Kate­go­rien

Die 5 Gesetze mensch­li­cher Dumm­heit — und was wirk­lich schlau wäre

Published On: 7. Januar 2022Cate­go­ries: Führung, Klas­siker

Wie kann man nur …? Falls Sie sich manchmal über Ihre Mitmen­schen wundern, geben Sie es besser auf. Es ist einfach nicht zu fassen, jeder hat eine eigene Erklä­rung dafür, sich für dies oder jenes zu entscheiden. Und die ist vom eigenen Stand­punkt aus immer logisch — und natür­lich schlau. Wenn Sie schlau sind, dann werden Sie spätes­tens nach dem Lesen dieses Beitrags bitte Teil meiner Weiter­­denken-Commu­­nity. Danke.

Mit dem IQ hat Dumm­heit nichts zu tun

Doch ganz so relativ ist es nicht. Dumm­heit ist nicht nur eine Frage der Perspek­tive. Sie hat auch mit dem IQ nichts zu tun. Auch Menschen mit hohem IQ haben dumme Meinungen und treffen am laufenden Band dumme Entschei­dungen. Ich schließe mich ausdrück­lich ein. Ihnen über­lasse ich das jetzt mal, schenke Ihnen aber ein Frage­zei­chen. Ein wenig allge­meine Verun­si­che­rung ist der allge­meinen Klug­heit sicher zuträg­lich. Nun fragen Sie sich viel­leicht, wie man genau unter­scheidet, was dumm und was klug ist — und es gibt eine Antwort.

Nach dem Gesetz einer ratio­nalen Logik — es mag noch andere geben — ist derje­nige dumm, der es nicht mal schafft, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, sondern sich selbst UND anderen schadet. Und danach ist derje­nige schlau, der sowohl sich selbst als auch anderen Nutzen zufügt. Der Schlüssel liegt also in der Verbin­dung, im Blick auf mich UND dich, auf das Ich im Wir — so könnte man es auch sagen.

Dumm­heit nimmt zu

Vor einiger Zeit fiel mir ein kleines Büch­lein in die Hand, welches die Frage dieses Beitrags auf wunderbar einfache, aber dennoch analy­ti­sche Weise löst. Es stammt vom 2000 verstor­benen Histo­riker Carlo M. Cipolla und heißt „The basic laws of human stupi­dity” – und ist leider auf Deutsch nicht mehr verfügbar. Der Essay wurde schon in den 1970er-Jahren auf Italie­nisch verfasst und verdient breite Aufmerk­sam­keit.

Denn, dies ist jetzt meine Einschät­zung, vermut­lich stehe ich aber nicht allein da: Dumm­heit nimmt beängs­ti­gend zu. Man sieht es daran, dass wegen “Corona” Freund­schaften zerbra­chen, am Ende nur, weil jeder recht haben wollte und irgendwie auch hatte.

Es liegt wohl an der wach­senden Komple­xität., Omni­krise. Es gibt immer weniger Gewiss­heiten. Kaum macht man das eine, rächt sich schon das andere.

Die allge­meine Verblö­dung

Komple­xität braucht die Einsicht, dass keine Entschei­dung die rich­tige ist und Endgül­tig­keit eine Illu­sion. Es braucht auch Prin­zi­pien, wie man etwas entscheidet, eine Haltung. Doch nicht wenige Menschen, auch eben sehr Intel­li­gente, suchen die ganzen Wider­sprüche, all das Unklare, Unsi­chere, Unein­deu­tige „zu redu­zieren“ – mitnichten jedoch auf kluge Weise. Exper­tise selbst sorgt auch für Reduk­tion. Denn wenn ich nur das eine ganz genau betrachte, entgeht mir das andere.

Die meisten Menschen versu­chen eher mit einem Hammer auf alles der eigenen Meinung Wider­spre­chende einzu­schlagen, in der natür­lich vergeb­li­chen Hoff­nung, die Unein­deu­tig­keit möge verschwinden und der Funke der eigenen Meinung auf den anderen über­springen.

