Wie jedes Jahr, habe ich dieses Mal mein persön­li­ches Karriere-Orakel befragt. Was ist, was kommt? Ein kleiner Über­blick:

Starke Posi­tion für Sie

Es gibt wieder Aufträge und Jobs! Frei­be­rufler und Bewerber sind so gefragt, dass die posi­tive Reso­nanz auf Initia­tiv­be­wer­bungen schon jetzt steigt. Gleich­zeitig fragen Unter­nehmen verstärkt, wer aus ihrer Beleg­schaft Freunde für Neuein­stel­lungen empfehlen kann.  Die Zahl der Bewer­bung pro Ausschrei­bung sinkt und mit ihr die Chance des Einzelnen, auch wenn er keinen perfekten Lebens­lauf hat. Das zieht auto­ma­tisch auch höhere Gehälter nach sich. Ange­stellte schauen neidisch auf frisch einge­stellte Spezia­listen, die z.B. zuvor frei­be­ruf­lich gear­beitet haben und ihre Forde­rungen leicht durch­setzen können. Und Frei­be­rufler freuen sich, dass selbst im Text- und Design­be­reich 300+ Tages­sätze wieder machbar sind — und teil­weise auch sehr viel höhere.

Netz­­werk-Flucht: Du kriegst mich nicht!

Im Zuge der erhöhten Nach­frage dreht sich auch der Social-Networ­king-Trend. „Du kriegst mich nicht!“ — Das denken sich immer mehr Xing-Mitglieder, die in ihren Jobs gut aufge­hoben sind und es satt haben, dauernd ange­worben zu werden oder Anfragen von Kontakte-Samm­­lern zu bekommen. Da geht der moderne Jobsu­cher doch lieber ins inter­na­tio­na­lere Linkedin.com, wo eine Kontak­te­samm­lung in der  Xing-Sammel-Manier unüb­lich ist. Wer gar keinen Job braucht, sondern vor allem Vitamin B pflegen will, wandert ab zu Face­book – da lassen sich Inter­essen viel besser teilen. Und daran, dass unsere Daten unsi­cher sind, haben wir uns doch sowieso alle längst gewöhnt!

Jobs gezwit­schert

Ja, Twitter habe ich auch erst Ende des Jahres so richtig entdeckt — ich konnte mir nicht vorstellen, dass das so span­nend sein könnte. Auch bei Monster und Co. steigen die Anzeigen, aber Unter­nehmen setzen vermehrt auf Anwerben über Twitter und Face­book. Die Firmen wissen schon, warum sie Twitter mögen:  Wer hier aktiv ist, ist besser infor­miert. Twit­terer gelten als offener — und offene Menschen brau­chen die Unter­nehmen der Zukunft, wenn sie wett­be­werbs­fähig bleiben wollen. Schade nur, dass die Quote der Twitter-Account–Inhaber mit 8,7% noch vergleichs­weise gering ist (eCircle-Studie) und viele der neuen, span­nenden Joban­ge­bote somit ins Leere laufen.

Schneller und spezi­eller

Der Trend lässt sich nicht mehr umkehren, ist aber dennoch noch nicht in den Köpfen ange­kommen: Berufe im tertiären Dienst­leis­tungs­sektor sterben und erholen sich auch nicht mehr von ihrem prekären Lohn-und Gehalts­ni­veau. Erschwe­rend dürfte ab Mai 2011 dazu­kommen, dass die Über­gangs­fristen der 2004 hinzu­kom­menden EU-Länder wie Polen enden. Das bedeutet: Die Konkur­renz auf dem deut­schen Arbeits­markt nimmt zu — sinkende Löhne und auch Hono­rare im Dienst­leis­tungs­sektor sind norma­ler­weise die Folge.

