Kate­go­rien

Ich will so werden wie ich nicht bin: Personal Change – wie geht denn das?

Published On: 23. Juni 2014Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Peter macht seinen Job seit 15 Jahren. Er meint zu wissen, was er kann und was nicht. Präsen­tieren etwa ist nicht so seine Sache, denkt er. Doch dann wech­selt er das Unter­nehmen und auf einmal muss er tun, was er  für sich nie als Kompe­tenz gesehen hat… Und das Komi­sche daran: Es geht! Mit jedem Mal sogar besser. Ja, man sagt ihm, er mache das richtig gut.  Das verän­dert sein Selbst­bild. Und als Folge davon denkt er zwei Jahre später darüber nach, dass Führung ja auch eine Option sein könnte. Dabei hatte sein Coach mit ihm ausge­ar­beitet, dass er eine Fach­kraft sei. Und Leitungs­auf­gaben einfach nicht passten. So kann man sich irren. Weshalb ich mit deter­mi­nis­ti­schen Urteilen sehr vorsichtig bin. Ich will nun zeigen, wann und unter welchen Bedin­gungen „personal change“ möglich ist.

MS Office

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Verän­dern Sie den Rahmen

Peters Beispiel zeigt, wo und wie man in einer Karriere- und Kompe­tenz­ent­wick­lung sinn­vol­ler­weise ansetzen kann: Bei der Verän­de­rung der Rahmen­be­din­gungen. Es ist eini­ger­maßen schwer, sich in einem gewohnten Kontext neu zu erfinden. Hier sind oft nur klei­nere Schritte möglich. Das hat damit zu tun, dass Selbst- und Fremd­bild fest justiert sind. So entsteht eine Wech­sel­wir­kung: eine Selbst-Frem­d­­bild-Connec­­tion. Die anderen sehen mich, wie ich mich sehe. Ich sehe mich wie die anderen mich sehen. Je länger ein Mensch im selbst Umfeld arbeitet, desto fester passt sich das Bild dem Rahmen an. Nur Unzu­frie­den­heit kann es jetzt noch daraus lösen.

Je länger Menschen in der glei­chen Umge­bung bleiben, desto fester wird ihr Rahmen, desto einge­schränkter der Radius. Das, was wir alle anstreben, Verläss­lich­keit und Stabi­lität, kann dann zum Entwick­lungs­ver­hin­derer werden. Deshalb sind es oft die Orts­ver­än­de­rungen, die neuen Partner und Jobs, die größere Sprünge möglich machen. Mir fällt aller­dings immer wieder auch auf, dass es Menschen gibt, die sich durch ZU häufige Wechsel auch der eigenen Persön­lich­keits­ent­wick­lung entziehen. Sobald Sie an sich arbeiten müssen, sind Sie weg. Entschei­dend ist die rich­tige Mischung zur rich­tigen Zeit. Und: Entwick­lungs­be­reit­schaft. Niemand kommt als fertiges Konzept auf die Welt.

Woan­ders sind wir anders

Oft braucht es auch einen Stoß: Kündi­gungen können ein Segen sein.  Ein guter Job ist wie ein frucht­barer Boden, der zu der jewei­ligen Pflanze — dem Menschen — passt. Nicht alle gedeihen überall gleich gut. Oder auch: Aus dem Kümmer­pflänz­chen von einst kann woan­derswo eine Pracht­blüte wachsen!

Eine örtliche Verän­de­rung kann ebenso Wunder bewirken. Woan­ders sind wir anders. Deshalb sind viel gereiste Menschen oft erheb­lich welt­of­fener und tole­ranter. Sie haben sich oft verän­dert und ange­passt.

Sagen Sie „ich will“

Ich bin nicht so blau­äugig zu denken, dass jeder alles errei­chen kann. Es gibt kogni­tive Grenzen, Wissens­bar­rieren und vor allem glück­liche Umstände oder der rich­tige Zeit­punkt. Wir halten mitunter zu wenig, aber dann auch oft zu viel für möglich. Bei Grün­dungen lässt sich das gut beob­achten: Das sind viele anfangs allzu enthu­si­as­tisch und selbst­über­zeugt range­gangen.

