Kate­go­rien

3 durch­schla­gende Argu­mente für anony­mi­sierte Bewer­bungen

Published On: 17. April 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Mensch, habe ich mich heute Morgen gefreut, als ich diese Nach­richt hörte: Das Modell­pro­jekt „anonyme Bewer­bung“ (hier Artikel in der Süddeut­schen) war erfolg­reich! Gleich hatte ich zwei Inter­view­an­fragen im Kasten, denn dass mich das Thema seit Jahren umtreibt, ist bekannt. Als eine der wenigen Vertreter meiner Spezies, die seit Jahren klar und ohne Frage „dafür“ und zum Beispiel gegen Fotos in Bewer­bungen sind.

Ich bekam viel Gegen­wind, denn für eine anonyme Bewer­bung (Fami­li­en­stand, Geburts­datum und in Online-Formu­laren auch ohne Name und Geschlecht) hatte kaum jemand, vor allem auf Medi­en­seite, Verständnis. Lustig wurde weiter darüber geschrieben, wie man eine perfekte Bewer­bung nach den altbe­kannten Regeln schreibt. Gerade erzählte mir eine Jour­na­listin, von den Ergeb­nissen sehr über­rascht, Bewer­bungen ohne Foto würden bei Unter­nehmen in ihrem eigenen Umfeld sofort aussor­tiert. Nun ist allein das schon ein klarer Verstoß gegen das AGG…Und zwei­tens auch kein Grund für eine gene­relle Ableh­nung, denn das Aussor­tieren von foto­freien Bewer­bungen ist längst nicht in allen Bran­chen üblich. Ich kenne Perso­naler, die sagen “Ich will gar kein Foto”, aber die Bewerber schi­cken trotzdem eins. Hier muss man sich den jewei­ligen Einzel­fall anschauen.

Ich möchte mich hier noch einmal darzu­legen, warum die Etablie­rung der anony­mi­sierten Bewer­bung sowohl für die Gesell­schaft als auch für den Einzelnen wichtig ist:

  1. Es ist eine Tatsache, dass Migranten in der Bewer­bung benach­tei­ligt sind, selbst wenn sie hoch­qua­li­fi­ziert sind. Das muss mal ausge­spro­chen werden. Ein Inge­nieur mit Namen Mohammed aus Wilhelms­burg wird häufiger Absagen bekommen als der Timo aus München-Schwa­­bing. Ganz beson­ders schwer haben es Afri­kaner, Araber, Türken und Russen — in dieser Reihen­folge. Glauben Sie mir nicht? Oh doch, man braucht nur zählen: Auf einen vergleich­baren Lebens­lauf bekommt Mohammed 3 und Timo 9 Einla­dungen. Leider kann ich als Migrant nun meinen Namen nicht fälschen. Deshalb bin ich sehr dafür, dass das erfolg­reiche Modell­pro­jekt Schule macht und die anony­mi­sierte Bewer­bung Pflicht wird, zumin­dest in Groß­un­ter­nehmen. Keine Namen, kein Geburts­datum, kein Geschlecht, kein Fami­li­en­stand – die Komplett­lö­sung.
  2. Es ist eben­falls eine Tatsache, dass Frauen und vor allem solche mit Kindern und poten­ziell “Kinder-Gefähr­­dete” (ergo um die 30–40jährgie) seltener einge­laden werden, siehe Migranten. Erst recht gilt das in leis­tungs­af­finen Berei­chen. Deshalb können Tech­­niker-Kran­ken­­kassen-Mitar­­beiter sagen „bei uns ist das nicht so“, was aber keine gene­relle Zustands­be­schrei­bung ist. Anderswo, und anderswo domi­niert, ist das nicht so.
  3. Es ist drit­tens unbe­stritten, dass junge Arbeit­nehmer es leichter haben. Die aller­meisten Stellen sind für 2–3 Jahre Berufs­er­fah­rung ausge­schrieben und die Unter­nehmen wollen auch nur dafür bezahlen. Weiterhin sind junge Leute, zumal Frauen, eher bereit sich für ihren Chef rein­zu­hängen. Sie sind insge­samt unsi­cherer, zwei­feln mehr an sich und arbeiten deshalb scheinbar mehr. Aus der Sicht konser­va­tiver Arbeit­geber die Ideal­form von Pfle­ge­leicht. Bewirbt sich also eine erfah­rene 50jährige für eine geho­bene Sach­be­ar­bei­tung, so wird sie aus mindes­tens zwei Gründen (Geld und nicht so easy hand­habbar) weniger oft einge­laden werden. Nun kann man Erfah­rung nicht komplett verleugnen und sollte das auch nicht – ist sie doch extrem wert­voll, verhin­dert Fehler und ermög­licht effek­ti­veres Arbeiten. Das heraus­zu­stellen ist meis­tens sinn­voll. Aber: Man kann zumin­dest offen lassen, ob man 48 oder 54 ist…indem man das Geburts­datum einfach weg lässt.

