Kate­go­rien

50% aller Jobs Opfer der Digi­ta­li­sie­rung — Managen uns bald Roboter?

Published On: 30. Juli 2014Cate­go­ries: Führung

Computer sind unsere Freunde, Roboter nette Helfer. Der Mensch ist dem Computer über­legen. Diese Haltung herrscht nach wie vor das Meinungs- und Stim­mungs­bild. Doch wir irren uns.

50% aller Jobs gehen weg, und es kommen keine neuen

roboterFotolia_67388879_XS_copyrightJeremy Bowles von der London School of Econo­nics lässt gerade ganz Europa mit einer Analyse aufschreien, in der er berechnet, wie viele Jobs durch die Digi­ta­li­sie­rung wegfallen werden (hier sein Artikel) Denn Bowles prognos­ti­ziert nichts anderes als den totalen Arbeits­platz­ver­lust. Rund 50 Prozent aller Arbeits­plätze gehen in den west- und nord­eu­ro­päi­schen Gesell­schaften aufgrund der Digi­ta­li­sie­rung bis 2050 verloren, prognos­ti­ziert der Wissen­schaftler, in Südeu­ropa noch mehr als im fort­schritt­li­cheren Norden. Und in Deutsch­land mehr als etwa in Groß­bri­tan­nien, die früh­zeitig auf Dienst­leis­tungen, speziell Finanzen, gesetzt haben und nun das Program­mieren verpflich­tend in Grund- und Mittel­schule machen werden. Und wir, wir hier, sind immer noch unent­schlossen. Könnte es sein, dass die Fach­kräf­te­lücke falsch berechnet ist? Dass es nicht stimmt, was alle sagen, dass nämlich neue Jobs entstehen, die den Verlust der alten kompen­sieren. Sind die langen Listen der Jobs mit Zukunft Produk­tionen opti­mis­ti­scher Visio­näre?

Roboter sind doch die besseren Menschen

Und das ist über­haupt die Frage: Gibt es nicht doch mehr Argu­mente für Roboter und Maschinen als für den Menschen? Könnte manche Branche disrup­tiven Erdbeben erliegen, die wir bisher gar nicht gesehen haben? Was mit dem Bäcke­rei­hand­werk passierte, seine Über­füh­rung in ein High­­tech-Labor, haben auch Experten erst ex post gesehen, so schnell ging das. Die WELT, die Bowles Studie aufgriff, nennt als Beispiel das Taxi­ge­werbe. In meiner Fantasie sehe ich eine leere Schule, die Lehrer über­flüssig macht, weil Kinder ja auch digital von zuhause unter­richtet werden können – von einem Lehrer, der wo auch immer in Asia Pacific auto­ma­tisch gemeldet bekommt, ob alle Welt­schüler auch da sind. Dass wir dann nur noch Englisch brau­chen, ist ein Rand­aspekt. Ich sehe freies Lernen und über­flüs­sige Univer­si­täten, da alles Wissen ohnehin nur noch on demand gebraucht wird und Zerti­fi­kate schon in dem Moment veralten, wo man sie erwirbt.

Den Kopf kann man nach­pro­gram­mieren

Der Mensch sei krea­tiver als Computer. Immer wieder wird das als Argu­ment zitiert. Gegen­be­weise zitieren Karl Bene­dikt Frey und Michael Osborne in ihrer von Bowles u.a. als Grund­lage genutzten Studie “the future of compu­te­riza­tion. how susciable are Jobs to compu­te­riza­tion?”  in Form von langen Compu­ter­codes. Menschen können Quer­denken lernen, warum nicht auch Computer? Es könnte sogar sein, dass Roboter bessere Ideen produ­zieren, da sie viel unab­hän­giger sind. Der Mensch will immer dazu­ge­hören. Dem Computer kann es wurscht sein. Bis er irgend­wann auch noch Gefühle bekommt. E.T. lässt grüßen. Sicher, mit der indi­vi­du­ellen, künst­le­ri­schen Schöp­fungs­kraft mag sich Mr. Roboter noch eine Weile schwertun. Ein Roboter wird so einen Text derzeit noch nicht schreiben können. Aber die Opera­tionen, die meinen Kopf lenken, kann er auch lernen: Greife Themen auf, drehe sie anders, flexe sie lebensnah, finde Verbin­dungen. Eigent­lich nur vier grobe Denk­rich­tungen.

Roboter kennen keinen Bias

Der Kopf ist begrenzt. Auch Entschei­dungen werden Roboter irgend­wann besser treffen können. Wir haben gegen­über der Maschine einen entschei­denden Nach­teil: Kogni­tive Biasses schränken unsere Entschei­dungs­kom­pe­tenz erheb­lich ein. Ob Invest­ment­banker oder Perso­naler: Unser Gehirn schafft es nicht, logisch-algor­hi­t­­misch zu denken. So buchen wir Gewinne und Verluste auf unter­schied­liche mentale Konten anstatt sie zusam­men­zu­rechnen, unter­liegen dem Halo-Effekt oder gehen der Verfüg­bar­keits­heu­ristik auf den Leim. Düstere Szena­rien? Ich glaube weder den Pessi­misten noch den Opti­misten: Es wird das eine UND das andere geben und kein entweder-oder. Nur wenige werden die mentale Stärke und dauernde Verän­de­rungs­be­reit­schaft haben, das Beste aus all dem zu machen und immer wieder Chancen zu ergreifen. Viele werden auf der Strecke bleiben – so die, für die Technik und dauernde Verän­de­rung eine Belas­tung darstellt, das sind nicht wenige. Aber wenn die Computer das Ruder über­nehmen, brau­chen wir Menschen, die sie steuern. Deshalb ist Groß­bri­tan­nien an diesem Punkt deut­lich schlauer als wir. Im Englisch-Abitur wird bei uns immer noch Shake­speare geprüft. Ist das wirk­lich das, was wir lernen sollten? Lehrer gehen beruf­liche Wege fernab der Wirt­schaft? Ist das wirk­lich sinn­voll? Das Wald­sterben kam nicht, der Klima­wandel ist da. Prognosen sind labil – weil sie von Menschen kommen. Aber den Compu­tern über­lassen sollte man sie auch nicht.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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5 Kommen­tare

