mir ein zusätz­li­ches falsches Bild von der Arbeit­welt vermit­telt an dem ich auch manchmal heute noch hänge, nicht mehr so häufig, aber manchmal kommts noch durch. Du mußt Deinen Arbeits­platz um alles in der Welt behalten und halten, egal wie unglück­lich Du bist.Verliere nie einen Arbeits­platz und sei froh wenn Du aArbeit hast. Das ist defi­nitiv falsch und hat mir mehere Chancen, die ich in meinem Leben hatte, verbaut. Aber jetzt mit 51 Jahren weiß ich es defi­nitiv besser. Leider zu spät um nochmal richtig durch­zu­starten. Meine großen Träume sind nicht mehr reali­sierbar und ich muß mich mit mitt­leren Träumen zufrie­den­gaben. Also wer in der Jugend das Glück hat,richtig beraten zu werden, durch wen auch immer, sei es Eltern oder Lehrer oder Berufs­be­rater oder “Coaches” (obwohl Sie keiner sein wollen 😉 ) hat Glück und es werden entschei­dende Weichen gestellt. Dennoch ist es mir Zeit­weise gelungen einen meiner Traum­jobs, nämlich Prgram­mierer, zu bekommen. Was schade ist, ich habe Sie zu spät kennen­ge­lernt. Ihre Bücher und die Blogs haben mir sehr geholfen mich zu posi­tio­nieren und heute starte ich inso­fern nochmal neu durch, daß ich die mitt­leeren, abgespckten Träume im Beruf reali­siere. Zumin­dest der Versuch. Also alle , die gute Berater haben ! ” fest­halten”!

    Viele Grüße B.RE:

  2. Svenja Hofert 17. Februar 2011 at 14:05 — Reply

    Hallo Herr Reddel, vielen Dank für den netten Kommentar. Ja, die Eltern — sind keine guten Berufs­be­rater. Aus mir wollten Sie eine Bank­kauf­frau machen, aber an der Stelle war ich bera­tungs­re­sis­tent 😉 Am besten hört man auf sich selbst und probiert aus, lernt und lernt dazu und hat vor allem den Mut, falsche Wege früh genug zu korri­gieren. herz­liche Grüße und ich drück die Daumen für Ihre nächsten Schritte Svenja Hofert

  3. Mark 4. Juni 2014 at 11:18 — Reply

    Liebe Frau Hofert, ich bin vor ca. einem halben Jahr auf ihre Seite gestoßen und habe viele inter­es­sante Beiträge und Anre­gungen gefunden. Auch der obere Artikel spricht mir aus der Seele. Ich bin ende 30 habe nach der Real­schule eine kauf­män­ni­sche Ausbil­dung beendet und wurde fest über­nommen, ich habe 1,5 Jahre durch­ge­halten und war totun­glück­lich und würde sagen das war bis jetzt meine schlech­teste Zeit im Leben. Dann habe ich gekün­digt, mein Abi nach­ge­macht und Wirt­schafts­wis­sen­schaften mit einem Soziologischen/Psychologischen Schwer­punkt studiert, da ich nicht mutig genug war den kompletten Bruch zu wagen. Nach dem Studium bin ich leider, da ich auf andere (bzw. Glau­bens­sätze) und nicht auf meinen Bauch gehört habe, im Control­ling eines Konzernes geraten. Obwohl ich fach­lich gut bin merke ich, dass ich gegen meine Inter­essen und Werte arbeite und jeden Tag leide. Gott sei Dank, habe ich eine wunder­bare Frau die mich unter­stütz und kleine wunder­volle Tochter. Da ich merke das ich langsam verbit­tert werde und es sich auch auf meine Bezie­hung auswirkt, habe ich für mich (mit meiner Frau) beschlossen die Reis­leine zu ziehen und zu kündigen und meinem Leben eine neue Rich­tung zu geben. Auch wenn es riskant ist, aber die Familie und Gesund­heit ist wich­tiger. Es fehlt mir nicht leicht da ich eine klas­si­sche arbei­ter­fa­mi­lien Hinter­grund habe. Schuster bleib bei deinen leisten, lieber der Spatz in der Hand…kein Risiko, nicht auffallen…

    Wenn ich Zweifel habe ermu­tigen mich Blogs von Leuten wie Ihnen, wieder. Und wenn man keine Entschei­dungen trifft werden die Entschei­dungen für jemanden getroffen! Letzt­end­lich will ich meiner Tochter ein Vorbild sein , dass man sein Leben bis zu einem bestimmten Mass gestallten kann und zu bestim­mente Über­zeu­gungen stehen muss.

