Kate­go­rien

Das nächste Opfer des Schwei­ne­zy­klus heißt BWL

Published On: 27. Juni 2011Cate­go­ries: Führung

Keine Frage: Es gibt zu viele Foto­grafen, Desi­gner, Archi­tekten und Marke­ting­leute, nicht nur in  Berlin. Auch neue Textil­de­si­gner, Poli­to­logen oder Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaftler braucht viel­leicht die Welt, nicht aber die Wirt­schaft.

BWL dagegen? Dieses Fach hat in den letzten Jahren vor allem derje­nige studiert, der nicht so blöd und prekär da stehen wollte wie ein Geis­tes­wis­sen­schaftler, aber zu viel Bammel hatte vor Technik und Natur­wis­sen­schaften. Inter­es­sen­fach war es selten, Leiden­schafts­thema nur bei den Karrie­risten, die immer noch an die Schorn­stein­kar­riere glauben — siehe mein Karrie­re­ma­cher­buch.

Doch die Zahl derer nahm gefühlt immer mehr ab. In den letzten Jahren traf ich Diplom-Kauf­­leute, die nicht den geringsten Bezug zum Fach hatten. Sogar unter Jour­na­listen mischten sich welche. Für das Studium hatten sie sich entschieden, weil sie sich damit auf der sicheren Seite wähnten. Sicher?

Vor zwei Wochen bestä­tigte ein Bildungs­experte im „Stern“, was ich in der Praxis beob­achte: Der Bedarf an Betriebs­wirten geht zurück, die Job-Ampel des Sterns steht inzwi­schen auch offi­ziell auf „gelbrot“, warnt also. In der Bera­tung, die meine Mitar­bei­terin Maja unter anderem für den Stau­fen­biel Career Club durch­führt, hatten wir immer wieder mit den Schwie­rig­keiten beim Berufs­ein­stieg von BWLern zu tun, vor allem bei den Schwer­punkten Marke­ting und Personal. Nicht wenige haben ein Jahr nach dem Abschluss immer noch keine feste Stelle. Viele, gerade Frauen, arbeiten auch als „Sekre­tärin plus“, also Assis­tentin. Dann wiederum gibt es viel Zeit­ar­beit und Beschäf­ti­gungen auf Sach­be­ar­bei­ter­ni­veau. Accoun­ting und Control­ling laufen seit 2009 wieder vergleichs­weise gut, jedoch ist mit Blick auf die Zahlen (siehe Punkt 2) zu vermuten, dass sich auch das „schwei­ne­zy­klisch“ drehen könnte. Etwa, wenn sich das Konjunk­tur­blatt wieder wendet.

Mindes­tens sieben Gründe dafür:

1.)    Es gibt kaum ältere Betriebs­wirte, d.h. es werden nicht wie in vielen anderen Berufen – etwa bei den Juristen – in den nächsten Jahren Stellen frei. Im Marke­ting sind nur 20,3% aller Ange­stellten 50+, im Control­ling gar nur 14,7% (alle Zahlen IAB).

2.)    Der so genannte Bestands­ent­wick­lungs­index lässt erwarten, dass sich die Situa­tion verschlech­tert: Seit 1999 hat sich die Anzahl der Arbeit­nehmer sowohl im Marke­ting als auch im Control­ling annä­hernd verdop­pelt (z.B. von 100 auf 187 im Control­ling, wobei 100 stets den Ausgangs­wert im Jahr 1999 darstellt).

3.)    Der Zulauf auf das Studium hält unver­än­dert an: Weiterhin nehmen von Jahr zu Jahr mehr Studie­rende ein wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­ches Studium auf. Leider unter­scheidet das Statis­ti­sche Bundesamt nicht Jura, VWL und BWL, so dass ich nur vermuten kann: ein Gros des Zuwachses geht auf das BWL-Konto. Laut Stern hat sich die Zahl der Studi­en­an­fänger seit 2001 verdop­pelt!

4.)    Die BWL-rele­­vanten Bereiche, z.B. Marke­ting haben sich radikal verän­dert, das Studium kaum. Im Wachs­tums­be­reich Social Media werden Bewerber oft aus anderen Fächern rekru­tiert. Im tech­nik­nahen Bereich, etwa Logistik, macht Wirt­schafts­in­for­matik oder Wirt­schafts­in­ge­nieur­wesen deut­lich mehr Sinn.

5.)    Letzt­end­lich ist ein Physiker oder Inge­nieur mit MBA für Arbeit­geber inter­es­santer als ein Betriebs­wirt mit Master.

6.)    Die Niveaus der Absol­venten dualer und betrieb­li­cher Ausbil­dungen sowie von Studi­en­ab­schlüssen glei­chen sich an, auch gehalts­tech­nisch und wiederum vor allem im Marke­ting. Das wertet einen kauf­män­ni­schen Studi­en­ab­schluss tenden­ziell ab.

7.)    Die Studenten richten ihr Studium immer noch aus wie vor 10 Jahren, streben z.B. nach den beliebten Produkt­ma­na­ger­stellen in Konzernen, in denen es immer weniger gibt — anstatt sich ein inter­es­santes Profil aus sinn­voll kombi­nierten Branchen‑, Methoden- und Fach­kom­pe­tenzen aufzu­bauen. Soft Skills sind eh selbst­ver­ständ­lich.

Nach­trag am 28.6.: Mein Beitrag wurde u.a. von Peter Wagner im Blog von Jetzt.de (Süddeut­sche aufge­griffen). Er fügte hinzu, dass die Enwick­lung auch mit der Bolognare­form zusammen hängt, die es einfach ermög­licht, neben zahl­rei­chen Mix-Fächern (mit Wirt­schaft) auch Kombi­na­tionen wie z.B Physik-Bachelor und MBA zu wählen. Das ist völlig richtig. Im Zweifel empfiehlt sich eine Kombi oder ein Mix-Fach (aller­dings nicht alle, z.B. habe ich eher schlechte Erfah­rungen mit regional bezo­genen Wirt­schafts­stu­dien, gute mit Tech­­ni­k/BWL-Mixen).

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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39 Kommen­tare

  1. Thomas Hoch­ge­schurtz 28. Juni 2011 at 8:11 — Reply

    Kann ich aus meiner Praxis nur bestä­tigen. Der Zustrom zum BWL Studium hält an, weil das Fach so schön gene­risch ist und als “nicht schwierig” kolpor­tiert wird. Meine Kinder bekommen zu Hause keine BWL-Empfeh­­lung.