Doch mit jedem gewalt­samen Vernich­tungs­schlag verbreitet sie sich weiter. Und jetzt kommen wir zu Carlo und seiner wie ich finde schlauen Logik. Zunächst einmal zu seinen 5 Gesetzen mensch­li­cher Dumm­heit — und dann zu einer Idee von mir.

Und nun zu den 5 Gesetzen:

1. Gesetz: Wir unter­schätzen die reine Zahl der dummen Indi­vi­duen.

Dass wir das tun, zeigt sich eben daran, dass wir uns wundern, wie es sein kann … dass Hans-Peter weiter in seinem unge­liebten Job bleibt, obwohl er weder seinem Arbeit­geber Freude macht noch selbst zufrieden ist. Wir haben also keinen Nutzen für uns selbst und auch keinen für andere. Das hilft uns nicht und auch sonst niemand.

2. Gesetz: Die Wahr­schein­lich­keit, dass eine bestimmte Person dumm ist, ist unab­hängig von anderen Merk­malen wie Intel­li­genz, sozialer Status etc.

Oft denken wir, Menschen mit einem höheren IQ müssten auch klügere Entschei­dungen treffen. Cipolla hat Nobel­preis­träger analy­siert – sie sind genauso dumm wie jemand mit Haupt­schul­ab­schluss. Denn sie treffen ebenso Entschei­dungen, die ihnen selbst und anderen schaden. Ich erin­nere mich an die in „Brand­eins“ publi­zierte Geschichte eines Nobel­preis­trä­gers, der einen Fehler in einer Excel­ta­belle, die wesent­lich für seine Forschungen war, vertuschte. Mit großer Wahr­schein­lich­keit kommt so was irgend­wann in der Zukunft heraus wie der berühmte Komma­fehler bei der Berech­nung des Eisen­ge­halts im Spinat. Anderen nutzt so ein Fake auch nicht — aber einem selbst zumin­dest nach einiger Zeit nicht mehr. Wenn wir davon ausgehen, dass alles irgend­wann mal raus­kommt, das eine gewisse Öffent­lich­keit erreicht.…dann ist dieser Satz eben nicht Gegen­warts­be­zogen.

Die poli­zei­liche Aufklä­rungs­quote bei Mord betrug 2020 93,5%. Nun ja. Wie hoch die Aufklä­rungs­quote poli­ti­scher Lügen ist… Das über­lasse ich jetzt Ihrer Recherche. Oder doch Ihrem Denk­ap­parat?

3. Gesetz: Eine dumme Person ist eine Person, die Verluste in einer anderen Person oder in Gruppen verur­sacht, während sie selbst keine Gewinne und Vorteile erzielt, sondern glei­cher­maßen Verluste.

Stellen Sie sich das mit Minus und Plus vor. Eine dumme Person sorgt für ein fettes Minus überall. Sogar ein Bandit ist da schlauer – er erzielt wenigs­tens Vorteile für sich selbst. Dabei gibt es laut Cipolla intel­li­gente und dumme Banditen. Die intel­li­genten verhalten sich so, dass es für die anderen nicht ganz schlecht ausgeht. Sie nutzen im Betrieb z.B. Zoom, obwohl es seitens des Daten­schutzes nicht erlaubt ist. Aber großen Schaden fügen sie auch keinem zu. Nun lohnt es sich auch hier mal die Zukunfts­per­spek­tiven dazu zunehmen. Ist das nur für den Moment so oder gilt es auch künftig?

Verän­dert es sogar die Zukunft? Die “zukünf­tige Zukunft” kann die gegen­wär­tige Gegen­wart verän­dern. Echt!

4. Gesetz: Nicht­dumme Menschen unter­schätzen regel­mäßig die zerstö­re­ri­sche Macht der dummen Leute. Intel­li­gente Menschen vergessen verläss­lich, dass es sich immer und in jedem Fall als teurer Fehler heraus­stellt, mit dummen Leuten zu koope­rieren.

