Kate­go­rien

Tschüss Xing (Social Media Expe­ri­ment, Teil 4)

Published On: 16. Mai 2011Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Letzte Woche teilte ich es Xing mit, die für die Beant­wor­tung meiner Mail unglaub­liche vier Tage Antwort­zeit brauchten. Heute habe ich es dann meinen Mitmo­de­ra­toren geschrieben: Ich werde meine Gruppe bei Xing aufgeben. Schon lange koche ich auf winzig kleiner Flamme. Keine Lust mehr, ich gebe zu, es lang­weilt mich. Meine Idee war es einmal, in meinem Forum absei­tige und unge­wöhn­liche Themen zu plat­zieren, Normalem einen anderen Dreh geben, ein wenig Quer­zu­denken. Mindes­tens wollte ich über etwas anderes schreiben als darüber, ob das Bewer­bungs­foto nun links oder rechts hin soll. Mein Plan sprach die Xing-Klientel nie so richtig an. Oder ich war nicht konse­quent genug. Wahr­schein­lich beides. Jeden­falls träumt das Forum seit drei Jahren unver­än­dert bei 2500 Mitglie­dern vor sich hin.

Ein wenig Wehmut ist dabei: Ich war eine der ersten mit Forum: 2004 habe ich es gegründet. Spezi­fisch, dass ich ausge­rechnet heute die Mail von einem alten Bekannten bekam, der am Tag meines Abschieds  ein Xing-Premium-Profil ange­legt hatte. Nein, schrieb ich ihm, lass das.  Das mit Xing ist vorbei wie eine alte Liebe. Da bleibt besten­falls Freund­schaft. Das glaubte er mir nicht. Er schwappt auf der letzten Welle, die jetzt die Last Mover ins Web 2.0 spült. Social Media-Experten aus meinem Umfeld sagen längst, Face­book sei durch, die Normal­kli­entel im Anmarsch. Das sind Menschen, die auf billige Werbung wie Gutscheine und Gewinn­spiele rein­fallen. Mich stört das noch nicht. Im Moment gefällt es mir gut dort. Ich darf knapp schreiben, spontan reagieren, kann auf Höflich­keits­drum­herum verzichten — entspan­nend. Außerdem bekomme ich unmit­tel­bares Feed­back, was inter­es­siert und was nicht. Und oft unge­wöhn­li­chere State­ments als bei Xing, also das, was ich immer wollte.

Schon vor Monaten hatte ich ange­kün­digt, über meine ersten Erfah­rungen mit dem Face­­book-Profil für öffent­liche Personen schreiben, aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, noch nicht genug zu wissen, um wirk­lich ein Teil-Fazit ziehen zu können. Zu schlep­pend ernährte sich das Eich­hörn­chen und sammelte einen Fan nach dem anderen in seinen I‑Like-Vorrat: 122, 123… und dann plötz­lich waren es über 300, dann 350. Einen rich­tigen Schwung an Kunden hat mein Oster­gruß per Mail gebracht. Auch eine Werbe­an­zeige habe ich getestet, vor allem um zu sehen, wie das funk­tio­niert und was dabei rumkommt. Das Ergebnis: Nicht viel, die Klick­raten liegen irgendwie bei 0,02% — Kosten von etwa 12 Euro für zwei Fans.  Aber meine wöchent­li­chen Down­loads für Fans scheinen was zu bringen: Einmal in der Woche bekommen Fans ein Goodie – vom Test bis zur Muster­be­wer­bung oder zum Gehalts­rechner. Auch das Kommen­tieren anderer Beiträge unter meinem öffent­li­chen Svenja-Hofert-Profil bringt was. Ich fühle mich da aller­dings wie eine zwei­ge­spal­tene Person. „Nutze jetzt Face­book unter dem Namen Svenja“ oder „Nutze jetzt Face­book unter dem Namen Svenja Hofert“. Wer bin ich, und wenn ja wie viele? Demnächst sollen auch meine Bücher eigene Face­­book-Fanpages bekommen. Mal sehen, was ich mir da einfallen lasse.

