Kate­go­rien

6 Sorten Krea­ti­vität – und welche hätten Sie denn gern?

Published On: 14. Januar 2013Cate­go­ries: Karriere

Krea­ti­vität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dort­mund heraus. 30% mehr — einfach mal das Licht ausma­chen. Warum das so ist? Im Dunkeln sind Hier­ar­chien nicht sichtbar, der Mensch findet zu sich — und seinen eigenen Gedanken. So gedeiht Krea­ti­vität – doch welche Art von Krea­ti­vität ist das eigent­lich? Ich meine, die krea­tive Palette ist riesig und versuche mal eine Abstu­fung, weder wissen­schaft­lich noch voll­ständig. Absolut subjektiv und aus meiner Beob­ach­tung entstanden:

1.     Die Fantasie-Krea­­ti­­vität

Diese Krea­ti­vität ist die ursprüng­lichste und kind­lichste von allen. Trans­ak­ti­ons­ana­ly­tisch dürfte sie im freien Kind-Ich zu verorten sein. Fantasie-Krea­­ti­­vität kann lustig sein, beruf­lich nutzbar ist sie z.B. im Comedy-Sektor. Menschen, die sie entwi­ckeln, können loslassen und hemmungslos rumspinnen. Zu viel davon kann aber auch nerven, dann wird es albern. Fantasie-Krea­­ti­­vi­­tität braucht nichts als eine Persön­lich­keit, die das freie Kind-Ich auch als Erwach­sener noch hüpfen lässt.

2.     Die Fleiß-Krea­­ti­­vität

Auch das Bedürfnis nach Genau­ig­keit und Ordnung kann in Menschen Krea­ti­vität auslösen, so entsteht eher eine Art Fleiß-Krea­­ti­­vität, die öfter bezogen ist auf die Umset­zung in Design, Gestal­tung, Hand­werk oder Text. Ich habe früher oft gedacht, dass sich mehr Krea­tive mit einer „roten Ordnung“ bei Reiss finden müssten. Aber ich sah auch solche mit „Ordnung grün“. Deren Krea­ti­vität war dann häufiger durch Aner­ken­nung gesteuert. Die Fleiß-Krea­­tiven treibt das Bedürfnis, im Rahmen ihrer Subkultur oder des Jobs gutes Feed­back zu bekommen — eben auch über Ideen, etwa wenn sie in einer Werbe­agentur arbeiten oder als Jour­na­list. Die Reso­nanz der anderen ist dem Fleiß-Krea­­tiven nie egal, deshalb wird er eher keine, siehe 3., Exzen­­trik-Krea­­ti­­vität entwi­ckeln.

3.     Exzen­­trik-Krea­­ti­­vität

Die haben manche Künstler. Man mag den Namen Klaus Kinski kaum noch ohne Scham ausschreiben, aber womög­lich ist der Mann ein gutes Beispiel für das, was solche Krea­tive mitbringen müssen: Das Gebahren, anders und beson­ders zu sein und damit hausieren zu gehen. Ich würde auf hohe Narziss­mus­werte wetten. Exzen­triker schmeißen Kleckse an die Wand, weisen diesen eine zentrale Bedeu­tung zu, an die sie selbst­re­dend selbst glauben (konstru­iert unser Hirn, wohl­ge­merkt die linke, angeb­lich logi­sche Hälfte, doch recht kreativ dauernd Recht­fer­ti­gungen für unser Verhalten). Beson­dere Intel­li­genz ist für Exzen­triker nicht nötig, nur eine sehr spezi­elle Persön­lich­keit — man muss schräge Sachen machen und mit etwas Glück finden es alle toll, weil´s sich sonst keiner traut.

4.     Die Remix-Krea­­ti­­vität

Die Remix-Krea­­ti­­vität  mischt aus Vorhan­denem etwas Neues, im Musik­be­reich findet sich das oft – hören Sie sich nur den neuen Song von Prince an. Die Autorin Helene Hege­mann hat Remixen im Text­be­reich mit „Axolotl Road­kill“ zu einem öffent­lich disku­tierten Thema gemacht, denn sie recy­celte das geis­tige Eigentum anderer, ohne das zu kenn­zeichnen — böse Zungen nennen es „klauen“, noch bösere gutten­plaggen.

