Kategorien
Die 5 Gesetze menschlicher Dummheit — und was wirklich schlau wäre

Wie kann man nur …? Falls Sie sich manchmal über Ihre Mitmenschen wundern, geben Sie es besser auf. Es ist einfach nicht zu fassen, jeder hat eine eigene Erklärung dafür, sich für dies oder jenes zu entscheiden. Und die ist vom eigenen Standpunkt aus immer logisch — und natürlich schlau. Wenn Sie schlau sind, dann werden Sie spätestens nach dem Lesen dieses Beitrags bitte Teil meiner Weiterdenken-Community. Danke.
Mit dem IQ hat Dummheit nichts zu tun
Doch ganz so relativ ist es nicht. Dummheit ist nicht nur eine Frage der Perspektive. Sie hat auch mit dem IQ nichts zu tun. Auch Menschen mit hohem IQ haben dumme Meinungen und treffen am laufenden Band dumme Entscheidungen. Ich schließe mich ausdrücklich ein. Ihnen überlasse ich das jetzt mal, schenke Ihnen aber ein Fragezeichen. Ein wenig allgemeine Verunsicherung ist der allgemeinen Klugheit sicher zuträglich. Nun fragen Sie sich vielleicht, wie man genau unterscheidet, was dumm und was klug ist — und es gibt eine Antwort.
Nach dem Gesetz einer rationalen Logik — es mag noch andere geben — ist derjenige dumm, der es nicht mal schafft, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, sondern sich selbst UND anderen schadet. Und danach ist derjenige schlau, der sowohl sich selbst als auch anderen Nutzen zufügt. Der Schlüssel liegt also in der Verbindung, im Blick auf mich UND dich, auf das Ich im Wir — so könnte man es auch sagen.
Dummheit nimmt zu
Vor einiger Zeit fiel mir ein kleines Büchlein in die Hand, welches die Frage dieses Beitrags auf wunderbar einfache, aber dennoch analytische Weise löst. Es stammt vom 2000 verstorbenen Historiker Carlo M. Cipolla und heißt „The basic laws of human stupidity” – und ist leider auf Deutsch nicht mehr verfügbar. Der Essay wurde schon in den 1970er-Jahren auf Italienisch verfasst und verdient breite Aufmerksamkeit.
Denn, dies ist jetzt meine Einschätzung, vermutlich stehe ich aber nicht allein da: Dummheit nimmt beängstigend zu. Man sieht es daran, dass wegen “Corona” Freundschaften zerbrachen, am Ende nur, weil jeder recht haben wollte und irgendwie auch hatte.
Es liegt wohl an der wachsenden Komplexität., Omnikrise. Es gibt immer weniger Gewissheiten. Kaum macht man das eine, rächt sich schon das andere.
Die allgemeine Verblödung
Komplexität braucht die Einsicht, dass keine Entscheidung die richtige ist und Endgültigkeit eine Illusion. Es braucht auch Prinzipien, wie man etwas entscheidet, eine Haltung. Doch nicht wenige Menschen, auch eben sehr Intelligente, suchen die ganzen Widersprüche, all das Unklare, Unsichere, Uneindeutige „zu reduzieren“ – mitnichten jedoch auf kluge Weise. Expertise selbst sorgt auch für Reduktion. Denn wenn ich nur das eine ganz genau betrachte, entgeht mir das andere.
Die meisten Menschen versuchen eher mit einem Hammer auf alles der eigenen Meinung Widersprechende einzuschlagen, in der natürlich vergeblichen Hoffnung, die Uneindeutigkeit möge verschwinden und der Funke der eigenen Meinung auf den anderen überspringen.
Doch mit jedem gewaltsamen Vernichtungsschlag verbreitet sie sich weiter. Und jetzt kommen wir zu Carlo und seiner wie ich finde schlauen Logik. Zunächst einmal zu seinen 5 Gesetzen menschlicher Dummheit — und dann zu einer Idee von mir.
Und nun zu den 5 Gesetzen:
1. Gesetz: Wir unterschätzen die reine Zahl der dummen Individuen.
Dass wir das tun, zeigt sich eben daran, dass wir uns wundern, wie es sein kann … dass Hans-Peter weiter in seinem ungeliebten Job bleibt, obwohl er weder seinem Arbeitgeber Freude macht noch selbst zufrieden ist. Wir haben also keinen Nutzen für uns selbst und auch keinen für andere. Das hilft uns nicht und auch sonst niemand.
2. Gesetz: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Person dumm ist, ist unabhängig von anderen Merkmalen wie Intelligenz, sozialer Status etc.
