Kate­go­rien

10 Gründe für ein (bedin­gungs­loses) Grund­ein­kommen

Published On: 8. Januar 2012Cate­go­ries: Führung

Es war der meist­dis­ku­tierte Zeit-Online-Beitrag jemals: Im Inter­view standen  Theo Wehner, Arbeits­psy­cho­loge von der ETH Zürich und der deut­sche Grun­d­ein­­kommen-Akti­­vist Sascha Lieber­mann Rede und Antwort. Ich habe das Thema 2006 in einem Buch („Jeder gegen jeden“) und schon mehr­mals im Blog aufge­griffen und seitdem immer mal wieder Argu­mente hin- und herge­wälzt.

Meist scheidet sich die Argu­men­ta­ti­ons­kette pro und contra Grund­ein­kommen am Menschen­bild der jewei­ligen Partei. Die Verfechter eines bedin­gungs­losen Grund­ein­kom­mens argu­men­tieren, dass der Mensch im Grunde arbeiten wolle, also eine innere Moti­va­tion habe, etwas zu tun. Die Gegner meinen, der Mensch sei träge und muss ange­führt werden.

Ich meine: Nichts davon ist richtig – oder beides. Es gibt solche und solche Menschen.  Solche und solche Zeiten (hat der Adel nun gear­beitet?). Und diese und jene Kulturen.

Entschei­dend scheint mir letzt­end­lich die Frage, ob eine Gesell­schaft genü­gend Anstöße geben kann, damit Menschen Sinn im Tun finden. Auch der Bildungs­stand der Bevöl­ke­rung spielt ganz sicher mit hinein.

Unterm Strich spre­chen die meisten Gründe für das Grund­ein­kommen. Die Verän­de­rungen in der Arbeits­welt scheinen mir gar keine andere Lösung zuzu­lassen:

  1. Die Wirt­schaft mag boomen, aber sie teilt sich auch immer weiter in zwei Hälften. In der Gewin­ner­hälfte wird sehr viel Geld verdient, weil die Arbeit­nehmer und dort tätigen Selbst­stän­digen eine gerade aktu­elle Nach­frage bedienen. In der Verlie­rer­hälfte wird immer weniger verdient, weil die Arbeit­nehmer und dort tätigen Selbst­stän­digen zu gering spezia­li­siert sind oder eben nicht auf die gerade aktu­elle Nach­frage treffen. Diese Gruppe steht derzeit ständig mit einem Fuß in Hartz IV – das darf nicht sein. Zugleich sind die Über­gänge von Gewinner- in die Looser­hälfte flie­ßender als je.
  2. Die Prozesse werden ständig weiter opti­miert, die Arbeit ratio­na­li­siert — dies macht Jobs, wie wir sie heute kennen, mehr und mehr über­flüssig. Das ist eine Chance – sich weniger mit stan­dar­di­sier­baren Tätig­keiten zu beschäf­tigen. Dies fordert aber auch: Mehr Bildung, denn was bleibt sind krea­tive und soziale Tätig­keiten.
  3. Gleich­zeitig steigt die Anfor­de­rung in den jewei­ligen Arbeits­phasen, Menschen benö­tigen häufiger beruf­liche Auszeiten, um sich neu zu finden und neu aufzu­stellen. Ein Grund­ein­kommen würde die Entschei­dung, sich eine Zeit­lang auf sich selbst zu besinnen, leichter machen.
  4. Es gibt  immer öfter zeit­lich begrenzte Hoch­phasen der Erwerbs­tä­tig­keit – ähnlich wie bei einem Produkt­le­bens­zy­klus kann auch der erwerbs­tä­tige Mensch auf der Höhe der Nach­frage nach seiner Arbeit viel abschöpfen, fällt dann aber zurück, mitunter sehr weit nach unten. Dieser Trend wird sich verstärken, weil sich die Zyklen , sowohl die tech­no­lo­gi­schen, konjunk­tu­rellen als auch die bran­chen­spe­zi­fi­schen, immer schneller drehen. Ein Grund­ein­kommen gleicht das „heute viel und morgen wenig oder gar nichts“ aus.
  5. Wer pflegt unsere Mütter und Väter? Die meisten Arbeit­geber sind klein oder mittel und können sich die gerade einge­führte Pfle­ge­zeit gar nicht leisten. Das Grund­ein­kommen fängt ein wenig auf. Es erlaubt es mir, eine Zeit­lang nicht oder weniger zu arbeiten.
  6. Gute Mütter arbeiten – aber die meisten Teil­zeit. Hätten Sie zusätz­lich ein Grund­ein­kommen, wäre das mehr verfüg­bares Geld, gerade auch für Allein­er­zie­hende wichtig.
  7. Wer ein Grund­ein­kommen bezieht, kann sich leichter ein zweites oder drittes Studium, eine weitere Ausbil­dung oder eine Weiter­bil­dung  leisten. Und das ist im Sinn des Bildungs­stan­dards unserer Gesell­schaft insge­samt sehr sinn­voll.
  8. Unter­nehmen müssten sich weit mehr um die Bindung und das Wohl ihrer Mitar­beiter kümmern als jetzt. Es wäre leichter, „nein“ zu einem unbe­frie­di­genden Arbeits­ver­hältnis sagen.
  9. Hartz IV ist ein staat­li­ches Kontroll­system – und wer kontrol­lieren will, braucht dazu einen riesigen Apparat. Dieser Apparat lässt sich sparen, ist Kontrolle dieser Art auch nicht menschen­würdig. Ein Grund­ein­kommen als Gegen­leis­tung für Arbeit, wie es die Libe­ralen fordern, erfor­dert dagegen nur ein neues Kontroll­system.
  10. Der Wert kultu­reller und auch mancher krea­tiver Arbeit sinkt. Aber: Wir brau­chen Menschen, die sich kultu­rell, kreativ und sozial enga­gieren, sonst verküm­mert die Gesell­schaft. Diese Menschen werden selten so viel Geld mit dieser Arbeit verdienen können wie jene, die in Unter­nehmen Dienst tun. Das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen macht es möglich, dass sich Menschen – auch zeit­weise — für Sinn und gegen wirt­schaft­liche Erwä­gungen entscheiden. Und das ist gut für alle.

Sozi­al­ro­man­tisch? Wohl kaum: Das Grund­ein­kommen wird nicht ohne Grund inzwi­schen von Vertre­tern fast aller poli­ti­scher Rich­tungen gefor­dert, sogar von den Libe­ralen (die dieses, siehe oben, aller­dings an eine Gegen­leis­tung knüpfen wollen). Aus meiner Sicht könnte das Grund­ein­kommen auch mit verhin­dern helfen, dass wir zu Wirt­schafts­sklaven werden, die sich Wachs­tums­zwängen unter­werfen. Wir brau­chen sozial und kultu­rell aktive Menschen – doch diese flüchten aufgrund der schlechter werdenden Bezah­lung aus ihren Berufen.  Das Grund­ein­kommen böte einen kleinen Ausgleich.

Wer soll das finan­zieren? Da gibt es verschie­dene Ideen. Ich meine, dass ein Grund­ein­kommen für jede Person ab Geburt gezahlt werden müsste und so gering sein sollte, dass sich zwei, drei Personen zusam­mentun müssten, um ausschließ­lich davon leben zu können.  Der Anreiz nach „mehr“ muss groß genug bleiben. 400 steu­er­freie Euro sind vorstellbar.  Finan­zieren müssten es die Gutver­diener durch eine Abgabe oder höhere Steuern. Nach­voll­ziehbar auch die Idee von der Erhö­hung der Mehr­wert­steuer, wie sie Götz Werner propa­giert.

Warum sollten nicht jene, die genug Geld haben, frei­willig in Stif­tungen einzahlen, mit denen Projekte ihrer Wahl geför­dert werden? So ähnlich wie bei der Gls Bank entscheide ich in einer guten Verdienst­phase selbst, ob mein Geld kultu­rellen oder sozialen Belangen dient – und welchen.

Noch mehr Ideen? Ich freue mich über Kommen­tare.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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42 Kommen­tare

  1. Burk­hard Reddel 8. Januar 2012 at 19:28 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich bin ein unein­ge­schränkter Befür­worter eines Grund­ein­kom­mens. Ich glaube auch fest daran,das Empfänger dann nicht auf der “Faulen Haut” liegen, sondern zu 90% eine Ehren­amt­liche Tätig­keit über­nehmen würden. Das würde auch die Pfle­ge­kosten senken. Jetzt heut­zu­tage ist es nur unter großen Einbußen möglich Verwandte zu pflegen, wie ich meine Eltern 5 Jahre lang gepflegt habe unter Aufgabe des Berufes.
    Heute laufe ich nach dem Tod der Eltern meiner Karriere hinterher und finde keinen Anschluß mehr.
    ICh würde jedoch sofort wieder ehren­amt­lich Tätig, wenn es ein Grund­ein­kommen gäbe. ISt gar keine Frage. Der Artikel hat mir übri­gends gefallen. Leider ist so eine “Denke” in der heutigen Politik nicht ange­sagt. Das schimpft man lieber auf Hartz4 Empfänger und angeb­liche Schma­rotzer oder noch schlimmer vergleicht mit römi­scher Deka­denz. Blöd­sinn aber poli­tisch gewollt,das die Schere zwischen arm und Reich und der sozi­al­neid zunimmt. Das lent tref­fend von anderen Problemen ab, die wirk­lich gelöst werden müßten und man hält das Volk ruhig.

    Gruß B.RE.

  2. Chris­toph Burger 8. Januar 2012 at 22:03 — Reply

    Ein Argu­ment fürs Grund­ein­kommen, das mir außer­or­dent­lich stark, aber kaum bekannt zu sein scheint: Dem Verschwinden der deut­schen Bevöl­ke­rung / Über­al­te­rung würde entschei­dend entgegen gewirkt.
    Denn ein (verbrei­tetes und vernünf­tiges) Argu­ment gegen (weitere) Kinder ist die (wach­sende) Unsi­cher­heit auf dem Arbeits­markt.

  3. Thomas Ober­häuser 9. Januar 2012 at 0:09 — Reply

    “Entschei­dend scheint mir letzt­end­lich die Frage, ob eine Gesell­schaft genü­gend Anstöße geben kann, damit Menschen Sinn im Tun finden.”