Wenn Sie poli­tisch inter­es­siert sind, dann wandern Sie in Gedanken hin zu den wirk­lich blöden Sachen. Teure Fehler sind Fehler, die auf allen Seiten ein Minus erzeugen. Nun ist das in histo­ri­scher Betrach­tung und retro­spektiv oft einfa­cher zu ermit­teln als im Hier und Jetzt. Und das ist viel­leicht auch das Schwie­rige daran.

So wie der Dumme den Schlauen nicht erkennt, so wird der Dumme dieses Gesetz so lange auf sich beziehen, bis die Schlauen ihn eines Besseren belehrt haben. Was echt lange dauern kann … Vor allem wenn es ums Belehren geht. Denn Menschen lassen sich nicht belehren, das bringt sie in den Wider­stand. Ich werde Sie deshalb auch über­haupt nicht belehren. Kein Stück. Denken Sie selber.

5. Gesetz: Eine dumme Person ist die gefähr­lichste über­haupt.

Das ist nun das nächste große Ding. Wer die Gefahr selbst nicht sieht, nimmt sie auch nicht wahr. Wer sich selbst gar nicht infrage stellt, kann auch seine Intel­li­genz nicht infrage stellen. Eben das ist ja genau die Dumm­heit. Deshalb werden wir uns wohl weiter kräftig wundern, ärgern und den anderen unmög­lich finden.

Aber, wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann wollen Sie doch lieber schlau sein. Carlo Cipolla unter­scheidet am Ende vier Typen: den Dummen, den Schlauen, den Hilf­losen und den Banditen. Das ist natür­liche eine humor­volle Über­trei­bung. Denn eigent­lich sind es eher die Entschei­dungen eines Menschen, die dumm oder klug sind — und nicht die Menschen selbst.

Was ist klug? Matrix von Svenja Hofert, nach Carlo M. Cipolla

Deshalb habe ich seine Matrix für Entschei­dungen über­setzt. Denn ich meine: Auch Meinungen sind Entschei­dungen, nämlich die Entschei­dung, eine Meinung zu haben.

Wo in der Matrix liegt die Entschei­dung, die Sie gerade treffen? Aus Ihrer Sicht – und aus der Sicht von anderen?

Prüfen Sie mal Ihre nächste. Also das ist jetzt wirk­lich schlau.

Und jetzt noch eine Idee: Wie verän­dert sich das, wenn Sie die Dimen­sion “gegen­wär­tige Zukunft” dazu nehmen? Und was wenn Sie sogar noch weiter gehen und sich fragen, wie die Zukunft, die Sie derzeit noch gar nicht erkennen können, diese Entschei­dung beein­flusst?

Viel Spaß: Denn jetzt fangen Sie mal bitte an, richtig an zu denken.

Mehr zu Dumm­heit und IQ

Hier finden Sie ein Video, das die 5 Gesetze mensch­li­cher Dumm­heit erläu­tert:

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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10 Kommen­tare

  1. Tom 17. Januar 2022 at 0:05 — Reply

    Mehr Emotion, weniger Ratio
    Wie ticken wir Menschen? Forscher haben jetzt heraus­ge­funden, dass sich die Ratio­na­lität auf dem Rückzug befindet. Von Norbert Lossau

    Das mensch­liche Gehirn kann in zwei unter­schied­li­chen Modi arbeiten – intuitiv-emotional oder fakten­­ba­­siert-rational. In aller Regel sind Menschen zu beidem fähig, und die konkrete Balance sagt viel über die jewei­lige Persön­lich­keit aus. Wir kennen aber auch Klischee­bilder von ausschließ­lich rational und nur emotional tickenden Menschen – zum Beispiel Nerds oder Dumm­chen.

