Kate­go­rien

Meine 3 Führungs­prin­zi­pien: Lass den Löwen Löwen sein

Published On: 28. Mai 2014Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Als mich Geschäfts­füh­rer­coach Bernd Geropp fragte, ob ich an seiner Blog­pa­rade zu den besten drei Führungs­prin­zi­pien teil­nehmen würde, sagte ich spontan zu. Zumal die bereits in meinem Blog inter­viewte, geschätzte Kollegin Gudrun Happich mit an Bord ist. Doch lange fehlte mir die zündende Idee. Ist ja alles gesagt worden, Repro­duk­tion ist nicht meine Sache. Und dann war ich im Zoo, sah den Löwen, und wusste, was noch offen war.

Close-up of a Lion and Lioness roaring at each otherRespek­tiere den Wahn­sinn

Wer Menschen führt, kann nicht ganz dicht sein. Sich 14 Stunden am Tag rein­zu­hängen, für andere ins Zeug zu legen, auf Familie und Frei­zeit zu verzichten, Bedürf­nisse zurück­stellen – das ist schon ziem­lich verrückt. Da muss gar kein Narzissmus dazu kommen, oder Macht­be­ses­sen­heit, gar Psycho­pa­thie.  Und selbst wenn: Ist es eigent­lich schlimm, jenseits der Norm zu liegen? Es sind nicht die Normalen, die Größeres und Großes schaffen, es sind die Verrückten. Gerade gibt es eine Welle des Verständ­nisses für Intro­ver­tierte und sogar Perso­nal­be­rater für Asperger-Bewerber. Doch Macht­ver­halten und Domi­nanz ist in agilen Zeit und im Zeichen der Netz­werk­or­ga­ni­sa­tion im Moment ziem­lich out (wiewohl nach wie vor erfolgs­re­le­vant). Man will Löwen zu Schafen machen.

Eine beson­dere Lanze möchte ich für die Unter­nehmer brechen. Das sind Menschen, die noch viel häufiger als Manager in Unter­nehmen, deren Motiv eher die Macht ist, ein unbän­diger Leis­tungs­wille antreibt. Die machen es sich nicht bequem, die kämpfen. Das macht sie mitunter nicht gerade zu pfle­ge­leichten, fried­lich grasenden Zeit­ge­nossen. Reminder: „Nett kommt von netto und netto heißt nichts.“ Diese Unter­­nehmer-Leader können zornig sein, bissig, getrieben. Sie können uner­bitt­lich ihr Ziel verfolgen, mal brüllen, (zeit­weise) Kommu­ni­ka­ti­ons­re­geln in den Wund schlagen.  Aber gerade das macht sie aus.

Sei Löwe oder Schaf — und hüte die deinen

Löwen hüten keine Schafe. Anders ausge­drückt: Nicht jeder kann jede Art der Führung. Ich finde die Umer­zie­hungs­lager, zu denen manche Perso­nal­ent­wick­lungs­maß­nahmen und Assess­ment Center mutieren, manchmal frag­lich. Da werden Schafe zu Löwen, und Löwen zu Schafen gemacht. Ziel ist eine Entwick­lung hin zur Mitte, Dämp­fung des Alphas, Züge­lung des Ehrgeizes, Opti­mie­rung am Detail (“brüll nicht so!”), nicht am System. Schaut euch Jürgen Klopp an und stellt ihn euch im Assess­ment Center vor.… Die beob­ach­tenden Psycholog(innen) würden ihn vermut­lich aussortieren.Welche Führungs­kraft gefragt ist, hängt von Situa­tion, Ebene, Branche und Kultur ab. Scheinbar komplette perso­nelle Gegen­sätze können im selben Kontext auf ihre unter­schied­liche Art erfolg­reich sein. Es gibt im Grunde nur eine Regel: Der Löwe muss wissen, dass er ein Löwe ist. Und dass Schaf muss Schaf bleiben dürfen. Außerdem sollte man wissen, ob man gerade Schafe hüten soll oder jagen.

Sei kein Trapez, spring selber

Als Führungs­kraft von heute sollst du wie ein Trapez für Mitar­beiter sein: Dein Team kann sich darauf fallen lassen, und du spannst ein sicheres Netz um sie. Du sollst sie moti­vieren, damit sie nicht heraus­fallen und in Nach­bars Garten springen (wo es mehr zu ernten gibt). Du selbst sollst aber nichts anderes wollen dürfen, als die Zusam­men­ar­beit deiner Mitar­beiter ermög­li­chen und ihre Arbeits­freude frei­setzen, intrin­sify them. Du sollst Aner­ken­nung zollen, geduldig sein und deinen Egoismus zügeln, ein soziales Alpha­tier werden, ein ange­passtes. Dabei täte es auch dir gut, mal auszu­bre­chen und woan­ders hin zu springen. Aber bitte nicht in eine Schaf­herde.

Sie möchten Ihre starken Seiten kennen­lernen? Dann empfehle ich mein Buch “Was sind meine Stärken” - oder ein Führunskräf­te­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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