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7 Coaching­fallen in Unter­nehmen: Busi­­ness-Käse

Published On: 31. Januar 2026Cate­go­ries: Aktuell, Coaching
Coachingfallen in Unternehmen: Der Business-Käse

Coaching wird mit sehr viel Sehn­sucht und Hoff­nung aufge­laden: auf Sinn, ein besseres Leben. Dieser Trend schwappt in die Unter­nehmen. Fast wie ein Schweizer Taschen­messer soll Coaching alles heilen.  Coaching wird dann zum Projek­ti­ons­raum. Über die Fallen der Bühnen­stars und Guru-Coaches habe ich schon oft gespro­chen. Doch die Coaching­fallen wirken nicht mehr nur privat, sondern zuneh­mend auch in Unter­nehmen. Sieben Coaching­fallen im Busi­ness, vor denen sich Unter­nehmen schützen sollten.

Coaching­falle 1: Die totale Begriffs­ver­wäs­se­rung

Coaching ist plötz­lich alles: Spar­ring, Busi­ness Mento­ring, Feed­back­ge­spräch, Work­shop, Konflikt­mo­de­ra­tion, Persön­lich­keits­se­minar. Der Begriff hatte nie eine scharfe Kontur, doch früher gab es im wesent­li­chen Busi­ness Coaching, Execu­tive Coaching, Karrie­re­coa­ching, Team­coa­ching und Life Coaching. Nun gibt es hunderte weitere Vari­anten. Manche sind eine sinn­volle Spezia­li­sie­rung, andere gaukeln einfach nur „neu“ vor, sind aber innen hohl.

„XY-Coaching“ klingt nach Lösung für die mannig­fal­tigen Heraus­for­de­rungen rund um Verän­de­rung, Trans­for­ma­tion, Change. Was z.B. tun gegen die hohen Krank­heits­quoten? Gegen Belas­tung, Unzu­frie­den­heit, Change-Müdi­g­keit? Oder auch: Für mehr Entwick­lungs­freude, etwa in Teams? Man kann viel darunter versam­meln, der Markt macht das Angebot. Und reagiert dabei in typi­scher Manier: Nicht klar umris­senes Problem, ebenso schwam­mige, aber gut klin­gende Lösungen.

Was wir tun können

Worum geht es wirk­lich? Um Lernen?  Geht es um Persön­lich­keits­ent­wick­lung? Oder etwa um Jobkom­pe­tenzen? Wollen Unter­nehmen Kompe­tenz­gaps schließen? Schon Trai­ning war oft nur eine Pseudo-Lösung, ein Busi­­ness-Theater. Eine Abgren­zung verschie­dener Coachin­gan­sätze macht Sinn. Und eine klare Unter­schei­dung: Was gehört auf die Indi­­vi­­dual- und was auf die Team­ebene? Nur zur Erin­ne­rung: Teams lassen sich nur dann coachen, wenn sie eine gemein­same Aufgabe verfolgen, wenn es also klar um Koor­di­na­tion geht. Sonst coacht man Einzelne im Team ohne Auftrag, heikel.

Coaching­falle 2: Trend- und Toolgläu­big­keit

Eine HR-Abtei­­lung bucht ein „Neuro-Leader­­ship-Programm“, weil es gerade überall auftaucht. Nach einigen Monaten ist klar: Es gab viele neue Worte, aber kaum neue Einsichten. Die Führungs­kräfte können ja nicht mal aktiv zuhören. Neue Labels und Methoden gaukeln Trends vor. Neuro, Mindset, Inner Work, mentale Visua­li­sie­rung. Oft steckt dahinter eher Umver­pa­ckung als Substanz. Trans­for­ma­ti­ons­druck macht anfällig für Verspre­chen. Wenn etwas neu klingt, wirkt es auto­ma­tisch wirksam. Dazu kommt die Angst, etwas zu verpassen. Und eine gewisse Anfäl­lig­keit von HR für alles „Acht­same“.