Wie sehen Sie die Ergeb­nisse des Projekts? Ich freu mich auf eine heiße Diskus­sion.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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30 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 17. April 2012 at 13:31 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    jetzt fragt sich nur noch, wer dagegen sein soll (damit es zu einer heißen Diskus­sion kommen kann).

    Beste Grüße, CB

  2. Sam 17. April 2012 at 14:09 — Reply

    Wenn der Abtei­lungs­leiter partout keine Frau in den 30ern da sitzen haben will oder ganz gezielt einen Bayern, einen Hessen oder einen Schwaben im Team haben will, weil sein Nach­barn eben aus Bayern /Hessen /Schwaben kommt und ja so nett ist, wird auch die anonyme Bewer­bung daran NIX ändern. Im Gegen­teil: es wird den Bewer­bern eine unnö­tige Hoff­nung gemacht — unnötig deswegen, weil sie sicher­lich sehr quali­fi­ziert sind, aber an den Vorstel­lungen des Entschei­ders schei­tern. Mit den anonymen Bewer­bungen wird ledig­lich die Perso­nal­ab­tei­lung mehr beschäf­tigt und das Gewissen beru­higt.

    • Svenja Hofert 17. April 2012 at 16:10 — Reply

      sie wird nicht an allem etwas ändern, aber langsam für ein anderes Bewusst­sein sein sorgen. Ein verän­dertes Bewusst­sein gibt es, merke die plötz­lich über­wie­gend posi­tiven Reak­tionen, bereits jetzt. Und das wird sich weiter ändern Step by Step. Bis der Abtei­lungs­leiter auch umdenkt, oder ausge­tauscht ist durch einen Vertreter der Gene­ra­tion Y.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 10:53 — Reply

      Zum Glück wollen die aller­we­nigsten Entscheider *partout* ihren Vorur­teilen gemäß handeln.

  3. Svenja Hofert 17. April 2012 at 15:58 — Reply

    Oh, ich hatte am Telefon schon einen kräf­tigen Argu­­mente-Austausch, und gerade jetzt fragen Zeitungen nach, ob ich das denn ernst meine und man die Aussagen nicht rela­ti­vieren könnte. Richtig ist: Wir modernen Berater sehen das sicher alle ähnlich 😉 LG Svenja

  4. Lars Hahn 17. April 2012 at 20:40 — Reply

    Abseits jeder sinn­vollen Begrün­dung:
    Ich mag Hoch­glanz­fotos und ange­nehm aufge­machte, witzig struk­tu­rierte Bewer­bungen. Da darf ruhig Inhalt sein. Foto und Daten gehören dazu.

    Aber natür­lich stimmt es, anony­mi­sierte Bewer­bungen erscheinen gerechter. Ich würde aller­dings bei Zwang, zu anony­mi­sieren noch mehr auf dem verdeckten Stel­len­markt nach Personal Ausschau halten. Da darf ich mir die Personen direkt anschauen.

    Denn ande­rer­seits: Wer bewirbt sich denn heute noch auf Chiffre-Anzeigen von Arbeit­ge­bern?

  5. Svenja Hofert 17. April 2012 at 20:53 — Reply

    klar, mag ich auch — und sehe ich wie du: das wird ein Push für den verdeckten Stel­len­markt, den ich gut finde. Hier sind die Haupt­be­trof­fenen doch Konzerne und Behörden: LG Svenja

