Kate­go­rien

Lang und breit: Karriere in T‑Form

Published On: 15. März 2011Cate­go­ries: Führung

Ingo arbeitet seit 10 Jahren als Entwickler und ist bestens ausge­bildet. Trotzdem wandert seine Abtei­lung jetzt aus – nach Banga­lore. Dort kann die Soft­ware­ent­wick­lung, für die er bisher zuständig war, billiger einge­kauft werden.  

Wir wissen schon seit langem, dass Spezi­al­wissen für ein krisen­festes und preka­ri­ats­freies Jobleben nicht mehr ausreicht. Was anderswo auf der Welt preis­werter erle­digt werden kann, wandert früher oder später auch dorthin. Deshalb hat sich im IT-Bereich das Konzept der T‑shaped-Karriere heraus­ge­bildet: Danach werden Kompe­tenzen in die Tiefe UND Breite ausge­bildet. Es geht also nicht mehr um die Frage Gene­ra­list oder Spezia­list – das Ziel ist: beides in einem.

Dieses Konzept ist auf andere Bereiche und Bran­chen über­tragbar. Wer nur über Tief­en­kom­pe­tenz verfügt, sollte sein Wissen in die Breite „ziehen“. Und umge­kehrt: Gene­ra­listen tun gut daran, sich ein Fach­ge­biet zu erschließen, gern einen Teil­be­reich aus der „Breite“.  Das Brei­ten­wissen, also der obere Strich auf dem T, kann aus Methoden‑, Bran­chen- und Prozess­kennt­nissen und auch Soft Skills bestehen. Das Tiefen­wissen dagegen bezieht sich auf ein Thema wie Busi­ness Intel­li­gence oder ist noch stärker spezia­li­siert, z.B. auf Mircrostra­tegy. Themen, die den Strich auf dem T bilden wären nun Daten­banken, Analy­se­me­thoden, ERP-Systeme, aber auch Projekt­ma­nage­ment sowie die ganze Range heute notwen­diger Soft Skills, vor allem im Bereich der Kommu­ni­ka­tion.  Schließ­lich wird es immer mehr darum gehen, Wissen auch für Fach­fremde zugäng­lich zu machen. Das ist eine Kunst, die heute noch hoff­nungslos unter­schätzt wird, aber in einer Welt der Wissens­spe­zia­listen erheb­lich an Bedeu­tung gewinnen dürfte.

Auch außer­halb der IT ist das T‑Modell hilf­reich. Im Marke­ting etwa, in dem eine Spezia­li­sie­rung teil­weise stark voran­schreitet. Jemand mit Spezi­al­wissen in Social Media PR braucht als Brei­ten­wissen etwa allge­meines Marke­­ting-Know-how, jour­na­lis­ti­sche Grund­er­fah­rung und Wissen in der internen und externen Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion.  Es gibt nur wenige Bereiche, in denen sich eine Entwick­lung in Breite und Tiefe nicht anbieten würde, wenn auch die Anfor­de­rungen in einigen Berei­chen, etwa im Perso­nal­ma­nage­ment derzeit noch recht „klas­sisch“ sind, also über­wieged Gene­ra­listen gefragt sind.  Für Selbst­stän­dige gilt das Konzept ganz genauso, auch hier macht es Sinn  ein Tiefen­wissen auszu­prägen, das norma­ler­weise besser „hono­riert“ wird als Breiten-Know-how. Ohne Breiten-Know-how ist das Wissen jedoch nicht plat­zierbar – tief und breit ist also auch hier als Geheim­re­zept.

Warum ist es so wichtig, die Form der modernen Karrie­re­pla­nung im Auge zu behalten? Ganz einfach: Es ist die beste Methode dafür zu sorgen, dass man sich seine Jobs und Arbeit­geber lang­fristig selbst aussu­chen kann. Je schärfer das T, desto mehr beruf­liche Möglich­keiten wird es geben. Und auch Verän­de­rungen sind so leichter: Wenn das zunächst ange­eig­nete Tiefen­wissen nicht mehr gefragt sein sollte, kann aus dem Brei­ten­wissen ein neues Tiefen-Know-how entwi­ckelt werden.