  2. Eva Reich­mann 28. Juni 2011 at 12:35 — Reply

    Da ist sinn­volle Studi­en­fach­wahl gefragt: es gibt mitt­ler­weile sinn­volle Ange­bote für Doppel­qua­li­fi­ka­tionen, die das klas­si­sche reine BWL-Studium ablösen können, z.B. Wirt­schaft mit Pädagogik, Psycho­logie oder gar Natur­wis­sen­schaften kombi­niert. Wenn es denn unbe­dingt Wirt­schaft sein muss — wie Sie ja so tref­fend schreiben, sind die Beweg­gründe für die Fach­wahl nicht unbe­dingt inhalt­liche …

  3. Chris­tian 28. Juni 2011 at 12:46 — Reply

    Ich empfehle Unschlüs­sigen das Studi­en­fach Wirt­schafts­in­ge­nieur­wesen. Zum einen, da gute Grund­lagen in den wich­tigsten BWL-Fächern vermit­telt werden, zum anderen weil hier auch der tech­ni­sche Part sowie die Inge­nieurs­grund­lagen nicht zur Kurz kommt. Je nach Inter­esse kann man sich bei einigen Unis weiter spezia­li­sieren.

  4. Paul 28. Juni 2011 at 15:20 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    Mensch… Sie können einem ja ganz schön Panik machen 😉

    Was verstehen Sie denn unter dem Aufbau eines “inter­es­santen Fach­pro­files” im Bereich BWL. Wie sähe Ihrer Meinung nach ein zeit­ge­mäßes, inter­es­santes aus?

    Danke für Ihre Inspi­ra­tionen,
    Paul

  5. Svenja Hofert 28. Juni 2011 at 15:57 — Reply

    Hallo Paul, nö, Panik wollte ich nicht verbreiten, nur ein wenig Realismus. Finde schade, wenn jemand aus Vernunft­gründen etwas studiert, was sich dann als nicht vernünftig raus­stellt. Verschwen­dung von Ressourcen — oder? Ich meine damit, dass das Profil einen roten Faden hat: Wie der aussieht, ist indi­vi­duell. Es kann sinn­voll sein, breite Erfah­rungen zu sammeln und dann die Blöcke Werbung, Produkt­ma­nage­ment und Online-Marke­­ting zusam­men­zu­ste­cken. Es kann auch sinn­voll sein, sich auf eine Branche, wie Medi­zin­technik, zu spezia­li­sieren.… Oder… Entschei­dend für mich: was macht für die indi­vi­du­elle Persön­lich­keit, deren Kompe­tenzen, Inter­essen und Kennt­nissen sowie Erfah­rungen wirk­lich Sinn. Und einmal im Jahr über­legen: Wie und womit kann ich mein Profil sinn­voll erwei­tern? LG Svenja Hofert

  6. Michael 29. Juni 2011 at 0:47 — Reply

    Am meisten scho­ckiert mich an Ihrem Artikel die Schil­de­rung der Daten­er­he­bung durch das Statis­ti­sche Bundesamt.

    Auf http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/BildungForschungKultur/Hochschulen/StudierendeHochschulenVorb2110410118004,property=file.pdf

    Seite 21 heißt es
    “Rechts‑, Wirt­­schafts- und Sozi­al­wis­sen­schaften”

    Das erscheint nicht hifreich bei der Analyse. Vor allem nicht, wenn man bedenkt wie fein­gliedrig die Studi­en­land­schaft geworden ist und dass Hoch­schulen mehr denn je Marke­ting betreiben. Das bedeutet, dass der Inhalt der Lehr­ver­an­stal­tungen, die Grade und Namen der Abschlüsse und die Darstel­lung der Studi­en­gänge in der Öffent­lich­keit stark vonein­ander abwei­chen können.

    Natür­lich wäre es nun nicht ratsam, dass das Statis­ti­sche Bund­samt plötz­lich die Kate­go­rien ändert. Das würde die Daten­be­stände fortan unver­gleichbar machen.

    Even­tuell ist diese Art der Statistik dennoch ein Auslauf­mo­dell und wir brau­chen in Zukunft viel dyna­mi­schere Daten als Grund­lage, um Vorgänge in der Bildung und Wirt­schaft über­haupt beschreiben zu können und entspre­chend zu reagieren.

    • hk 22. August 2014 at 15:47 — Reply

      das statis­ti­sche Bundesamt diffe­ren­ziert fein­glied­riger. Man muss nur in den entspre­chenden Tabellen danach suchen. Versteckt sind diese nicht, erfor­dern nur etwas Arbeit.

  7. Svenja Hofert 29. Juni 2011 at 8:16 — Reply

    Hallo Michael, ja, das Problem wäre wohl die Unver­gleich­bar­keit. Und voll­kommen richtig: Das System ist eigent­lich unver­gleichbar geworden und dies wird sich noch mehr verstärken, je weniger klas­si­fi­zier­bare Berufs­felder und Studien wir haben. Wie man eine so dyna­mi­sche Entwick­lung abbilden kann…? Viel­leicht ist das nicht möglich. Eine Möglich­keit der Tren­nung der Daten im Bereich VWL/BWL und Jura vermute ich aber schon 😉 Danke für den Kommentar und Grüße Svenja Hofert