  6. Gilbert 17. April 2012 at 22:56 — Reply

    Ich hab mich selbst nie mit Bild beworben und finde das auch albern. Mein Perso­naler-Hand­­werk habe ich in einer ameri­ka­ni­schen Firma gelernt, wo ganz selbst­ver­ständ­lich keine Bilder und Geburts­daten dabei sind. Und auch ein Name ist in einem reinen Einwan­de­rer­land meist klang­voll, ohne aber viel Rück­schlüsse zuzu­lassen. In diesem Sinne (und vielen anderen Perso­nal­themen) sind wir in Deutsch­land einfach nur echt hinterher. Beschä­mend. Ich weiß aber auch, dass uns kaum eine Bewer­bung ohne Bild erreicht und letzt­lich viele Fach­be­reichs­leiter auf “ihr Recht” pochen würden, den einzu­la­denden gefäl­ligst vorher zu sehen und wissen zu können, wie alt und wo her. Diesem Modell­pro­jekt müssen noch einige weitere Aktionen folgen und vor allem müssen MÜSSEN alle viel mehr in der Welt herum­kommen, um weniger provin­ziell zu sein. Hier sehe ich zum Glück Fort­schritt, denn ein Studium ohne Auslands­se­mester gilt ja kaum noch als abge­schlossen.

  7. Svenja Hofert 18. April 2012 at 8:34 — Reply

    Danke, dass ist eine prima Ergän­zung. Es stimmt, dass wohl eher die Fach­be­reichs­leiter das “Problem” sind, Perso­naler sind (meist) etwas welt­of­fener. Hinzu kommt, dass die Stel­lung der HR in Unter­nehmen sehr unter­schied­lich ist, von der reinen Abwick­lungs­ab­tei­lung ber die akzep­tierten Berater bis hin zum Entscheider. Und dann ist die Branche natür­lich entschei­dend sowie die Herkunft des Unter­neh­mens. Vom Einwan­de­rungs­land sind wir leider weit entfernt… LG Svenja Hofert

  8. Christel Klinger 18. April 2012 at 10:52 — Reply

    Das finde ich eine prima Idee, gerade weil es mich viel­leicht demnaechst selber betreffen wird. Aus der Eltern­zeit wieder in den Beruf, 2 kleine Kinder.…wird span­nend werden.
    Ich finde es unge­recht, dass ein Perso­naler sich anmasst zu entscheiden, ob ich als Mutter so einen Job bewael­tigen kann. Wenn ich mich dort bewerbe, dann werde ich schon die Power und den Willen haben es durch­zu­ziehen. Klar, gegen Krank­heit der Kinder kann man nix machen, aber es gibt ja auch noch den Vater! 🙂

    • Gilbert 19. April 2012 at 8:13 — Reply

      Frau Klinger, die Perso­naler sind mit ihnen! Die Ausprä­gung von Anma­ßung ist bei denen oft geringer, als bei den poten­tiell vorge­setzten, die später even­tu­elle Arbeits­aus­fälle in ihrer Abtei­lung kompen­sieren müssen. Gute Perso­naler hingegen haben eher das gesamte Umfeld in Betrieb im Auge und wollen Diver­sität (Männer, Frauen, Erfah­rene, Anfänger, Mütter, Väter und alles dazwi­schen), weil das eine Versi­che­rung gegen Anfäl­lig­keiten der Mono­kultur bietet.

  9. Thomas Wachler-Thomsen 19. April 2012 at 8:02 — Reply

    Ich frage mich jetzt, wie ein anonymes Verfahren in der Praxis aussehen soll: spätes­tens wenn der Bewerber einge­laden werden soll, muss doch eine Adresse und ein Name in die Hand genommen werden, und wenn dort nun ein Moham­mend aus Wilhelms­burg erscheint, könnte das nicht dann wieder eine ableh­nende Haltung erzeugen?
    Und der Lebens­lauf: wenn dort eine lange Liste erscheint zurück bis zu einem Datum in 1970’er hinein, ergibt das letzt­lich nicht wieder einen Rück­schluss auf das Alter?
    Oder sollte man im Lebens­lauf nur die letzten 3 Jahre auflisten?
    Ich bin jetzt 58 Jahre alt und sehr unsi­cher in welcher Form ich mich bewerben könnte.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 10:57 — Reply

      Das Gute ist, dass zwar nicht wenige Leute Vorur­teile gegen­über “den Türken”, “Frauen im gebär­fä­higen Alter” etc. als Gruppe haben, wenn aber ein/e Vertreter/in der jewei­ligen Gruppe persön­lich vor ihnen sitzt, lassen sie sich leichter über­zeugen, dass die Person all die vermu­teten Schwä­chen nicht hat (im Rahmen des Vorur­teils­ge­bäude also eine “Ausnahme” ist).