    Dabei habe ich sehr beschei­dene Ziele…Interessanten Job, ange­mes­sene Bezah­lung, Sinn…Zeit fürs Leben.

    Gruß aus dem bergi­schen

    • Svenja Hofert 4. Juni 2014 at 11:57 — Reply

      Lieber M, Grüße ins Bergi­sche, ich habe ein paar Jahre dort gelebt, schöne Gegend, ich liebe diese hüge­lige Land­schaft. Da blüht es bestimmt grade sehr! Ja, nur wenn man Entschei­dungen trifft, kann man etwas verän­dern. Viele Menschen harren aus und warten, ob sich etwas ändern. Es ändert sich nur etwas, wenn man selbst etwas tut. Ich wünsche Ihnen alles Gute, genießen Sie das Leben und Ihre kleine Familie. So oft öffnen sich Türen, wo man sie nie erwartet. herz­liche Grüße Svenja Hofert

  4. Bien­chen 28. August 2016 at 19:22 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    bei mir war es so, dass meine Mutter damals den Beruf für mich ausge­sucht hat und ich regel­recht gezwungen wurde, in dieses Ausbil­dungs­ver­hältnis zu gehen. Ich hätte nach Abschluss der mitt­leren Reife ganz andere Berufe in Aussicht gehabt, die ich gerne gemacht hätte. Ich war damals 16 Jahre alt und habe mich meiner herrsch­süch­tigen Mutter unter­worfen. Auch durfte ich damals nicht aufs Gymna­sium gehen, weil meine Mutter einfach keinen Stress haben wollte. Ich wollte von Kind an schon immer Medizin studieren, das jedoch war meiner Mutter egal. PTA, MTA, Physio­the­ra­peut und Arzt­hel­ferin wären nach der MR meine bevor­zugten Ausbil­dungs­be­rufe gewesen. Dies ärgert mich bis heute. Habe statt­dessen damals im Arbeitsamt eine Ausbil­dung zur “Fach­an­ge­stellten für Arbeits­för­de­rung” gemacht und habe damals bereits nach wenigen Wochen gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich wollte abbre­chen. Durfte ich nicht. Es hat geheißen, dass das jetzt fertig gemacht wird. Heute bin ich ein ganz anderer Mensch geworden. Habe eine Psycho­the­rapie über 5 Jahre gemacht, mein Selbst­be­wußt­sein (zurück)bekommen und würde mir so etwas nie mehr gefallen lassen. Ich habe mir von da an, auch von meiner Mutter nichts mehr sagen lassen. Von da an hieß ich “Rebell”. Ok. Konnte ich damit leben. Ich war ich und sie war sie. Fertig. ABER: ich habe eben damals 10 Jahre in dem Beruf gear­beitet. Ich war froh um jeden cent, denn ich wollte so schnell wie möglich von zu Hause ausziehen (dreimal dürfen Sie raten — wegen meiner schreck­li­chen Mutter). Dann habe ich mein erstes Kind bekommen und ich war so froh, dass ich endlich nicht mehr in dieses verdammte Amt fahren muss. Kind 2, Kind 3…folgten. Habe eine herr­liche Zeit genossen. Zeit­weise 450€ Jobs gehabt, zu mehr reichte die Zeit nicht, da mein Mann sehr viel auf Dienst­reisen war und ich nie jemanden für die Kinder hatte. Jetzt nach 17 Jahren “Amts­pause” habe ich in TZ wieder in meinem alten Beruf ange­fangen (17 Jahre Sonder­be­ur­laubt) und es ist soooo die HÖLLE. Von Mobbing bis Bossing, ich gehe jeden Tag mit Angst in die Arbeit. Die Kunden teil­weise uner­träg­lich. Ich habe seither schon 3 Band­schei­ben­vor­fälle gehabt und Kiefer­vor­fall (inner­halb von 3 Jahren). Ich kann und will nicht mehr. Wenn ich an die Arbeit denke, bekomme ich sofort Kreuz­schmerzen. Manche sagen zu mir: “Halte durch, zeig es denen, denk an deine Rente”. Andere sagen: “Raus da, sind deine Sarg­nägel”. Mein Mann sagt: “Ich muss auch ranglotzen, sei nicht so empfind­lich, steh deine Frau” Mit dem Unter­schied, dass ER das 6‑fache verdient und nicht mal den Müll raus­tragen muss. Damals konnte nicht wech­seln, weil ich die Miete bezahlen musste, da mein Mann noch im Studium war und heute bin ich zu alt für einen Wechsel und möchte aber trotzdem mein eigenes Geld haben. Wohnen in einer Klein­stadt und da gibt es kaum Möglich­keiten. Der Witz: ich könnte mich nicht mal arbeitslos melden, Sperr­zeit umgehen ect.., weil dann sitze ich auf der anderen Seite des Schreib­ti­sches. Die Pein­lich­keit schlechthin. Ich habe Mord­ge­danken an meine Mutter aber keine Sorge, sie ist schon verstorben. Wenn man in dem Amt gelernt hat, kann man prak­tisch nix, jeden­falls nichts, was man in anderen Firmen anwenden könnte. Deswegen sind die Mitar­beiter der Agen­turen für Arbeit auch alle so ange­pisst, weil sie alle wissen, dass sie nicht weg können. Wir arbeiten nicht am und für den Kunden sondern ausschließ­lich für die Statistik. Nichts was ich mache, ergibt einen Sinn. Was kann ich in meinem Fall machen ?