  8. Alex 29. Juni 2011 at 20:59 — Reply

    Ich muss leider sagen, dass ich selten einen unqua­li­fi­zier­teren Artikel gelesen habe.
    Wenn ich lese, dass ein Physiker mit MBA einem Master-BWL-Absol­­venten vorzu­ziehen ist, dann kann ich mir nur die Hände vor Augen werfen.
    Wer sich jemals mit dem Inhalt eines BWL-Studiums im Master beschäf­tigt hat und dem die Inhalte eines MBA gegen­über gestellt hat, der wirkt ganz schnell merken, dass MBA nur Geld­ma­cherei ist.
    Ein Professor der BWL hat einmal gesagt, dass er sowohl Kurse im BWL-Bachelor und Master gibt und ande­rer­seits MBA-Kurse hält. Für jemanden, der ein Bachelor-BWL-Studium absol­viert hat, ist der MBA pure Lange­weile.
    Man muss darüber hinaus ganz klar diffe­ren­zieren, dass ledig­lich (nüch­tern betrachtet: “minder­wer­tige”) Studenten von FHs und schlechten Uni’s (im Fach­be­reich) wie Wuppertal oder Leipzig keine Chancen am Arbeits­markt haben. Auf jetzt.de wurde z.B. Bayreuth erwähnt. Wer in Bayreuth, Münster, Köln, Mann­heim oder aber München seinen Master in BWL absol­viert, der wird von den Unter­nehmen immer­noch mit Kuss­hand genommen. Ggf. sollte man nicht auf vermeint­liche “Bildungs­experten” hören, sondern die übwer­wäl­ti­gende Reso­nanz einer Viel­zahl von Unter­nehmen in Betracht ziehen. Diese sind nämlich in anst­eig­nder Anzahl direkt an den Unis und buhlen um die Studenten — siehe Kontakt­messen, Gast­vor­träge, Kongresse, etc pp.
    Das BWL per se weniger schwierig ist als Technik orien­tierte Studi­en­gänge ist über­dies auch ein hoff­nungslos unqua­li­fi­ziertes Argu­ment, da es — mal wieder — nicht genug diffe­ren­ziert wird. Studiere ich an o.g. Univer­si­täten BWL werden die Studenten teil­weise bis zum Exzess mit Stoff über­worfen. Dabei geht es nicht — wie bei Kultur­wis­sen­schaft­lern z.B. — um einfa­ches Auswen­dig­lernen von banalen Zusam­men­hängen, sondern z.B. um hoch­kom­plexe Steu­er­theo­rien (Rechts­formum­wand­lung z.B.), Massen an zusam­men­hän­genden Bilan­zie­rungs­re­geln (HGB, IFRS, US-GAAP, uam.) oder aber um viel­schich­tige kapi­tal­markt­nahe Theo­rien.

    Das allseits beliebte “BWLer-Bashing” kommt dem infor­mierten Betrachter immer wie ein wenig Trotz und Neid (aus eigener Erfah­rung vor allem aufgrund der Einkom­men­trends) vor.
    Zur Stern-Ampel: Traue keiner (populär-wissen­­schaf­t­­li­chen) Studie, die du nicht selbst gefälscht hast :-).

    In diesem Sinne!

    • Svenja Hofert 29. Juni 2011 at 22:05 — Reply

      Hallo Alex, habe mich schon gewun­dert, dass bisher gar nichts Kriti­sches kam, sondern nur Zustim­mung 😉 Danke, nicht nur inso­fern, für die andere Perspek­tive und Meinung. Es gibt immer mehrere Wahr­heiten — und eine Entschei­dung funk­tio­nio­niert am besten, wenn man alle kennt und selbst abwägen kann, wem und was man glaubt; oder eine eigene These davon ableitet. Voll­kommen richtig, mit einer guten Note aus Münster oder Köln gibt es für BWLer keine Probleme — im Moment. Aber es trennt sich eben die Spreu vom Weizen; und betroffen ist beileibe nicht nur Leipzig 😉 Es geht auch nicht nur um Jetzt, sondern um später. Unqua­li­fi­ziert sind die Zahlen sicher nicht — die kann jeder beim IAB einsehen und sie sind ganz sicher nicht gefälscht. Der Stern lag übri­gens fast immer richtig, weil er sich auch dieser Zahlen bedient. Aber ohne Praxis ist Theorie nichts — und die Praxis­er­fah­rung bestä­tigt das. Was wir hier erleben, ist eindeutig: es gibt ein Problem mit BWL und nicht nur für FH-Absol­­venten und die schlechte Unis. Wie gesagt: Derzeit ist mit einer 2,1 aus Münster alles grün. Es geht aber nicht um “derzeit”. Was ist in 10 Jahren? Es geht darum zu begreifen, wie sich unsere Arbeits­welt wandelt. Klar haben Sie recht, dass ein MBA die Fein­heiten des Rech­nungs­wesen und von US-Gaap nicht kennt und auch nicht präde­sti­niert ist, sich in diesen Berei­chen zu vertiefen. Allein: Die Zahl der Stellen, die einen (teils) tech­ni­schen oder natur­wis­sen­schaft­li­chen Hinter­grund erfor­dern wachsen. Beu US-Gaap wird sich nichts mehr verän­dern, im Finanz­be­reich wächst höchs­tens die IT-Verfleich­­tung. Und exakt um das geht es: siehe meine beispiel­hafte Kombi.
      LG Svenja Hofert

      • Rick O’sheh 19. Februar 2013 at 12:50 — Reply

        Ich halte die Einschät­zung für völlig richtig, daß Physiker und Inge­nieure mit MBA im Zweifel dem reinen BWL Absol­venten vorzu­ziehen sind (und nicht selten vorge­zogen werden) — der MBA ist aller­dings dabei eher zusätz­li­ches Beiwerk (ich persön­lich halte einen klas­si­schen BWL Aufbau­stu­di­en­gang für sinn­voller). Aus persön­li­cher Erfah­rung weiß ich, daß es Physiker gibt, die als Manager arbeiten, im Control­ling, im QM, als CFO und vieles andere, aber ich kenne KEINEN EINZIGEN BWL Absol­venten, der in irgend einer Weise in der Physik oder als Inge­niuer unter­ge­kommen ist (eine kleine Ausnahme sind BWLer mit Weiter­bil­dung in IT-nahen Berei­chen). Es gibt sogar Physiker, die es zum Wirt­schafts­pro­fessor gebracht haben. Aber umge­kehrt? Das hat seine Gründe. Die Gründe sind dieselben, aus denen es in Fächern wie Physik, Chemie, Mathe­matik, Elek­tro­technik ursprüng­lich keinen NC brauchte (heute gibt es in Physik einen NC an einigen wenigen beson­ders beliebten Unis z.T.) Das Thema “Auswahl” erle­digt sich aber meist schon in der Ober­stufe — spätes­tens aber in den ersten beiden Semes­tern. Ich kenne sogar ein erfolg­rei­ches High-Tech Unter­nehmen, in dem selbst der Perso­nal­chef ein Physiker ist. Der hat nach 30 Jahren in dieser Posi­tion eine unge­fähre Vorstel­lung davon, worin der Unter­schied zwischen einem Naturwissenschaftler/Ingenieur und einem BWLer besteht. Außerdem ist es kein Zufall, daß viele der Top Consul­ting Unter­nehmen auf Mat/Nat Absol­venten setzen — mit oder ohne wirt­schafts­wis­sen­schaft­liche Zusatz­aus­bil­dung. Auch einige der besten WiWi Studi­en­gänge bedienen sich mehr und mehr Natur­wis­sen­schaft­li­cher Methoden, werden mathe­ma­ti­scher, system­wis­sen­schaft­li­cher, tiefer. Der klas­si­sche BWLer hat dann allen­falls noch eine Chance, wenn er zugleich mit einer ange­bo­renen Bega­bung als Führungs­per­sön­lich­keit daher­kommt — ein klares Defizit vieler Natur­wis­sen­schaftler. Und das Argu­ment mit dem Einkommen und Neid… es gibt tatsäch­lich Leute denen es nicht nur auf die Höhe des Einkom­mens ankommt, und die ihre Zufrie­den­heit anderswo sehen und suchen als auf ihrem Bank­konto. Mir ist niemand bekannt der in erster Linie wegen der zu erwar­tenden Reich­tümer ein natur­wis­sen­schaft­li­ches Fach studiert hat. Auch DAS ist ein funda­men­taler Unter­schied vor allem zu BWLern und MBA Studenten (aber auch zwischen diesen und vielen VWLern, die aus meiner Sicht in der Tendenz sehr viel mehr wissen­schaft­li­ches Inter­esse mitbringen).