  10. Karin 19. April 2012 at 8:21 — Reply

    Verzei­hung, aber das ist alles ausge­machter Schwach­sinn!

    Der prak­ti­zierte Sozia­lismus ist eben extrem weiter auf dem Vormarsch! Es kann doch wohl nicht sein, dass man als Firmen­in­haber in der Vorauswahl schon nicht mehr entscheiden darf, möchte ich eine Frau oder einen Mann, sie/er sollte ca so alt sein, sie /er sollte so oder so sein.…

    Solange es nicht komplett vorge­schrieben wird, wen ich in meiner Firma einzu­stellen habe, habe ich für mich ohnehin bereits im Vorfeld eine klare Vorstel­lung von dem Personal, welches ich für die entspre­chenden Stellen haben möchte. Da nützt eine anonyme Bewer­bung gar nichts. Es führt aber leider dazu, dass mehr Einla­dungen erfolgen müssen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich dennoch für die Person entscheiden werde, die ich auch einge­plant hatte. So werden auch bei den Bewer­bern völlig unnö­tige Hoffungen geweckt, die spätes­tens im Bewer­bungs­ge­spräch brutal zerstört werden müssen, es wird unnötig hoher Personal- und Zeit­auf­wand betrieben, usw. usw.. Volks­wirt­schaft­lich totaler Unsinn!

    Diese ganze Thematik ist in der Praxis hier in Deutsch­land daher absolut unnötig! Es steckt leider nur der kranke, sozia­lis­ti­sche Gleich­heits­wahn hinter dieser Idee. Wer aber sozia­lis­ti­sche Verhält­nisse haben möchte.… Ich wünsche noch viel Freude..!

    Schon die Tatsache, dass man die Stel­len­aus­schrei­bungen nicht mehr nach seinen Wünschen und Vorstel­lungen schreiben darf, ohne in Klagen und Prozesse verwi­ckelt zu werden, ist eine Katas­s­trophe!

    Ich kann es nur noch einmal wieder­holen. Schreibt am besten ganz genau vor, wen man für welche Stelle einstellen muss. Dann braucht es auch gar keine Bewer­bungen mehr. Macht es dann einfach. Jeder muss soviel Frauen und Männer einstellen, soviel Türken, Polen, und Inder. Alles wird fest­ge­schrieben.…

    Ansonsten ist das schluss­end­liche Ergebnis, ob mit oder ohne anonyme Bewer­bungen, immer noch solange das Gleiche, wie ich als Firmen­in­ha­berin für mich bereits vorher entscheide, ich möchte einen Mann in dem Alter, mit der Herkunft, mit den Kennt­nissen und Fähig­keiten usw. für die zu beset­zende Stelle!

    Sorry, aber es macht leider absolut keinen Sinn!

    • Gilbert 19. April 2012 at 9:14 — Reply

      Bewer­bungs­ver­fahren werden in den USA schon tradi­tio­nell sehr ähnlich anony­mi­siert gehand­habt. Da hat nicht einmal die Tea-Party-Bewe­­gung etwas dagegen.

      Genau so sehr, wie der Präsi­dent der USA ein musli­mi­scher Sozia­list ist, hat auch dieses Thema hier mit Sozia­lismus zu tun.

    • Martina Diel 19. April 2012 at 11:00 — Reply

      Danke für dieses so extrem klare State­ment. So etwas kann ich immer wieder gut gebrau­chen, wenn mir jemand z.B. in einer Diskus­sione über die Frau­en­quote klar­ma­chen will, dass ja bereits heute nur noch Quali­fi­ka­tion entschieden wird und nicht nach demo­gra­phi­schen Merk­malen.

    • liom 10. Juni 2014 at 14:56 — Reply

      da versteht jemand offent­sicht­lich nicht wozu eine anonyme bewer­bung dienen soll, nämlich die EIGENEN vorur­teile eines perso­nalers im ERSTEN schritt ABZUSCHALTEN, dafür ist jedoch ein langer und unter­halt­samer text zusam­men­ge­kommen. das mit dem sozia­lismus mag ich am meisten.