    Frei nach “Erst kommt das Fressen, dann die Moral.” würde ich sagen, erst kommt das Fressen, dann der Sinn. Der Mensch muss arbeiten, handeln, weil er Hunger hat, und weitere Bedürf­nisse, die es zu befrie­digen gilt! Und da braucht kein Mensch lange darüber nach­denken. Die exis­ten­zi­ellen Bedürf­nisse müssen immer alle befrie­digt werden. Jeden Tag. Dazu gehören neben der Nahrung, Klei­dung, Wohn­raum und Energie (physi­sche Exis­tenz­si­che­rung). Dafür arbeiten wir ganz auto­ma­tisch.

    Heute geht es darum, das für die Erzeu­gung dieser Güter und Dienst­leis­tungen nicht mehr alle Menschen Voll­zeit gebraucht werden. Maschinen machen es möglich.

    “Ich meine, dass ein Grund­ein­kommen für jede Person ab 18 gezahlt werden müsste und so gering sein sollte .… Der Anreiz nach „mehr“ muss groß genug bleiben.”

    Das Bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen (bGE) ist als Menschen­recht gedacht, und deshalb nicht einschränkbar. Es muss an a l l e Menschen ausge­zahlt werden. Die Höhe des bGE lässt sich leicht ausrechnen: Es muss immer so hoch sein, das die physi­sche Exis­tenz­si­che­rung bezahlt ist. D a n a c h ergibt sich auto­ma­tisch einen Anreiz zu arbeiten, weil erst dann jeder verdiente Euro zur persön­li­chen Verwen­dung zur Verfü­gung steht.

    “Finan­zieren müssten es die Gutver­diener durch eine Abgabe oder höhere Steuern.”

    Finan­zieren m u s s niemand das Bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen. Wenn wir Menschen erkennen, welche Vorteile ein bGE für uns alle bringen wird (in ihren 10 Punkten haben Sie das sehr schön beschrieben), dann werden wir die Finan­zie­rung ermög­li­chen, so wie wir auch die Finan­zie­rung anderer Aufgaben durch unseren Staats­haus­halt ermög­li­chen. Wichtig ist, das wir die Produkte und Dienst­leis­tungen herstellen und erbringen, Geld hingegen ist nur bedrucktes Papier (was man sehr schön jetzt in der Finanz­krise beob­achten kann).

    Übri­gens wäre die Lösung für die notlei­denden Grie­chen, Italiener, Spanier oder besser für ganz Europa, die Einfüh­rung eines globalen Bedin­gungs­losen Grund­ein­kommen, denn das Fehlen eines solchen macht die eigent­liche “Krise” in diesen Ländern aus. Die Menchen sind exis­ten­ziell bedroht. Und dieses bGE zu finan­zieren, durch ganz Europa, wäre mehr als richtig.

    • Svenja Hofert 9. Januar 2012 at 0:54 — Reply

      Hallo Herr Ober­häuser, danke für den ausführ­li­chen Kommentar. Ob wir den Grie­chen auch ein BGE spen­dieren sollten — da bin ich noch nicht so sicher. Und auch ob die Maslow­sche Bedürf­nis­py­ra­mide (oder kam Bert­hold Brecht davor ;-)) so immer und überall richtig liegt oder nur bei der aller­ersten Stufe — manchmal bin ich da nicht so sicher.
      Macht aber auch nichts, denn Abwägen gehört ja zum Entscheiden. LG Svenja Hofert

  4. Stefan Jäger 9. Januar 2012 at 1:33 — Reply

    Herr Ober­häuser, hat vieles sehr gut auf den Punkt gebracht. Dem kann ich nur zustimmen.
    Auf einen Punkt möchte ich aber explizit noch einmal eingehen:
    “Der Anreiz nach „mehr“ muss groß genug bleiben. 400 steu­er­freie Euro sind vorstellbar.”

    Es ist äußerst wichtig, dass das Grund­ein­kommen tatsäch­lich zumin­dest das Exis­tenz­mi­nimum abdeckt. Denn die posi­tiven Eigen­schaften kommen durch die Möglich­keit auch “nein” zu einer bestimmten Arbeit zu sagen. Wenn das BGE gerade so hoch ist, dass es nicht zum Leben reicht (und gleich­zeitig das aktu­elle Arbeits­lo­sen­geld abge­baut wird, was ja elemen­tarer Bestand­teil des BGE ist), verschärft sich die heutige Situa­tion um ein Viel­fa­ches. Anstatt dem Arbeit­geber auf Augen­höhe zu begegnet wird ein Zwang einge­führt die nächst­beste Arbeit anzu­nehmen und das Macht­ver­hältnis noch weiter in Rich­tung des Arbeit­ge­bers zu verschieben.

  5. Enrico Brie­gert 9. Januar 2012 at 6:19 — Reply

    Das Grund­ein­kommen klingt gut. Mich quält zu diesem Thema jedoch die Frage: Wie ändert sich das Preis­ge­füge (z.B. Mieten), wenn ein solches Grund­ein­kommen einge­führt wird. Wenn jeder Haus­halt “1.000” Euro mehr zur Verfü­gung hätte — erwarte ich gerade in den Ballungs­zen­tren Druck auf dem Wohnungs­markt. Dieser würde über Preise wieder ausge­gli­chen… Könnte es sein, dass eine Spirale der Teue­rung, das Grund­ein­kommen wieder abschöpft? Muss dann wieder jeder — unab­hängig von seinem Einkommen — für den Kinder­gar­ten­platz zahlen (das Geld ist ja jetzt in das Grund­ein­kommen geflossen)?
    Welche Argu­mente zerschlagen meine Befürch­tungen?

    Eine Bitte habe ich noch vor der Einfüh­rung: einen ausge­gli­chenen Bundes­haus­halt und eine signi­fi­kant redu­zierte Staats­ver­schul­dung. Aktuell leben wir über unsere Verhält­nisse und nehmen mit jedem Tag unseren Nach­fol­gern finan­zi­elle Spiel­räume und über­lassen denen noch das vermut­lich unge­löste Demo­­grafie-Problem (Pfle­ge­kosten). Sollten wir hier nicht zuerst korri­gieren?

    Zu einigen Punkten:

    zu 1: Wenn die Spezia­li­sie­rung nicht stimmt, wäre dann nicht Ausbil­dung geeig­neter? Geld löst das ökono­mi­sche Problem, aber nicht das Problem der fehlenden Wert­schät­zung: “ich werde nicht gebraucht”. Die Gefahr durch Arbeit krank zu werden ist geringer, als durch Arbeits­lo­sig­keit krank zu werden. In den USA geht man davon aus, dass Arbeits­lo­sig­keit einen direkten Einfluss auf die Lebens­er­war­tung hat…

    zu 2: In den letzten Jahren ist die Anzahl der Beschäf­tigten in D stetig gestiegen. Bisher wurden in Summe Arbeits­plätze nicht abge­baut.

    zu 5: Unser vermut­lich größtes Problem — und nicht die Krise in Grie­chen­land! Späth fordert hierzu die Einfüh­rung eines sozialen Pflicht­jahres (geschlechts­un­ab­hängig). Ich sehe nicht, dass das Grund­ein­kommen diesem Pflicht­jahr über­legen ist…

    zu 6: Warum arbeiten gute Mütter? Ist jemand eine schlechte Mutter, wenn sie nicht arbeitet (oder habe ich diesen Punkt falsch verstanden?)? Und warum steigt die Anzahl der allein­er­zie­henden Mütter? (Heute muss man sich ja schon entschul­digen, wenn man 20 Jahre mit demselben Partner verhei­ratet ist.)

    zu 7: Ein Fern­stu­dium in Hagen kostet in Teil­zeit weniger als 200€ pro Semester. Liegt es da am Geld oder an der Bereit­schaft? Wenn man bereit wäre, seine TV oder Internet-Zeit gegen Studium zu substi­tu­ieren, wäre es für schon heute für viele machbar.

    zu 9: Riesen-Plus für das Grund­ein­kommen.

    PS: Grund­ein­kommen als Mittel gegen schrump­fende Bevöl­ke­rung (Kommentar CB)? In den letzten 100 Jahren war in D die Entwick­lung der Gebur­ten­rate umge­kehrt propor­tional zum Wohl­stand der Gesell­schaft. Meinen Groß­el­tern ging es wirt­schaft­lich nicht besser. Auch die Umstände waren kurz nach dem 2. Welt­krieg nicht stabiler… Und es gab nicht Mal Harz IV… Bei dieser Diskus­sion geht es weniger um Geld, denn um Werte. Inzwi­schen muss man sich ja fast entschul­digen, wenn man 20 Jahre mit demselben Partner verhei­ratet ist ;-).

  6. Chris­toph Burger 9. Januar 2012 at 9:41 — Reply

    @EB
    es geht bei meinem Punkt 11 um die Sicher­heit (nicht um den Wohl­stand). Übri­gens wäre die Sicher­heit eines Grund­ein­kom­mens auch förder­lich für die Gesund­heit (2/3 aller Erkran­kungen sind mit-stres­s­­be­­dingt).

    Schöne Grüße, CB

  7. Thomas Ober­häuser 9. Januar 2012 at 13:16 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    hallo an die Mitdis­ku­tanten.

    Zu Herrn Brie­gerts Einlas­sungen gibt es eine Menge zu sagen. Ein Kommentar-Käst­chen würde das viel­leicht sprengen. Ich habe mir deshalb erlaubt, auf die schnelle meine Antwort ins Web zu stellen.

    https://sites.google.com/site/bgeinformationen/

    Mit netten Grüßen
    Thomas Ober­häuser

  8. Svenja Hofert 9. Januar 2012 at 14:50 — Reply

    Hallo Herr Ober­häuser, sehr infor­mativ, vielen Dank. Nur — den Super­rei­chen wegnehmen — das wäre ja ein Weiter­führen des Gedan­kens — geht ja auch nicht und ist mir auch zu gleich­ma­che­risch. Oder? Falsch verstanden?
    herz­liche Grüße Svenja Hofert

  9. Svenja Hofert 9. Januar 2012 at 14:58 — Reply

    @stefanjäger: Ich bin nicht so opti­mis­tisch in meinem Menschen­bild. Es muss einfach Anreize geben (oder bin ich da die egois­ti­sche Arbeit­ge­berin, die sich sorgt, dass sie ihren Mitar­bei­te­rinnen demnächst viel mehr als Geld bieten muss ;-)) Ich denke weiterhin manchmal, dass es vielen gut tun würde, wenn sie nicht allein, sondern in einer Gemein­schaft mit anderen leben würden. Da sind 400, viel­leicht 600 pro Person nicht unrea­lis­tisch (und den Trend zur Selbst­ver­sor­gung nehmen wir mal dazu).
    @enricobriegert: Ja, Hagen ist toll, aber bietet auch nicht *alle* Möglich­keiten. Hinzu kommt, dass meiner sehr subjek­tiven Einschät­zung nach 90% aller Hagen-Studenten nie abschließen… Warum? Alleine lernen fordert enorm viel Diszi­plin. LG Svenja Hofert

  10. Stephan 9. Januar 2012 at 15:16 — Reply

    Ein Argu­ment, dass aus mir unver­ständ­li­chen Gründen in den Pro-Listen immer fehlt, ist das berühmte Lohn­ab­stands­gebot “Wer arbeitet soll mehr haben als der, der nicht arbeitet”.
    Das wäre unter den Bedin­gungen eines BGE — sogar ERSTMALS — verwirk­licht, denn im Moment ist es ja keines­falls so. Auch manche Voll­zeit­jobs werden so schlecht bezahlt, dass die betrof­fenen Arbeit­nehmer noch zusätz­lich Anspruch auf ALG II haben (also auf so viel zusätz­liche staat­liche Unter­stüt­zung, dass sie wenigstns das Hartz-IV-Niveau errei­chen, was sie mit ihren Voll­zeit­jobs nämlich nicht schaffen).
    Unter den Bedin­gungen eines BGE hätte jemand der arbeitet auto­ma­tisch und vom ersten Euro an mehr als jemand der nicht arbeitet. Unter diesem Aspekt wäre sogar die Höhe des BGE völlig schnuppe, man könnte es beliebig hoch ansetzen, der Effekt bliebe erhalten:
    Das BGE hätten alle und wer außerdem arbeitet, hätte mehr.