Nein, ich meine das „ich will“ eher als Bekenntnis zu klei­neren Schritten: Abgeben, sich durch­setzen, networken. Viele Menschen sagen, dass sie X oder Y nicht können und natür­lich finden sie Begrün­dungen und Ausreden ohne Ende.

Suchen Sie sich weise Worte

Manche Worte hängen einem ein Leben lang nach, sie prägen einen – und sie führen mitunter dazu, dass man sich auf Talente konzen­triert, die man vorher nicht gesehen hat. Was ganz klar ein absolut posi­tiver Aspekt ist. „Aus dir wird einmal eine große X“ kann einen dann regel­recht durch das Leben leiten. Ich verteile moti­vie­rende Sätze auf meine boden­­­ständig-realis­­ti­­sche Art reich­lich, vor allem an junge Leute. Ich weiß einfach, dass die, die es aufnehmen, es deshalb in sich spei­chern, weil es etwas berührt. Es wird in ihnen arbeiten und zu etwas führen, was weder ich noch sie derzeit absehen können. Aus demselben Grund weiß ich, dass es nicht schlimm ist,  wenn ich mich irre. Die, bei denen es nicht passt oder der Zeit­punkt nicht richtig ist, werden den Ball nicht auffangen. Wir spei­chern Sätze, wenn sie von einer Person mit einem bestimmten (auch subjektiv empfun­denen) Status kommen — und wenn sie Emotionen auslösen. Dann wandern Sie in unser Lang­zeit­ge­dächtnis. Kann sein, dass wir sie dort vari­ieren und neu konstru­ieren oder gar gestalten. In jedem Fall dienen sie ihrem Zweck.

Grenzen über­winden

Die eigenen Grenzen sind oft von Glau­bens­sätzen einge­pflockt: Das macht man nicht, so ist das eben, du bist nicht gut genug, du warst schon immer so, was soll sich ändern? Sich in einem gewohnten Rahmen zu bewegen, gibt Sicher­heit. So wie ein Tier sein Revier hat, hat der Mensch seinen Hand­lungs­be­reich. Möchte er sich verän­dern, muss er über Grenzen gehen. Hinter der Grenze sollte er nicht in einen Nahkampf verwi­ckelt werden, sondern braucht Erfolgs­er­leb­nisse. Das erste Mal „nein!“ gesagt, endlich einmal selbst präsen­tiert!

Sich verän­dern ist anstren­gend.

Wollen wir etwas lernen, so müssen wir uns anfangs anstrengen, oft  ganz fürch­ter­lich.  Eine neue Kompe­tenz zu erlernen ist eben kein Kinder­spiel. Wir müssen die kontrol­lierten Prozesse im Gehirn wieder und wieder akti­vieren, damit sie irgend­wann zu auto­ma­ti­schen werden.

Trai­nieren bringt es! Schauen Sie sich einmal das TedX-Video von Barbara Arrow­s­­mith-Young an und Sie ahnen, was möglich ist! Aber es ist eben kein Zucker­schle­cken, es tut manchmal weh, und kostet Kraft. Deshalb muss man es wollen — und hier schließt sich der Kreis.

Zum Thema haben wir einen neuen Selbst­lern­kurs “Ich will so werden wie ich nicht bin”, ideal fürs Selbst­coa­ching, aber auch ein gutes Tool für Coachs und Berater. Eine Reise zu neuen Möglich­keiten und Auffor­de­rung zur Grenz­über­schrei­tung.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Winfried Schmidt 24. Juni 2014 at 18:16 — Reply

    Inter­es­santer Beitrag! Gerade wollte ich über den Link auf den Selbst­lern­kurs gehen, das funk­tio­niert aller­dings leider nicht. Gibt es noch einen anderen Weg?
    Schönen Gruß: Winfried Schmidt

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