Kate­go­rien

Ausge­knipst: Was kommt 2009 auf uns zu?

Published On: 22. Dezember 2008Cate­go­ries: Führung

Pola­roid ist pleite. Eben kam die Meldung über den News­letter von Peter Turi (nebenbei gesagt der geschäfts­tüch­tigste Senk­rechts­starter 2009 und Krisen­ge­winnler: Turi verdop­pelt seine Anzei­gen­preise ab 1.Januar). Nach Chapter 11 genießt der Foto­knipser jetzt erst mal Gläu­bi­ger­schutz und kann diese Zeit nutzen, um seine Finanzen zu ordnen. Toyota meldete heute als Folge dieser nie da gewe­senen Krise einen voraus­sicht­li­chen Verlust von 1,69 Milli­arden US-Dollar. Richtig, Toyota: die mit dem Hybrid­auto. Die Krise hat also auch die Hersteller klei­nerer Wagen und die Inno­va­tiven erreicht. Nicht wirk­lich ermu­ti­gend. Und dass sich der Konsum­kli­ma­index im Dezember nicht weiter verschlech­tert hat, soll auch nur auf die nied­rigen Benzin­preise zurück­zu­führen sein. Die Leute haben das übrig geblie­bene Geld einfach in Waren umge­setzt. Die machen das wie ich: 120 EUR spare ich jeden Monat, weil der Sprit jetzt pro Tank­fül­lung nur noch 60 EUR kostet, im Sommer waren es an die 90. Das Geld setze ich in einen Sylvester-Kurz­ur­­laub um und kurble damit die Wirt­schaft an.

Aber das ist ein Stroh­feuer. Was kommt danach? Wie wird die Krise mich und meine Kunden betreffen? Ehrlich gesagt bin ich derzeit froh, kein Perso­nal­ver­mittler zu sein. Deren gute Zeiten sind vorbei. Weniger offene Stellen wird auch weniger Bedarf in diesem Bereich bedeuten. Outpla­ce­ment­be­rater, um die es seit 2005 ruhiger geworden ist, dürften dagegen wieder einmal Hoch­kon­junktur haben. Bei Pola­roid und Toyota liegen ihre Hoch­ganz­bro­schüren sicher längst schon auf dem Tisch. Und bei uns? Ich denke, die Nach­frage wird konstant bleiben, aber die Themen werden sich (wieder) ändern. Wahr­schein­lich wird es  mehr um Selbst­mar­ke­ting gehen, die Frage, wie ich mich im Job unent­behr­lich mache oder lerne, mit den vorhan­denen Kollegen auszu­kommen. Dazu gibt es übri­gens bereits das passende Buch: “Das Jobfrust­kil­ler­buch” aus dem Campus-Verlag verrät, warum es egal ist, welchen Job man hat — Haupt­sache man hat einen. Das Buch hat es auf Platz 357 bei Amazon gebracht, für einen Ratgeber ist das schon mal ganz ordent­lich. Die Autoren stellen die (logi­sche) These auf, dass Unzu­frie­den­heit im Job ganz normal sei und dass kurze Zeit nach einem Jobwechsel die alten Probleme sowieso wieder aufploppen. Da ist viel Wahres dran — beim nächsten Job wird oft eben nicht alles anders.

Es gibt durchaus ein paar Luxus­pro­bleme, die man nur hat, wenn es einem rundum gut geht. Das Streben nach immer mehr Gehalt zähle ich dazu. Geld gibt es einfach nie genug, und so gut wie niemand fühlt sich gerecht bezahlt. 

2009 erwarte ich wieder mehr exis­ten­zi­elle Fragen. Einige, hoffent­lich wenige, werden sich neu orien­tieren müssen. Da es bald wieder mehr Bewerber auf weniger Stellen gibt, wird mein Buch “Bewerben ohne Bewer­bung. Alter­na­tive Stra­te­gien in schwie­rigen Zeiten” viel­leicht wieder einen neuen Push bekommen.

Viel­leicht werden wir auch wieder mehr nach­denken. Darüber, was wichtig ist im Leben. Oder darüber, welche Ideen, Dienst­leis­tungen und Dinge die Menschen in schweren Zeiten wirk­lich brau­chen (Pola­roid­fotos jeden­falls nicht). Wer sich danach den Arbeits­platz aussucht, ist 2009 und vermut­lich auch noch lange danach, ganz schön schlau dran.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. David Michaels 7. Januar 2009 at 10:50 — Reply

    Ein Krise kann man auch positiv sehen. Es ist die Zeit, wo man intensiv darüber nach­denken muss, was man falsch gemacht hat. Diese Phase ist gut, da die Betrof­fenen offen für Kritik, Vorschläge und Beschwerden sind. Mögli­cher­weise kommen die Manager darauf, dass es sich lohnt mehr in die Mitar­beiter zu inves­tieren und nicht immer knapp zu kalku­lieren. Wann ist den die beste Zeit dafür in sich zu gehen, wenn nicht jetzt?

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