  11. Heim­kind 9. Januar 2012 at 16:54 — Reply

    Ich arbeite als Früh­rentner 12 bis 14 Stunden täglich für meinen Verband ohne Bezah­lung.
    Bei den Sozi­al­ge­richten laufen bei mir über 10 Verfahren wegen diesen Betrug SGB II.
    Das Arbeitsamt und die Argen die unsäg­li­ches Leid über dieses Land gebracht haben gehört sofort abge­schafft. Selbst die Kinder­geld­kassen wollen jetzt an diesem Skla­ventum der Bevöl­ke­rung durch den Kinder­geld­zu­schlag teil­nehmen um die eigenen Arbeits­plätze zu sichern. Ein Grund­ein­kommen würden alle diese Verbre­cher zurück in ihre Erdlö­scher treiben.

  12. Carsten 9. Januar 2012 at 17:11 — Reply

    Ein Anreiz nach mehr ist immer da. Aber ein BGE darf nicht nur aus 400 Euro bestehen. Dann hätte ich nicht mehr als heute. Ich bin arbeits­un­fähig und beziehe Hartz 4 was etwas weniger ist als 400. Der Betrag ist so lächer­lich das ich immer über­legen muss ob ich Nahrungs­mittel kaufe oder etwas für meine Gesund­heit tue und zum Arzt gehe. Jede 10,- Euro Praxis­ge­bühr tun mir weh weil ich dann die letzten Tage im Monat unter Umständen nichts mehr zu essen habe.

    Ich habe mal ausge­rechnet das ich inkl. Miete ein BGE von 1500 Euro bräuchte um so leben zu können das ich sage “Ich habe keinen Druck mehr und kann mir in Ruhe eine Arbeit suchen die ich auch mit all meinen Krank­heiten bewäl­tigen kann”

    Die Mehr­wert­steuer erhöhen? Das ist lächer­lich. Eigent­lich gehört die Mehr­wert­steuer abge­schafft. Es ist nicht einzu­sehen warum der Staat jedesmal daran mitver­dient wenn zum Leben wich­tige Nahrungs­mittel oder andere Dinge des tägli­chen Lebens weiter verkauft werden!

    Das BGE lässt sich schon alleine dadurch finan­zieren das alle Ämter und Behörden die Geld verteilen zusam­men­ge­legt werden zum Bundesamt für Einkommen. Dann 1% Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer auf jedes Geschäft über 1000,- Euro. Und schon wäre das alles mit Links finan­ziert! Es gibt dazu ein gutes Video mit Heike Makatsch auf Youtube! Einfach mal danach suchen.

  13. Stefan Jäger 9. Januar 2012 at 17:29 — Reply

    @Frau Hofert: Meiner Meinung nach ist das Grund­ein­kommen eine Möglich­keit eine Tätig­keits­ge­sell­schaft zu verwirk­li­chen und damit die Erwerbs­ar­beit etwas aus dem Mittel­punkt zu rücken und mit Familien‑, Pfle­ge­ar­beit, Ehrenamt und sozialen Enga­ge­ment (kein Anspruch auf Voll­stän­dig­keit) auf eine Stufe zu stellen. Alle Anreiz­sys­teme wollen den Menschen ja in der Erwerbs­ar­beit halten. Dabei ist ehren­amt­liche und nicht bezahlte Arbeit gesell­schaft­lich sehr wichtig (und nicht alles was sich Erwerbs­ar­beit nennt mora­lisch oder ökolo­gisch nütz­lich oder gerecht­fer­tigt).
    Und tätig sein möchte jeder Mensch. Es gibt nur wenige, die mit ihrer Zeit nichts anzu­fangen wissen und mit einem Leben auf der Couch glück­lich würden.
    Es mag Menschen geben, die wirk­lich nichts mit ihrer Zeit anfangen können, aber diese Zahl kann man mit einer besseren Gesamt­bil­dung und Talent­för­de­rung auf ein Minimum redu­zieren. Dieses Minimum hat und trägt jede Gesell­schaft seit jeher.
    Tatsäch­lich werden in Deutsch­land mitt­ler­weile sogar doppelt soviele Stunden unbe­zahlt gear­beitet als bezahlt (Stand 2001: bezahlt 56 Mrd. Stunden, unbe­zahlt 96 Mrd. Stunden, Quelle: Statis­ti­sches Bundesamt). Das dürfte gegen die Theorie des “faulen” Menschen spre­chen.

  14. Liane Strauß 9. Januar 2012 at 17:43 — Reply

    Hallo, Frau Svenja Hofert,

    Ihre Vorstel­lung von einem bedin­gungs­losen Grund­ein­kommen ist bedrü­ckend und hat tatsäch­lich gar nichts mit dem eigent­li­chen Anliegen eines solchen BGE zu tun. Zitat:

    “Ich meine, dass ein Grund­ein­kommen für jede Person ab Geburt gezahlt werden müsste und so gering sein sollte, dass sich zwei, drei Personen zusam­mentun müssten, um ausschließ­lich davon leben zu können. Der Anreiz nach „mehr“ muss groß genug bleiben. 400 steu­er­freie Euro sind vorstellbar.”

    Sie wollen also ein staat­li­ches Kontroll­system ersetzen und “Menschen­würde” gewähr­leisten, indem Sie erwarten, daß Menschen “auf Gedeih und Verderb” mitein­ander leben müssen und unab­hängig von der Qualität ihrer Bezie­hungen in solcher Weise exis­ten­ziell aufein­ander ange­wiesen sind? Ist Ihnen nicht klar, daß eine solche gegen­sei­tige Abhän­gig­keit bereits heute für Fami­lien und Part­ner­schaften eine große Belas­tung darstellt, welche eher zu ihrem Schei­tern beiträgt als dass sie ihnen förder­lich ist? Im Hartz IV-System gibt es schon heute eine grund­rechts­wid­rige “Sippen­haft”, indem Kinder und Ange­hö­rige einer “Bedarfs­ge­mein­schaft” bei “Sank­tionen” der Behörden (also Kürzung oder Strei­chung des grund­ge­setz­lich garan­tierten Exis­tenz­mi­ni­mums) gegen einen Einzelnen von diesen betroffen sind. Im Zweifel müssen also Kinder von ihrem Exis­tenz­mi­nimum das Über­leben der “sank­tio­nierten” Mutter, des Vaters, der Schwester oder des Bruders gewähr­leisten…

    Weiterhin ist es sonderbar und ledig­lich Ausdruck Ihrer eigenen Kondi­tio­nie­rung, daß Sie meinen, Menschen müßten neben dem exis­ten­zi­ellen Druck einer­seits noch oben­drein kleine “Häpp­chen” an finan­zi­ellen “Anreizen” geboten werden. Genau dieses System aus “Strafe” und “Beloh­nung” ist es, welches heute bereits die Kinder im Schul­alter dies­be­züg­lich mani­pu­liert, indem sie ihre natür­liche Neugier und ihr natür­li­ches Lern­be­dürfnis zugunsten dieses “Boni-Denkens” zerstört. Ja, das ist es sogar, was Menschen tatsäch­lich und im eigent­li­chen Sinne zur “Faul­heit” erzieht, nämlich: etwas nicht mehr um seinet­willen zu tun, sondern um einer zu erwar­tenden “Beloh­nung” willen oder aus Angst vor Strafe.
    Wir brau­chen aber Geld, um leben zu können und nicht als “Ziel” oder “Anreiz” unseres jewei­ligen Tuns.

    Und in diesen Zusam­men­hang stelle ich auch Ihre Behaup­tung, der “Wert” von Kunst und Kultur sei im Sinken begriffen. Es ist eben diese Auffas­sung, der Wert von jegli­chen “Dingen” sei mit Geld zu messen, welcher dazu führte, dass einfach alles heute diesem (dürf­tigen) Maßstab einer finan­zi­ellen “Verwert­bar­keit” unter­worfen wird. Tatsäch­lich spie­gelt sich hierin das Sinken der gesell­schaft­li­chen Wert­schät­zung, und das ist es, was Bildung, Kunst und Kultur beschä­digt und schließ­lich nicht ohne Auswir­kung auf deren WERT bleiben kann.

    Und zuletzt: “Gute Mütter arbeiten — zumin­dest in Teil­zeit…”
    Was bitte machen Mütter mit dem “Rest” ihrer Zeit bzw. was machen denn “schlechte Mütter”? Arbeiten sie etwa nicht? Doch wenn sie einer Erwerbs­ar­beit nach­gehen (z.Bsp. indem sie berufs­mäßig die Kinder anderer Mütter betreuen) und ihre eigenen Kinder wiederum der Betreuung und Erzie­hung durch andere Menschen (darunter eben­falls Mütter) anver­trauen, dann zeichnet dieselbe Arbeit, weil sie jetzt bezahlte Arbeit ist, sie angeb­lich als “gute Mütter” aus?

