Kate­go­rien

Verän­de­rung im Change: Was aus Sicht der Wissen­schaft am meisten wirkt

Published On: 1. Juni 2025Cate­go­ries: Aktuell, Psycho­logie der Verän­de­rung

Im Coaching, der Team- und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung geht es immer auch um Verän­de­rung von Verhalten, sei es verbunden mit Change oder Trans­for­ma­tion. Aber was zahlt über­haupt auf Verhal­tens­än­de­rung ein? Welche Inter­ven­tionen beein­flussen Verhalten – und wie wirksam sind diese? In diesem Beitrag schauen wir auf das, was aus Sicht der Wissen­schaft am meisten wirkt. Hier hilft eine aktu­elle wissen­schaft­liche Meta­na­lyse.

Der Verän­de­rungs­fa­vorit der meisten Unter­nehmen ist die Wissens­ver­mitt­lung? Doch die wirkt (allein) kaum. Die Effekt­stärke könnte man auch so inter­pre­tieren: Das kann man auch gleich sein lassen. Aber halt, natür­lich ist Wisen­s­ver­mitt­lung nicht gleich Wissens­ver­mitt­lung.
Meine Erfah­rung: Es ist die Kombi. Wissens­ver­mitt­lung ist nicht so schlecht wie ihr ihr bestä­tigt schlechter Ruf. So profi­tieren manche Menschen sehr davon, dass sie sich selbst und andere besser verstehen.
Findet man zusätz­lich oder parallel dazu einen emotio­nalen Kanal kann das durchaus größere Schritte einleiten.
Gleich­zeitig sollten die Erwar­tungen von Verän­de­rungen nicht zu groß sein. Es sind die kleinen Schritte die manchmal die Voraus­set­zung für einen großen sind. Und natür­lich ist Wissen­schaft immer auf einem Auge blind und agiert als Mittel­werts­wis­sen­schaft irgendwie immer am indi­vi­du­ellen Fall vorbei.

Die Grafik basiert auf einer Meta­ana­lyse von Albar­racín, Fayaz-Farkhad und Granados Samayoa (2024). Diese liefert eine struk­tu­rierte Über­sicht über indi­vi­du­elle und struk­tu­relle Deter­mi­nanten mensch­li­chen Verhal­tens sowie deren rela­tive Effekt­stärken. Die Forscher analy­sierten hunderte Studien und kate­go­ri­sierten Inter­ven­ti­ons­typen nach ihrer durch­schnitt­li­chen Wirk­sam­keit. Die Grafik zeigt eine Rang­folge der Effekt­stärken (1 = geringste, 8 = höchste Wirk­sam­keit) sowohl bei indi­vi­du­ellen als auch bei sozial-struk­­tu­­rellen Inter­ven­tionen. Dabei ist aller­dings zu beachten, dass die Effekt­stärken maximal mittel sind. Das bedeutet, auch das Verän­dern von Gewohn­heiten (Indi­vi­duum) oder die Zugangs­er­leich­te­rung (Struktur) wirkt über alle Studien betrachtet nur mittel.

“Zugangs­er­leich­te­rung” bezeichnet im Kontext der Verhal­tens­än­de­rung alle Maßnahmen, die es Menschen leichter machen, ein gewünschtes Verhalten tatsäch­lich auszu­führen. Es geht darum, Hürden zu senken und prak­ti­sche Barrieren zu besei­tigen. Im Bereich der Arbeits­welt sind das etwa: Klare Anlei­tungen, verein­fachte Prozesse, intui­tive Soft­ware.

Deskrip­tive Normen beschreiben, was Menschen tatsäch­lich tun – also welches Verhalten in einer bestimmten Gruppe, Situa­tion oder Kultur üblich oder typisch ist. Die anderen Punkte sollten verständ­lich sein.

Was auf der indi­vi­du­ellen Ebene beein­flusst

Die Autoren analy­sieren Inter­ven­tionen, die auf indi­vi­du­elle Faktoren abzielen, in einer Reihen­folge zuneh­mender Wirk­sam­keit. Die höchsten Effekt­stärken wurden bei Inter­ven­tionen gefunden, die auf Gewohn­heiten und verhal­tens­be­zo­gene Einstel­lungen abzielen. Inter­ven­tionen, die sich ledig­lich auf Wissen oder allge­meine Einstel­lungen konzen­trieren, zeigten die geringste Wirkung auf tatsäch­liche Verhal­tens­än­de­rungen.

Was auf der sozialen Dimen­sion beein­flusst (Team, Gruppe)

Für Inter­ven­tionen auf der sozialen und struk­tu­rellen Ebene ergibt sich folgende Wirk­sam­keits­rei­hen­folge:

  1. Recht­liche und admi­nis­tra­tive Sank­tionen
  2. Programme zur Stei­ge­rung insti­tu­tio­neller Vertrau­ens­wür­dig­keit
  3. Inter­ven­tionen zur Verän­de­rung injunk­tiver Normen
  4. Über­wa­chung und Erin­ne­rungen
  5. Inter­ven­tionen zu deskrip­tiven Normen
  6. Mate­ri­elle Anreize
  7. Soziale Unter­stüt­zung
  8. Poli­tiken zur Verbes­se­rung des Zugangs zu bestimmten Verhal­tens­weisen

Am wirk­samsten erwiesen sich Maßnahmen, die den Zugang zu erwünschtem Verhalten erleich­tern sowie solche, die soziale Unter­stüt­zung ermög­li­chen. Weniger effektiv waren hingegen Sank­tionen und Maßnahmen zur Vertrau­ens­bil­dung in Insti­tu­tionen.

Albar­racín, D., Fayaz-Farkhad, B., & Granados Samayoa, J. A. (2024). Deter­mi­nants of beha­viour and their effi­cacy as targets of beha­vioural change inter­ven­tions. Nature Reviews Psycho­logy, 3(6), 377–392.

Die ganze Studie findet sich auf Nature.com.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Felix 30. Juni 2025 at 17:29 — Reply

    Manchmal reicht es nicht, nur an Gewohn­heiten zu arbeiten, der Zugang zu neuen Verhal­tens­weisen ist oft das viel größere Hindernis. Gerade in tech­ni­schen Umge­bungen, wie bei der Einfüh­rung neuer Hoch­druck­lö­sungen, habe ich erlebt, wie entschei­dend einfache, klar verständ­liche Struk­turen sind, damit Verän­de­rung über­haupt möglich wird.
    Wenn Prozesse intuitiv bedienbar sind und sich an reale Arbeits­be­din­gungen anpassen, geht der Wandel fast wie von selbst.

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