Kate­go­rien

Wenn schon, dann…: Ziele errei­chen fast ohne Plan

Published On: 26. Juli 2014Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Kennen Sie das? Sie setzen sich Ziele, doch errei­chen tun Sie sie nicht. Wie Sie viel­leicht aus anderen Beiträgen wissen bin ich auch kein Ziele-Mensch. Ich mag Ziele nicht, weil sie mich unfle­xibel machen. Die Formel „smart“, die ich in hunderten Semi­naren und tausend Büchern gelesen habe, löst bei mir eher nega­tiven Alarm aus. Mich inter­es­siert etwas, dann gehe ich dem nach. Ich fühle, X ist richtig, dann mache ich X. Ich denke A, B und C ergibt eine logi­sche Verbin­dung, dann mixe ich D draus. Meine Intui­tion treibt mich mehr als der Plan. Damit bin ich nicht ganz uner­folg­reich.
Wie viele Intui­tive bringe ich aber nicht alles auf die Straße, was ich mir vornehme. Außerdem funk­tio­niert meine Form der Intui­tion ganz schlecht in der Führung. Die Menschen wollen konkrete Anwei­sungen. Sie wollen genau wissen, was zu tun ist. Diese genauen Anwei­sungen zu geben musste ich erst lernen, und ich bin darin sicher immer noch kein Meister. Aber ich arbeite daran: Mein Geheim­tipp ist die Wenn-dann-Planung.

msziele
Die modeme Moti­va­ti­ons­psy­cho­logie unter­scheidet zwischen Prozessen des Ziel­set­zens (“goal setting”) und der Ziel­rea­li­sie­rung (“goal stri­ving”). Es sind also moti­va­ti­ons­psy­cho­lo­gisch zwei Seiten, die zu beachten sind. Man würde meinen, dass eine starke Hand­lungs­mo­ti­va­tion ausreicht, um ein Ziel zu errei­chen. Jeden­falls wird das oft im Coaching postu­liert unter dem Motto „alles ist möglich“, wenn man es nur konkret macht. Es ist aber nicht alles möglich. Das haben sich Leute ausge­dacht, die meist nicht so tief drin sind in den Details.
Bei der Ziel­er­rei­chung, braucht es die Selbst­re­gu­la­tion. Auch diese geschieht auf der Ebene der Moti­va­tion – und zwar mit der Selbst­ver­pflich­tung, etwas zu tun. Es reicht also nicht, dass ein Ziel attraktiv ist und Ziel­er­rei­chung intrin­sisch moti­viert, es muss auch eine Aktion erfolgen. Zahl­reiche Studien belegen, dass Personen, die Wenn-Dann Pläne nutzen, eine höhere Erfolgs­rate aufweisen als Personen, die das nicht tun. In einer Meta-Analyse von 94 vonein­ander unab­hän­gigen Studien zu Wenn-Dann Plänen konnte eine mitt­lere bis starke Effekt­stärke nach­ge­wiesen werden (Meta­ana­lyse stammt von Cohen).
Wenn-Dann-Pläne sind simpel umzu­setzen. Sie bestehen aus einem Wenn- und einem Dann-Teil.

Einige Beispiele aus unter­schied­li­chen Berei­chen:

  • Führung: Sie möchten, dass Ihre Mitar­beiter Sie dann in CC: setzen, wenn Sie als Team­leiter handeln müssen, z.B. etwas kommen­tieren. Die Wenn-dann-Auffor­­de­rung würde lauten: „Immer wenn ich (der Chef) aktiv werden muss, setze mich in CC:“.
  • Selbst­ma­nage­ment: Sie wollen sich endlich aufraffen, drei Mal die Woche Sport zu machen. Die Wann-dann-Auffor­­de­rung würde lauten: „Immer wenn Montags, Mitt­wochs und Frei­tags der Wecker um 6 Uhr 30 klin­gelt, gehe ich 30 Minuten laufen.“
  • Kompe­tenz­ent­wick­lung: „Immer wenn ich mich ärgere, hole ich tief Luft und rufe mir das Bild einer ruhigen Insel ins Gedächtnis.“

Das hört sich simpel an, aber simpel ist an dieser Stelle genau die Lösung, nach der Sie viel­leicht lange gesucht haben. Ich habe extrem gute Erfah­rung damit gemacht, sowohl im Selbst­coa­ching als auch im Umgang mit freien und festen Mitar­bei­tern. Wenn Sie das ganze schrift­lich fixieren, ist es noch mal wirk­samer. Und bitte: so klein­teilig wie möglich!

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Felix 28. Juli 2014 at 17:12 — Reply

    Liebe Svenja!
    Ein super inter­es­santer Beitrag den du da verfasst hast.
    Ich denke es ist wichtig, sich nicht zu arg unter Druck zu setzen um seine Ziele zu errei­chen ohne diese jedoch aus den Augen zu verlieren. Aber oft kommt doch gerade dann alles anders wenn man es minu­tiös geplant hat. Dementspre­chend locker bleiben!
    Schönen Tag,
    Felix

  2. Volker 29. Juli 2014 at 10:24 — Reply

    Liebe Svenja, hab Dank an der Ziel­kritik. Nach 20 Jahren in US Konzernen ist Ziel­pla­nung und Umset­zungs­pla­nung ein Teil meiner gefühlten DNA geworden und faktisch Reali­tität der Konzern Kultur. Als Ange­stellter kann man sich dem defi­nitiv nicht entziehen. Was ich immer mehr dazu erlernt und entwi­ckelt habe ist in der Tat die Intui­tion. Und siehe da in der Kombi wird das dann ganz geschmeidig und je nach Tag, Situa­tion und Mensch kann mal das eine oder andere besser wirken. Ich kenne Leute die stark nach dem Spaß Prinzip Ihrer Intui­tion arbeiten, und die kommen meist nicht sehr weit.
    Viele Grüße aus dem Süden, Volker

  3. Hermann 26. November 2014 at 14:23 — Reply

    Als “Affe”-Geborener (Stern­zei­chen) ist alles was mit Lang­­zeit-Plan zu tun hat mir erst einmal Wesens­fremd. Von daher inter­es­siert mich die Bana­nen­ernte fürs nächste Jahr noch nicht.
    Erkenne ich aller­dings lohnende Bana­nen­stauden, werde ich immer bemüht sein, diese zu errei­chen und hingen sie auch noch so hoch.
    Mit der Zeit habe ich gelernt — wie jeder Silber­rü­cken — wie und wo man gute Ernte­gründe mittels Stra­tegie erreicht. Das hält mental fit und läßt mich flexibel auf Ange­bote reagieren.

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