  15. Svenja Hofert 9. Januar 2012 at 18:01 — Reply

    Ich fass es nicht, so viele Kommen­tare für meinen kleinen Blog, bitte seht mir nach, wenn ich nicht auf jeden antworten kann 😉 Jeden­falls stehen hier ganz tolle Gedanken, Ergän­zungen und Argu­mente. Die Finan­zie­rungs­seite kann ich nicht wirk­lich abschlie­ßend beur­teilen. Die mensch­liche sehe ich jeden Tag, und dort das Bedürfnis etwas zu tun, was Sinn macht. Und die Abhän­gig­keit von “sinn­losen” Tätig­keiten oder der Zwang, etwa im Jour­na­lismus, nach rein ökono­mi­schen Krite­rien zu entscheiden. LG und danke bis zu diesem Punkt an alle SH

  16. Svenja Hofert 9. Januar 2012 at 18:04 — Reply

    @enricobriegert: “Gute Mütter arbeiten” ist ein alter, femi­nis­tisch ange­hauchter Buch­titel. Ich finde übri­gens nicht, dass alle Mütter arbeiten müssen, so wenig wie alle Väter. Ich finde, man muss sich den Luxus leisten können, eine Zeit­lang zurück­zu­fahren, wenn man/frau das will. Auch das wäre ein Argu­ment pro. LG SH

  17. Burk­hard Reddel 9. Januar 2012 at 19:42 — Reply

    Hallo nochmal,

    ich gebe noch weiterhin zu bedenken, es gibt schon heute nicht mehr Arbeit für Alle. Die Gründe sind viel­fältig. Aber Voll­be­schäf­ti­gung im Volk­wirt­schaft­li­chen Sinne, heißt ja auch nicht Arbeit für Alle.Was also mit denen machen, die gar keinen Arbeits­platz Mangels Angebot bekommen können, weil keine da sind. ICh sehe auch das als weiter Pro Punkt für ein Grund­ein­kommen. Übri­gends ist mein Menschen­bild nicht ganz so negativ. Ich glaube jeder Mensch braucht Beschäf­ti­gung und will dadurch auch Bestä­ti­gung. Aller­ding muß man nicht nur “Erwerbs­ar­beit” bzw. Lohn­ar­beit als einzig seelig­ma­chend betrachten. Ehrenamt ist genau­so­viel Wert und ermög­licht eben­falls Selbst­ver­wirk­li­chung und mensch­li­ches und ‑würdiges Leben. Ein Wort zu Hartz4. Das ist das schlimmste der Erfin­dungen von Herrn Schröder. Ich muß von 370 Euro im Monat leben und davon auch noch Strom bezahlen. Das heißt als ein prak­ti­sches Beispiel ich muß beim Einkauf über­legen, ob ich ein Produkt das mehr als 1 Euro kostet , bezahlen kann oder nur billig­pro­dukte und unaus­ge­wo­gene Ernäh­rung zahlen kann und daurch schlechter ernährt bin und schneller krank werde. ICh bekomme übri­gends nicht an Mehr­auf­wands­ent­schä­di­gung für meine Diabetes Nahrung. Also extrem menschen­un­wür­diges Leben mit Hartz4. Auch aus diesem Grund sehe ich ein Grund­ein­kommen ohne Bedin­gung für sinn­voll.

    Grüsse
    B.RE.

  18. Tom Zbinden 9. Januar 2012 at 22:12 — Reply

    Siehe Money Flow System via http://www.worldpeacesystem.info

  19. Thomas Ober­häuser 10. Januar 2012 at 17:43 — Reply

    @Carsten “Ein Anreiz nach mehr ist immer da.”

    Sehe ich genauso. Wenn man nicht weiß, was man ehren­amt­lich machen könnte oder was als Selbst­stän­diger lohnend wäre, kann man immer noch auf den Arbeits­markt schauen.

    @Stefan Jäger “Es gibt nur wenige, die mit ihrer Zeit nichts anzu­fangen wissen und mit einem Leben auf der Couch glück­lich würden.”

    Der Punkt ist auch, das nach Einfüh­rung eines Bedin­gungs­losen Grund­ein­kommen die Erwerbs­ar­beit sich wieder lohnt. Der Bürger ist am Arbeits­markt “auf Augen­höhe” mit den Arbeits-Anbie­­tern und kann Arbeits­plätze mit schlechten Arbeits­be­din­gungen, die schlecht bezahlt und gesund­heits­ge­fähr­dend sind, ablehnen.

    Das heißt, die Arbeit­geber sind dann aufge­rufen ihre Arbeits­plätze attraktiv zu gestalten und müssen um Arbeit­nehmer werben! Der Arbeit­nehmer ist “König”.

    @Svenja Hofert
    Jetzt müssen sie aber ganz schön einste­cken. 😉 Ihre 10 Punkte fand ich jeden­falls gut.

    @Burkhard Reddel, @Liane Strauß, @Stefan Jäger, @Carsten, @Heimkind, @Stephan, @Svenja Hofert

    Das Thema bGE ist wichtig. Das Bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen muss einge­führt werden. Ich bin der Über­zeu­gung das eine gute Vernet­zung diesen Prozess beschleu­nigt. Viel­leicht können sie sich einer lokalen Grun­d­ein­­kom­­mens-Initia­­tive anschließen. Und man trifft sich bei Google+. Such­be­griff: Bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen. Face­book nutze ich leider nicht.

    Mit Grüßen

  20. Stefan Jäger 10. Januar 2012 at 23:50 — Reply

    Ähnlich wie Herr Ober­häuser sehe ich das auch. Das Grund­ein­kommen macht den “Arbeits­markt” wieder zu einem Arbeits­markt. Heute arbeiten die Sozi­al­sys­teme mit Angst und drän­gend den Menschen in die Ecke. In Tarif­ver­hand­lungen stecken Arbeit­nehmer immer mehr ein, einfach weil die Angst da ist in die HartzIV-Spirale abzu­rut­schen. Wir als Gesell­schaft müssen dem eine posi­tive Vision entge­gen­setzen. Und darin bin ich ganz bei ihnen: Das Thema BGE und vor allem die konstruk­tive Diskus­sion darüber IST wichtig, denn sie lässt uns an vielen Stellen über unsere jetzige Lebens­weise hinaus denken.

    @Frau Hofert: Ich finde es zudem klasse, dass sie diesem Thema hier eine weitere Platt­form geben und diese Diskus­sion so aufge­schlossen begleiten. Den bishe­rigen Verlauf empfinde ich als sehr konstruktiv. Weiter so! 🙂

  21. Svenja Hofert 11. Januar 2012 at 9:24 — Reply

    @lianestrauß: Irgendwie schreiben wir anein­ander vorbei, die “guten Mütter” sind beispiels­weise ironisch und dass der Wert von kultu­reller Arbeit sinkt, ist nicht meine Meinung, sondern schlicht eine — nach­­weis­­bare- Beob­ach­tung. Mir gefällt auch nicht, dass der Wert der Arbeit nur in Geld bemessen wird — genau deswegen mein Beitrag. Was die Sippen­haft betrifft: Davon kann keine Rede sein — um Gottes willen sollen nicht Menschen auf “Gedeih und Verderb” anein­ander gebunden sein. Nur bin ich über­zeugt, dass das Grund­ein­kommen ein einfa­ches System sein muss. Diese ganzen Ausnah­me­re­ge­lungen darf es nicht geben. Wenn drei Personen je 600 EUR bekämen, dann wären das 1.800 EUR, bei 2 1.200 und allein eben 600. Da bekommt man schon ne kleine Wohnung für — da wo ich lebe z.B., im schnöden Pinne­berg. Bißchen was dazu verdienen, kosten­lose Kran­ken­ver­si­che­rung wie in Schweden: wo ist das Problem? Ja, könnte im Einzel­fall weniger sein als Hartz IV, dafür hat man die Zwangs­jakce ausge­zogen.
    Mit Verlaub kann man davon in einer Wohnung leben. Vergleich: Eine durch­schnitt­liche Büro­kraft bekommt hier in Hambrug für 40 Stunden 2.500 Eur brutto, für 20 Stunden 1200 EUR, netto kommen da kaum 700 raus. Somit stünde sich auch die durch­schnitt­liche allein­er­zie­hende Mutter nicht schlechter als jetzt, selbst wenn sie ihren Job verlöre (um eben eine Zeit­lang die Eltern zu pflegen).
    Und nebenbei: Was ist auch so schlimm an gemein­schaft­li­chen Lebens­formen? Es gibt viele inter­es­sante Konzepte, ich persön­lich finde die Verein­ze­lung ‑und teil­weise den Zwang der Verein­ze­lung durch Hartz IV — auch bedenk­lich. Heißt nicht, dass ich jemand keine eigene Wohnung zubil­lige. Aber man sollte mal darüber nach­denken, ob mehr frei­wil­lige Gemein­schaft nicht allen gut täte. LG Svenja Hofert

  22. Wolf 11. Januar 2012 at 10:41 — Reply

    Mir ist das Grund­ein­kommen sympha­tisch, dennoch gibt es da etliche Haken. Das BGE könnte nämlich:

    - nicht armuts­ab­fe­dernd sein (siehe Modelle von Althaus oder der FDP oder die hier erwähnten 400 Euro; unter 1000 Euro hat es keinen Sinn)

    - notwen­dige soziale Kämpfe verhin­dern (ab einer gewissen Sätti­gungs­stufe gehen kaum noch Leute auf die Straße)

    Es bleibt die Frage, ob wirk­liche Verbes­se­rungen inner­halb unseres waren­pro­du­zie­renden Systems über­haupt möglich sind.
    Der Reichtum der einen basiert immer auf der Armut der anderen. Das ist auch global zu sehen.
    Wenn ATTAC fordert, das BGE zuerst dort einzu­führen, wo es am Nötigsten ist (südliche Länder), so setzt das Revo­lu­tionen voraus.
    So sympha­tisch mir Viele sind, die für das BGE eintreten- wir können es nicht herbei disku­tieren.

