Kate­go­rien

Lebens­läufe: alle bald schön bunt — und bis dahin?

Published On: 5. Juli 2011Cate­go­ries: Führung

Als ich neulich Visualize.me gesehen habe, wusste ich: Da geht die Reise hin! Ein bunter Lebens­lauf, der die indi­vi­du­ellen Aspekte heraus­greift und die Entde­­cker-und Schnell­lern­natur in mir anspricht. Und einen weiteren unschätz­baren Vorteil in der Welt der Bewer­bung der Zukunft hat: Er kann aus einem oder mehreren Inter­net­pro­filen per Klick gene­riert werden. Schon seit Jahren wundere ich mich, warum wir immer wieder brav unsere Text­bau­steine in starre Formu­lare eingeben und dabei wesent­liche Infor­ma­tionen außen vor lassen (müssen). Warum wir  lang­wei­lige Deck­blätter mit Fotos mitten­drauf erstellen, die Perso­nal­be­rater aus uner­find­li­chen Gründen immer noch lieben. Sogar die fort­schritt­li­chen und geschätzten Woll­milch­säue, die so ein Muster zum Down­load bieten.

Über­rascht war ich als neulich ein Brite zu mir kam – mit einer meiner Lebens­lauf­vor­lagen. Die war ihm in UK von einer Perso­nalagentur im Rahmen eines Bewer­ber­trai­nings als das Nonplus­ultra für deut­sche Bewer­bungen verkauft worden.  Das wird mir schon fast etwas unbe­hag­lich, denn ein Nonplus­ultra gibt es meiner Meinung nach nicht. Nur eine gute und bitte indi­vi­du­elle Lösung. Über die Urhe­ber­rechts­ver­let­zung an dieser Stelle sehe ich mal hinweg (norma­ler­weise habe ich eine fitte Anwältin).

Ich poche gerade bei Führungs­kräften, aber auch Projekt­ma­na­gern auf Leis­tungs­ar­gu­mente und empfehle öfter ein Profil auf der ersten Seite. Sehr gut gefallen hat mir deshalb der Beitrag in SPON von Ian McMaster, der TMI in deut­schen Lebens­läufen beklagte: Too much infor­ma­tion. Was geht mich an, dass ein Mann geschieden ist und sechs Kinder hat (neulich gesehen). Nichts. Ich will von sowas auch gar nicht erst beein­flusst werden. Ich pflege weiterhin eine Abnei­gung gegen ein Foto mitten auf einem weißen Blatt, und gegen zu viel Bild gene­rell, weil ich mir sach­liche  und ratio­nale Entschei­dungen wünsche und es mir auf den Nerv geht, dass wir einem unserer Kunden ernst­haft zur Bart­rasur raten musste, weil er vorher nie einge­laden wurde. True story — ohne Gesichts­haare klappte es mit dem Job.  Mir ist indes klar, dass wir Deut­schen noch nicht so weit sind; das Geze­tere um die anonyme Bewer­bung zeigt das. Deshalb rate ich einer Geschäfts­füh­rungs­as­sis­tentin und einem Key Account Manager selbst­re­dend immer noch zum Bild. Bekehr­ver­suche kann ich hier im Blog unter­nehmen 😉

Mein Credo für mehr Inhalt und teil­weise Farbe ist bei einigen Bewer­bern im Laufe der Jahre ange­kommen, schließ­lich hat sich meine Krea­tive Bewer­bungs­mappe seit 2004 mehr als 25.000 Mal verkauft (mein Kauf­tipp ist derzeit: 100% Bewer­bung). Leider waren die krea­tiven Ergüsse meiner Leser teil­weise.… sagen wir: weniger verkaufs­för­dernd, z.B. als Power­point­schlacht oder mit Word-Smar­t­arts. Ich sage zwar immer, dass das einzige, was ein Lebens­lauf errei­chen muss, das Gegen­über ist  — aber da man sich das schwer vorstellen kann, gibt es natür­lich Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­räume.

Gestern unter­hielt ich mich mit einer Dame, die x‑Personalveranwortliche gespro­chen und alle am Markt erhält­li­chen Bewer­bungs­bü­cher gelesen hat. Das Ergebnis: Kein Job, null Erfolg. Das wundert mich nicht, denn etwas zu Tode Opti­miertes hat keinen Charakter mehr. So wie ich es grund­sätz­lich für falsch halte, beruf­liche Dinge – auch Lebens­läufe – *für andere* zu machen. Sie machen das für sich selbst. Es geht um Ihre Ziele. Zu Ihren Zielen gehört es, einen Job zu bekommen oder einen Auftrag. Deshalb müssen Sie auf den anderen eingehen und seine Sprache spre­chen. Seine oder ihre Sprache ist aber ziem­lich sicher eine andere als die der 12 Perso­nal­ent­scheider, die Sie vorher gespro­chen haben. Sie werden nicht einen einzigen finden, der exakt die gleiche Ansicht hat wie ein anderer. Auch wir Autoren wider­spre­chen uns teils heftig.

Deshalb habe ich bereits schon einmal an dieser Stelle gesagt, dass es für mich nur ein einziges Krite­rium gibt, ob etwas „gut“ oder ein Rat sinn­voll ist: der Erfolg. Und wer es allen recht machen will, erreicht letzt­end­lich niemand richtig.

Mit dieser Einstel­lung geht fast alles besser. Mit Tabelle, ohne, schwarz­weiß , mit oder ohne Foto.  Und demnächst auch bunt. Ich freu mich drauf.

Ach ja, morgen lade ich drei Gestal­tungs­muster meiner Lebens­läufe bei Face­book hoch, nur für Fans. Bitte tragt´s nicht nach England 😉

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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7 Kommen­tare

  1. Jens Knöpfel, Hamburg 5. Juli 2011 at 15:36 — Reply

    Hallo Frau Hofert, toller Artikel, das sag ich ja schon seit Jahren ;-)))
    Viele Grüße und weiterhin auch viel Erfolg
    JK

  2. bee 12. Juli 2011 at 9:51 — Reply

    Vielen Dank für den Tipp, hab mich dort gleich mal ange­meldet und warte auf den Start 🙂 Find ich span­nend!

  3. […] Für Svenja Hofert geht die Reise ganz klar in Rich­tung peppig-bunt statt starre Text­bau­steine mit lang­wei­ligem Bild auf dem Deck­blatt. Ich bin da ein wenig verhal­tener: Gerade die Perso­nal­erszene in Deutsch­land ist noch sehr konser­vativ. […]

  4. […] Für Svenja Hofert geht die Reise ganz klar in Rich­tung peppig-bunt statt starre Text­bau­steine mit lang­wei­ligem Bild auf dem Deck­blatt. Ich bin da ein wenig verhal­tener: Gerade die Perso­nal­erszene in Deutsch­land ist noch sehr konser­vativ. […]

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