Was wie tun können

Weniger auf Begriffe schauen, mehr auf Haltung, Ausbil­dung und Erfah­rung. Wenn wir wissen, was gebraucht wird, können wir fragen: welche Philo­so­phie hat ein Coach? Wie defi­niert er/sie seinen Zweck? Welche Erfah­rungen bringt er/sie ein und mit? Passt das zur Klientel? Oder ist es zuviel oder zu wenig?

Coaching­falle 3: Schein­kor­re­la­tionen

Wenn sich die Persön­lich­keiten entwi­ckeln, wird das Team leis­tungs­fä­higer? Von wegen, das Gegen­teil kann der Fall sein, weil Entwick­lungen ange­stoßen werden, die eher zum Hinter­fragen des bisher empfun­denen Sinns führen,

Oft werden auch Zusam­men­hänge behauptet, die so nicht haltbar sind. Acht­sam­keit stei­gert auto­ma­tisch den Umsatz oder Persön­lich­keits­ent­wick­lung macht inno­va­tiver.

Einfache Erklä­rungen beru­higen. Komple­xität ist anstren­gend. Deshalb fruchten einfache Verkaufs­ver­spre­chen mehr als Diffe­ren­ziert­heit. Leider gerade beim Manage­ment.

Was wir tun können

Unter­scheiden — und verstehen, dass wir weder Kompe­tenzen noch Leis­tung skalieren können. Akzep­tieren, dass Entwick­lung nicht linear funk­tio­niert. Und jeder an einem anderen Punkt steht, Unter­nehmen nicht die Aufgabe haben, Entwick­lung zu fördern (außer bei Führungs­kräften). Und demütig sein: Was bei einem Coaching heraus­kommt, weiß niemand genau.

Coaching­falle 4: Führungs­kraft als Coach

Ein Team­leiter führt „Coaching­ge­spräche“ mit Mitar­bei­tenden, die er wenige Wochen später bewerten muss. Führungs­kräfte sollen Coach sein und gleich­zeitig beur­teilen, entscheiden und sank­tio­nieren. Zwei Rollen, die sich nicht sauber trennen lassen. Und ein so fort­ge­schrit­tenes Rollen- und System­ver­ständnis verlangen, dass allein der Anspruch schon nicht tragen kann. Coaching ist keine Technik: Es funk­tio­niert über Bezie­hung.

Was wir tun können

Führungs­kräfte dürfen coachende Elemente nutzen. Zuhören, fragen, reflek­tieren; das allein kann schon kaum jemand. Ein Coaching­pro­zess dagegen kann nur von jemand gestaltet werden, der in der expli­ziten Rolle nur dafür da ist.#

Coaching­falle 5: Psycho­lo­gi­sche Tiefe ohne Auffang­netz

In einem Führungs­kräf­te­coa­ching wird intensiv an Glau­bens­sätzen gear­beitet. Eine Teil­neh­merin beginnt, ihre gesamte Lauf­bahn infrage zu stellen. „Da wurde echt was ange­stoßen“, sagt Karin. Seitdem kann sie nicht mehr aufhören, an sich zu zwei­feln, denn es hat ihr Selbst­bild ins Wanken gebracht. Da wird an Iden­tität, Biografie oder tiefen inneren Mustern gear­beitet, ohne dass jemand weiß, wie man mit den Neben­wir­kungen umgeht. Igno­riert wird dabei die unter­schied­liche Entwick­lungs­logik und auch psychi­sche Stabi­lität von Menschen. Dass manche gut gemeinte Inter­ven­tion desta­bi­li­sie­rend wirkt, wird ausge­blendet.

Was wir tun können

Stopp­li­nien defi­nieren. Coaches auswählen, die sich psycho­lo­gisch auskennen und die erfahren genug sind, Grenzen zu kennen. Und: auffan­gende Struk­turen schaffen, falls jemand psychisch ins Wanken gerät.