  23. laub­baum 11. Januar 2012 at 15:21 — Reply

    Soll das Grund­ein­kommen jedem zustehen? Also auch Rent­nern, Arbeit­neh­mern oder selbst Arbeit­ge­bern? Dann würde das Grund­ein­kommen nichts anderes machen, als die Infla­ti­ons­rate nach oben schiessen lassen und der gewünschte Effekt würde schnell verschwinden. Ich denke, der Begriff der “Arbeit” sollte neu defi­niert und bewertet werden. Künstler, wenn sie nach­weisen, dass sie einen Grund­um­satz mit ihrer Kunst machen, erhalten ein Grund­ein­kommen (wie in den Nieder­landen bereits möglich). Mütter und Väter eben­falls, wenn sie ihren Job für die Betreuung des Kindes aufgeben (Warum gibt es nicht das Beruf­bild “Mutter” oder “Vater”? inkl. Stel­len­be­schrei­bung, Zerti­fi­zie­rungen, Lauf­bahn­kon­zept). Genauso auch die Menschen, die ihre Ange­hö­rigen pflegen usw. oder Menschen, die Park­an­lagen pflegen möchten, oder oder Ich würde mir wünschen, wenn es ein Grund­ein­kommen für Tätig­keiten gäbe, die einen gesell­schaft­li­chen Nutzen bringen. Ich bin deshalb gegen ein bedings­loses Grund­ein­kommen für jeder­mann.

  24. silencer 13. Januar 2012 at 12:30 — Reply

    Ein bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen kann leider nur in einer konzer­tierten Aktion mit einem anderen Geld­system und einer Boden­re­form funk­tio­nieren.
    http://www.youtube.com/watch?v=Ts4ynYTd2MY&feature=list_related&playnext=1&list=SPDA0C65D6126B554F

    „Ich meine, dass ein Grund­ein­kommen für jede Person ab Geburt gezahlt werden müsste und so gering sein sollte, dass sich zwei, drei Personen zusam­mentun müssten, um ausschließ­lich davon leben zu können. Der Anreiz nach „mehr“ muss groß genug bleiben. 400 steu­er­freie Euro sind vorstellbar.“

    Um Gottes willen. – Dann können wir uns das bGe auch gleich sparen. Das wäre ja noch sozio­pa­thi­scher als Hartz IV!

    Kultur braucht Sklaven (Oscar Wilde 1854 – 1900)

    An der körper­li­chen Arbeit ist ganz und gar nichts notwendig Würde­volles, und meis­tens ist sie ganz und gar entwür­di­gend. Es ist geistig und mora­lisch genommen schimpf­lich für den Menschen, irgend etwas zu tun, was ihm keine Freude macht, und viele Formen der Arbeit sind ganz freud­lose Beschäf­ti­gungen und sollten dafür gehalten werden. Einen kotigen Stra­ßen­über­gang bei scharfem Ostwind acht Stunden am Tag zu fegen, ist eine wider­wär­tige Beschäf­ti­gung. Ihn mit geis­tiger, mora­li­scher oder körper­li­cher Würde zu fegen, scheint mir unmög­lich. Ihn freudig zu fegen, wäre schau­der­haft. Der Mensch ist zu etwas Besserem da, als Schmutz zu entfernen. Alle Arbeit dieser Art müsste von einer Maschine besorgt werden.

    Und ich zweifle nicht, dass es so kommen wird. Bis jetzt war der Mensch bis zu gewissem Grade der Sklave der Maschine, und es liegt etwas Tragi­sches in der Tatsache, dass der Mensch, sowie er eine Maschine erfunden hatte, die ihm seine Arbeit abnahm, Not zu leiden begann. Das kommt indessen natür­lich von unserer Eigen­­tums- und Konkur­renz­wirt­schaft. Ein einzelner ist der Eigen­tümer einer Maschine, die die Arbeit von fünf­hun­dert Menschen tut. Fünf­hun­dert Menschen sind infol­ge­dessen beschäf­ti­gungslos; und da man ihre Arbeit nicht braucht, sind sie dem Hunger preis­ge­geben und legen sich auf den Dieb­stahl. Der einzelne eignet sich das Produkt der Maschine an und behält es und hat fünf­hun­dertmal soviel, als er haben sollte, und wahr­schein­lich, was viel wich­tiger ist, bedeu­tend mehr, als er tatsäch­lich braucht. Wäre diese Maschine das Eigentum aller, so hätte jeder­mann Nutzen davon. Sie wäre der Gemein­schaft von größtem Vorteil.

    Jede rein mecha­ni­sche, jede eintö­nige und dumpfe Arbeit, jede Arbeit, die mit wider­li­chen Dingen zu tun hat und den Menschen in absto­ßende Situa­tionen zwingt, muss von der Maschine getan werden. Die Maschine muss für uns in den Kohlen­gruben arbeiten und gewisse hygie­ni­sche Dienste tun und Schiffs­heizer sein und die Straßen reinigen und an Regen­tagen Boten­dienste tun und muss alles tun, was unan­ge­nehm ist. Jetzt verdrängt die Maschine den Menschen. Unter rich­tigen Zuständen wird sie ihm dienen. Es ist durchaus kein Zweifel, dass das die Zukunft der Maschine ist, und ebenso wie die Bäume wachsen, während der Land­wirt schläft, so wird die Maschine, während die Mensch­heit sich der Freude oder edler Muße hingibt — Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen — oder schöne Dinge schafft oder schöne Dinge liest oder einfach die Welt mit bewun­dernden und genie­ßenden Blicken umfängt, alle notwen­dige und unan­ge­nehme Arbeit verrichten.

    Es steht so, dass die Kultur Sklaven braucht. Darin hatten die Grie­chen ganz recht. Wenn es keine Sklaven gibt, die die wider­wär­tige, absto­ßende und lang­wei­lige Arbeit verrichten, wird Kultur und Beschau­lich­keit fast unmög­lich. Die Skla­verei von Menschen ist unge­recht, unsi­cher und entsitt­li­chend. Von mecha­ni­schen Sklaven, von der Skla­verei der Maschine hängt die Zukunft der Welt ab. Und wenn gebil­dete und gelehrte Männer es nicht länger nötig haben, in ein fürch­ter­li­ches Armen­viertel hinab­zu­steigen und schlechten Kakao und noch schlech­tere Decken an halb­ver­hun­gerte Menschen zu verteilen, so werden sie eben köst­liche Muße haben, wunder­volle und herr­liche Dinge zu ihrer eigenen und aller andern Freude zu ersinnen.

  25. tk 15. Januar 2012 at 21:53 — Reply

    Ich kann nicht glauben was ich hier lese. Eine Bildungs­wüste in Sachen (böse natür­lich) Wirt­schaft. Sorry! Das BGE ist eine einzige Fata Morgana, welche Buch­au­toren und Insti­tuts­be­scha­äf­tige, Links-Ideo­­logen und Millio­naäre das notwen­dige Salär zum tägli­chen Konsum liefert.

    Sie können alle frei defi­nieren was den Menschen­recht sei und was dem Menschen zumutbar ist oder nicht. Die Natur, dieser Planet wird sich einen Dreck darum scheren, ob Sie hungern oder frieren. An wen sind die Ansprüche an leis­tungs­loser Arbeit gerichtet? An den lieben Gott? An Josef Acker­mann, an Karl Marx? Für mich ist die BGE Diskus­sion ein Ausruck von ideo­lo­gi­scher Wohl­stands­ver­wahr­lo­sung. Seit Jahr­tau­senden mussten sich die Menschen gegen Natur, Tiere, Krie­ger­horden, Krank­heiten, angeb­lich netten Mitmen­schen und Ideo­lo­gien durch­setzen um ein menschwür­diges Leben zu errei­chen. Nun postu­lieren Sie mal eben so, dass sei doch völlig selbst­ver­ständ­lich und man brauche das doch nur in die Verfas­sung zu schreiben. Und schon müssten sich die bösen Ausbeuter daran halten…wie welt­fremd ange­sichts 60% kleiner Gewer­be­trei­bender hier in D, die um 4 Uhr aufstehen, 80% der Abreit­splätze schaffen und mit hohem persön­li­chen Risiko und 16 Stunden harter Arbeit unseren Wohl­stand schaffen, den man mal eben per Postualt gemüt­lich am heimi­schen Rechner als von Gott garnan­tiert ansehen kann.

    Hier schrieb jemand was von “Fäka­lien” sollten nur von Maschinen wegge­fegt werden, weil das halt menschen­un­würdig sei. Haben Sie zuviel den kleinen Prinz gelesen, ob Ihrer Para­­dies-Fanta­­sien? Wir haben seit ca. 150 Jahren, seit Erfin­dung der Dampf­ma­schine und der Energie-Erdöl­­­wir­t­­schaft (und nur unter dem Kapi­ta­lismus!!) einen beträcht­li­chen Teil an Auto­maten entwi­ckelt, welche uns eine viel­zahl an unage­nehmen Arbeiten abnimmt. Aber daraus jetzt solch einen allge­meinen Gesell­schafts­an­spruch zu entwickeln…Ihnen geht es wirk­lich gut!!! Da fällt mir ein, ich muss meinen Hintern immer noch selbst abwi­schen. Kann ich die Beschwerde an Amnesty Inter­na­tional richten?

    TK

  26. tk 15. Januar 2012 at 22:17 — Reply

    Fau Hofer, Sie machen übri­gens wie alle anderen, den glei­chen Fehler in den Berech­nungen: Sie verteilen hier Geld­be­träge welche im jetzigen System erwirt­schaftet werden und gehen bei einer Umstel­lung auf das System BGE davon aus, dass Sie die glei­chen volks­wirt­schaft­li­chen Gesamt­erträge haben. Irrtum! Davon, dass der Kanal­ar­beiter, statt die Fäka­lien im Unter­grund zusammen zu schieben, jetzt den ganzen Tag Aqua­rell­bilder malt, bekommen Sie keine funk­tio­nie­rende Toilette.
    Sie meinen, er kann das für einen saftigen Aufpreis doch tun? Selbst­be­wusst sich vor seinen Chef stellen und 5000 Euro mehr verlangen? Na gut, wird Ihre Abwas­ser­ge­bühren und seine eigenen aber dras­tisch in die Höhe schrauben (infla­tion). Die H4 Bezieher dürften dann ihr tägli­ches Geschäft eben nicht so häufig verrichten, weil die 1500 Euro nicht reichen, bei all den Preis­stei­ge­rungen von anstren­genden Arbeiten, wie Paket­diensten, Pfle­ge­diensten, Baube­rufen, hoch­ri­si­ko­reiche Tätig­keiten, welche eben nicht auto­ma­ti­siert werden können.

    Sie können mit nichts das ökono­mi­sche Prinzip über­listen, dass sie Energie / Geld mit Energie / Arbeit ausglei­chen müssen. Deshalb beschäf­tigen sich auch keine ernst zu nehmenden Profi-Ökonomen mit dem BGE.