  11. Svenja Hofert 19. April 2012 at 8:41 — Reply

    Hallo Herr Wachler-Thomsen, lassen Sie das Geburts­datum einmal versuchs­weise für 10 Bewer­bungen weg und stellen Sie die Kompe­tenz heraus. Danach entscheiden Sie, ob Sie das weiter­ma­chen. Man wird immer noch ahnen, wie alt Sie etwa sind, aber durch geschicktes Weglassen und Betonen lässt sich eine Menge machen. Und sitzen Sie einmal da, ist das Alter auch sekundär bzw. wird es dem Unter­nehmen viel schwerer fallen, Ihnen abzu­sagen. LG Svenja Hofert

  12. Svenja Hofert 19. April 2012 at 8:47 — Reply

    @ apropos Schwach­sinn: Auch ich bekomme Bauch­schmerzen, denn wenn Sie mich fragen: Ich bevor­zuge ältere Frauen und Frauen mit Kindern. Total egois­tisch, aber meine Erfah­rung sagt, die sind treuer, weil sie woan­ders größere Schwie­rig­keiten haben. Auch das ist Diskri­mi­nie­rung in gewisser Weise.
    Nun sehe ich meine persön­li­chen Inter­essen aber nicht als Maßstab für gesell­schaft­liche Verän­de­rung, bewahre. Hinzu kommt: Kleine Unter­nehmen arbeiten doch sowieso ganz anders: Man schaut doch erst mal, wen man kennt und hat eine Ausschrei­bung gar nicht nötig. Die Geschichte betrifft vor allem größere Unter­nehmen, die ausschreiben. Und in dem Moment geht es um ein Angebot, dass ich mache. Die darauf folgende Auswahl muss fair sein. LG Svenja Hofert

  13. Chris­toph Burger 19. April 2012 at 9:03 — Reply

    @Karin
    Herr­lich: Ihre Wut ist inspi­rie­rend. Hätten Sie neutraler mit mehr p.c. formu­liert, wäre die Welt lang­wei­liger.
    Bei mir lösen Sie Empö­rung aus, denn ich denke, Sie werfen Ihre persön­liche Situa­tion in einen Topf mit der Frage eines gesell­schaft­li­chen Agree­ments. Aber Statistik gilt nie für den Einzel­fall. Und aus meiner persön­li­chen Situa­tion kann ich keine Gesetze schmieden, die für alle gut sind.
    Frau Hofert hat schon den Unter­schied zwischen Klein- und Groß­un­ter­nehmen aufge­macht: Richtig.
    Es geht hier um den großen Maßstab. Sie sagen rich­ti­ger­weise, dass mehr Einla­dungen verschickt werden müssen. Richtig. Die Hoff­nung ist, dass bei diesen Einla­dungen letzt­lich mehr Menschen dabei sind, die man sonst aussor­tiert. Und dass dann bei diesen einige im Vorstel­lungs­ge­spräch über­zeugen, denen man sonst keine Chance gegeben hätte. Das ist in Zeiten des kommenden Fach­kräf­te­man­gels (volks­wirt­schaft­lich) gut. Der Negativ-Effekt der zusätz­li­chen Einla­dungen wird dadurch aufge­wogen.
    Die Studie sagt: Das ganze ist keine Hoff­nung, sondern funk­tio­niert auch in der Realität so. Das ist der Wert der Studie.

    Es bleibt der Negativ-Effekt, dass einige für sich mehr Nach­teile finden, als Vorteile. Das ist (leider) bei allen gesetz­li­chen Entschei­dungen so und nicht zu vermeiden.

    Kämpfen Sie weiter für Ihre Sicht — viel­leicht haben Sie Erfolg. Je mehr Wut und Energie Sie einbringen, desto eher.

    Schöne Grüße, cb

  14. Svenja Hofert 19. April 2012 at 9:20 — Reply

    Nun, Herr Burger, Karin: Neben der Wut ist auch die Diplo­matie ein Erfolgs­ge­heimnis. Man kann Menschen nur ins Boot holen, wenn man Verständnis für eine Sache weckt. Wenn die Argu­mente besser sind… und man ruhig bleibt. Ein bißchen Wut ist hilf­reich, siehe Reich-Ranitzki, den ich immer wieder faszi­nie­rend finde. Zuviel irgendwie für eine konstruk­tive Diskus­sion nicht ange­bracht.

