Kate­go­rien

Trotz AGG: Bewerber bewerben sich mit Fotos

Published On: 4. Juni 2008Cate­go­ries: Führung

Eigent­lich verbietet das Allge­meine Gleich­stel­lungs­ge­setz (AGG) die Benach­tei­li­gung von Bewer­bern nach Aussehen, Haut­farbe, Alter, Geschlecht etc. Fotos indes betonen Entschei­dungs­kri­te­rien, die eigent­lich nicht rele­vant sein dürften. Aus diesem Grund sind in den meisten Ländern, etwa Frank­reich Fotos unüb­lich. Dennoch setzen Bewerber in Deutsch­land weiter auf Fotos. Auf der anderen Seite aber fordern auch Unter­nehmen die Bilder ein (siehe z.B. mein Bericht in der Compu­ter­woche, Beispiel IDS Scheer). Meine Meinung: Unter­nehmen müssen Bewerber explizit und deut­lich auffor­dern, auf Fotos zu verzichten — dann wird auch auf Bewer­ber­seite ein Umdenken erfolgen und auch die Bewer­bungs­rat­geber werden umge­schrieben werden müssen. Im Moment haben Bewerber aber noch viel zu viel Angst vor einer Benach­tei­li­gung aus genau dem Grund, der Diskri­mi­nie­rung eigent­lich ausschließen soll: das fehlende Foto.

Svenja Hofert

Hier ein Auszug aus einer Meldung von Stellenanzeigen.de zum Thema:

In den USA ist die Bewer­bung ohne Bild längst der Normal­fall. Auch in deut­schen Perso­nal­ab­tei­lungen setzt sich aufgrund des im August 2006 verkün­deten AGG immer mehr die Tendenz durch, von den Bewer­bern kein Foto mehr zu verlangen. Das entspricht einer Empfeh­lung vieler Arbeits­rechtler hier­zu­lande, der die Perso­nal­ab­tei­lungen folgen. Während einige sich darauf beschränken, den Passus „mit Licht­bild“ aus ihren Anfor­de­rungen an eine voll­stän­dige Bewer­bung zu entfernen, raten andere gar ausdrück­lich „unnö­tige persön­liche Infor­ma­tionen wie ein Licht­bild“ nicht mitzu­schi­cken oder in die Online-Bewer­­bung hoch­zu­laden.

Eine aktu­elle Umfrage von stellenanzeigen.de deutet jetzt darauf hin, dass Recruiter in den meisten Fällen weiterhin Porträt­auf­nahmen der Bewerber betrachten können, auch wenn sie diese nicht ausdrück­lich verlangen. 71,9 Prozent der befragten Fach- und Führungs­kräfte würden demnach auch dann ein Bild bei ihrer Bewer­bung mitschi­cken, wenn der Arbeit­geber dieses nicht ausdrück­lich einfor­dert. 12,9 Prozent stimmten der Aussage zu „Wer kein Foto verlangt, bekommt in der Bewer­bung auch keines von mir“. 15,2 Prozent machen die Entschei­dung für oder gegen ein Bewer­bungs­foto „vom jewei­ligen Job oder Arbeit­geber“ abhängig. An der Online-Umfrage nahmen rund 1.200 Fach- und Führungs­kräfte teil.

Von den 5.000 aktu­ellen Profilen, die Fach- und Führungs­kräfte in der Online- Bewer­ber­da­ten­bank von stellenanzeigen.de hinter­legt haben, weist derzeit über die Hälfte ein Foto auf. „Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die meisten Bewer­be­rinnen und Bewerber in Deutsch­land trotz des AGG ein Bild als festen Bestand­teil der eigenen Präsen­ta­tion bei Arbeit­ge­bern betrachten“, sagt Michael Weiden­eder, Geschäfts­führer von stellenanzeigen.de.”

Mehr Info: http://www.stellenanzeigen.de/umfrage

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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