    • Svenja Hofert 17. Januar 2012 at 21:13 — Reply

      Hallo TK, Ökonomen haben in der Vergan­gen­heit teils häufiger mit ihren Prognosen daneben gelegen wie Laien. Niemand hat sich in den letzten Jahren bezogen auf Vorher­sagen mit Ruhm bekle­ckert, und es gibt Studien, die besagen, dass gerade jene Top-Experten beson­ders häufig daneben liegen, die eben.… beson­ders bekannt sind. Inso­fern: Ich bin nicht vom Fach und kann das nicht in all seinen Facetten beur­teilen; ja Infla­tion ist eine Möglich­keit, die oft zitiert wird — aber dass Experten diese sicher voraus­sagen können, bezweifle ich. Den Ruhm von Experten mag ich nicht einschätzen; nur weil jemand oft im Fern­sehen, viele Publi­ka­tionen hat oder ein hoch­be­zahlter Redner ist, ist er deshalb nicht klüger und wir alle wissen, dass im Nach­hinein oft die zu den “Genies” gekürt werden, die alles gewusst haben, die lange, lange gegen den Strom gekämpft haben. Inso­fern zieht das Argu­ment mit den Experten “von Ruhm” bei mir nicht. Und das Beispiel ikann ganz genauso anders herum ausgehen: Weil der Kanal­ar­beiter (und ob dieser mit mehr Geld gleich Aqua­relle malt, zeichnet ein selt­sames Menschen­bild) eine Grund­si­che­rung hat, kann er für weniger arbeiten. Er wird nämlich dann nicht mehr für Arbeit, sondern für Aner­ken­nung tätig sein. Das würde die Spirale umdrehen.
      LG SH

  27. Stefan Jäger 18. Januar 2012 at 0:44 — Reply

    Eben­falls Hallo TK,

    ein sehr emotio­naler Beitrag, aber spre­chen sie uns bitte nicht das Recht ab uns über neue Formen des wirt­schaf­tens Gedanken zu machen.
    bisher gibt es meines Wissens nur zwei größere Modelle, die ein menschen­wür­diges Leben für alle ermög­li­chen könnten, sofern das über­haupt das Ziel ist. Zum einen ist da der anhal­tende Fokus auf die Voll­be­schäf­ti­gung und ein sich immer weiter verstär­kendes “Anreiz“system, dass als Folge bereits einen großen Nied­rig­lohn­sektor und eine große Zahl der sog. “Working Poor” hervor­ge­bracht hat und der anhal­tenden Arbeits­lo­sig­keit nur scheinbar, mit statis­ti­schen Tricks, Herr werden kann und zum anderen die Idee eines Grund­ein­kom­mens.

    Dabei geht Ersteres vom, von ihnen erwähnten, ökono­mi­schen Prinzip aus. leis­tungen in Geld müssen Leis­tungen in Arbeit gegen­über­stehen.
    Das Grund­ein­kommen geht vom Menschen aus: Jeder Mensch hat zual­ler­erst ein bedin­gungs­loses Recht auf Leben und Würde.
    Das Ziel der Voll­be­schäf­ti­gung erscheint mir aller­dings nicht weniger utopisch als das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen.
    Zudem heißt es nicht, dass die Diskus­sion damit schon vorbei ist. Viel­leicht gibt es bessere, höher­wer­tige Konzepte, die einer Diskus­sion würdig wären. Die Grund­ein­kom­mens­dis­kus­sion kommt jeden­falls von der Erkenntnis, dass es nicht so wie bisher nicht weiter­gehen kann und dass wir nach neue Ideen suchen müssen.
    Ein solch destruk­tiver Beitrag bringt uns nicht weiter. Ich möchte sie einladen konstruktiv mitzu­ar­beiten und ihre persön­li­chen Vorstel­lungen mit einzu­bringen. Wie soll es ihrer Meinung nach weiter­gehen? Sind sie mit der aktu­ellen Situa­tion glück­lich?

    Nun noch zwei Anmer­kungen:
    Die befürch­tete infla­tion wäre ein Problem, wenn man das BGE von einen Tag auf den anderen einführen würde, weil dann auf einen Schlag die Kauf­kraft der Bevöl­ke­rung ansteigt und sicher­lich von den Unter­nehmen abge­schöpft wird. Deswegen ist es wichtig das BGE schritt­weise einzu­führen. So wird die Gesell­schaft langsam daran gewöhnt und dieser Schock lässt sich vermeiden. Auch greift dann der Wett­be­werb. Wenn die Unter­nehmen einen größeren Spiel­raum in ihrer Gewinn­spanne erhalten, dann muss nur ein Unter­nehmen seine Preise senken und alle anderen müssen darauf reagieren.

    Zwei­tens: Ich möchte die genannten Berufe einmal aufschlüs­seln, die sie als nicht auto­ma­ti­sierbar beschreiben.
    Paket­dienste: Gerade bei der Infra­struktur werden zur Zeit massig neue konzepte entwi­ckelt und sollten irgend­wann Paket­dienste im heutigen Sinne zu teuer werden, wird wohl vermehrt auf Pack­sta­tionen gesetzt werden können, die wesent­lich Arbeit einsparen. Außerdem sind viele andere Konzepte denkbar.
    Pfle­ge­dienste: Wir haben in den letzten Jahr­zehnten einen massiven teil unseres Pfle­ge­be­darfs kommer­zia­li­siert. Früher war es nicht üblich alte Menschen in Alten­heime zu stecken. Es gab eine Zeit, da wurde der Groß­teil der pflege von Ange­hö­rigen zu Hause erle­digt. Heute ist die Arbeit der größte Faktor, warum die Menschen das nicht mehr können/machen. Wenn die Pflege teurer wird und die Menschen wieder mehr zeit haben, dann wird das auch wieder eher möglich.
    Baube­rufe: Natür­lich ist auch der Baube­reich stark von Auto­ma­ti­sie­rung betroffen. Ein mannig­fal­tiges Reper­toire an Maschinen lässt uns immer größere Baupro­jekte mit immer weniger Arbei­tern bewerk­stel­ligen und es ist nicht davon auszu­gehen, dass der Fort­schritt hier stehen bleiben wird.
    Hoch­ri­si­ko­reiche Tätig­keiten sind heute schon sehr teuer oder es gibt ein großes bedürfnis diese zu auto­ma­ti­sieren. Außerdem wäre die Frage zu stellen, welche davon wir denn unum­gäng­lich brau­chen. Die Feuer­wehr oder Rettungs­dienste sehe ich durch ein BGE z.B. nicht bedoht, sondern eher gestärkt.

  28. Soyio­lo­gi­sche Praxis Dresden 18. Januar 2012 at 12:37 — Reply

    Nr.11:
    BGE als Entschä­di­gung für nicht artge­rechte Haltung

    Wer kennt nicht „Mono­poly“ ein Promo­Flag­schiff des Kapi­ta­lismus. Was hier als Ideal prokla­miert wird, ist in der Realität noch nicht ange­kommen. Damit das Spiel über­haupt funk­tio­niert und die Spieler moti­viert werden, gibt es in der Regel beim Passieren von „Los“ ein BGE.
    Natür­lich schützt das nicht, wie auch in der Gesell­schaft nicht rundum vorm „Absturz“, wie man an Schla­ger­barden, Spit­zen­sport­lern und (Ex)Lottomillionären sehen kann.
    Insbe­son­dere im Spit­zen­sport ist es üblich, daß man allein für die Teil­nahme am Wett­be­werb mit einem Start­geld entschä­digt wird. Schließ­lich will ja der Sieger eines Wett­be­werbs eine echte Heraus­for­de­rung gemeis­tert haben. Dazu müssen sich die Sportler so stark darauf konzen­trieren ihre Diszi­plin bedingten Fähig­keiten zu spezialisiere4n und zu trai­nieren, daß sie kaum ander­wei­tige Erwerbs­qua­li­fi­ka­tionen haben.
    Die moderne Gesell­schaft erwartet von den sie umge­benden Menschen auch, daß sie sich befä­higen und bereit­halten, mit Bildung, Quali­fi­zie­rung und Spezia­li­sie­rung in einen Pool/Wettbewerb einzu­treten, aus dem die Besten zu Aufrecht­erhal­tung, Entwick­lung und Schutz dersel­bigen selek­tiert werden. Dabei wird es der Gesell­schaft um so besser ergehen, je mehr Leute frei­willig am Wett­be­werb teil­nehmen und je moti­vierter diese Leute sind. Die Kehr­seite dabei ist, daß die Menschen zur Aufrecht­erhal­tung der Gesell­schaft und zu ihrem „Erfolg“ unter diesen Rahmen­be­din­gungen darauf verzichten müssen, Wissen und Fähig­keiten zum autarken und eigen­stän­digen Über­leben zu erwerben, und wenn sie es doch haben, per Gesetz und Polizei an der Anwen­dung be- und gehin­dert werden (Brunnen, Abwasser, Jagd, Tier­hal­tung, Lebens­mit­tel­pro­duk­tion allg., Ener­gie­be­schaf­fung etc.) Menschen, die auf Grund mangelnder Bildung und zu nied­riger Intel­li­genz zu den „Verlie­rern“ der Gesell­schaft gehören, würden in den „artge­rechten“ Diszi­plinen des Über­le­bens­kampfes die meisten Bank­ma­nager locker schlagen.
    Allein das recht­fer­tigt das BGE voll und ganz und wird zur Leis­tungs­stei­ge­rung der Gesell­schaft führen, die „ihren Kapi­ta­lismus“ in den virtu­ellen Sphären der Finanz­welt ausleben kann, ohne dabei auf die Lebens­grund­lagen, der sie umge­benden und sie tragenden Menschen exis­ten­ziell durch­zu­greifen.