Oft denken wir, Menschen mit einem höheren IQ müssten auch klügere Entscheidungen treffen. Cipolla hat Nobelpreisträger analysiert – sie sind genauso dumm wie jemand mit Hauptschulabschluss. Denn sie treffen ebenso Entscheidungen, die ihnen selbst und anderen schaden. Ich erinnere mich an die in „Brandeins“ publizierte Geschichte eines Nobelpreisträgers, der einen Fehler in einer Exceltabelle, die wesentlich für seine Forschungen war, vertuschte. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt so was irgendwann in der Zukunft heraus wie der berühmte Kommafehler bei der Berechnung des Eisengehalts im Spinat. Anderen nutzt so ein Fake auch nicht — aber einem selbst zumindest nach einiger Zeit nicht mehr. Wenn wir davon ausgehen, dass alles irgendwann mal rauskommt, das eine gewisse Öffentlichkeit erreicht.…dann ist dieser Satz eben nicht Gegenwartsbezogen.
Die polizeiliche Aufklärungsquote bei Mord betrug 2020 93,5%. Nun ja. Wie hoch die Aufklärungsquote politischer Lügen ist… Das überlasse ich jetzt Ihrer Recherche. Oder doch Ihrem Denkapparat?
3. Gesetz: Eine dumme Person ist eine Person, die Verluste in einer anderen Person oder in Gruppen verursacht, während sie selbst keine Gewinne und Vorteile erzielt, sondern gleichermaßen Verluste.
Stellen Sie sich das mit Minus und Plus vor. Eine dumme Person sorgt für ein fettes Minus überall. Sogar ein Bandit ist da schlauer – er erzielt wenigstens Vorteile für sich selbst. Dabei gibt es laut Cipolla intelligente und dumme Banditen. Die intelligenten verhalten sich so, dass es für die anderen nicht ganz schlecht ausgeht. Sie nutzen im Betrieb z.B. Zoom, obwohl es seitens des Datenschutzes nicht erlaubt ist. Aber großen Schaden fügen sie auch keinem zu. Nun lohnt es sich auch hier mal die Zukunftsperspektiven dazu zunehmen. Ist das nur für den Moment so oder gilt es auch künftig?
Verändert es sogar die Zukunft? Die “zukünftige Zukunft” kann die gegenwärtige Gegenwart verändern. Echt!
4. Gesetz: Nichtdumme Menschen unterschätzen regelmäßig die zerstörerische Macht der dummen Leute. Intelligente Menschen vergessen verlässlich, dass es sich immer und in jedem Fall als teurer Fehler herausstellt, mit dummen Leuten zu kooperieren.
Wenn Sie politisch interessiert sind, dann wandern Sie in Gedanken hin zu den wirklich blöden Sachen. Teure Fehler sind Fehler, die auf allen Seiten ein Minus erzeugen. Nun ist das in historischer Betrachtung und retrospektiv oft einfacher zu ermitteln als im Hier und Jetzt. Und das ist vielleicht auch das Schwierige daran.
So wie der Dumme den Schlauen nicht erkennt, so wird der Dumme dieses Gesetz so lange auf sich beziehen, bis die Schlauen ihn eines Besseren belehrt haben. Was echt lange dauern kann … Vor allem wenn es ums Belehren geht. Denn Menschen lassen sich nicht belehren, das bringt sie in den Widerstand. Ich werde Sie deshalb auch überhaupt nicht belehren. Kein Stück. Denken Sie selber.
5. Gesetz: Eine dumme Person ist die gefährlichste überhaupt.
Das ist nun das nächste große Ding. Wer die Gefahr selbst nicht sieht, nimmt sie auch nicht wahr. Wer sich selbst gar nicht infrage stellt, kann auch seine Intelligenz nicht infrage stellen. Eben das ist ja genau die Dummheit. Deshalb werden wir uns wohl weiter kräftig wundern, ärgern und den anderen unmöglich finden.
Aber, wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann wollen Sie doch lieber schlau sein. Carlo Cipolla unterscheidet am Ende vier Typen: den Dummen, den Schlauen, den Hilflosen und den Banditen. Das ist natürliche eine humorvolle Übertreibung. Denn eigentlich sind es eher die Entscheidungen eines Menschen, die dumm oder klug sind — und nicht die Menschen selbst.
Deshalb habe ich seine Matrix für Entscheidungen übersetzt. Denn ich meine: Auch Meinungen sind Entscheidungen, nämlich die Entscheidung, eine Meinung zu haben.
Wo in der Matrix liegt die Entscheidung, die Sie gerade treffen? Aus Ihrer Sicht – und aus der Sicht von anderen?
