Xing, neue Kontakt­an­frage. Ich bin irri­tiert: Eine 23jährige, noch nicht abge­schlos­sene BWL-Studentin, schrieb mir, dass sie nun auch als Karrie­re­be­ra­terin starten würde und sandte mir den Link auf ihre aufge­motzte Webseite. Sie hoffe, bald auch so erfolg­reich zu sein, bemerkte sie abschlie­ßend. Ich schaute mir den Lebens­lauf an: Unge­fähr 10 höchst unter­schied­liche, manchmal nur einen Monat währende Berufs­sta­tionen. Jede einzelne hörte sich dick aufge­tragen nach “Manage­ment” an. Insge­samt ein Lebens­lauf für die Anti-Karriere (und lautes Signal an jeden Perso­naler: “die bleibt nicht lang, die will zu viel”: aussor­tieren). Im Sine des sprach­li­chen Tunings übri­gens mal ein weib­li­ches Beispiel für das “zu-Gutten­­berg-Prinzip”. Auch Frauen können klotzen.

Das Bild der jungen Frau passt zu einem Trend, den ich in meinem “Karrie­re­ma­cher­buch” beschreibe: Immer mehr junge Menschen wollen immer früher einen Traumjob ausüben. Sie wollen Coach werden oder Berater, irgendwas Sinn­volles mit Menschen machen. Verständ­lich, denn die Arbeits­welt setzt enge Grenzen und verspricht wenig Sinn. Dadurch setzt unsere Wirt­schaft viele frühe Sinn­su­cher frei.

Dennoch wünsche ich mir manchmal, dass es für Bera­tung und Coaching ähnliche Hürden geben möge, wie sie bei einer Thera­pie­aus­bil­dung gestellt sind.  Jahre lang lernen und dann erst auf Mensch und Markt losge­lassen werden, schließ­lich kann falsche Bera­tung ein ganzes Leben beein­flussen. Aber, nein, wo Kontrolle ist, sind auch Lobbys und deren unge­sunde Einflüsse sind täglich zu beob­achten. Möge sich also der Markt lieber selbst berei­nigen.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

2 Kommen­tare

  1. erwin 3. Januar 2010 at 12:06 — Reply

    Ist echt Typisch
    Habe neulich auf der Baustelle ähnliche Erfah­rung gemacht
    Controller kam von Geschltg. 25 Jahre alt frisch aus der Ausbil­dung soll den Leuten vor Ort mal Dampf machen;-)
    Alles nur Kano­nen­futter , dauert aber ne weile bis dies es gemerkt haben

  2. Markus 5. Januar 2010 at 23:05 — Reply

    Ande­rer­seits muss ich kritisch anmerken, dass die Erwar­tungen an Hoch­schul­ab­sol­venten immer höher geschraubt werden. Und bei einigen Stel­len­an­zeigen frage ich mich, glaubt der Perso­naler bzw. das Unter­nehmen Superman oder Supercat exis­tieren auch in der Realität und nicht nur in Comic-Heften.
    Die junge Frau die Sie beschreiben wird im hart umkämpften Bera­ter­markt wenig Chancen haben. Aber es stimmt schon einige Studenten haben ein extrem falsche Selbst­wahr­neh­mung und wollen gleich CEO eines multi­na­tio­nalen Konzerns werden.

Leave A Comment