  29. […] Auf Platz Nummer 2 steht die Auto­nomie: Jeder Mensch, auch weniger quali­fi­zierte, braucht seine “eigene Theke”. Das ist eines der Haupt­pro­bleme der modernen Arbeits­welt, die auf die Abschaf­fung von Frei­raum zielt, auf Stan­dar­di­sie­rung. Stan­dar­di­sierte Tätig­keiten lassen keinen Frei­raum. Dabei führt, und das ist die Crux, gerade Inno­va­tion zur Stan­dar­di­sie­rung, die, noch weiter gedacht, irgend­wann keine Menschen­hände mehr braucht. Dann, spätes­tens, ist es Zeit für das Grund­ein­kommen. […]

  30. Kate at any rate 6. Februar 2012 at 2:15 — Reply

    Hallo an Alle Mitdis­ku­tie­renden, hallo Stefan Jäger ! dies ist eine der besten Web-Diskus­­sionen zum Thema “bedin­gungsl Grund­ein­kommen”, die ich in letzter Zeit gelesen habe.. Gratu­liere, Frau Hofert ! Werde alle brauch­baren Argu­mente sammeln u demnächst in unserer B I BGE , Regio­gruppe FLburg vorstellen.. wir arbeiten als landes­weite B I in SL-Holstein seit ca. 2 J hart daran, die Idee des BGE hier oben in der breiten Öffent­lich­keit bekannt zu machen.. ich stimme Frau Hoferts 10 Thesen weit­ge­hend zu, über die Höhe lässt sich bekanntl streiten, die Höhe k a n n nicht einheit­lich in Europa sein, da es regional sehr grosse Unter­schiede gibt bei den Lebens­hal­tungs­kosten.. aber es m u s s die Möglich­keit des “freien Zuver­dienstes” geben — und die Möglich­keit den monatl Betrag zu erhöhen durch ges Arbeit für die Gemein­güter.. hierfür muss es — so wie in unserem Tausch­ring — e i n e Einheits­ver­gü­tung pro St geben, — Mutter/Vaterarbeit gleich Recycling/Reparatur o Garten­ar­beit.. jeden­falls werde ich die Diskus­sion hier weiter­ver­folgen und bliebe gerne in Kontakt mit den Befür­wor­tern und ernst­haft Aktiven.. wir von der landesw B I BGE sh freuen uns über Eure Unter­stüt­zung !

  31. […] letzten Monat publi­zierte ich einen Artikel über das Grund­ein­kommen aus der Sicht der Karrie­re­be­ra­tung. Es gab nie eine so heiße Diskus­sion in dem Blog. Viele […]

  32. Ute Plass 1. März 2012 at 23:51 — Reply

    Das Recht auf Leben ist bedin­gungslos, also auch das Recht auf „Lebens­mittel“: Das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen ist ein Menschen­recht. Es stärkt gewerk­schaft­liche Kämpfe und sichert indi­vi­du­elle Frei­heit. Wie aus dem Grund­ein­kommen auch eine trag­fä­hige gesell­schaft­liche Perspek­tive wird, dazu im Folgenden.

    von Andreas Exner
    http://www.social-innovation.org/?p=1632

  33. gauke­lin­chen 4. März 2012 at 18:35 — Reply

    ch habe als freie Refe­rentin bei verschie­denen Bildungs­trä­gern die Erfah­rung gemacht, dass die Mehr­zahl der mir von der Arbeits­agentur oder vom Jobcenter geschickten Menschen arbeiten will, jedoch oft keine Möglich­keit bekommt eine vernünf­tige Arbeit zu finden. Oftmals werden diese Menschen von den Behörden zu Zeit­ar­beits­firmen geschickt, denen ich im Nied­rig­lohn­be­reich leider den Vorwurf moderner Skla­ven­ar­beit machen muss. Es ist an der Zeit, dass sich die Verhält­nisse in unserer sozialen Markt­wirt­schaft ändern und ein freies, selbst­be­stimmtes, beschei­denes Leben für jeden Bürger möglich ist.

  34. […] den Koch­ro­boter als eine Art Aufsatz für den Herd konstru­ieren.  Zuvor hatte ich einen Artikel zum Grund­ein­kommen in der Schweiz in der aktu­ellen brand­eins gelesen. Mein Gedan­ken­sprung vollzog sich von der sich […]

  35. P. Felz 18. Mai 2012 at 15:56 — Reply

    @Enrico Brie­gert: Sehr gut argu­men­tiert, so muss eine gepflegte Diskus­sion aussehen. Im Gegen­satz zu…
    … @TK: Blöd­sin­niges Zeug, Sie Pole­miker!
    Erstens: Sie können gerne in Ihre unbe­heizte Stein­zeit­höhle zurück krie­chen, und Ihre Wände bemalen, wenn Ihnen danach beliebt, schon mal was von Evolu­tion & Fort­schritt gehört? Außerdem, wenn jetzt der Zivi­li­sa­ti­ons­kol­laps käme, bezweifle ich, dass Sie zu den paar ‘Gewin­nern’ gehören würden. Wenn Sie nicht zufällig ein 1A Survi­val­ex­perte sind, dann argu­men­tieren Sie gefäl­ligst auch nicht wie einer!
    Zwei­tens: Es gibt keine “DIE H4 Bezieher”! Und diese Sache mit dem Klogang… einfach nur aller­un­terste Schub­lade…
    Drit­tens: Würde es das ALG II (so die off. Bezeich­nung) DANN über­haupt noch geben? Natür­lich nicht. Nach­denken vorm Tippen!!!

    Zum Artikel von Fr. Hofert:
    Die zehn Gründe sind zwar nicht ganz neu für jemand, der sich mit den Themen BGE & Proble­matik der Arbeits­welt öfters befasst, spre­chen aber ganz eindeutig dafür und zeigen, dass Sie sich Gedanken machen. Nur Ihre persön­liche Meinung über die Höhe finde ich nicht konse­quent zu Ende gedacht:
    nur “400 steu­er­freie Euro” ?

    Das BGE soll doch in erster Linie dem Menschen dienen, nicht umge­kehrt… Wie soll ich aber, um ein persön­li­ches Beispiel zu nennen, der gerne wieder studieren würde (und zwar nicht per Fern­stu­dium), aber mangels Bafög dieses nicht kann und wird, denn bitte von 400€ leben? Die Bologna-Reform hat erfolg­reich dafür gesorgt, dass das Arbeiten (also ARBEITEN, nicht 3–4h die Woche mal im Café “jobben”!) neben dem Studium diesem in keinster Weise mehr zuträg­lich ist. Und ab einem gewissen Alter wird man auch von den Eltern nicht mehr unter­stützt (man will es selbst ja auch nicht mehr), fällt man aus der Fami­li­en­ver­si­che­rung (KK) und kriegt auch kein Kinder­geld mehr; man ist erwachsen und muss alles allein managen. Bildung und Weiter­bil­dung also nur für junge Menschen bzw. für wohl­ha­bende Ältere? Danke­schön! Was ist mit dem oft bemühten “Lebens­langen Lernen”? Ad absurdum… Meine einzigen Perspek­tiven z.Z. heißen Umschu­lung (wenn das Amt finan­ziert), neue Ausbil­dung (wenn ich noch was finde, bin keine 20 mehr) oder *jippie!* Zeit­ar­beit… Letz­tere ist für mich persön­lich und meinen Bildungs­an­spruch über­haupt keine Option und gesell­schaft­lich gesehen kein Allheil­mittel, eher ein großes Armuts­zeugnis. Das BGE würde somit auch ermög­li­chen sich auszu­pro­bieren, wenn man sich dann in eine beruf­liche Rich­tung verrennt, wäre es nicht so tragisch wie heute, wo der opti­male Lebens­lauf das Nonplus­ultra sein soll und Biogra­phien mit Brüchen auto­ma­tisch ausscheiden.

    Mit dieser nied­rigen Summe, die Sie vorschlagen, würden die Möglich­keiten des Einzelnen zur Entfal­tung gleich wieder einge­froren und Armut würde nur noch weiter zemen­tiert. Der Staat würde sich somit — so makaber es klingt — nur noch weiter aus der Verant­wor­tung stehlen, denn ein Anspruch auf weiter­ge­hende Leis­tung (für kranke oder behin­derte Menschen oder andere Härte­fälle einmal außen vor gelassen) entfiele dann, ALG II & Co würden durch das BGE logi­scher­weise abge­schafft… Nur wäre dieses mit 400€ so derart niedrig ange­setzt, dass daraus wieder ein Zwang zu „Arbeit um jeden Preis“ entstünde, was im Endef­fekt nichts verän­dern würde; im Gegen­teil, viele Menschen hätten dann sogar erheb­lich weniger als jetzt mit ALG II. Und Arbeit­geber könnten weiterhin jeden *sry* Drecks­lohn anbieten, nach dem Motto “Friss oder stirb” und Arbeit­nehmer wären also wieder nicht am Drücker, um auf Augen­höhe um den Wert ihrer Arbeits­kraft zu verhan­deln, also wieder auf der Verlie­rer­seite… Klingt alles wie gehabt, wie heute schon, wie FDP & Co; “Bedin­gungslos” heißt nun einmal bedin­gungslos, da dürfte dann auch kein “Ja. Aaaaber…”-Blabla hinter­her­ge­schoben werden. Aber ich schweife ab.

    Unterste Grenze können mMn nur steu­er­freie 800€ sein, schließ­lich will jede Kran­ken­kasse auch Geld sehen. Dann noch eine beschei­dene Miete und hoffent­lich ausrei­chende, gesunde Nahrung, und alle ist das Geld… Und meine Rech­nung gilt einem Single-Haus­halt. Ich denke, niemand wird davon große Sprünge machen können, ohne auf “unter­stüt­zende” Arbeit ange­wiesen zu sein, es besteht also noch genü­gend Anreiz sich diese zu suchen > wer mehr will im Leben, muss eben aus der Hüfte kommen. Und wer keine Arbeit braucht, oder nicht “um bzw. für jeden Preis” arbeiten will, wer also damit auskommt, der meis­tert eben (zwangs­weise) mehr oder minder erfolg­reich das Kunst­stück, sein Leben mit WENIG Budget zu bestreiten; das verdient in Zeiten von Klima­wandel, Konsum­geil­heit & to-Go-/Weg­­schmei­ß­­kultur Aner­ken­nung, Respekt, Ermun­te­rung und nicht etwa Sank­tionen, Ausgren­zung oder Mobbing a la “römi­sche Deka­denz” usw.… In Frank­reich werden jetzt übri­gens die Gehälter der führenden Poli­tiker gesenkt, habe ich gestern im Radio gehört, keine Ahnung warum mir das an dieser Stelle grad einfiel…

    Aber ist Deutsch­land bzw. Europa für diese gran­diose Bewuss­t­­seins- und Daseins­ver­än­dernde Idee des BGE im Denken progressiv genug? Immerhin wird darüber gespro­chen, und auch gestritten, das ist ein Anfang.

    MfG P. Felz

  36. Mütze 25. Mai 2012 at 14:07 — Reply

    Hallo alle Mitein­ander,

    ich glaube ich muss mal mit einem grund­le­genden Irrtum über das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen aufräumen. Das bGe. soll nicht zusätz­lich bezahlt werden. Viel­mehr soll sicher­ge­stellt werden, dass jeder Bürger, ohne Wenn und Aber, und auf jeden Fall ohne irgend­einen Zwang, mindes­tens das Grund­ein­kommen zum Leben hat. Jeder Bürger bekommt von Geburt an bis zum Tot, Monat­lich ein Grund­ein­kommen von z.B. 600 Euro bis 16 Jahre, danach 1000 Euro, Rentner und Schwer­be­hin­derte 1400 Euro. Die Arbeit­geber bekommen die Auflage, alle Netto­löhne bis 1000 Eure, direkt an die Auszahl­be­hörde des Grund­ein­kom­mens, zu Über­weisen. Wer z. B. nur 700 Euro, weniger oder Garnichts verdient, hat trotzdem 1000 Euro zur Verfü­gung, ohne Bettelei beim Jobcenter.