    Seit einigen Jahren wird geraunt, dass es eine Entwick­lung weg von der Ratio­na­lität hin zu gefühlten Wahr­heiten geben würde. Sogar das Schlag­wort vom „post­fak­ti­schen Zeit­alter“ macht die Runde. Forscher der nieder­län­di­schen Univer­sität Wagen­ingen und der Indiana Univer­sity haben nun nach­ge­wiesen, dass die gesell­schaft­liche Verschie­bung von der Ratio­na­lität hin zur Emotio­na­lität bereits in den 1980er-Jahren begann und kein neuer Trend ist.

    Die Forscher analy­sierten Artikel in der „New York Times“ und Buch­texte, die seit 1850 erschienen sind – sowohl Belle­tristik als auch Sach­bü­cher. Sie werteten aus, wie häufig Worte verwendet werden, die auf einen „ratio­nalen Kontext“ schließen lassen – also Worte wie „Schluss­fol­ge­rung“ oder „verur­sa­chen“. Zum anderen wurden Worte wie „fühlen“ oder „glauben“ gezählt, die auf emotio­nale Aspekte hindeuten.

    Ergebnis: Von 1850 bis 1980 stieg der „ratio­nale Anteil“ in der Zeitung und in den Büchern beständig. Dann gab es eine Trend­um­kehr, und das Emotio­nale gewann mehr und mehr an Bedeu­tung. Diese Entwick­lung verstärkte sich ab 2007. Die Forscher inter­pre­tieren das mit der begin­nenden Nutzung von sozialen Medien.

  2. Gabriel 20. Januar 2022 at 22:10 — Reply

    Inter­ak­tive Intel­li­genz wäre das Thema — wie können sich Sicht­weisen ergänzen, damit kluge Menschen zusammen klüger werden und sich nicht Lösungen auf dem kleinsten gemein­samen Nenner einpen­deln.
    Dazu ist die Kultur ein unter­schätzter Para­meter: https://youtu.be/cU3prxlgTds

  3. Günter 1. März 2023 at 23:45 — Reply

    Der Ansatz ist schon da, man sollte Dumm­heit von Blöd­heit unter­scheiden. Ein blöder Mensch muss nicht dumm sein.

  4. Roni 23. Januar 2024 at 17:44 — Reply

    In dem Bild fehlt die dritte Achse, welche die Zeit darstellt. Denn bei jeder Hand­lung stellt sich auch die Frage der Nach­hal­tig­keit und die wird in der Zukunft beant­wortet.

    • Svenja Hofert 23. Januar 2024 at 18:20 — Reply

      ja, gute Idee!

  5. Claude von Hagen 13. April 2024 at 11:09 — Reply

    “Natür­li­cher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
    aber keine Bildung den natür­li­chen Verstand.” Scho­pen­hauer

  6. Alex 12. Juni 2024 at 13:08 — Reply

    ich unter­scheide zwischen Fähig­keit zur Reife (ja/ nein?) und etwas ungenau:
    falls ja:
    dann Fähig­keit, so viele Unge­wiss­heiten wie möglich auszu­halten bzw. Abstrak­ti­ons­ver­mögen.

    Das eine ist so eine Art Antwort ob man über­haupt intel­li­gent ist (genauer wäre die das an der Lebens­mitte etwa das Vorhan­den­sein von Reife), und falls ja, zeigt die Abstrak­ti­ons­fä­hig­keit dann den Grad an (für mich heißt das dann bspw., dass man Program­mieren Lernen kann — meine Sicht­weise ist beruf­lich geprägt).

    Fehler kann man schon aufgrund der Komple­xität aber trotzdem (bei hoher Intel­li­genz) machen — man kennt sich ja als Inge­nieur bspw. nicht voll­um­fäng­lich in medi­zi­ni­schen Fragen aus.

  7. Fran­ziska 23. Februar 2026 at 11:46 — Reply

    es muss nicht unbe­dingt etwas mit Dumm­heit zu tun haben, länger an einem Arbeits­platz zu verbleiben, als dem Gegen­über u einem selbst gut tut.
    woher ich das weiß? eigene Erfah­rung, sowie psycho­lo­gi­sche Mecha­nismen
    liebe Grüße.

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