Kate­go­rien

37Grad: Prekär, aber nicht aussichtslos

Published On: 9. Juli 2008Cate­go­ries: Führung

Eine Friseurin, ein Radver­käufer, eine Arzhel­ferin: alle verdienen rund 900 Euro netto bei Voll­zeit — sie haben zu wenig zum Leben und sind  schlechter gestellt als Hartz-IV-Empfänger. Denn während die ARGE für Arbeits­lo­sen­geld II-Empfänger Miete, GEZ, Heizung und Strom über­nimmt, müssen die drei Gering­ver­diener aus der gest­rigen Repor­tage 37° “Schuften — und doch kein Geld” im ZDF diese Kosten selbst bestreiten. Darf das sein? Kann das sein? Nein, darf es nicht. Es kann auch nicht sein, dass jemand der gar nicht arbeitet, mehr bekommt, als jemand der arbeitet — ja, wie in dem Beitrag gezeigt, schuftet. Und wohl­ge­merkt: quali­fi­ziert arbeitet. Schuld an dieser Situa­tion sind A die Arbeit­geber: Ich bin selbst Arbeit­ge­berin und kann mir keine dicken Gehälter leisten, aber fair und über Sozi­al­hil­fe­ni­veau zu zahlen, ist für mich selbst­ver­ständ­lich. Sonst stimmt etwas nicht mit dem Geschäfts­mo­dell, man muss es verän­dern! Oder darf keine Mitar­beiter einstellen, oder nicht zu den verlangten Stunden. Schuld ist B der Staat: Von 100 Euro für eine Gehalts­er­hö­hung kommen beim Mitar­beiter 50–60 an — selbst wenn er am untersten Ende der Gehalts­skala verdient. Das Übel sind dabei weniger die Steuern als viel­mehr die Sozi­al­bei­träge. Diese müßten bei Verdiensten unter 2.500 Euro brutto etwas, unter 1.500 Euro radikal gesenkt werden. Schuld sind C auch die Ange­stellten selbst: Sie müssen mehr kämpfen, dürfen sich die Ausbeute nicht gefallen lassen, müssen wie im Beitrag der Fahr­rad­ver­käufer durch die Läden ziehen und nach besser zahlenden Alter­na­tiven suchen. Die gibt es glück­li­cher­weise noch, das hat auch diese Repor­tage gezeigt: der Radfahrer zog mit Lebens­lauf durch die Läden, die Friseurin machte sich selbst­ständig, die Arzt­hel­ferin ging auf Jobsuche.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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