Eine aktu­elle Meldung des Insti­tuts für Arbeits­markt­for­schung, dessen Direktor Möller nun endlich einen Mindest­lohn für den Dienst­leis­tungs­sektor fordert — aus meiner Sicht einfach unum­gäng­lich — bestä­tigt meine These. Doch eine schwie­rige Lage entsteht auch für einfache Tätig­keiten, selbst in früher akade­mi­schen Berei­chen wie zum Beispiel Support, System­ad­mi­nis­tra­tion, mancher Bera­tung und Program­mie­rung (nicht Entwick­lung!). Diese verschwinden vom (deut­schen) Markt.  Ange­stellte und Selbst­stän­dige müssen sich neu posi­tio­nieren und in den quar­tären Sektor wech­seln, dort wo Wissen und Krea­tion im Vorder­grund steht – etwas, das kein Compu­ter­pro­gramm ersetzen kann. Buch­tipp dazu: Gunter Dueck “Aufbre­chen” — ich bin begeis­tert, denn es gibt sehr, sehr wenig Menschen, die intel­li­gent (selbst) Denken UND span­nend schreiben können.

Kopf- und Krea­tiv­leis­tungen werden wich­tiger, dafür verbil­ligt sich Umset­zung. Beispiel: Während früher für Layout-Täti­g­keiten Desi­gner gefragt waren, die bestimmte Programme beherrschten, kann Layout dank der Verein­fa­chung von Programmen heute von fast jedem erle­digt werden. Auch Orga­ni­sa­tion und Koor­di­nie­rung ist zuneh­mend gefragt – die Zahl der Projekt­ma­nage­ment­stellen steigt deshalb weiter. Da Effi­zienz dabei zentraler wird, gilt es hier mit Metho­den­wissen zu punkten, am besten zerti­fi­ziert.

Neue Jobpro­file

Im Zuge dieser Trends entstehen auch neue Jobs, z.B. Social-Media-Manager. Über­haupt sind die Social-Media-Kompe­­tenten gefragt wie nie zuvor, ob im Marke­ting oder HR-Bereich. Noch sind dieje­nigen, die den neuen Trend beherr­schen eher Nerds, also nicht unbe­dingt gewohnt auf eloquenter Manage­ment­ebene zu bestehen. Und Sascha Lobos, die sich mit Büchern Eintritt in die oberen Etagen verschaffen, gibt es auch nicht wie Sand am Meer. Diese Tatsache sorgt dafür, dass derzeit beson­ders dieje­nigen gefragt sind, die den Habitus verin­ner­licht haben. Das zeigt sich z.B. auch bei  mir in der Bera­tung: Social Media-Kompe­­tenz, einige meiner Kunden haben die, zahlt sich aus. Ist diese mit fundiertem Wissen und/oder Habi­turs verknüpft, stehen alle Türen offen. Aber bitte, liebe Unis: Wenn ihr jetzt Studi­en­gänge ins Programm nehmt, ist das wieder mal zu spät. Ein Studium muss Grund­lagen vermit­teln — nicht Aufbau­wissen. Das haben leider viele immer noch nicht verstanden.

Lasst euch moti­vieren

Während die Arbeit­nehmer vermehrt ausschwärmen, um bessere Jobs zu finden, versu­chen Unter­nehmen, ihre Mitar­beiter zu halten  und an sich zu binden. Dabei sind sie gezwungen, sich mehr Gedanken über Moti­va­tion zu machen – die in vielen Unter­nehmen prak­tisch auf der Strecke bleibt. Das Auto, lange Zeit Lock­mittel Nummer 1, verschwindet in nicht mehr zeit­ge­mäßen Dienst­leis­tungs­ver­ord­nungen. Iphone (out, seitdem es bei Voda­fone erhält­lich ist) und UMTS-Karte bieten auch schon lange keinen Moti­va­ti­ons­kick mehr. Es bleibt nur eins: Arbeit­geber müssen mehr Flexi­bi­lität bei der Arbeits­­zeit- und Orts­ge­stal­tung bieten – und span­nende Aufgaben. Ach könnte, doch jeder bei Google arbeiten, wo sich 20% der Arbeits­zeit für eigene Projekte verwenden lassen… Oder doch besser nicht: Denn Leis­tung ist eben nicht Moti­va­tion für jeden. Das zu unter­scheiden, darin liegt die Heraus­for­de­rung — und mit der Moti­va­ti­ons­for­schung, die sich etwa in dem von mir einge­setzten Reiss-Profil abbildet, geht das auch.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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