Einige Jahre habe ich über­wie­gend im Outpla­ce­ment gear­beitet – und höre auch jetzt immer wieder, wie schäd­lich es sein kann, dass Konzerne Ange­stellte „pampern“. Je größer die Unter­nehmen, je länger die Ange­stellten in ihnen gear­beitet haben, desto fetter der Watte­bausch, mit dem sie raus­ge­worfen werden. Da gibt es sechs­stel­lige Abfin­dungen,  Weiter­bil­dung satt, 12 bis 24 Monate in Auffang­ge­sell­schaften und schicke Outpla­ce­ment­pro­gramme.

 

Ich finde: Sehr oft zu viel des Guten. Denn: Wer sich nicht bewegen muss, tut es oft auch nicht. Hinzu kommt, dass es gerade Ange­stellte mit einer ohnehin schon eher sicher­heits­ori­en­tierten Menta­lität sind, die lange in einem Unter­nehmen bleiben. Wenn sich eine sicher­heits­ori­en­tierte Menta­lität mit Sicher­heit paart, ist dies eine schäd­liche Kombi­na­tion. Schäd­lich für den Menschen selbst, denn was ist schlimmer als sich nicht mehr zu bewegen? Weder im Kopf noch sonst wo?

 

Stellen Sie sich einfach mal folgende Situa­tion vor: Ein Projekt­leiter erhält 100.000 Euro und muss zwei Jahre nicht arbeiten, weil erst im Jahr 2012 sein Vertrag ausläuft. Warum in aller Welt, sollte sich dieser dermaßen gepam­perte Ange­stellte woan­ders bewerben? Warum sollte er sogar eine – oft sogar deut­lich — schlechter dotierte Stelle annehmen? Das nämlich ist die bittere Wahr­heit: Neue Stellen sind weniger weich ausge­stattet und oft auf Zeit abge­schlossen. Hinzu kommt: Durch eine frühere Inan­spruch­nahme der Kündi­gung verliert der Pampers-Ange­stellte Geld und muss viel mehr Steuern zahlen. Wäre doch schön blöd oder?

 

Wenn sich Pampers-Ange­stellte selbst­ständig machen wollen, brau­chen sie ewig, um aus dem Komfort-Quark zu kommen und eine Versor­g­­ten­an­stalt-Haltung in selbst­stän­diges Unter­nehm­erdenken umzu­wan­deln ist fast unmög­lich, wenn jemand die Moti­va­tion dazu fehlt.

 

Ach wie ange­nehm sind da Kunden, die wollen, können und die Dinge nicht nur wegen des Geldes tun!  Davon gibt es glück­li­cher­weise genug.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 18. April 2010 at 15:25 — Reply

    Ich nenne das “Süßes Gift”:
    Mitar­beiter werden mit “groß­zü­gigen” Ange­boten gekö­dert, die ihnen das schnelle Finden eines neuen Jobs fast unmög­lich machen.
    Wenn sie dann nach Auffang­ge­sell­schaft, langen Frei­stel­lungen und Genuss aller Ange­bote in der Realität des Arbeits­lo­sen­geldes doch Land gewinnen wollen, wird man Ihnen oft sagen:
    “Sie sind ja bereits lang­zeit­ar­beitslos.”
    Gerade für ältere, erfah­rene Führungs­kräfte eine fatale Situa­tion.
    Daher ist im Zweifel eine hohe Abfin­dung als Absi­che­rung von Gehalts­ein­bußen bei früh­zeitig ange­tre­tenen neuen Jobs zu empfehlen.

  2. […] Zirka 10–15 Jahre mindes­tens eine Bereichs­kom­pe­tenz aufbauen und dann den Hut nehmen mit einer größeren Abfin­dung. Geht oft ganz auto­ma­tisch, weil die Umstruk­tu­rie­rungs­zirkel einen über kurz oder lang sowieso […]

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