Kate­go­rien

Die anony­mi­sierte Bewer­bung kommt im Sommer

Published On: 2. Juli 2010Cate­go­ries: Aktuell

Endlich: Wir sind auch in Deutsch­land der anonymen Bewer­bung einen Schritt näher. Auf Initia­tive der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle testen ab August fünf deut­sche Unter­nehme, darunter L´Oreal und Procter & Gamble anomy­mi­sierte Unter­lagen ohne Foto, Geburts­datum, Name etc. Über­fällig, denn in meiner Praxis merke ich immer wieder, dass es defi­nitiv Diskri­mi­nie­rung aufgrund dieser Faktoren gibt. Manchmal reicht es schon aus, “Kevin” zu heißen. Das riecht vielen Perso­na­lern, unbe­wusst versteht sich, nach Unter­schicht. Verdächtig sind auch Schul­be­suche in Hamburg-Steil­­shoop oder Köln-Chor­­weiler. Oder in Sibi­rien. Doch es trifft nicht nur die mit Migra­­tions- und Unter­schichts­hin­ter­grund. Sehr oft werden Frauen aussor­tiert, die “verhei­ratet”  den Lebens­lauf schreiben, aber noch kein Kind haben. Nicht selten von Frauen.

Aussehen ist ein weiterer Faktor. “Sie sehen nicht aus, als könnten Sie sich inte­grieren”, sagte ein Perso­naler einem Kunden am Telefon und begrün­dete damit die Absage (so ehrlich passiert das selten). Wahr­schein­lich hätte dieser Perso­naler, dazu befragt, mit seinem Bauch­ge­fühl argu­men­tiert. Darauf berufen sich allzu viele. Doch das vermeint­liche Bauch­ge­fühl ist nichts als ein Erfah­rungs­ge­fühl und unge­mein subjektiv. So wie die Wahr­neh­mung eines Fotos. Dass es Menschen mit sicht­baren Behin­de­rungen hier beson­ders schwer haben, brauche ich wohl nicht zu betonen. Aber auch alle, die nicht in einen teuren Foto­grafen inves­tieren, kassieren schnell ein “No”. Wer dummer­weise eine grüne Bluse trägt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass das als nonkon­for­mis­tisch empfunden werden könnte, wird nicht einge­laden. Und so weiter. Also weg mit diesem unnützen Foto und hin zu einer fakten­ori­en­tierten Entschei­dung.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 2. Juli 2010 at 16:25 — Reply

    Anonyme Bewerber…
    Wenn Chor­weiler, Marxloh oder Teheran die Über­ra­schung im persön­li­chen Gespräch wird, ist das denn wirk­lich soviel besser?
    Anonyme Bewer­bungen riechen nach viel Mehr­auf­wand, frag­li­chem Nutzen und Verant­wor­tungs­ver­la­ge­rung auf die Gespräche.
    Außerdem: wer würde sich denn über Produkte mit anony­mi­sierten Daten infor­mieren: Man stelle sich Auto- oder Compu­ter­zeit­schriften oder die TEST mit anony­mi­sierten Produkt­daten vor. Schließ­lich möchte man ja kein Unter­nehmen aufgrund der Natio­na­lität oder des Ausse­hens des Produktes benach­tei­ligen… (?).
    Arbeits­kraft ist eben auch eine ange­bo­tene Dienst­leis­tung.
    Ich glaube nicht an den Mehr­wert von anony­mi­sierten Bewer­bungen für Bewerber und für Arbeit­geber.
    Also gut: ich warte noch auf die Test­ergeb­nisse…

  2. Enrico Brie­gert 11. Juli 2010 at 5:05 — Reply

    Joachim Löw profi­tierte während der WM davon, dass die Nach­wuchs­trainer des DFB nach Leis­tung und nicht nach “sozialem Hinter­grund” aufstellten. Horst Hrubesch hatte bei der EM 2009 in Schweden über­wie­gend auf junge Spieler gesetzt, die aus Fami­lien stammen, die erst in den letzten 60 Jahren nach Deutsch­land einge­wan­dert sind. 2009 ist Deutsch­land U21-Euro­­pa­­meister geworden. Gestern gewann ein großer Teil dieser Mann­schaft das kleine Finale der WM.

  3. […] Schnörkel ist nicht meine Sache, das gefiel mir nicht. Genau das ist der Grund, aus dem ich anonyme Bewer­bungen bevor­zuge: Fotos beein­flussen, und zwar oft auch negativ. Ich will mich aber nicht von […]

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