  15. Karin 19. April 2012 at 9:25 — Reply

    Nur noch einmal kurz. Die oben erwähnte Studie sollte nicht ernst­haft zu Jubel­stürmen hinreißen lassen. Denn: Eine Unter­su­chung in acht Orga­ni­sa­tion ist weit davon entfernt, reprä­sen­ta­tive Schluss­fol­ge­rungen zu erlauben. Sie ist ledig­lich eine simple Stich­probe – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Zwei­tens beweist die Studie keine Kausa­lität. Will sagen: Niemand weiß, ob die Bewerber nicht auch dann zu einem Bewer­bungs­ge­spräch einge­laden worden wären, wenn sie das Anschreiben mit vollem Namen und Foto abge­sandt hätten.

    Und drit­tens gilt: Zum Bewer­bungs­ge­spräch einge­laden zu werden, ist das eine – den Job zu bekommen aber etwas ganz anderes. In der Realität kommt jedoch kein Absol­vent ernst­haft an einem persön­li­chen Inter­view vorbei – und spätes­tens hier muss sich der Bewerber aus dem Schutz der Anony­mität wagen.

    Zum Ergebnis empfehle ich auch noch: http://www.derwesten.de/wirtschaft/nrw-unternehmen-geben-anonyme-bewerbungen-wieder-auf-id6563881.html

    und

    http://www.derwesten.de/incoming/chefs-lehnen-anonyme-bewerbungen-ab-id6565308.html

    sowie

    http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/anonyme-bewerbung-uebertriebene-euphorie/6520410.html

    und zu Schluss

    http://www.die-perfekte-bewerbung.info/bewerbungsanschreiben/die-anonyme-bewerbung-ist-blanker-unsinn/

  16. Enrico Brie­gert 19. April 2012 at 19:52 — Reply

    Aber bitte nicht wieder eine gesetzt­liche Rege­lung. Soll jeder Unter­nehmer selbst entscheiden, wie er die Bewerber auswählt. Zu empfehlen ist die anony­mi­sierte Bewer­bung, da selbst unbe­wusste Vorur­teile und Erfah­rungen bei jeder Entschei­dung mitmi­schen.
    LG, Enrico Brie­gert

  17. Chris­toph Burger 20. April 2012 at 20:52 — Reply

    @Hofert und Wut: So meinte ich meine Empfeh­lung: Aus der Wut etwas machen (was nicht mehr Wut, sondern konstruktiv ist, aber die Energie in sich trägt).

    @Briegert: Inter­es­santes Fass, das Sie damit aufma­chen. Gesetz oder Vorbild? Mal spontan: Gesetz fände ich pfundig. Kommt wahr­schein­lich daher, dass ich die letzten 15 Jahre leid bin. Nachdem die Politik auf die Idee kam, “Selbst­ver­pflich­tungen” der Indus­trie schi­cker zu finden, als gesetz­liche Rege­lungen, wie das früher war, ging es meis­tens so: Die z.B. Auto­in­dus­trie fand natür­lich stren­gere Regeln weniger gut. Also Selbst­ver­pflich­tung besser. Ermög­lichte es, einer­seits an der neuen Technik zu arbeiten, ande­rer­seits Lobby­ar­beit zu betreiben und den Zwang nach hinten zu schieben. Das war nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern meiner Meinung nach auch kontra­pro­duktiv für die Indus­trie. Denn wenn eine neue Technik nicht wirk­lich mit Voll­dampf entwi­ckelt wird, wirds halt auch nicht so doll mit dem tech­ni­schen Vorsprung. Und irgend­wann liegen sogar die tech­ni­schen Lösungen in der Schub­lade und warten nur noch darauf, dass die Politik sich endlich zu einem klaren Wort entschließen kann. Okay, das war jetzt ein Neben­gleis — aber so komme ich auf die spon­tane Zustim­mung zur gesetz­li­chen Rege­lung. Außerdem wünsche ich mir eine Politik, die “das Primat des Poli­ti­schen” und damit die Demo­kratie lebt.

