Kate­go­rien

Sie sind über 45…? Dann haben Sie genau drei Möglich­keiten

Published On: 4. März 2011Cate­go­ries: Karriere

In Frank­reich werden Arbeit­geber, die über 45jährige einstellen jetzt mit 2.000 EUR gekö­dert.  Und auch bei uns haben es erfah­rene Menschen nicht leicht, einen neuen Job zu finden, erst recht, wenn sie über normale Stel­len­in­se­rate gehen. Denn selbst wenn das Allge­meine Gleich­stel­lungs­ge­setz (AGG) es verbietet: Die geheimen, unge­schrie­benen Anfor­de­rungs­pro­file der Unter­nehmen sehen für viele Stellen junge Leute vor.  Und auf die Gefahr hin, dass ich jetzt kräftig Schelte kriege: Bei bestimmten Stellen kann ich das auch verstehen.  Es sind die Stellen, die Top-Enga­­ge­­ment, Schnel­lig­keit und die Bereit­schaft zur (annä­hernden) Selbst­auf­gabe fordern, aber kein Spezi­al­wissen, beson­dere Erfah­rung, Bran­chen­kon­takte oder Führungs­praxis.  Es sind Einstiegs­stellen oder Stellen für den ersten (1–2 Jahre) und zweiten Step (3–4 Jahre im Beruf).

Wer sich beruf­lich nicht wesent­lich darüber hinaus entwi­ckelt hat oder statt in die Tiefe zu gehen, die Breite gesucht hat, ohne aus Viel­falt eine logi­sche „Kette“ zu knüpfen, ist vergleichbar mit 28jährigen, die dann auch noch weniger Geld verlangen. Es gibt kein Plus, eigent­lich nur Minus: Natür­lich ist “man” mit 45 anspruchs­voller, lässt sich nicht mehr rumkom­man­dieren, hat eine feste Meinung… ist einfach unbe­quemer.

Womit die Lösung auch schon auf dem Präsen­tier­teller liegt:

  1. Suchen Sie in Ihrem persön­li­chen und fach­li­chen Profil, was Sie von anderen unter­scheidet. Führen Sie zusammen, was Sie in unter­schied­li­chen Jobs gelernt haben, oder kombi­nieren Sie Ihre Exper­tise mit Wissen aus anderen Quellen. Suchen Sie nach alters­ge­rechten Stellen, die persön­liche Erfah­rungen voraus­setzen — und suchen Sie diese nicht in Stel­len­märkten, sondern in Ihrem Umfeld und unter Ihren Kontakten.
  2. Wagen Sie einen wirk­lich mutigen und großen Schritt. Ich habe in meiner Bera­tung ehema­lige Lehrer, die SAP-Berater geworden sind oder Archäo­logen, die Haus­dame wurden. So ein Schritt kostet erst mal Geld für Weiter­bil­dung und zeit­weise Aus- und Über­gangs­zeiten. Aber er lohnt sich fast immer – falls gut durch­dacht.
  3. Machen Sie sich selbst­ständig! Ich bin über­zeugt, dass jeder selbst­ständig werden kann, wenn er das rich­tige Thema findet und eine zur eigenen Erfah­rung und Persön­lich­keit passende Idee findet (dazu mehr in meinem im Sommer bei Gabal erschei­nenden Buch „Das Slow-Grow-Prinzip). Und gerade ab 45, wenn man Frei­heiten schätzt und endlich etwas für sich selbst tun möchte, ist diese Perspek­tive beson­ders attraktiv.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. Burk­hard Reddel 4. März 2011 at 20:40 — Reply