    Der Mensch braucht keine Arbeit um Einkommen zu erzielen, sondern er braucht Einkommen um Arbeiten zu können. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er arbeiten will, wenn die Bedin­gungen stimmen.

    Der Staat gibt jetzt schon jedes Jahr, 1 Billionen Euro für Sozi­al­leis­tungen aus. In Zukunft könnte die ganze teure Verwal­tung der Armut, Zwangs­ar­beit und Fremd­be­stim­mung einge­spart werden. Die Renten Kassen könnten die Auszah­lung des Grund­ein­kom­mens über­nehmen, und die Jobcenter könnten sich nur auf die Arbeits­ver­mitt­lung beschränken. Es gäbe fast keine Schlupf­lö­cher mehr, bei denen sich bestimmte Kruppen, Unrecht­mäßig Geld erschlei­chen könnten. Skla­ven­ar­beit für Löhne, von denen man nicht leben kann, wäre Geschichte. Kinder­armut wäre mit einem Schlag besei­tigt, Die Kinder von heute könnten ohne Sorgen und Schulden Ihre Ausbil­dung beginnen. Armut im Renten­alter wäre auch Geschichte. Die Krimi­na­lität würde dras­tisch sinken.

    Beispiel ohne bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen:

    Ein Fami­li­en­vater mit Frau und drei Kindern, malocht bis zum Umfallen, 50–60 Std. die Woche, um viel­leicht 1800 Euro zu verdienen. Mit Neben­ver­dienst der Frau und Kinder­geld, kommen Sie zusammen auf 3000 Euro.

    Ein anderer Fami­li­en­vater mit Frau und drei Kindern lebt von Harz 4, zusammen kommen Sie auf unge­fähr 2200 Euro. Dafür muss aber die ganze Familie, beim Jobcenter vorstellig werden, und sich zu jeder Skla­ven­ar­beit Nötigen lassen, die Sie finden kann. Als Harz 4ler, hat man weniger Rechte, und alles ist zumutbar. Willkür und Miss­ach­tung der Ämter ist die Tages­ord­nung.

    Beispiel mit bedin­gungs­losem Grund­ein­kommen:

    Beide Fami­lien haben mindes­tens 3800 Euro zur Verfü­gung. Beide Väter könnten sich den einen Arbeits­platz teilen, und bräuchten nur noch 25–30 Std. die Woche arbeiten. Sie blieben wahr­schein­lich länger gesund, hätten mehr Zeit für Ihre Fami­lien, und alle könnten ein selbst­be­stimmtes und Würde­volles Leben führen.

    Das wäre ein unglaub­li­cher Gewinn für die Kultur und Gesell­schaft. Die Kauf­kraft im Binnen­markt, würde in astro­no­mi­sche Höhen steigen. Das Grund­ein­kommen wäre dann schon fast alleine mit der Mehr­wert­steuer zu finan­zieren. Natür­lich müssten Über­wa­chungs­in­sti­tu­tionen, wie z.B. das Kartellamt, mehr Befug­nisse bekommen, damit nicht plötz­lich überall Mond­preise entstehen.
    Menschen die sich unver­hält­nis­mäßig an der Gesell­schaft, berei­chern wollen, müssen stärker verfolgt, und härter bestraft werden.

    Ich halte es für Sinn­voll, dieses System, Euro­pa­weit viel­leicht sogar Welt­weit ein zu führen. Im Anschluss würde auch eine Welt­wäh­rung, und ein kompletter Schul­den­schnitt für alle Staaten, Sinn machen.

    Ihr braucht keine Angst zu haben, das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen für alle, ist die einzige rich­tige Lösung, die wir heute noch zur Verfü­gung haben, um den totalen Absturz der Gesell­schaft und Wirt­schaft zu verhin­dern. Wir müssen nur noch die Poli­tiker davon über­zeugen, das Sie das ganze Volk vertreten, und nicht nur die Reichen Lobby­isten.

    Wir wollen Mitein­ander, und nicht Gegen­ein­ander Leben.

  37. Marco 12. Dezember 2013 at 19:33 — Reply

    Ein schöner Beitrag. Wir brau­chen mehr davon! Das bedin­gungs­lose Grund­ein­kommen wird oft leider noch so verstanden, dass es allein darum geht, dass der Staat uns Geld schenkt. Das ist zwar richtig, aber auch völlig verkehrt. Also ist das Thema viel kompli­ziert als man eigent­lich annimmt. Deswegen habe ich gestern einen weiteren (und meinen ersten) Einstiegs­ar­tikel zum BGE veröf­fent­licht.

    • Alfred 30. Mai 2014 at 23:32 — Reply

      “Ein bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen geht mir zu sehr vom Guten im Menschen aus.” (oft gehörter Einwand).

      Dazu ist zu sagen: Jede echte (innere) Entwick­lung tut das. Einfach jede. Und zwar nach beiden Rich­tungen hin.

      Vom Guten im Menschen auszu­gehen weckt in uns die edelsten Empfin­dungen. Wie könnten wir ohne diese Grund­vor­aus­set­zung den Tag BEGINNen in der stän­digen Über­zeu­gung, dass er einen schlechten Anfang und ein noch schlech­teres Ende nehmen wird?

  38. Stephan Gold­ammer 19. April 2014 at 3:46 — Reply

    Ich leg noch einen oben­drauf: 200 Gründe für ein Bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen.

    http://bit.ly/1eRNltX

  39. Gunnar Jandke 30. Dezember 2014 at 0:48 — Reply

    das bedings­lose grund­ein­kommen ist eine tolle sache, wenn man nicht zu kurz denkt.

    ein paar beispiele.

    die meisten gehen immer von dem problem der finan­zie­rung aus. steu­er­erhö­hungen usw. sollen die lösung sein. dieser ansatz ist voll­kommen falsch. lassen sie mich das erklären.

    ein bedin­gungs­loses grund­ein­kommen bedeutet, jeder mensch bekommt eine summe x vom staat, wovon er gut leben kann. kein mensch bekommt noch ein gehalt! alle bekommen ab den morgigen tag das selbe. ist wird nicht mehr unter­schieden zwischen berufs­gruppen und tätig­keit. niemand ist mehr oder weniger wert als der andere. alle menschen sind gleich wichtig für die gesell­schaft. ob arzt oder taxi­fahrer, ob lehrer oder müll­mann. jeder ist wichtig und auf keinen kann man verzichten. das bedin­gungs­lose grund­ein­kommen soll die menschen dazu führen, ihren von der natur gege­benen fähig­keiten und inter­essen zu folgen ohne zwang. das ergebnis wäre eine gesell­schaft, in der kluge köpfe mit krea­ti­vität und verstand geför­dert werden, um die mensch­heit voran­zu­bringen. das ganze wird bezahlt von den unter­nehmen. jedes unter­nehmen tritt ab sofort seine kompletten gewinne an den staat ab. nur unter­nehmen, die in dem land ansässig sind und mitar­beiter beschäf­tigen, dürfen auf dem offenen markt auch produkte anbieten und verkaufen. sinn ist es, das abwan­dern zu verhin­dern. sollte ein unter­nehmen inves­ti­tionen benö­tigen, um neue produkte auf den markt zu bringen, so muss es dem staat ein gutachten vorlegen, das diese dem allgei­m­einwohl dient. sprich… jeder kann ab sofort ein unter­nehmen eröffnen, wenn seine idee dem allge­mein­wohl nützt. die devise heist… neues erschaffen statt abzu­kup­fern oder zu kopieren. wenn es schon 30 sorten an handys gibt, dann braucht man nicht noch die sorte 31. das gilt ab sofort für alle bereiche. nach­hal­tiges wirt­schaften mit dem ziel lang­le­biger produkte, um ressourcen zu sparen. darüber hinaus werden alle lebens­not­wen­digen dinge, z.b. strom, wasser, heizung, wohnung kostenlos ange­boten. haus­be­sitzer dürfen sich somit auf enteig­nungen einstellen. es gibt schlicht kein recht mehr auf eigentum. wohn­raum wird so ange­boten, das er erstens in der nähe der arbeits­stelle ist und zwei­tens nach x qm / person im haus­halt. also zum beispiel 45 qm pro person und nicht mehr. wer gern in einer villa leben möchte und für sich 200 qm und mehr allein haben möchte, darf das gern, aber dann bitte in einem anderen land. es leben genug menschen auf der straße ohne wohn­raum, als das wir diesen luxus gestatten können. wie man sieht, benö­tigen wir das geld ab jetzt nur noch für essen und hobby. im übrigen sollten alle banken verstaat­licht werden und privat­banken verboten werden. kredite gibt es sowieso nicht mehr. wer eine große summe braucht für anschaf­fungen, der soll zuvor nach­weisen, das diese auch notwendig ist. im normal­fall sollte da BGE ausrei­chen. im übrigen brau­chen wir keine rohstoffe, wenn wir recy­cling betreiben würden, statt müll­ver­bren­nung. wir brau­chen auch keine arbeits­plätze, die jemanden 8 stunden in anspruch nehmen. es gibt so viele menschen da draußen, die keinen job haben, das man arbeits­plätze aufteilen kann. 2 — 3 stunden arbeit reicht von jedem, damit unsere welt weiter am laufen bleibt. erneu­er­bare ener­gien machen uns unab­hängig von weiteren rohstoffen. autos, busse und bahnen fahren mit strom oder wasser­stoff. flug­zeuge brau­chen wir eigent­lich nur, um lange stre­cken ins ausland zu bewäl­tigen. für das inland wären schnell­züge, wie der trans­rapid ausrei­chend, um längere stre­cken in kurzer zeit zu über­winden. vorteil… auch die fahren mit strom. wenn man nun all das zusammen nimmt, dann hat man ein bge, was fair ist für jeden. denn es nützt gar nichts, wenn in der gesell­schaft weiter unter­schieden wird nach reichtum. außerdem schützt es vor korrup­tion. denn keiner wird mora­lisch frag­würdig handeln für geld, wenn er sich davon keinen vorteil verschaffen kann.

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