Die T‑shaped-Karriere ist auch zu sehen vor dem Hinter­grund einer Akade­mi­ker­quote von 50 Prozent, die die Bildungs­po­litik anstrebt. Denn: Sie bietet Perspek­tiven dort, wo die klas­si­sche Führungs­kar­riere als Option fehlt oder rar wird. Der normale beruf­liche Weg eines gut ausge­bil­deten Menschens wird eben nicht notwen­di­ger­weise in die Führung leiten, sondern immer öfter in ein „T“.

Wie T‑shaped sind Sie? Freue mich auf Beispiele aus unter­schied­li­chen Bran­chen und Berei­chen!

Einen lebendig geschrie­benen Beitrag speziell zur T‑shaped Career finden Sie bei Perspek­tive Mittel­stand. Tief­ge­hende Infos liefert ganz aktuell Prof. Elis­beth Heine­mann in dem Buch „Jenseits der Program­mie­rung. Mit T‑Shaping erfolg­reich in die IT-Karriere starten”. Weitere Infos zum  Thema gibt es auch in meinem Buch IT-Karriere.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Berg­freunde 18. März 2011 at 3:25 — Reply

    Puez­gruppe GEOLOGISCHES…

    Ich lese häufig Ihr Blog und finde es immer sehr inter­es­sant. Dachte, es sei an der Zeit, ich lasse Sie das mal wissen, machen sie weiter mit ihrer groß­ar­tigen Arbeit…

  2. Thomas Hoch­ge­schurtz 18. März 2011 at 10:20 — Reply

    “Alter Wein sieht in neuen Schläu­chen auch wie ein T aus.” Dass ich als Mitar­bei­terIn im Viel-Ideen-Land Deutsch­land über nied­rige Preise keine Wett­be­werbs­vor­teile erzielen kann, hat Michael Porter ausrei­chend belegt. Mitar­bei­te­rInnen in “Normal­be­trieben” wissen schon lange, dass des nur mit dem Blick über den Teller­rand geht (sie also T‑geshaped sein müssen) und ein hier­ar­chi­scher Aufstieg bei flachen Orga­ni­sa­tionen unwahr­schein­lich ist. Ob ich den neuen Begriff T‑Shaping brauche, wage ich zu bezwei­feln, mehr Menschen­ver­stand ist jedoch immer ange­bracht.

  3. Hanf­samen 25. März 2011 at 13:47 — Reply

    Dina­fems Road­runner — Ein ganz schneller Grow…

    Ich lese häufig Ihr Blog und finde es immer sehr inter­es­sant. Dachte, es sei an der Zeit, ich lasse Sie das mal wissen, machen sie weiter mit ihrer groß­ar­tigen Arbeit…

  4. Gunter Wehmeyer 5. Mai 2011 at 23:21 — Reply

    T‑Shaped people kommt ja eher aus der Ecke IDEO/Tim Brown und bezieht sich auf die Verei­ni­gung von Design und Busi­ness (design thin­king). Die Inter­es­san­tere Frage ist jedoch, WANN man als T‑Shape wirk­lich neue Ufer erreicht hat und Beide Karrie­re­seiten voll nutzen kann…

    • Svenja Hofert 6. Mai 2011 at 8:17 — Reply

      Das ist die Frage. Was denken Sie? herz­lichst SH

  5. Stefan Zoerner 7. Mai 2011 at 13:29 — Reply

    Vielen Dank für den Beitrag.

    Mir ist das vor ein paar Jahren von meiner Mentorin (damals noch bei IBM) ähnlich erklärt worden, bei der Planung der Weiter­ent­wick­lung.

    Ich habe es für IT-Kräfte im Bereich der Umset­zung (Archi­tekt vs. Entwickler) in einem Artikel und Rück­mel­dungen dazu später einem Blog-Beitrag darge­stellt:

    http://it-republik.de/jaxenter/artikel/Gretchenfrage‑2.0‑Sind-Sie-Architekt-oder-Entwickler-3366.html

    http://www.oose.de/teamblog/team/gretchenfrage-reloaded-wie-halten-sie-als-architekt-es-mit-ihrer-weiterentwicklung/

    Das wäre dann zwar keine Branche, aber aus meiner Sicht noch ein inter­es­santer Aspekt — Rollen über T‑shaped diffe­ren­zieren.

    Herz­liche Grüße,
    StefanZ

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