    Guten Abend Frau Hofert,

    ja da haben Sie voll­kommen Recht. Ich bevor­zuge magels Alter­na­tiven die 3.te Lösung und mache mich selbst­ständig.
    Diese Über­le­gung hat einiges für sich, obwohl man als bisher Ange­stellter umdenken muß. Keine regel­mä­ßigen , gleich­blei­benden Einkünfte jeden Monat, Prio­ri­täten bei Terminen und Aufgaben setzen lernen. Ihre Lösung Nummer 2 war auch einige Zeit in meinen Über­le­gungen, aber mangels fina­zi­eller Mittel leider so nicht durch­führbar. Jetzt habe ich für die nächsten JAhre einen Plan, der dieses Jahr mit einer Fort­bil­dung begann und dann in der Selbst­stän­dig­keit enden wird. Die ersten Bank­ge­spräche und die Gespräche mit der ARGE sind schon termi­niert und ich habe selbst ein gutes Gefühl, das aller­dings Zeit brauchte , um entstehen zu können. Aber jetzt schreckt das kalte Wasser nicht mehr und ich kann es angehen.

    In diesem Sinne finde ich immer wieder Inter­es­sante Themen in Ihrem Blog und sage weiter so 🙂 Ich warte schon mit Span­nung auf Ihr neues Buch!

    Einen schönen Abend

    B.RE.

  2. Svenja Hofert 4. März 2011 at 20:59 — Reply

    Hallo Herr Reddel, danke für Ihren Kommentar. Ja, das Gefühl “das mach ich jetzt” braucht Zeit, um sich im Kopf zu setzen. Aber dann! Und wie war das mit den kalten Wassern? Ich grusel mich immer fürch­ter­lich, bevor ich springe .… aber dann ist alles ganz ange­nehm.
    schönen Abend und liebe Grüße
    Svenja Hofert

  3. Zorem 6. März 2011 at 10:56 — Reply

    Ihre Analyse gilt, wenn über­haupt, nur für Groß­un­ter­nehmen.

  4. Burk­hard Reddel 9. März 2011 at 18:26 — Reply

    @Zorem

    Das ist nicht so. Auf dem deut­schen Arbeits­markt werden gene­rell nur in Ausnah­me­fällen Mitar­beiter über 45 Jahren einge­stellt. Kann ich persön­lich nur bestä­tigen. Damit trifft auch die Aussage von Frau Hofert zu und zwar nicht nur für Groß­un­ter­nehmen, sondern den gesammten Arbeits­makrt.!!

    Gruß B.RE.

  5. Zorem 10. März 2011 at 11:55 — Reply

    Die Welt ist konstru­iert. Von Ihrem Stand­punkt aus, haben Sie selbst­ver­ständ­lich Recht Herr RE. In meiner Welt gelten werder die Aussage von SH noch Ihre. Es gibt viele Arbeit­geber, die sich gern mit älteren Mitar­bei­tern umgeben, weil Vorteile even­tu­elle Nach­teile über­kom­pen­sieren. Einige davon sind: Treue zum Unter­nehmen, wenig Fehl­zeiten, abge­schlos­sene Fami­li­en­pla­nung, hohe Fach­kom­pe­tenz .…

    Wer nichts anzu­bieten hat, unpas­sende Forde­rungen stellt, sich auf Juni­or­posten bewirbt oder keine Rück­lagen hat, verbas­telt aus reiner Verzweif­lung den Exis­tenz­grün­dungs­zu­schuss von der Arge, den Grün­der­kredit und ist dann noch mehr im Abseits als vorher. Sie sind scheinbar kein Opti­mist und voller Selbst­zweifel. Ich würde es mit dem eigenen Unter­nehmen lassen.

  6. Svenja Hofert 10. März 2011 at 11:59 — Reply

    @Zorem: Es gibt beide Entwick­lungen, auch die hin zu mehr Offen­heit Älteren gegen­über, und Sie haben durchaus recht, das viel mit der Einstel­lung zu sich selbst zu tun hat. Aber eben nicht nur. Fern­dia­gnosen über Internet würde ich aller­dings nicht stellen, das ist sehr weit aus dem Fenster gelehnt 😉 LG SH

  7. Zorem 10. März 2011 at 20:33 — Reply

    Keine Fern­dia­gnosen — stimmt, deshalb habe ich auch wahr­schein­lich geschrieben. Wenn es klappt mit der Firma, um so besser. -:)

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