Kate­go­rien

14 Jahre alt und schon Unter­nehmer: Mein Besuch bei Future­pre­neur

Published On: 12. Juli 2013Cate­go­ries: Führung

Vor einigen Wochen publi­zierte ich hier ein Inter­view mit der Grün­derin von Future­pre­neur e.V., Kerstin Heuer. Jetzt war ich selbst dabei.

IMG_0344[1]Es ist eine bunt gemischte Truppe mit Jugend­li­chen aus dem Raum Hamburg. Die jüngsten beiden sind 14 Jahre alt, die ältesten 17. „Später werde ich in Winchester Geschichte studieren“, sagt eine junge Dame mit der geraden Haltung einer Balle­rina und offenem, ruhigem Blick. Helena ist 14 Jahre alt und beein­druckt nicht nur mich. Sie wirkt so eloquent, elegant und profes­sio­nell, dass man sich fragt, wie ein so junges Mädchen so viel Lebens­weis­heit ausstrahlen kann.

Wie sie darauf komme, frage ich. „Ich liebe Geschichte und diese Stadt! Meine Oma hat da gelebt. Und Geschichte? Ich liebe Bücher: In der Schule nennen sie mich Lexikon.“ Ich staune. Die Haltung, mit der sie ihre wunder­baren Produkte präsen­tiert, haben andere nach jahre­langem Präsen­ta­ti­ons­trai­ning nicht drauf. Ihre Geschäfts­idee hätte mit Wissen zu tun haben können, doch sie wollte noch ein anderes Talent zeigen: dass sie Nütz­li­ches erfinden, Muster anfer­tigen und danach nähen kann. Sie entwirft und näht Schreib­mappen, in denen alles Platz hat vom Handy über die Stifte bis zum Schreib­block. Wunderbar durch­dacht und  unge­wöhn­lich – demnächst auch für Jungs. Auch Sommer­un­ter­neh­merin Navina hat sich dem krea­tiven Design verschrieben, sie näht Schmink­ta­schen und Handy­hüllen, wie auf dem Bild im Baum zu sehen, hier ihre Website. Fenja, mit eigener Website hier, bietet Mützen für Stadt­surfer an, die sie schon in St. Peter Ording erfolg­reich verkauft hat.Navina Tasche Baum

Die Future­pre­neure, die dieses Jahr am Sommer­camp teil­nehmen, haben sich dieses Projekt ganz gezielt ausge­wählt; es war im Feri­en­pass des Bezirks Hamburg-Altona. Man könnte nun meinen, in den Ferien hätten Schüler wirk­lich Besseres vor als Unter­nehmen zu gründen – aber ganz im Gegen­teil, der Zuspruch ist groß – obwohl zwei Tage Anwe­sen­heit pro Woche Pflicht sind.  „Die jüngste Anfrage kam von einer 12jährigen. Sie wollte unbe­dingt dabei sein. Aber erst ab 14 Jahren darf man arbeiten, deshalb gibt es diese Alters­ein­schrän­kung“, berichtet Initia­torin Kerstin Heuer. Wer teil­nimmt, bekommt ein Start­geld.

Im Sommer­camp beschäf­tigen sich die Mädchen und Jungs sechs Wochen lang mit einer konkreten Grün­dung – von der Geschäfts­idee bis zur Umset­zung, gerne auch in Teams. Alle Ideen werden vorge­stellt und reifen im Prozess. Da kann es schon mal sein, dass aus der Idee nach Wunsch­re­zept zu kochen aufgrund der fehlenden Ausstat­tung oder mangelnder Nach­frage ein Back-Shop wird. Janine, Jennifer und Anna Lena, hatten zunächst die Koch­idee und bieten jetzt Cupcakes, Muffins und Pop-Cakes. Neben Ideen braucht der Unter­nehmer eben auch Flexi­bi­lität. Zudem sollte er die Ressourcen nutzen, die da sind. Nana, Gabi und Loritta packen zum Beispiel an: Sie machen auch Ihren Garten bis zum Ende der Hamburger Sommer­fe­rien. Super-Feed­­back bekommen sie, wie Kerstin sagt. Und das für nur acht Euro Stun­den­lohn.

FußballturnierIm Laufe der Wochen werden die jungen Damen und Herren zunächst mit der Ideen­fin­dung und dann ganz prak­tisch mit weiteren unter­neh­me­ri­schen Themen konfron­tiert, etwa „nicht zu klein denken“ und „Probleme lösen“. Emre und Marlon orga­ni­sieren Fußball­tur­niere, das erste startet heute. Wer es also noch hinschafft – ab 14 Uhr geht es los.

Traut euch! ist eine ganz wich­tige Botschaft, denn viele hier sind noch sehr vorsichtig. Kerstin und ihr Team ermu­tigen sie. „Die meisten hier sind sehr unsi­cher, was eigene Stärken betrifft“, sagt Kerstin. „Hier bekommen sie Rück­mel­dung und Feed­back, das baut sie auf.“ Und hilft, selbst wenn nicht jeder der Teil­nehmer gleich Unter­nehmer wird. Ich frage, wer später selbst­ständig arbeiten will. Vor allem die Jungs melden sich, während die Mädchen viel verhal­tener sind. Und wie Helena mehr Inter­esse am Lesen und lernen und krea­tiver Arbeit bekunden.

Das größte Inter­esse lösen meine mitge­brachten Bücher aus. Ein Buch ist doch immer noch etwas Beson­deres und bleibt Traum von vielen.

Ich erfahre, dass eine der Teil­neh­me­rinnen schon 1.000 Seiten geschrieben hat, eine andere Kurz­ge­schichten verfasst. Die Deutsch­leh­rerin sei ganz begeis­tert gewesen, nur die Recht­schreib­fehler, diese Recht­schreib­fehler! „Ach, Recht­schreib­fehler“, sage ich. „Wenn ihr meine frühen Texte lesen würdet, die sind voll davon. Das lernt man, und dafür gibt es Lektoren. Wirk­lich wichtig ist die Idee, und dass Du eine span­nende Geschichte erzählen kannst.“ Ich freue mich, aufmun­tern zu können. Bleib dran! Werde besser! Sei nicht zu früh zufrieden! Gebe nicht beim ersten nega­tiven Feed­back auf! Lerne daraus! Lerne von anderen!

Sie wohnen in Hamburg und möchten sich Ihren Garten machen lassen? Enga­gieren sie das Future­pre­­neur-Garten-Team unter 040 24183974 (Zentrale). Sie möchten Future­pre­neur mit einer Spende unter­stützen? Hier können Sie das tun.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Klaus Peter 31. März 2014 at 16:05 — Reply

    Da sagt mal noch einer, die Jugend sei faul und säße nur vor dem PC oder hätte andere Flausen im Kopf. Toller Artikel und tolle Sache!!! Mein Respekt…

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