Der Arbeits­markt zeige sich robust, behauptet die Bundes­agentur für Arbeit heute. Solche Aussagen verde­cken, was hinter manchen Kulissen passiert. Dort wird teil­weise heftig am Gehalt gespart. Beson­ders deut­lich wird dies in der Medien- und Verlags­branche. Hier scheinen sich die Redak­tionen mit grenz­wer­tigen Gehäl­tern und — noch mehr — Hono­raren  gegen­seitig zu unter­bieten. 120 EUR Tages­satz, 10 EUR in der Stunde: Und das für gut ausge­bil­dete Akade­miker, oft mit Volon­ta­riat. Viel zu wenig zu leben — aber es gibt ja aufsto­ckendes Arbeits­lo­sen­geld II, aus Steu­er­gel­dern finan­ziert. Möglich ist dies aufgrund der Schwemme hoch­qua­li­fi­zierter Neu-Arbeits­­loser, die alle­samt von der BA aufge­for­dert werden, zu gründen, weil fest ohnehin nichts zu finden sei. Altge­diente Redak­teure werden entlassen, jüngere für viel weniger Geld einge­stellt. Das kennen wir schon aus anderen Bran­chen, aber hier ist es extrem. Weil die Frei­ge­setzten sich alle selbst­ständig machen (müssen). Dann kommen sie, nebenbei gesagt, auch nicht in die Arbeits­lo­sen­sta­tistik.

Beim Dumping sind die Akteure beson­ders tricky und drücken gern auf die Mitleid­stube. “Wir können einfach nicht mehr zahlen.” Oder: “Ich habe auch für so wenig ange­fangen.” Gleich­zeitig agieren die Medi­en­leute — vor allem Jour­na­listen und Desi­gner — in voraus­ei­lendem Gehorsam und protes­tieren nicht: So schlecht wie es aussähe, könne und dürfe man nichts fordern, glauben viele.

Falsch. “Es geht einfach nicht mehr” ist eine super funk­tio­nie­rende Beein­flus­­sungs-Stra­­tegie. Wenn Betreiber von Agen­turen oder Pres­se­büros nicht mehr zahlen können, dann kalku­lieren sie falsch. Und wenn es zu viele gibt, die ja sagen zu unmo­ra­li­schen Ange­boten, dann gibt es ein Über­an­gebot. Die Folge kann bloß lauten: Rückzug. “Suchen Sie Alter­na­tiven. Wenn alles anders kommt als geplant” heißt das entspre­chende Kapitel in meinem Karrie­re­ma­cher­buch. Vorher aber noch ein kleiner Tipp. Einmal “nein” sagen und Grenzen zeigen, reicht oft. Gut, wenn Sie wissen, dass Sie zur Not auch etwas anderes machen können.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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