Prüfen Sie mal Ihre nächste. Also das ist jetzt wirklich schlau.
Und jetzt noch eine Idee: Wie verändert sich das, wenn Sie die Dimension “gegenwärtige Zukunft” dazu nehmen? Und was wenn Sie sogar noch weiter gehen und sich fragen, wie die Zukunft, die Sie derzeit noch gar nicht erkennen können, diese Entscheidung beeinflusst?
Viel Spaß: Denn jetzt fangen Sie mal bitte an, richtig an zu denken.
Mehr zu Dummheit und IQ
Hier finden Sie ein Video, das die 5 Gesetze menschlicher Dummheit erläutert:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ich empfehle Ihnen auch meinen Podcast mit Frauke Niehues
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

Mehr Emotion, weniger Ratio
Wie ticken wir Menschen? Forscher haben jetzt herausgefunden, dass sich die Rationalität auf dem Rückzug befindet. Von Norbert Lossau
Das menschliche Gehirn kann in zwei unterschiedlichen Modi arbeiten – intuitiv-emotional oder faktenbasiert-rational. In aller Regel sind Menschen zu beidem fähig, und die konkrete Balance sagt viel über die jeweilige Persönlichkeit aus. Wir kennen aber auch Klischeebilder von ausschließlich rational und nur emotional tickenden Menschen – zum Beispiel Nerds oder Dummchen.
Seit einigen Jahren wird geraunt, dass es eine Entwicklung weg von der Rationalität hin zu gefühlten Wahrheiten geben würde. Sogar das Schlagwort vom „postfaktischen Zeitalter“ macht die Runde. Forscher der niederländischen Universität Wageningen und der Indiana University haben nun nachgewiesen, dass die gesellschaftliche Verschiebung von der Rationalität hin zur Emotionalität bereits in den 1980er-Jahren begann und kein neuer Trend ist.
Die Forscher analysierten Artikel in der „New York Times“ und Buchtexte, die seit 1850 erschienen sind – sowohl Belletristik als auch Sachbücher. Sie werteten aus, wie häufig Worte verwendet werden, die auf einen „rationalen Kontext“ schließen lassen – also Worte wie „Schlussfolgerung“ oder „verursachen“. Zum anderen wurden Worte wie „fühlen“ oder „glauben“ gezählt, die auf emotionale Aspekte hindeuten.
Ergebnis: Von 1850 bis 1980 stieg der „rationale Anteil“ in der Zeitung und in den Büchern beständig. Dann gab es eine Trendumkehr, und das Emotionale gewann mehr und mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung verstärkte sich ab 2007. Die Forscher interpretieren das mit der beginnenden Nutzung von sozialen Medien.
Interaktive Intelligenz wäre das Thema — wie können sich Sichtweisen ergänzen, damit kluge Menschen zusammen klüger werden und sich nicht Lösungen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einpendeln.
Dazu ist die Kultur ein unterschätzter Parameter: https://youtu.be/cU3prxlgTds
Der Ansatz ist schon da, man sollte Dummheit von Blödheit unterscheiden. Ein blöder Mensch muss nicht dumm sein.
In dem Bild fehlt die dritte Achse, welche die Zeit darstellt. Denn bei jeder Handlung stellt sich auch die Frage der Nachhaltigkeit und die wird in der Zukunft beantwortet.
ja, gute Idee!
“Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
aber keine Bildung den natürlichen Verstand.” Schopenhauer
ich unterscheide zwischen Fähigkeit zur Reife (ja/ nein?) und etwas ungenau:
falls ja:
dann Fähigkeit, so viele Ungewissheiten wie möglich auszuhalten bzw. Abstraktionsvermögen.
Das eine ist so eine Art Antwort ob man überhaupt intelligent ist (genauer wäre die das an der Lebensmitte etwa das Vorhandensein von Reife), und falls ja, zeigt die Abstraktionsfähigkeit dann den Grad an (für mich heißt das dann bspw., dass man Programmieren Lernen kann — meine Sichtweise ist beruflich geprägt).
Fehler kann man schon aufgrund der Komplexität aber trotzdem (bei hoher Intelligenz) machen — man kennt sich ja als Ingenieur bspw. nicht vollumfänglich in medizinischen Fragen aus.
es muss nicht unbedingt etwas mit Dummheit zu tun haben, länger an einem Arbeitsplatz zu verbleiben, als dem Gegenüber u einem selbst gut tut.
woher ich das weiß? eigene Erfahrung, sowie psychologische Mechanismen
liebe Grüße.