twitter

Twitter erweist sich gerade als etwas mühsam. Meine Klout ist von 54 auf 44 gefallen, weil ich  sehr unre­gel­mäßig twit­tere, was bei teil­weise acht Stunden Bera­tung verteilt auf einen Arbeitstag von 12 Stunden (heute – mein Rücken, mein Kopf!) am Tag auch kein Wunder ist. Twitter ist was für Flug­ha­fen­war­te­zeiten und die Lücken am Tag, und wenn die fehlen, geht´s mir an die Klout. So habe ich die 1.000er Hürde auch noch nicht ganz geschafft – es fehlen derzeit noch 7 Follower. Anderes Thema: Kennt ihr die Dailies? Lange habe ich mich über die „XY-Daily“ einiger Twit­ter­kol­legen gewun­dert. Tatsäch­lich dachte ich, diese würden per Hand zusam­men­ge­stellt. Nichts da! Ich hab´s auspro­biert und für schlecht befunden: Paper.li holt sich die Beiträge einfach aus den Tweets der Follower. Völlig auto­ma­ti­sierte Zusam­men­stel­lung. Das mag geschickt sein, um so ebenso auto­ma­ti­siert immer mal wieder andere Twit­terer zu erwähnen, die im Gegenzug zu 80% dann followen werden, aber ich finde es unkreativ. Kaum besser als die Zeit­ge­nossen, die jeden Tag ein anderes Zitat aus dem “großen Praxis­buch Zita­te­samm­lung” auf die Mensch­heit loslassen. Nein, danke. Dann lieber unre­gel­mäßig und zufällig.

Einer Kundin hat Twitter tatsäch­lich einen Auftrag gebracht. Man schleicht sich sukzes­sive ins Gedächtnis, das ist der Vorteil. Ich kann für mich nicht sagen, was all die Akti­vi­täten genau bewirken, außer dass sie meine Neugier befrie­digen, was eine wesent­liche Moti­va­tion ist (ja, grüne Neugier im Reiss-Profil). Ich weiß nur, dass alles zu irgend­etwas führen wird. Wohin genau muss ich gar nicht wissen.

Kommentar im November 2012

Ich wundere mich, dass ich kurz nach Weih­nachten nichts Besseres zu tun hatte. Dieses Jahr wird nichts gebloggt zwischen den Jahren… Denke ich… äh….

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 18. Mai 2011 at 20:19 — Reply

    XING lebt. Bei meiner teils konser­va­tiven Klientel die einzige Social Media Commu­nity, die funk­tio­niert. XING ist für’s Busi­ness nach meiner Erfah­rung auch noch immer ziel­ge­rich­teter, wenn’s um Personen geht.

    Heute hatte ich einen Vortrag vor geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Studies: XING stand nach Face­book direkt an zweiter Stelle, was die Anzahl der User angeht. Immerhin.

    Im übrigen klappt auch die Jobsuche mit XING noch ganz gut, wie auch mein Kollege Martin Salwiczek kürz­lich bei Simone Janson schrieb:
    http://www.berufebilder.de/author/martin-salwiczek/

    Aber natür­lich haben Sie recht: Face­book macht am meisten Spaß. Und Spaß­ma­chen darf’s ja auch, gell?!

    P.S. Die Grup­pen­funk­tion von XING finde ich aller­dings auch unat­traktiv. Glück­wunsch zur Entschei­dung.

  2. Svenja Hofert 19. Mai 2011 at 8:37 — Reply

    Klar, es geht mir nicht um Xing pauschal, das scheint nach dem Update besser zu werden, es geht um die Grup­pen­funk­tion. Und um den Spaß! Wir machen unsere Jobs ja nicht zum Geld­ver­dienen, jeden­falls nicht primär, nicht wahr? Liebe Grüße

  3. Burk­hard Reddel 19. Mai 2011 at 9:02 — Reply

    Guten Tag Frau hofert,
    ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht , was an Xing(OpenBC) oder Face­book oder Twitter gut sein soll. Ich habe weder im Beruf­li­chen Bereich von Xing oder Facebook,-,Twitter jemals einen einzigen Vorteil oder Anfragen erhalten und privat eben­falls nicht. Viel­leicht bin ich “schon” zu “alt” mit 50, aber ich halte das komplette Social Media gedöns für blöd­sinn und inef­fektiv. Viel zuviel Aufwand und zu wenig Erfolg!!

    Viele Grüße B.RE

  4. Svenja Hofert 19. Mai 2011 at 9:14 — Reply

    Hallo Herr Reddel, gestern erzählte mir eie 55jährige, dass Sie über Xing abge­worben worden ist, weil die Firma bewusst eine “Alte” wollte. Die haben ihre Vorteile, sind relaxter, etc. Im Internet kann man nicht in den übli­chen Kate­go­rien denken, Effi­zienz, Ziele etc. Das höre ich immer wieder als Argu­ment, das ist fast Mana­ger­denke — was bringt mir das, wie ist der Return etc? Alte Kate­go­rien! Erfolg ist im Internet oft nicht direkt messbar. Da ist er trotzdem 😉 LG SH

  5. Burk­hard Reddel 19. Mai 2011 at 19:01 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    na da muß ich schmun­zeln. Mana­ger­denke hat mir bisher noch niemand unter­stellt. 😉 Na das passt ja dann für meine neue Firma, als denkender Manager bin ich doch perfekt für meine Firma als leitender Chef geeignet oder ?! 😉
    lächelde Grüße

    B.RE.

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