        • Svenja Hofert 19. Februar 2013 at 13:21 — Reply

          danke, klasse Ergän­zung. Ja, ich sehe auch, dass die meisten VWLer einen ganz anderen Typus verkör­pern (analy­ti­scher sind und wissen­schaft­li­cher). LG Svenja Hofert

    • Mr. J. Gannes 6. Dezember 2012 at 13:54 — Reply

      Ich stimme dem Groß­teil der von Alex ange­deu­teten Sacher­ver­halten zu. Die Betriebs­wirt­schafts­lehre wird schon seit Jahren (insbe­sondre im Internet) “schlecht geredet”. So ist auch im obigen Artikel von Frau Hofert eine zumin­dest latente (persön­liche?) Abnei­gung zum Thema “BWL-Studium” erkennbar.

      Füh mich (selbst studierter Betriebswirt/Manager) kommt der Artikler der über­spitzten Frage gleich: “Wie kann man nur so blöd sein und BWL studieren? Das bringt doch alles nix und außerdem ist BWL gar keine Wissen­schaft.”

  9. Wilhelm Zorem 30. Juni 2011 at 8:17 — Reply

    Viele kauf­män­ni­sche Berufe, wie Assis­tent, Einkäufer, Dispo­nent, Verkäufer, Buch­halter, Projekt­ma­nager oder Verwalter werden derzeit mit BWL-Absol­­venten 2. Klasse, wie Bachelor, Berufs­aka­demie oder Fach­hoch­schule besetzt. Es ist selbst­ver­ständ­lich, dass das Gehalt an die Posi­tion gebunden ist.

    • Sandra 30. Mai 2012 at 16:20 — Reply

      Meiner Meinung nach lehnt man sich zu weit aus dem Fenster, wenn man FH-Absol­­venten in BWL als BWL-Absol­­venten 2.Klasse bewertet. Ich selber habe an zunächst an einer Berufs­ak­demie studiert und danach an einer FH meinen Master in BWL gemacht. Ich habe fest­ge­stellt, dass Arbeit­geber teil­weise mit BA/FH-Absol­­venten aufgrund des deut­lich größeren Praxis­be­zugs viel mehr anfangen können!

  10. […] in den Inge­nieurs­fä­chern enorm. Das könne der Arbeits­markt nicht vertragen. Droht ein neues BWL? Ist was dran an der […]

  11. […] nichts falsch machen – in den 1990er pflanzte sich der Glaube in die Karrie­re­be­flü­gelnde Kraft dieses Fachs fort. Gleich­zeitig entwi­ckelte sich eine Vorstel­lung von Karriere, die an den Aufstieg in […]

  12. […] die  Erfah­rung der Studentig deckt sich schon mit dem, was Svenja Hofert aktuell in ihrem Blog schreibt: Nämlich, dass BWL-Studenten die nächsten Opfer des Schwei­ne­zy­klus werden. Ein Fach, das […]

  13. […] die  Erfah­rung der Studentig deckt sich schon mit dem, was Svenja Hofert aktuell in ihrem Blog schreibt: Nämlich, dass BWL-Studenten die nächsten Opfer des Schwei­ne­zy­klus werden. Ein Fach, das viele […]

  14. Nelly 28. Oktober 2012 at 19:18 — Reply

    Ich würde selber BWL studieren und inso­fern hat mich dieser Artikel ehrlich gesagt schon leicht verun­si­chert.
    Ich selber möchte BWL nicht aus oben genannten Argu­menten wie einer Vorstel­lung von (zukünf­tigen) Studenten von einem Gehalt und einer sicheren Zukunft sondern eher weil mir einfach die Mathe­matik gefällt und liegt. Natür­lich könnte ich damit auch etw. bei einer Bank machen, aber meine Mutter hat mich vor einer “unmensch­li­chen” Branche die voller Egoisten sei gewarnt. So bleibe meinem Wunsch­stu­dium BWL, was auch daran liegt, dass bei einem Inter­re­sen­test zum Studium “syste­ma­ti­sie­rend” das Ergebnis war.
    Meine Frage wäre ob ich es trotzdem mit einem Studium zur Betriebs­wirtin versu­chen sollte. Nebenbei bemerkt, ich werde höchst­wahr­schein­lich nicht BWL als 1‑Fach-Bachelor studieren ich halte eher Ausschau nach einer Uni wo ich es zB mit etw logis­ti­schen kombi­nieren könnte

  15. Peter Hanning­mann 22. Dezember 2012 at 13:59 — Reply

    Die Ideen sind ganz gut — man kombi­niere Physik mit einem MBA etc., aber mal im Ernst: Wer würde einen MBA-Physiker beispiels­weise im Rech­nungs­wesen oder im Control­ling einstellen? Ggf. könnte man den Physiker im Einkauf oder in der IT-Abtei­­lung nutzen (je nach Branche), viel­leicht auch im tech­ni­schen Vertrieb, aber in der Regel braucht man Physiker für die “Produk­tion bzw. Entwick­lung & Forschung” …
    Außerdem stellt sich doch auch die Frage wie der Fach­be­reichs­leiter, wahr­schein­lich eben­falls ein BWLer eine Einstel­lung von “Physi­kern” sieht…

    Man kann das Beispiel auch auf Infor­ma­tiker über­tragen, die fühlen sich den BWLern auch gerne mal über­legen und haben im Kern nicht unrecht, aber wer würde denn solche Infor­ma­tiker im Team haben wollen? Das hat dann weniger mit Fach­wissen zu tun, sondern eher mit der “Philo­so­phie inner­halb des Fach­be­reichs Betriebs­wirt­schafts­lehre”, wenn wir schon von Fach­wissen spre­chen…