5.     Die Ideen-Krea­­ti­­ti­­vität

Diese Krea­ti­vität produ­ziert Einfälle, die z.B. Lücken schließen. Das Buch „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin fördert solche Ideen-Krea­­ti­­vität, denn diese Art kann durchaus syste­ma­tisch gelenkt und erzeugt werden. Problem nur, wenn sich diese nicht mit Umsetzer-Menta­­lität paart – dann braucht man zumin­dest beim Thema Unter­neh­mens­grün­dung noch einen Mitstreiter. Ideen-Krea­­ti­­vität verlangt kein sehr tiefes Know-how, aber setzt voraus, dass man Dinge durch­denken kann. Sie ist deshalb nichts für Denk­faule, denn gute Ideen entspringen immer aus, hallo Kahne­mann, System‑2.

6. Quer­­denker-Krea­­ti­­vität

Sie ist die höchste Form der Krea­ti­vität und fordert eine ganz beson­dere Persön­lich­keits­struktur. Nicht jeder kann sie entwi­ckeln. Sie wirft Erkennt­nisse um, die allge­mein­gültig zu sein scheinen und zwar mitunter radikal. Vergeht sich der Quer­denker an wesent­li­chen und bisher weithin akzep­tierten Erkennt­nissen, bekommt er/sie ziem­lich sicher ein Problem in Sachen Grup­pen­ak­zep­tanz und enormen Gegen­wind. Mehr als alle anderen Formen braucht Quer­­denker-Krea­­ti­­vität Erfah­rung, Exper­tise und eine Über­dosis intrin­si­sche Moti­va­tion. So findet sie sich vor allem in den Wissen­schaften. Solche Krea­ti­vität ist nur Menschen möglich, die das Anders­sein früh kulti­viert haben, um daraus die entschei­dende Trieb­kraft zu entwi­ckeln. Zu solchen Quer­­denker-Menschen gehört die Geologin Gerta Keller, die der Theorie aus den 1980er Jahren, von Nobel­preis­träger Luis Alvarez, die Dino­sau­rier seien aufgrund eines Meter­oi­ten­ein­schlags auf einen Schlag ausge­storben, vehe­ment wider­spricht. Und sie bekommt mächtig Haue von etablierten Kollegen, gilt doch Alvarez´ Theorie derzeit als Wahr­heit…

Ob Ideen-Krea­­tiver oder Quer­denker: Eine wich­tige Voraus­set­zung für jede Art der Krea­ti­vität liegt darin, erst einmal auszu­spre­chen, was man denkt und wovon man über­zeugt ist. Sehr förder­lich ist Offen­heit für Neues, also die Fähig­keit sich gedank­lich von vorhan­denen Struk­turen zu lösen und die Möglich­keit in Betracht zu ziehen, dass die Dinge anders sein könnten, als sie zu sein scheinen… verbunden mit der Bereit­schaft, seine eigenen Ideen auch allen Grup­pen­zwängen zum Trotz zu vertreten. Womit wir am Ende wieder am Anfang wären: Im Dunkeln. Da geht das besser.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Lars Lorber 19. Januar 2013 at 12:11 — Reply

    Das mit dem Dunkeln erklärt, warum mir Abens beim einschlafen oft noch ein Haufen Ideen durch den Kopf flat­tern. Hab die Studie gerade nicht zur Hand, aber Google hilft da sicher weiter: hinlegen macht auch krea­tiver, hat man heraus­ge­funden, d.h. Abends im Bett gibts den kreativ-Boost.

  2. Steffen 10. März 2014 at 14:52 — Reply

    Schade, dass ich das mit der Dunkel­heit noch nicht kannte als ich meinen Artikel zur indi­vi­du­ellen Krea­ti­vität schrieb:

    http://bit.ly/1i0eE31

    Danke!

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