Kate­go­rien

Die Kunst des Loslas­sens: Wie Sie die Dinge locker(er) sehen

Published On: 30. April 2014Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Wir sollen Ziele haben! Dinge unbe­dingt wollen! Und doch ist es gerade das, dieses Unbe­­dingt-wollen-sollen, was uns anspannt, verkrampft,  fest­hält, manchmal sogar in Ehrgeiz erstarren lässt. Klappt das — jetzt, endlich, sofort? Was, wenn nicht? Gedanken kreisen wie Fliegen um den Kopf. In solch einer Situa­tion wird weder das Joban­gebot noch der Auftrag kommen. Dann heißt es: Loslassen!

MS Office

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Einmal bekam ich von einer lang­jäh­rigen, ganz tollen Kundin inner­halb von drei Tagen erst eine ange­spannte Mail (es muss!), dann eine „ich lasse los“-Mail und schließ­lich „juchu, der Auftrag ist da“. Ich sende zwischen­durch manchmal Inter­ven­tionen, ein Wort, ein Satz, ein Bild. Manchmal lasse ich mir Übungen einfallen, je nachdem, mit wem ich es zu tun habe, mal mehr mal weniger kreativ.

Unbe­dingt wollen ermög­licht und verhin­dert Erfolg zugleich

Aber wie kann das sein? Man will etwas unbe­dingt und setzt sich voll­kommen smarte Ziele, ähnlich eines Richard Bran­sons, aber anders als bei ihm Sache wird nichts aus den Vorhaben oder scheinbar nichts… Ich bin nicht esote­risch, keine Ahnung wieso solche Dinge passieren. Die meisten Trainer und Berater kennen die  Sommer­fe­ri­en­panik, wenn alle Felle davon zu schwimmen scheinen und “kein Schwein ruft mich an, keine Sau inter­es­siert sich für mich” im Kopf surrt. Kenne ich auch. Im Grunde wünsche ich mir nichts sehn­li­cher als mehr Zeit, aber wenn sie dann da ist, ist es auch nicht gut. Der Verstand ist d´accord, aber das Herz meldet: So aber dann auch wieder nicht.

Aber wie schafft man es loszu­lassen? Und wo bitte ist die Grenze zwischen gesundem Ehrgeiz und verkrampften Ich-will-aber-auf-jeden-Fall-sonst…. Viel­leicht ist das eine Erwach­­senen-Ich und das andere trot­ziges Kind-Ich. Die trans­ak­ti­ons­ana­ly­ti­sche Unter­schei­dung hilft schon mal etwas, rational gesehen. Natür­lich sollten Sie sich in den Erwach­­senen-Ich-Zustand versetzen. Das Kind-Ich mit Hilfe vom Eltern-Ich in den Keller sperren und aus der Mitte Ihrer selbst sagen: „Die werden sich melden, nicht sofort, aber sie werden. Beschäf­tige dich mich etwas anderem, hab einen Plan B.“ (wenn jemand auf eine Jobzu­sage warten). Oder: „Es ist normal, bis jemand einen Auftrag zusagt, dauert es eben. Erst recht, wenn du darauf wartest.“

Eine andere Methode liegt darin, die Kunst der Entspan­nung zu üben. Die hat mein Sohn aus einem LTB (für Lustiges Taschen­buch). Danach legt man sich bein­über  einen Sessel, lässt den Kopf runter­bau­meln  und kreuzt zwei Finger und den großen Zeh über den kleinen. (Während Sie das versu­chen, werden Sie eine ganze Menge von all dem Ballast vergessen haben). Alter­nativ medi­tieren. Yoga. Oder einfach mal 10 Kilo­meter laufen und sich die Ohren mit lauter Musik zudröhnen (Vorsicht, Fahr­ge­räu­sche!). Alter­nativ sich von jemand etwas Aufmun­terndes sagen lassen, der klug ist oder weise oder einfach nur sehr einfühlsam.

Berech­nung führt auf den Holzweg

Vor allem muss man aber wirk­lich loslassen. Es ist durch nichts Ratio­nales zu erklären, doch Tatsache ist, dass berech­nendes Loslassen nichts bringt. Wenn ich also denke „ich lasse los, um X zu errei­chen“ oder gar „ich lasse nur los, wenn ich mir sicher bin, es bringt was“ bin ich schon mitten auf dem Holzweg. Es muss anfangen, einem wirk­lich … nicht unbe­dingt egal… aber SO wichtig zu sein. Gut, dann klappt dieser Job nicht. Hält mich aber nicht ab davon, weiter zu suchen. „Okay, dann dauert dieser Auftrag… aber ich lasse nicht locker, bis ich ein Ja oder nein habe.“

Ziele setzen ist wichtig und hilf­reich. Aber diese unver­krampft zu verfolgen, ist der Schlüssel zum Erfolg.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Sabine Dinkel 30. April 2014 at 17:01 — Reply

    Sehr schön, liebe Svenja. Wieder ein Artikel, der gerade jetzt wie die Faust aufs Auge passt. (…und ich bin auch nicht esothe­risch)

    Hab ich gleich an eine tolle Klientin weiter­ge­leitet, mit der ich gerade das span­nende Thema am Wickel hatte.

    Sonnige Grüße
    Sabine

    • Svenja Hofert 4. Mai 2014 at 12:49 — Reply

      danke allen für Kommen­tare. Bin etwas spät, da ich unter­wegs war … easy going halt…

  2. Lars Hahn 30. April 2014 at 18:59 — Reply

    Passend zum Tag der Arbeit: Schöner Easy-Going-Artikel!
    Danke Svenja! Ich werde Deiner Empfeh­lung folgen. Aller­dings mit Laufen und nicht mit der LTB-Vari­ante.
    Dir in diesem Sinne auch mal gute Entspan­nung! 😉

  3. Pippi­lotta 1. Mai 2014 at 21:35 — Reply

    Schöner Artikel, danke dafür!
    Eine schöne Möglich­keit, die Kunst des Loslas­sens zu üben, ist die Gestal­tung und Pflege eines Gartens. Denn bei allem Wollen und Planen und Gießen und Düngen wird dort immer wieder deut­lich: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

  4. Maurizio Di Noia 2. Mai 2014 at 11:24 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ein sehr inter­es­santer und “lockerer” Artikel, der mich genau passend wieder wach rüttelt und an was erin­nert, dass ich schon verin­ner­licht glaubte.

    Ich finde es gut, immer wieder wirlich locker zu lassen. Aber nur wenn es echt ist, dann wirkt sich dass auf uns und unsere Austrah­lung aus. Wer möchte nicht gerne mit lockeren Menschen zusam­men­ar­beiten? Anders herum, wer möchte schon gerne mit “Bier”-ernsten oder verkrampften Menschen zusam­men­ar­beiten? Und beim Locker­sein geht es eben nicht nur um Spässe machen oder ständig Lachen. Ihr letzter Satz trifft es genau.

    Besten Dank dafür!

    Ich wünsche Ihnen eine schönes Wochen­ende

    • Svenja Hofert 4. Mai 2014 at 12:48 — Reply

      Danke­schön!

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