    Einem Physiker oder Infor­ma­tiker bringt ein MBA-Studium im Kern doch nur die Möglich­keit in der Geschäfts­füh­rung oder tech­ni­schen Abtei­lung auf hohem Niveau mitzu­spre­chen bzw. diese zu leiten, wobei die IT in Zukunft auch von Betriebs­wirten gelenkt werden wird…

    Betriebs­wirt­schaft ist die Kern­kom­pe­tenz dieser Zeit und das wird sich nicht ändern. Ich denke jeder betriebs­wirt­schaft­lich geprägt Bereich (Marke­ting, Personal, Rewe, Co etc.) wird oder sollte auch von Betriebs­wirten gelenkt werden.. Physiker können in die Entwick­lung oder Produk­tion gehen und mit einem MBA auch dort Abtei­lungs­leiter werden.… jeden­falls wäre das für mich das opti­male Unter­neh­mens­system.. und einen krea­tiven Controller braucht auch niemand.. wobei sich auch die Frage stellt warum ein Physiker oder Infor­ma­tiker sich mit Control­ling beschäf­tigen sollte, denn aus dessen Sicht ist BWL viel zu “Speziell” und im Kern auch nur einfachste Mathe­matik…

    • Svenja Hofert 24. Dezember 2012 at 12:55 — Reply

      Danke für die Ergän­zung. Man sollte über­legen, wie sich die Arbeits­welt verän­dert und dann steht das Postulat der BWL auf schwa­chen Beinen, eher schon Wirt­schafts­wis­sen­schaften. In direkten Anwen­dungs­be­zügen zu denken, halte ich für falsch. Junge Menschen sollten denken lernen, sich Meinungen zu bilden und ihr Wissen bedarfs­ori­en­tiert zu erwei­tern. … Und zur Physik: Schon jetzt habe ich hier in der Bera­tung Physiker, die in allen mögli­chen Berei­chen arbeiten. Dieses abtei­lungs­be­zo­gene Denken ist doch ein Auslauf­mo­dell. Die grund­sätz­liche Frage lautet: Studium a.) als Grund­lage der weiteren Bildungs­fä­hig­keit oder b.) als Zufüt­te­rung der Arbeit­geber. Wenn wir eine sinn­volle Welt wollen, in der es nicht nur um Gewinn­ma­xi­mie­rung geht, dann plädiere ich unbe­dingt für a.) LG Svenja Hofert

    • Rick O’sheh 19. Februar 2013 at 12:57 — Reply

      Ich denke hier geht es um die Frage Arbeit oder nicht Arbeit. Es gab eine Zeit­lang einen Physi­ker­über­schuss in D, und es gibt auch viele Physiker, Inge­ni­uere etc. die aus allerlei Gründen nicht auf der Höhe der Zeit in ihrem Fach mithalten konnten, oder die mittel­mä­ßige Absol­venten sind in IHREM Fach, und sich dann in WiWi Hinsicht weiter­ge­bildet haben. Natür­lich ist das in der Regel NICHT der gewünschte und geplante Arbeits- und Lebensweg, aber es ist eine Möglich­keit die von vielen genutzt wurde und wird. Es gibt zahl­reiche Natur­wis­sen­schaftler die auch außer­halb von Entwick­lungs­ab­tei­lungen Tätig­keiten in Unter­nehmen ausführen — auf unter­schied­lichstem Niveau. Die poten­ti­ellen Einsatz­be­reiche sind einfach sehr viel breiter als beim reinen BWLer oder MBA.

  16. Sara 26. Dezember 2012 at 18:20 — Reply

    Also wollen Sie damit sagen, dass die Studi­en­wahl Wirt­schaft im spezi­ellen Betriebs­wirt­schaft eine schlechte Wahl ist und ohne Zukunft ?

    Ich bin zur Zeit eine “frisch­ge­ba­ckene” Studentin und habe vor mein Studium zu wech­seln. Ich studiere zur Zeit medi­zi­ni­sche Infor­matik aber aufgrund vieler Probleme und vor Allem unnö­tigen Rege­lungen wie Zugangs­be­schrän­kungen bei Prüfungen (d.h.: nur die 275 Besten dürfen weiter studieren und auch wenn man eine sehr gute Punk­te­an­zahl hat aber nicht unter die 275 Besten ist muss man aufs zweite Semester warten und es wieder versu­chen). Ich hatte an ein Wechsel zum Studium Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft gedacht, aber wie Sie jetzt alles darstellen ist dass eine schlechte Wahl für jeder Mann. Nichts­des­to­trotz klingt dieses Fach viel­ver­spre­chend und dieses “Inter­na­tio­nale ” ist damit verbunden, dass man eine gute Chance für die Zukunft haben sollte, wie ich von sehr vielen höre. Und was ich noch hinzu­fügen möchte ist, dass man Leider in Öster­reich oder Deutsch­land nicht wirk­lich weiter kommt im Beruf egal welche Rich­tung. Um weiter­zu­kommen muss man im Ausland rumreisen. Außerdem finde ich, dass ein Master als Betriebs­wirt nicht sehr schlecht ist. Es kommt nur drauf an was man alles dafür tut und was man bietet. Ange­nommen man spricht mehrer Spra­chen, hat schon in vielen verschie­denen Ländern gear­beitet und dadurch viel Erfah­rung gesam­melt. Wieso sollte man nicht erfolg­reich werden als Betriebs­wirt ? Zusätz­lich ist die Wirt­schaft sozu­sagen boden­gleich, die Politik, die Menschen und die Welt wollen eine bessere Wirt­schaft, deshalb braucht man neue und bessere Wirtschaftler.Ja, es schaut aus als ob die Wirt­schaft sich nie bessern wird, aber ich sage nur “wer weiß was passiert?”.

    An Publi­zistik dachte ich auch, aber um in diese Fach sich hoch­ar­beiten zu können,braucht man viele Kontakte und Mut. Obwohl es mich sehr inter­es­siert und ich auch dafür gedacht bin, zweifel ich daran hier wirk­lich erfolg­reich zu werden. Viel­leicht mit 40 Jahren aber da bin ich ja als Arzt besser dran, da das Studium und der Werde­gang zu einem Arzt viel Zeit in Anspruch nimmt.