  1. Enrico Brie­gert 30. Juli 2014 at 20:38 — Reply

    Dank der Entwick­lung müssen wir uns künftig nicht mal mehr selbst ins Stadion begeben. In Südkorea setzt man Roboter in ein Base­­ball-Stadion, da zuwenig Zuschauer kommen. Diese sorgen für Applaus, ja sogar Laola-Wellen (http://www.11freunde.de/artikel/schon-bald-realitaet-roboter-ersetzen-fans) 😉
    Jetzt etwas ernster: Die Auto­ma­ti­sie­rung hat die un- und ange­lernten Tätig­keiten aus den Fabriken entfernt. Diese Tätig­keiten werden inzwi­schen von Maschinen statt Menschen ausge­führt. Im Rahmen der Produk­tion 4.0 (das Schlag­wort in der Ferti­gung) werden jetzt einfache admi­nis­tra­tive Tätig­keiten aus den Fabriken entfernt (so Prof. Russ­wurm, Siemens AG auf dem Kongress Fabrik des Jahres 2014). Heute werden Lager­be­stände von Menschen gema­naget. Wie Sie oben geschrieben haben, ist die Entschei­dungs­güte der Menschen aber nicht in diesem Fall nicht der auto­ma­ti­sierten Entschei­dung über­legen. Deshalb werden solche Tätig­keiten entfallen.

  2. Stephan Roth 1. August 2014 at 0:53 — Reply

    Nur 50%?!

    Mögli­cher­weise bewegen wir uns sogar auf eine (nahezu) arbeits­freie Zukunft zu:

    http://wapo.st/1of6K5u

    Nun ja, es wird immer Tätig­keiten geben, die vom Menschen erle­digt werden müssen, denke ich. Aller­dings ist der Trend schon jetzt abzu­sehen. Ich gebe dem Beruf des/der Super­markt­kas­sie­rerIn keine 10 Jahre mehr, dann ist er verschwunden. Pakete und Post wird von Drohnen ausge­teilt werden — Amazon hat die Tech­no­logie dafür schon in den Start­lö­chern, es fehlt nur noch die behörd­liche Frei­gabe für den deut­schen Luft­raum.

    Die Einzigen, die in der zukunft even­tuell noch Erwerbs­ar­beit hätten, sind Dienst­leis­tungs­un­ter­nehmen, und die Wissens­ar­beiter.

    Doch anstatt über diese düstere Szena­rien zu grübeln und Angst davor zu haben, sollten wir uns auf diese Zukunft eher freuen. Wichtig ist nur, dass die Wert­schöp­fung, die dann zu einem Groß­teil von den Maschinen erbracht wird, allen Menschen zu Gute kommt. Das lässt sich nach meiner Meinung nur durch ein Bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen errei­chen.

  3. Finetta 3. August 2014 at 11:47 — Reply

    Eine Arbeits­welt im Umbruch, die Digi­ta­li­sie­rung wird unser bishe­riges System verän­dern. Ist es aber nicht auch die Chance neue Arbeits­formen, neue Arbeits­wege zu entde­cken? Einfache Tätig­keiten sind oft wegfallen, wenn sich die Struk­turen verän­derten. Für mich bietet die Digi­tal­sie­rung viele neue Chancen, auch die Möglich­keit, eine Arbeits­weise zu schaffen, die nicht stur am 7 Std Tag fest­hält. Mehr Flexi­bi­lität, mehr Krea­ti­vität, mehr Frei­raum, mehr Verant­wor­tung.

    Viel­leicht haben die Menschen auch Angst davor, sich selbst zu erschaffen, ein Einkommen, das nicht mehr so fest gere­gelt ist, das zwischen dem festen Gehalt und den freien Einnahmen, wird weitere neue Struk­turen schaffen.

    Eine Arbeits­welt, die einiges abschafft, einiges verän­dert, einiges neu erfindet. Gab es das nicht schon mal? Eine Entde­ckungs­reise in nächste Jahr­zehnt

  4. […] Das ist mehr als positiv, wenn man daran denkt, dass Studien zufolge bis zu 50 Prozent der heute exis­tie­renden Jobs bis zum Jahr 2050 wegfallen werden. […]

  5. Andreas Marquardt 4. Juni 2016 at 12:00 — Reply

    Kann man mir mal erklären, wie die Inte­gra­tion von Flücht­linge über den Arbeits­markt laufen soll, wenn die Hälfte der Jobs wegfällt? Wer ist dann für die daraus folgenden sozialen Span­nungen, auf den Arbeits­markt, mit viel­leicht 15 bis 20 Millionen Arbeits­losen verant­wort­lich?

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