Neulich beim Zahn­arzt. Wo sind bitte all die netten Blon­dinen, die gerade Frauen und Privat­pa­ti­enten absicht­lich so weit nach hinten legen, dass die Hals­starre droht?

„Weg. Die haben während meines Urlaubs alle gekün­digt“, erwi­dert der Arzt. Vier Mitar­bei­te­rinnen gekün­digt. Schwanger, keine Lust mehr, einfach nicht mehr gekommen.

Die Szene ist echt, aber nach­ge­spielt und einer Kollegin bei ihrem Zahn­arzt passiert. Meine Zahn­ärztin beschäf­tigt keine Blon­dinen. Womög­lich der Grund, dass die eine oder andere länger als ein halbes Jahr bleibt. Sicher nicht der einzige. Kurze Verweil­dauern und flucht­ar­tige Kündi­gungen haben immer einen Grund – und der liegt weit über­wie­gend in der Person des Chefs, seinem Führungs- oder besser Nicht-Führungs­­­ver­­halten.  Selbst­stän­dige, durchaus nicht nur Ärzte, sind oft eckige und kantige Persön­lich­keiten. Schon unsere Studie hat bestä­tigt, dass Einzel­kämpfer nicht so team­affin sind wie Ange­stellte.

Für die Ange­stellten, die dicht an dicht mit einer Kanten­per­sön­lich­keit arbeiten müssen, kann das hart sein. Der Chef ist immer da und nah. Man ist seinen oder ihren Stim­mungen ausge­lie­fert. Ohne Stoß­dämpfer. Während Manager in Konzernen geformt und durch Trai­nings geschliffen sind und sich schon aus Karrie­re­gründen taktisch verhalten müssen, sich zudem durch unter­schied­liche Vorge­setzte und Hier­ar­chien manches abmil­dert, agiert hier der Mensch wie er ist: auto­kra­tisch, dikta­to­risch, aber auch zaghaft, unent­schlossen, ängst­lich. Viele sagen sich: Ist ja mein Laden, da muss ich mich nicht anstrengen. Egal wie er ist, der Chef in kleinen Unter­nehmen, Praxen und Kanz­leien vergisst gern, dass er da eine Verant­wor­tung über­nommen hat und nicht nur die Gehalts­zah­lung, sondern auch die Perso­nal­ent­wick­lung seine Aufgabe ist. Ein Kollege erzählte mir neulich, genau dies sei der Grund, aus dem er nur mit Free­lan­cern arbeiten möchte. Keine Lust auf diese Verant­wor­tung hätte er.

Der Zahn­arzt mit der leeren Praxis aller­dings kann keine frei­be­ruf­li­chen Arzt­hel­fe­rinnen beschäf­tigen.  Wenn er nicht den nächsten Eklat erleben will, muss er etwas tun: sich selbst entwi­ckeln und dann auch das Personal. Und die Perso­nal­aus­wahl über­denken: Denn oft wählen Chefs die falschen Mitar­beiter aus. Wie wäre es statt der nied­li­chen Blon­dine mit einer reso­luten Mitt­fünf­zi­gerin, Herr …. Sie wissen schon?

Aber egal wie alt oder blond: Mitar­beiter brau­chen Aufmerk­sam­keit und Pflege. Wer jemanden einstellt, hat unmit­telbar Einfluss auf dessen Wohl­be­finden – schließ­lich ist in Work-Life-Balance-Zeiten mehr als je zuvor das Leben eine Einheit. Wer sich aber wohl­fühlt und eine vernünf­tige Bindung zum Chef hat, lässt nicht alles stehen und liegen, während dieser im Urlaub weilt.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

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