    Nun eine Frage an Sie Fr. Hofert, ich würde gerne wissen was man dann studieren sollte, um eine rosige Zukunft zu erwarten bzw bessere Jobchancen hat ? Und sollte ich den Wechsel zum Studium Inter­na­tio­nale Betriebs­wirt­schaft lieber sein lassen ?

    Ich danke Ihnen im Vorhinein für Ihre Antwort.

    • Svenja Hofert 31. Dezember 2012 at 11:57 — Reply

      Hallo, ich finde medi­zi­ni­sche Infor­matik ist eine sehr inetres­sante und trag­fä­hige Rich­tung; viel­leicht sollten Sie dabei bleiben. Betriebs­wirt­schaft ist keines­wegs gene­rell “falsch”. Wie viele Experten glaube aber auch auch, dass es viel­fach eher eine Zusatz­qua­li­fi­ka­tion sein wird und nicht mehr nur Grund­qua­li­ka­tion. Das Zauber­stu­dium gibt es leider nicht. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und seine eigene Kombi. LG Svenja Hofert

  17. Wolle 16. Januar 2013 at 12:28 — Reply

    Hallo Frau Svenja Hover,

    Ihre Ansichten habe ich mit großem Inter­esse gelesen und ich finde Sie haben recht plau­sible Ansichten. Mein Kommentar stellt aber mehr die Frage, ob ich nach dem VWL Bachelor (Abschluß Juli 2013) noch eine Lehre machen soll.
    Das VWL Studium an der Uni Inns­bruck war doch sehr theo­re­tisch und hatte, das muß ich leider sagen, über­haupt keinen Praxis­bezug. Zuge­geben meine Leis­tungen waren nicht beson­ders, die Theorie ist wohl nicht meine Stärke, so daß ich bis heute noch keine Prak­ti­kan­ten­stelle finden konnte. Ich werde im Sommer 27 Jahre und stelle mir nun ernst­haft die Frage, ob ich unter diesen Voraus­set­zungen nicht doch noch einmal eine prak­ti­sche Ausbil­dung (Lehre) bei einer Bank als Finanz­wirt o.ä. machen soll. Ich könnte mir gut vorstellen, daß auf lange Sicht gesehen, dieser Weg auch Sinn macht. Was meinen Sie?

    • Svenja Hofert 16. Januar 2013 at 12:54 — Reply

      Hallo, ich würde 1.) klären, war Sie gut können und auf welchem Gebiet Sie sich mit Freude und Moti­va­tion entwi­ckeln können und 2.) prak­ti­sche Erfah­rung gewinnen. Hier erstmal lieber Prak­tikum und dann ggfs. Lehre, wenn Sie merken, das ist es. Aus VWL kann man viel machen, was gar nichts mit VWL zu tun hat…in Rich­tung E‑Commerce, in Rich­tung Finanzen, vieles denkbar, aber vor der Entschei­dung sollte die Orien­tie­rung kommen. LG Svenja Hofert

  18. Wolle 16. Januar 2013 at 18:36 — Reply

    Hallo Frau Hofert. Ich werde es mir gut über­legen. Eine prak­ti­sche Ausbil­dung behalte ich aber im Auge.
    Mein Vater schwört auf eine prak­ti­sche Ausbil­dung. Er ist der Meinung, dass man so auf allen Ebenen besser mitein­ander spre­chen kann.
    Noch etwas — ich finde es schade, dass die Firmen für eine freie Stelle immer nur fertige Spezia­listen suchen, mit ganz bestimmten Fähig­keiten, so dass eine Einar­bei­tung so kurz wie möglich ist und nach Möglich­keit völlig entfallen kann. Die Arbeits­ver­träge scheinen mir darauf, mit den Zeit­ver­trägen, abge­stimmt zu sein. Mein Vater sagt, dass es früher anders war. Da haben die Firmen in die Mitar­beiter für die Einar­bei­tung Zeit inves­tiert und für sich ausge­bildet. Die Firmen hatten eine Führ­sor­ge­pflicht, die sie auch lebten, die irgendwo auch mal geschrieben stand. Das gibt es nun prak­tisch nicht mehr. Schade

  19. Thorsten 17. Januar 2013 at 11:05 — Reply

    Ja, ich denke auch, dass BWL nicht unbe­dingt die beste Vorbe­rei­tung vor allem für die beruf­liche Selbst­stän­dig­keit ist. Denn da sind viel­fach andere Dinge gefor­dert.
    Und wenn es schon BWL sein muss, sollte man irgend­etwas Fach­li­ches noch dazu nehmen, zum Beispiel Program­mieren lernen.

  20. Mr Anonym 27. Juni 2013 at 2:00 — Reply

    Meiner Meinung nach kann man nicht pauscha­li­sieren, wie erfolg­reich man mit welchem Studi­en­fach wird.
    In Ihrem Buch “Am besten wirst du Arzt” glori­fi­zieren Sie den Arzt­beruf, ohne beispiels­weise zu erwähnen, dass Assis­tenz­ärzte im Vergleich zu ihrer hohen Verant­wor­tung nicht sonder­lich gut verdienen, häufig über­lastet sind und unglück­lich, Sie gehen nicht auf die Hier­ar­chie in Kliniken ein, nicht auf die Büro­kratie durch Staat und Kassen.

    Und im BWL-Bereich diffe­ren­zieren Sie nicht, wer beispiels­weise Finance vertieft hat viel bessere Karten als im Marke­ting.

    Und dass Lehr­amts­kan­di­daten heut­zu­tage bessere Chancen haben als zB WiWis, glauben Sie doch wohl selbst nicht. Wer kriegt denn noch einen Beam­ten­ver­trag? Wer wird nach dem Refe­ren­da­riat über­nommen?

    Man sollte junge Leute das studieren lassen, was sie inter­es­siert.

