Kategorien
6 Sorten Kreativität – und welche hätten Sie denn gern?
Kreativität entfaltet sich besser im Dunkeln, fanden Forscher der TU Dortmund heraus. 30% mehr — einfach mal das Licht ausmachen. Warum das so ist? Im Dunkeln sind Hierarchien nicht sichtbar, der Mensch findet zu sich — und seinen eigenen Gedanken. So gedeiht Kreativität – doch welche Art von Kreativität ist das eigentlich? Ich meine, die kreative Palette ist riesig und versuche mal eine Abstufung, weder wissenschaftlich noch vollständig. Absolut subjektiv und aus meiner Beobachtung entstanden:
1. Die Fantasie-Kreativität
Diese Kreativität ist die ursprünglichste und kindlichste von allen. Transaktionsanalytisch dürfte sie im freien Kind-Ich zu verorten sein. Fantasie-Kreativität kann lustig sein, beruflich nutzbar ist sie z.B. im Comedy-Sektor. Menschen, die sie entwickeln, können loslassen und hemmungslos rumspinnen. Zu viel davon kann aber auch nerven, dann wird es albern. Fantasie-Kreativitität braucht nichts als eine Persönlichkeit, die das freie Kind-Ich auch als Erwachsener noch hüpfen lässt.
2. Die Fleiß-Kreativität
Auch das Bedürfnis nach Genauigkeit und Ordnung kann in Menschen Kreativität auslösen, so entsteht eher eine Art Fleiß-Kreativität, die öfter bezogen ist auf die Umsetzung in Design, Gestaltung, Handwerk oder Text. Ich habe früher oft gedacht, dass sich mehr Kreative mit einer „roten Ordnung“ bei Reiss finden müssten. Aber ich sah auch solche mit „Ordnung grün“. Deren Kreativität war dann häufiger durch Anerkennung gesteuert. Die Fleiß-Kreativen treibt das Bedürfnis, im Rahmen ihrer Subkultur oder des Jobs gutes Feedback zu bekommen — eben auch über Ideen, etwa wenn sie in einer Werbeagentur arbeiten oder als Journalist. Die Resonanz der anderen ist dem Fleiß-Kreativen nie egal, deshalb wird er eher keine, siehe 3., Exzentrik-Kreativität entwickeln.
3. Exzentrik-Kreativität
Die haben manche Künstler. Man mag den Namen Klaus Kinski kaum noch ohne Scham ausschreiben, aber womöglich ist der Mann ein gutes Beispiel für das, was solche Kreative mitbringen müssen: Das Gebahren, anders und besonders zu sein und damit hausieren zu gehen. Ich würde auf hohe Narzissmuswerte wetten. Exzentriker schmeißen Kleckse an die Wand, weisen diesen eine zentrale Bedeutung zu, an die sie selbstredend selbst glauben (konstruiert unser Hirn, wohlgemerkt die linke, angeblich logische Hälfte, doch recht kreativ dauernd Rechtfertigungen für unser Verhalten). Besondere Intelligenz ist für Exzentriker nicht nötig, nur eine sehr spezielle Persönlichkeit — man muss schräge Sachen machen und mit etwas Glück finden es alle toll, weil´s sich sonst keiner traut.
4. Die Remix-Kreativität
Die Remix-Kreativität mischt aus Vorhandenem etwas Neues, im Musikbereich findet sich das oft – hören Sie sich nur den neuen Song von Prince an. Die Autorin Helene Hegemann hat Remixen im Textbereich mit „Axolotl Roadkill“ zu einem öffentlich diskutierten Thema gemacht, denn sie recycelte das geistige Eigentum anderer, ohne das zu kennzeichnen — böse Zungen nennen es „klauen“, noch bösere guttenplaggen.
5. Die Ideen-Kreatitivität
Diese Kreativität produziert Einfälle, die z.B. Lücken schließen. Das Buch „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin fördert solche Ideen-Kreativität, denn diese Art kann durchaus systematisch gelenkt und erzeugt werden. Problem nur, wenn sich diese nicht mit Umsetzer-Mentalität paart – dann braucht man zumindest beim Thema Unternehmensgründung noch einen Mitstreiter. Ideen-Kreativität verlangt kein sehr tiefes Know-how, aber setzt voraus, dass man Dinge durchdenken kann. Sie ist deshalb nichts für Denkfaule, denn gute Ideen entspringen immer aus, hallo Kahnemann, System‑2.
6. Querdenker-Kreativität
Sie ist die höchste Form der Kreativität und fordert eine ganz besondere Persönlichkeitsstruktur. Nicht jeder kann sie entwickeln. Sie wirft Erkenntnisse um, die allgemeingültig zu sein scheinen und zwar mitunter radikal. Vergeht sich der Querdenker an wesentlichen und bisher weithin akzeptierten Erkenntnissen, bekommt er/sie ziemlich sicher ein Problem in Sachen Gruppenakzeptanz und enormen Gegenwind. Mehr als alle anderen Formen braucht Querdenker-Kreativität Erfahrung, Expertise und eine Überdosis intrinsische Motivation. So findet sie sich vor allem in den Wissenschaften. Solche Kreativität ist nur Menschen möglich, die das Anderssein früh kultiviert haben, um daraus die entscheidende Triebkraft zu entwickeln. Zu solchen Querdenker-Menschen gehört die Geologin Gerta Keller, die der Theorie aus den 1980er Jahren, von Nobelpreisträger Luis Alvarez, die Dinosaurier seien aufgrund eines Meteroiteneinschlags auf einen Schlag ausgestorben, vehement widerspricht. Und sie bekommt mächtig Haue von etablierten Kollegen, gilt doch Alvarez´ Theorie derzeit als Wahrheit…
Ob Ideen-Kreativer oder Querdenker: Eine wichtige Voraussetzung für jede Art der Kreativität liegt darin, erst einmal auszusprechen, was man denkt und wovon man überzeugt ist. Sehr förderlich ist Offenheit für Neues, also die Fähigkeit sich gedanklich von vorhandenen Strukturen zu lösen und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Dinge anders sein könnten, als sie zu sein scheinen… verbunden mit der Bereitschaft, seine eigenen Ideen auch allen Gruppenzwängen zum Trotz zu vertreten. Womit wir am Ende wieder am Anfang wären: Im Dunkeln. Da geht das besser.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

Das mit dem Dunkeln erklärt, warum mir Abens beim einschlafen oft noch ein Haufen Ideen durch den Kopf flattern. Hab die Studie gerade nicht zur Hand, aber Google hilft da sicher weiter: hinlegen macht auch kreativer, hat man herausgefunden, d.h. Abends im Bett gibts den kreativ-Boost.
Schade, dass ich das mit der Dunkelheit noch nicht kannte als ich meinen Artikel zur individuellen Kreativität schrieb:
http://bit.ly/1i0eE31
Danke!