Coaching­falle 6: Unre­flek­tierter Einsatz von Tests

Hans hat im Test „geringe Domi­nanz“. Die Kollegen lesen daraus „nicht führungs­ge­eignet“. Ein biss­chen blau-rot-grün-gelb und schon sind alle Schub­laden offen. Persön­lich­keits­tests werden wie Diagnosen behan­delt. Ergeb­nisse werden zu Etiketten. Die Gefahr ist beson­ders da sehr groß, wo diese auf eine frühe Entwick­lungs­logik nach der Ich-Entwick­­lung stößt. Menschen können also noch nicht bewusst die Meta­per­spek­tive einnehmen. Tests liefern scheinbar Objek­ti­vität. Zahlen und Profile beru­higen. Sie sehen nach Wissen­schaft aus, auch wenn sie oft nur grobe Land­karten sind.

Was wir tun können

Tests nur dann in Grup­pen­set­tings anwenden, wenn wirk­li­ches Vertrauen da ist – und die Ergeb­nisse über einen längeren Zeit­raum reflek­tiert werden können. Vorsicht mit vermeint­li­cher Wissen­schaft­lich­keit wie MBTI, DISG etc. Aber auch statis­tisch valide Verfahren nur dann verwenden, wenn es dem Team wirk­lich nützen und dieses damit umgehen kann. Immer kontex­tua­li­sieren, nie isoliert stehen lassen. Das braucht Coaches/Moderatoren, die tiefere Kennt­nisse haben als aus einem 2‑Tages-Zerti­­fi­­zie­rungs­­­kurs – und einen Prozess der Verar­bei­tung ohne Schub­la­di­sie­rung.

Coaching­falle 7: Neue Rollen ohne Namen und Coaching­gurus

Ein Unter­nehmen enga­giert einen sehr präsenten „High Perfor­mance Coach“, der mit starken Parolen auftritt. Dem Team werden vor allem Voka­beln antrai­niert. Es entstehen immer mehr Rollen im orga­ni­sa­tio­nalen Umfeld, für die wir noch keine klaren Begriffe haben. Agile Coach, Trans­for­ma­tion Lead, Culture Manager. Parallel dazu tauchen selbst­er­nannte Coaching­gurus auf, die einfache Wahr­heiten und große Verspre­chen verkaufen.

Spezia­li­sie­rung ist teil­weise notwendig und ziel­füh­rend, teil­weise aber auch rein marke­ting­ge­trieben. So entsteht ein Markt, der jede Nuance zur Berufs­be­zeich­nung macht. Perso­nal­ab­tei­lungen stehen unter Druck, schnell Lösungen zu präsen­tieren. Charis­ma­ti­sche Anbieter mit klaren Botschaften wirken über­zeu­gend, zumal ihr Aufmerk­sam­keits­fokus mehr auf Verkauf liegt als bei Coaches, die sich auf ihre Arbeit konzen­trieren.

Was wir tun können

Den Bedarf klären – und nicht auf Pseudo-Neues rein­fallen. Refe­renzen prüfen, nicht nur Reich­weite. Spezia­li­sie­rung ja, aber funk­ti­ons­be­zogen, nicht mode­ge­trieben. Und eine gesunde Skepsis gegen­über allzu einfa­chen Heils­ver­spre­chen behalten. Als HR: Sich gegen Manager behaupten, die nach einfa­chen Lösungen suchen.

Vertiefen können Sie das Thema in meinem Buch “Die Coaching-Falle”, erschienen 2025 bei HAUFE,

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Chris­toph Modrow 1. Februar 2026 at 22:37 — Reply

    Wer Coaching-Qualität will, muss den Mut haben, auf bunte Labels und Heils­ver­spre­chen zu verzichten. Es geht wohl kein Weg daran vorbei sich als Käufer diffe­ren­ziert damit ausein­an­der­zu­setzen. Aus Anbie­ter­sicht wären einheit­liche Stan­dards (u.a. genormte Ausbil­dungen) ein Segen. Aber wer darf die Stan­dards setzen? 🙂

    • Svenja Hofert 7. Februar 2026 at 12:42 — Reply

      Genau, das macht es so proble­ma­tisch. Deshalb lieber keine Stan­dards, sondern sowas wie Weiter­­bil­­dungs- und Super­vi­si­ons­ver­pflich­tung.

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