    • Svenja Hofert 30. Juni 2013 at 17:04 — Reply

      Hallo Mr. Anonym, leider können Sie mein Buch “Am besten wirst du Arzt” gar nicht gelesen haben, denn da geht es nicht um den Arzt­beruf — Glori­fi­zie­rung ist von daher schon Blöd­sinn. Bevor man etwas kommen­tiert, sollte man schon wissen, wovon die Rede ist. Und dass nicht diffe­ren­ziert wird, stimmt auch nicht, siehe mein aktu­eller Beitrag bei Spiegel Online: http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/betriebswirtschaft-minuspunkte-fuer-den-karriere-favoriten-a-908271.html
      Ich bin auch der Meinung, dass junge Inter­essen folgen sollten, jedoch erst nach gründ­li­cher Recherche. Und daran hapert es. LG Svenja Hofert

  21. Jens 7. Juli 2013 at 15:10 — Reply

    BWL ist natür­lich sehr viel­seitig und theo­re­tisch muss man viele Faktoren unter­scheiden. Welche Schwer­punkte, welche Uni, welche sons­tigen Kennt­nisse.
    Leider sieht die Praxis (zumin­dest aktuell) aber so aus: Offene Stellen gibt es nur wenige. Entspre­chend deut­lich wird das im Artikel gezeigte Problem der “zu vielen Absol­venten”. Schließ­lich fehlt in 90 % der Unter­nehmen schlichtweg die Kapa­zität, um jede Bewer­bung im Detail zu prüfen. Da helfen dann auch keine beson­deren Neben­fä­cher, Program­mier­kennt­nisse oder ander­wei­tiges ausge­wie­senes studi­umfremdes Praxis-Know-How (und wenn es Social Media ist). Man fällt statt­dessen oft sofort durch’s Raster. Dies ist am Ende dann auch wieder unab­hängig vom Studi­en­fach. Den Wirt­schafts­in­ge­nieur kann dies genauso treffen, wenn er ins Marke­ting einsteigen möchte.
    Am Ende geht es m. E. eher um die klas­si­schen BWLer-Jobs, die mitt­ler­weile natür­lich meist auch der Wirt­schafts­päd­agoge oder Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaftler machen kann und (viel wich­tiger) darf! Dadurch gibt es noch mehr Bewerber auf stetig weniger Stellen.
    Also im ersten Schritt noch mehr Zufall bei der Perso­nal­aus­wahl. Wer Glück hatte und in die engere Auswahl kommt, der kann sich dann über­legen, ob nun BWL oder WING oder anderes der ideale Studi­en­gang ist, obgleich dann sowieso andere Faktoren gefragt sind. Bis dahin: Eine Jobga­rantie hat und die Kuss­hand bekommt aktuell absolut niemand, der einen Wirt­schaftsjob anstrebt. Fach­kräf­te­mangel gibt es nur in ganz bestimmten Inge­nieurs­be­rei­chen. Und das Studi­en­fach ist bei dem Ganze wohl der am wenigsten rele­vante Faktor.

  22. Michael S. 17. August 2013 at 22:17 — Reply

    Ich habe den Bachelor of Science in BWL in 2010 gemacht und mit gut abge­schlossen. Vor dem Studium auch schon eine Ausbil­dung abge­schlossen und ein Jahr gear­beitet, hatte aber nichts mit dem Studi­en­gang zu tun. Der Studi­en­gang ist schon spezia­li­siert gewesen auf Gesund­heits­wirt­schaft. Aber nach dem Studium habe ich nicht den Berufs­ein­stieg gefunden. Nun arbeite ich auch schon fast zwei Jahre “Bran­chen­fremd” und eigent­lich unter­be­zahlt, wenn man einen FH-Abschluss hat. Jetzt über­lege ich, ob ich noch den Master machen soll, habe aber bedenken, dass es nach dem Abschluss auch erst einmal wieder schlecht aussieht. Beson­ders wie schon jemand anders hier erwähnt hat, dass die Unter­nehmen Leute suchen, die mit 30 schon 5 Jahre Berufs­er­fah­rung haben und schon den Master haben soll.Und es wird ja auch ange­raten nach dem Studium nicht diverse Prak­tika noch zu machen, ich meine ein Studium ist ja auch schon berufs­qua­li­fi­zie­rend. Aber wie schon gesagt, heute hat kein Unter­nehmen mehr Zeit oder die entzieht sicht der Fürsor­ge­pflicht jemand umfang­reich einzu­ar­beiten. Mann muss ja auch irgendwie Geld verdienen und anfangen dürfen irgendwo ein Fuss in die Tür zu bekommen. Es ist beson­ders toll, wenn man nicht direkt nach dem Bachelor den Master anhängen kann aufgrund des neuen Bewer­bungs­pro­zesses zum Master hin und dann kein Platz bekommt. Wer denkt sich sowas aus??? Die Unter­nehmen nehmen ziehen den Master vor Bachelor. Und wenn ich höre dass Doktor­anten für ein Trai­nee­pro­gramm genommen werden, dann stimmt doch was nicht. Auch Leute mit Master­ab­schluss haben Schwie­rig­keiten irgendwo unter­zu­kommen. Kein Uni oder FH-Abschluss ist garant für eine Arbeits­stelle nach dem Abschluss. Es wird teil­weise auch völlig neben dem Bedarf an Fach­kräften ausge­bildet. Und es studieren immer mehr und die Konkur­renz wird immer größer und wahr­schein­lich bleiben viele auf der Strecke. Der Bologna Prozess war nicht gut. Man inves­tiert so viel Zeit und Geld in ein Studium und irgend­wann fragt man sich ob es sich jemals auszahlen wird. Zumal man die ganze Zeit auch nichts in die Renten­kasse einzahlt. Inge­nieur­stu­di­en­gänge erscheinen mir auch gegen reinen Wirt­schafts­stu­di­en­gängen besser gestellt. Es ist aber nicht jeder für so ein Studium geeignet.

    • Svenja Hofert 18. August 2013 at 13:06 — Reply

      ja, Sie haben recht. Bachelor konkur­rieren mit dualen oder betrieb­lich ausge­bil­deten und stehen im Zweifel besser da. Wir haben in Deutsch­land durch die duale Ausbil­dung eine andere Situa­tion. Das führt dazu, dass als ausrei­chend akade­misch eher jemand mit Master ange­sehen wird. Das mit dem am Bedarf vorbei, ist ebenso richtig. Eigent­lich haben Unis aber ja auch nicht den Auftrag, für die Wirt­schaft auszu­bilden… und dann tun sie es doch und etablieren schon wieder CSR… grrr. trotzdem, weiter­ma­chen, Berufs­er­fah­rung sammeln -> dann wird´s leichter. LG Svenja Hofert

  23. Jörg 19. Oktober 2013 at 21:37 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    möchte den Master in Perso­nal­ent­wick­lung nach meinem MBA Studium Sozi­al­ma­nage­ment ablegen. Hat das Zukunft oder soll ich gleich ein Diplom BWL Fern­stu­dium mit Schwer­punkt Personal studieren? Zu was können Sie mir raten?