  5. Checcu 9. November 2017 at 20:50 — Reply

    Liebe Frau Hofert

    Ihr Beitrag gefällt mir sehr und ich kann dem voll und ganz zustimmen. Ich sass einige male bereits im falschen Job und wie sie schreiben es fühlte sich wie ein Fremd­körper an. Als würde es einfach nicht zu einem gehören. Man fühlt sich die ganze Zeit fehl am Platz jede Tätig­keit fühlt sich fremd an. Ich musste auch langsam fest­stellen, dass das Umfeld keine gute Berufs­be­rater sind. Im Normal­fall sagt man ja das mit jemandem über Entschei­dungen reden gut tut, doch ich teile diese Meinung heute nicht mehr. Mann muss nur und wirk­lich nur auf sich selbst hören. Ich war im Verkauf tätig und wollte schon seit längerem Weg, den mit der Zeit konnte ich das bedienen und stän­dige lächeln nicht mehr ertragen, noch dazu kamen die langen Oeff­nungs­zeiten und das stehen. Also habe ich mir gedacht Büro jedoch mit Kunden­kon­takt (tele­fo­nisch) wäre eine gute Lösung. Ich bekam ein Joban­gebot die Firma an und für sich sehr gut, doch nach der Probe­ar­beiten hatte ich schon bereits ein gleich­gül­tiges Gefühl. Bei der Zusage kam dan ein schlechtes Bauch­ge­fühl noch dazu. Ich musste mich sehr schnell entscheiden und so lies ich mich von Freunden und Eltern beraten. Ich liess mich von allen Argu­menten über­zeigen welche kamen Büro (wird immer hoch ange­sehen), gute Arbeits­zeiten, Jetzt hast du doch die Zusage zieh es durch, super Chance. So entschied ich gegen das Bauch­ge­fühl und für Argu­mente der heutigen Gesell­schaft. Ich ärgere mich heute nur darüber, den der Job fühlt sich für mich richtig ungut an, in meinem Verstand kreisen die ganze Zeit Gedanken wie was mache ich eigend­lich da. Für die Zukunft hoffe ich, ich werde mehr Mut haben diesem Bauch­ge­fühl zu folgen. Die Argu­mente für Büro­jobs sind immer gut, doch irgendwie passt das gar nicht zu mir. So fühlt es sich auf jeden­fall an. Nun bin ich 25 und weis nicht wie es weiter­geht.

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