Tiny businessman with alarm clocksNein, es gibt keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Und doch, es verändert sich was. Was genau?

1. Keine Pause. HR arbeitete auch Weihnachten.

Vorstellungsgespräche am 22.12. oder 5.1.2015? Was ist das? Ich kann mich nicht erinnern, dass es sowas jemals zuvor gab. Die Winterpause war noch letztes Jahr gut vier Wochen lang. „Wir treffen uns in der zweiten Januarwoche zum Üben des Vorstellungsgesprächs. Reicht doch, Frau Hofert.“ Reicht gerade nicht… Ist das der „demografische“ Wandel, das neue Bemühen um Fachkräfte?

2. Schnelle Entscheidungen waren möglich.

Gut, hier gibt es branchenspezifisch erhebliche Unterschiede. Während die einen innerhalb einer Woche alles klar machen, brauchen die anderen nach wie vor drei bis vier Monate allein für die Erstauswahl. Schnellentscheider sind die Digitalbranche und allgemein kleinere Unternehmen. Ein Bewerber bekam binnen eines Tages eine Einladung auf seine Bewerbung (sic!). Weiterhin im Schneckentempo voran geht es allerdings bei vielen Konzernen.

3. Spuren von Kreativität in HR.

Nun hatte ich so viel zu tun, dass ich mich doch nicht für die Jury beworben habe und die Runkelrübe 2014 an mir vorbei ziehen lassen musste. Ich meine,  Runkelrübe hin oder her, zwischen Putzfrauen mit Rettungsschwimmerschein, kleinwüchsigen Helden und geschmacksbefreiter Personalauswahl in letzter Zeit vermehrt Spuren von Kreativität im Recruiting zu entdecken. Vor allem übrigens… außerhalb des Internets. Stellenanzeigen begegnen mir inzwischen zum Beispiel an der Eingangstür eines meiner Lieblingscafes auf der großen Bergstraße, neben Ikea Altona. Natürlich sind es Tech-Stellen. Aber nicht nur: Die Bürgermeisterausschreibung der Stadt Wiehl fand ich sensationell. Es geht also.

4.  Nette Berater bei der Arbeitsagentur.

Nette und kompetente Leute bei der Arbeitsagentur. Gab´s schon immer und gibt´s offensichtlich derzeit noch mehr. „Schreiben Sie sich den Namen auf, Frau Hofert. Sagen Sie Ihren Kunden, Sie sollen nach X fragen.“ X nimmt sich zum Beispiel besonders viel Zeit, beherrscht das Motivieren, kennt sich aus, aber auch seine Grenzen. Das ist super! Aber ich höre auch immer noch: „Da kam die Arbeitsagentur und die haben uns erst mal gesagt, was wir alles nicht dürfen und dass wir Zeitarbeit annehmen sollen.“

5. Zeitarbeit. Die keiner wollte.

Niemand geht in die Zeitarbeit, wenn er/sie andere Alternativen hat. Das merke ich bei meinen Kunden immer wieder. In manchen Bereichen ist es aber schwer, Stellen jenseits Leiharbeit zu finden, teils ist das Verhältnis 2:8 (direktes Firmenangebot versus Zeitarbeit). Doch man merkt wie sich der Markt umkehrt: Initiativbewerbungen auf Standardtätigkeiten etwa im Vertrieb laufen wunderbar. Der demografische Wandel sollte nichts Gutes für die Zeitarbeit bedeuten… Erfindet sie sich neu?

6. Bewerbungsromane öffneten Türen.

Ganz anderes Thema: Haben Sie sich mal gefragt, warum Bewerbungen eigentlich nur eine Seite umfassen dürfen? Ich auch. „Macht man so“, war für mich nie ein Argument. Und das ist gut so. Dieses Jahr habe ich mehrfach gesehen, wie Bewerbungsromane auf mehreren Seiten zum Erfolg geführt haben: ellenlange Motivationsschreiben mit erheblichem Storytelling-Anteil. American Style: Schreibe viel und höchst persönlich. Sei du selbst, zeige Emotionen. Könnte Trend werden.

 

 

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert ist vielfache Bestsellerautorin, die sich im deutschsprachigen Raum über mehr als ein Vierteljahrhundert ein hohes Renommee als Vordenkerin für das Thema Zukunft von Arbeit und Führung erworben hat. Ihr Motto "Zukunft der Arbeit mit Sinn und Verstand". Dieses Blog besteht seit 2006 und wird nur noch gelegentlich gepflegt. Folgen Sie der Autorin, indem Sie Ihren kostenlosen Newsletter Weiterdenken  abonnieren. Auf  Linkedin können Sie der Autorin ebenso folgen und erhalten 14tätig die Weiterdenken Essentials.

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