Business in actionNur eine ganze kurze Replik auf die rote Karte fürs Team­playing von Herrn Buck­mann von gestern (mehr zu ihm und Frechmut hier). Wir können ja alle lange, lange Texte verfassen, aber kurz halten wir uns eher nicht. Was mögli­cher­weise Zeichen eines größeren Egos ist und eigent­lich die rote Karte verlangt. Mich haben Buck­manns Zeilen zum Nach­denken gebracht, denn Ego und Team­ar­beit habe ich bisher  gar nicht so sehr in Verbin­dung gebracht. Oder anders: Der Gedanke, dass Einzel­kämpfer größere Egos sind als Team­player ist so deut­lich noch nicht auf den Punkt gebracht worden.  Und dass diese einige Vorteile haben, auch nicht. Also versuche ich diese mal aufzu­schreiben. In der grafi­schen Über­sicht versuche ich noch eine eigene Defi­ni­tion Egoplayer vs. Team­player. egoteam

1. Der Egoplayer fällt eher auf, der Team­player war ein “netter Junge”

Ich kenne viele Egoplayer, die stille Kinder waren, unan­ge­passt oder sogar Außen­seiter. Betrachtet man eine Sozio-Matrix mit beliebt/unbeliebt auf der x- und akzep­­tier­­t/­­nicht-akzep­­tiert auf der y‑Achse, so gehörten die Egoplayer eher in den Cluster igno­riert oder gar unbe­liebt.  Wider­spre­chen Sie mir, wenn Sie ein Egoplayer sind, für den das nicht gilt. Ich konnte jetzt aus Zeit­gründen leider nicht die Jugend von Cris­tiana Ronaldo durch­forsten; aber ich wette Kopf auf Zahl, dass er kein Klas­sen­spre­cher war. Und auch kein netter Junge.

2. Der Egoplayer macht sein Ding, der Team­player das von anderen

Im späteren Leben erwa­chen die positiv karrie­re­för­dernden Kräfte des Egoplayers. Als Kind noch unauf­fällig bis suspekt, wandeln sich jetzt die in frühen Jahren ausgren­zenden Trieb­kräfte der Abgren­zung in posi­tive Energie um.  Während die beliebten Team­player Konzern­kar­riere machen, stürzt sich der Egoplayer in sein Inter­es­sen­ge­biet, das er meist ganz und gar beherr­schen will. Er war schon immer kompro­misslos und wird jetzt noch kompro­miss­loser. Das gilt für Männer mehr als für Frauen: Kein Vorur­teil, im Grunde handelt es sich um die Eigen­schaft Verträg­lich­keit in den Big Five. Männer sind durch­schnitt­lich unver­träg­li­cher, so wie sie über­haupt oft extre­mere Eigen­schaften haben. Jeden­falls macht sich das nach der Schul­zeit deut­li­cher bemerkbar. Aus den Ausge­grenzten werden Stars. Jetzt reißt sich ein Ronaldo T‑Shirts vom Leib. Er weiß, dass es Proteste geben wird. Ist ihm schnuppe.

3. Der Egoplayer hat meist eine klare Meinung, der Team­player sucht Konsens

Egoplayer grenzen sich lieber von den anderen ab als mit ihr zu schwimmen. Die einen reißen sich das Shirt vom Leib, die anderen kündigen ihren Job, dritte führen ein weit­ge­hend unbe­hel­ligtes Eigen­leben in Unter­nehmen (das ist „der da, du weißt schon, der eben“). Weil Egoplayer sich über Abgren­zung und nicht über Zuge­hö­rig­keit defi­nieren, bilden sie sich leichter eigene Meinungen, ist ja klar. Sie selbst schätzen Menschen mit eigenen Stand­punkten. Und werden eher miss­trau­isch, wenn alle das gleiche meinen. Das erklärt den Erfolg einiger Blogger: Sie haben wie Herr Buck­mann und auch Super­lang­schreiber Henner Knaben­reich meist einen eigenen Stil. Sie sind nie Main­stream.

4. Der Egoplayer mag Menschen, der Team­player auch, aber anders

Jetzt könnte man meinen, all das Ego führt dazu, dass dem Egoplayer andere Menschen egal sind. Weit gefehlt! Er sucht Aner­ken­nung, nur findet er diese eher nicht im Konsens. Er ist fest über­zeugt durch seine Art und Weise einen wich­tigen Beitrag zu leisten, wozu auch immer. Gegen­wind ist für ihn Bestä­ti­gung. Während der Team­player sich darüber freut, dass „wir das geschafft haben“ denkt er mindes­tens insge­heim, dass sein verdammter Beitrag der entschei­dende war. Sein Tor etwa. Und nun noch mal zum Fußball. Was ist Klose? Ein Team­player, ganz offen­sicht­lich. Es gibt also nicht nur eine Erfolgs­stra­tegie, es gibt zwei — ein nash equi­li­brium. Ange­nommen der Team­player ist Player 1, der Egoplayer 2. Ange­nommen, es gibt die beiden Optionen  Tor (1) und Kein-Tor (0). Jeden­falls sollte der ratio­nale Vorteil für beide in einem simul­tanen Spiel gegen­ein­ander sein, Tore zu schießen – siehe 1,1.

Zum Beitrag passt: “Ich hasse Team­ar­beit”.tor

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Jörg Buck­mann 27. Juni 2014 at 21:20 — Reply

    Liebe Frau Hofert

    Danke für das Aufnehmen und das inter­es­sante Weiter­spinnen meiner Gedanken.

    Das mit der Torma­trix habe ich noch nicht ganz verstanden, aber daran arbeite ich noch. Viel­leicht antworte ich mit einem kurzen, knackigen Beitrag, der Sie dann so richtig verblüffen wird.

    Herz­liche Grüsse aus Zürich (eigent­lich wohne ich ja in Ennet­baden, aber das ist dann wieder so ein verdamm langer Ausdruck, also bleiben wir bei Zürich).

    Jörg Buck­mann

  2. […] dieser schönen Welt des Team­works scheint es für Egoplayer keinen Platz zu haben. Dabei haben diese auch ihre Vorzüge. Und irgendwie fällt es mir schwer zu glauben, dass abso­lute Ausnah­me­ta­lente wie Yassine Chik­haoui […]

  3. […] letzter Artikel über Ego-Marke­­ting hat ganz schön einge­schlagen. Fast 700 Lese­rinnen und Leser, weiter­füh­rende Gedanken von Svenja Hofert, aner­ken­nende Kommen­tare, aber auch Kritik. Und einzelne Leser waren richtig ange­säuert. Frank […]

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