  24. Studentin 11. Januar 2014 at 21:08 — Reply

    Hallo Frau Hofert!
    Ich werde im Folgenden Semester mit meinem Bachelor Applied Biology fertig werden (Als Double Degree, 5tes Semester an der Part­nerUni, Bachel­o­ar­beiten an beiden Unis einrei­chen, nieder­län­di­sche Part­nerUni).
    Da sich das Biolo­gen­stu­dium als ziem­li­sches Idea­lis­ten­stu­dium heraus­ge­stellt hat (Gefor­dert wird mindes­tens ein Doktor und selbst damit 1–2 Jahre Bewer­bungen bis man über­haupt was findet, zumin­dest höre ich das von allen Seiten.), über­lege ich jetzt “was mit BWL” drauf zu studieren. Was macht für mich Sinn? Ein duales Studium? Ein reiner BWL-Bachelor? Oder doch VWL? Gibt es Studi­en­gänge die speziell Natur­wis­sen­schaft und BWL vereinen? Glauben sie ich habe Chancen?

  25. Werner 23. Mai 2014 at 17:44 — Reply

    Ein sehr inter­es­santer Artikel.
    Die Finanz­branche ist eine sehr inter­es­sante Branche. Viele verbinden es nur mit der Buch­hal­tung, doch es ist viel mehr. Es gibt in dieser Branche sehr viele span­nende Berufe. Mein Favorit ist der Risi­ko­ma­nager. Kürz­lich bin ich auf eine Seite gestoßen, die einige Berufs­bilder in dieser Branche vorstellt. Dabei werden nicht nur die Gehalts­vor­stel­lungen genannt, sondern auch gefor­derte Fähig­keiten und vieles mehr. Fall jemand Inter­esse hat, hier ist der Link zur Seite: http://bit.ly/1jdwGfH

    Gruß

  26. Katrin D. 21. August 2014 at 16:51 — Reply

    Auch meine Erfah­rungen decken sich — leider- größ­ten­teils mit der im Artikel wieder­ge­ge­benen Meinung. Aus anderen Berei­chen kommend und BWL-Wissen “on-top” sind die Chancen wesent­lich besser. Durchaus verständ­lich auch, wenn man schaut, wie viel Praxis­re­le­vanz von dem großen Wust an viel heißer Luft am Ende übrig bleibt — das lässt sich gut nach einem natur­wis­sen­schaft­li­chen oder tech­ni­schen Studium drauf­sat­teln.

    Ich selbst habe den damals sehr gehypten angeb­li­chen “Elite­stu­di­en­gang” Kultur-BWL absol­viert, also BWL mit zusätz­li­chen Quali­fi­ka­tionen in einer Fremd­sprache, sowie vertieften Kennt­nissen der Ziel­re­gionen (Politik, Geografie, Geschichte, Kultur usw.). Da meine Ratgeber alle­samt der alten Schule ange­hörten, folgte ich ihrer Empfeh­lung, mich breit aufzu­stellen, also eher allge­meine Manage­ment­kom­pe­tenz zu erwerben. Ein BLÖDER Fehler. Zusammen mit einem früh während des Studiums zur Welt gekom­menen Kind war das nicht nur ein Karriere- sondern sogar ein völliges “Berufsaus”. Ich hätte ‑auch lang­fristig- alle Unter­stüt­zung für einen enga­gierten Einstieg in Voll­zeit gehabt, den Willen und die Power sowieso, aber bis auf eine völlig fach­fremde Stelle am anderen Ende der Repu­blik fand ich rein niemanden, der auch nur ein Erwä­gung ziehen wollte, mich einzu­stellen. 3 Fremd­spra­chen flie­ßend und Prädi­kats­examen an der angeb­li­chen Eliteuni hin, Auslands­auf­ent­halte, Prak­tika und soziales Enga­ge­ment her. Ich versuche seitdem, irgendwie in meinem ursprüng­li­chen Betä­ti­gungs­feld, also im wirt­schaft­li­chen Bereich, Fuß zu fassen- doch bisher vergeb­lich. Während einer weiteren Eltern­zeit (damit die Fami­li­en­pla­nung dann abge­schlossen ist), wollte ich mich spezia­li­sieren im Bereich Inter­na­tio­nale Rech­nungs­le­gung / IFRS / Bilanz­buch­hal­tung und hätte es auch fast greschafft, trotz geringer Praxis­er­fah­rung hinein­zu­kommen, doch alle Bera­tungs­stellen und Arbeits­agen­turen rieten mir ab- die Aussichten seien danach nicht besser, eher im gegen­teil, es gäbe viel zu viele Wirt­schafts­ab­sol­venten, vor allem hier im Groß­raum um die Landes­haupt­stadt, gut ausge­bildet sei ich ja ohnehin, mir fehle eben die Berufs­praxis. Und so schließt sich der circulus vitiosus, ohne Berufs­praxis keinen Job, ohne Job keine Berufs­praxis.

    Mein genau gegen­teilig ausge­bil­deter Mann hat übri­gens trotz schlechter Studi­en­ergeb­nisse, mittel­mä­ßiger Fremd­spra­chen­kennt­nisse und ohne Auslands­auf­ent­halte eine kome­ten­hafte Karriere hinge­legt — er war zur rechten Zeit am rechten Ort und hat eine Chance bekommen, sich zu beweisen.

    Die hätte ich auch gerne — es ist frus­trie­rend zu sehen, wie oft Stellen unbe­setzt bleiben, die ich gut ausfüllen könnten, nur weil ich durch das stan­dar­di­sierte Raster falle und sich in diesem durch­ge­tak­teten System keiner traut bzw. trauen kann, mir eine Chance zu geben.

  27. BWL-Student 14. März 2016 at 16:17 — Reply

    Hey Svenja,

    toller Beitrag auch wenn ich Inhalt­lich nicht ganz zu stimme, ich habe nach meinem Bachelor viele Inter­es­sante Ange­bote gehabt. Ich denke, wie in jedem Bereich, wenn man sich nicht von der masse abhebt wird es schwierig. Ich habe BWL studiert, weil ich mich die Thematik sehr inter­es­siert hat! Leute die sich aber nicht für die Thematik inter­es­sieren wird es sicher schwie­riger werden. Einen Guten Über­blick was einen als BWL Absol­vent erwartet gibt die Seite: x

    Du hast recht, wenn man einfach nur sicher gehen will, ist ein BWL Studium nicht die beste Wahl! Viel­mehr sollte man das studieren, was einem liegt!

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