    Schöne Grüße, cb

  18. Alex­andra Preis 23. April 2012 at 10:43 — Reply

    Ich finde, der Versuch zeigt vor allem eines: Die anonymen bzw. anony­mi­sierten Bewer­bungen sind vor allem Gewöh­nungs­sache. Wir sind Perso­nal­dienst­leister und über­lassen unseren Kunden natür­lich aus Prinzip ausschließ­lich anony­mi­sierte Lebens­läufe. Wenn sich die Lauf­bahn über 30 Jahre erstreckt, kann sich jeder Perso­naler an einem Finger abzählen, dass der Bewerber keine 25 mehr ist; zum Glück ist in unserem spezi­ellen Bereich das Alter auch kaum ein Krite­rium.
    Ich weiß aber auch, dass manche Entschei­dungs­treffer in den Perso­nal­ab­tei­lungen mehr oder weniger bewusst ihren Vorur­teilen die Zügel schießen lassen, ob sie nun keine Türken haben wollen oder keine BWLer oder keine Frauen, die so heißen wie die Ex-Ehefrau — bei solchen (hoffent­lich extrem seltenen) Auswüchsen können anonyme Bewer­bungen das Schlimmste vermeiden.
    Ich kenne die Bewer­bungs­si­tua­tion von beiden Seiten, und ich bin mir sicher, dass ich öfter zu Vorstel­lungs­ge­sprä­chen einge­laden worden wäre, wenn mein “Handicap”, nämlich eine Frau im gebär­ge­fähr­deten Alter zu sein, nicht schon direkt aus dem Lebens­lauf ersicht­lich geworden wäre. Im Vorstel­lungs­ge­spräch konnte ich dagegen prak­tisch immer über­zeugen, ich habe da eine fast 100-prozen­­tige Erfolgs­rate. Trotz des gebär­freu­digen Beckens.

    • Chris 2. November 2016 at 16:45 — Reply

      Hier sieht man das Para­doxe daran !

      Die einen hier beklagen sich darüber, dass sie Männer sind und die anderen, weil sie frauen sind

      Und die meisten haben falsche Vorstel­lungen und denken, dass es migranten oder frauen einfa­cher hätten. Mitnichten

      ich habe einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund und perso­nal­ver­ant­wort­liche die ich sehe, sind meis­tens immer deut­sche blonde frauen oder auch mal mit braunen Haaren.
      Das soll jetzt kein Angriff sein, ich bin hell­häutig, wenn auch schwarze haare und einen auslän­di­schen Nach­namen

  19. Daniel 25. April 2012 at 16:37 — Reply

    Auch wenn anony­mi­sierte bewer­bungen durchaus vorteil­haft sein können, liegt es jedoch im Sinne des Perso­nalers, ob er jemanden einstellt. Einige stehen deisen bewer­bungen offen gegen­über, aber andere verlangen nach Foto und allen persön­li­chen Angaben. Ruft man vorher an, macht man sich verdächtig!

    Fazit: Anonyme Bewer­bungen sind in D wohl noch nicht zukunftts­fähig!

  20. […] Unter­nehmen und Univer­si­täten tüfteln an der anonymen Bewer­bung. Nicht aus Spass. Auslän­de­rinnen und Ausländer, ja gene­rell Menschen mit fremd­län­disch […]

  21. Chris 2. November 2016 at 16:13 — Reply

    Ich Dummerle wie lächer­lich ich mich doch gemacht habe, als ich das erste Mal in einem Unter­nehmen war wo ich neben Perso­na­lern sass und dachte, die heile Welt findet hier statt.

    Schnell stellte ich fest, dass ihre Vorlieben SUSHI und SMOOTHIES waren aber sonst alles im deut­schen Rahmen bleiben sollte.

    Bewer­bungen von türkisch­stäm­migen Deut­schen wurden nach Fehlern gesucht..

  22. Chris 2. November 2016 at 16:42 — Reply

    Ich habe auch schon anonyme Bewer­bungen beob­achtet und begleitet und muss leider sagen, es ist kein Allheil­mittel !

    Es ist ja ohnehin mehr­stufig.. Es ist das gleiche Prinzip,wie bei der Sendung THE VOICE OF AMERICA / VOICE OF GERMANY

    bzw. die Sendung basiert auf diesem Prinzip

    Die erste Stufe ist noch die beste. Da sind Diskri­mi­nie­rungen ausge­schlossen und die Bewerber freuen sich und dann denken sie sie kriegen die stelle und es würden neue zeiten anbre­chen und wenn es dann soweit ist dann sehen die Perso­naler die Bewerber und stellen fest, oh der ist ja dicker und kahl­köp­figer als ich dachte.….

    dann kann sich das wenden, wenn dann andere Bewerber jünger und hübscher sind und nicht die glei­chen Quali­fi­ka­tionen haben… dann sieht die Sache anders aus

    einige könnten davon profi­tieren und Meinung von perso­nal­ver­ant­wort­li­chen ändern. Andere wiederum werden schnell die Ernüch­te­rung kriegen

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