Kate­go­rien

7 Über­zeu­gungen rund um Karriere und Bewer­bung, die man auch ganz anders sehen kann

Published On: 18. Juni 2014Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Man bewirbt sich besser aus einer Fest­an­stel­lung? Man bittet Leute nicht um einen Gefallen, die man kaum kennt? Wir konstru­ieren uns unsere Wirk­lich­keit. Und was die Mehr­heit denkt, kann man auch ganz anders sehen — durchaus begründet. Ich habe  typi­sche Glau­bens­sätze  mal umge­dreht.

1. Man bewirbt sich besser aus unge­kün­digter Stel­lung

Do or don´t. tastaturViele Menschen sagen, aus unge­kün­digter Stel­lung seien sie entspannter beim Bewerben. Das spie­gelt noch die alte Karriere- und Arbeits­welt, in der wir dankbar für jedes Joban­gebot sein mussten. Warum man das anders sehen kann: Den Job zu kündigen, kann sehr befreiend sein. Endlich hat man Zeit, die ersten drei Monate vergehen im Flug. Man kann den Rasen mähen, nach­denken, endlich mal erle­digen, was ewig liegen geblieben ist, sich auf sich konzen­trieren und ganz in Ruhe Bewer­bungen schreiben und Gespräche führen. Wohl wissend, dass so eine Jobsuche ein Jahr und länger dauern kann.

2. Man kommt im Unter­nehmen nur weiter, wenn man ein Blender ist.

Gerade Frauen hält das von Karriere sehr stark an. Ganz tolle, leis­tungs­starke Damen gehen lieber in Deckung, weil sie das glauben. Warum man das auch anders sehen kann: Es gibt die Heuchler, aber nicht nur. In bestimmten Unter­nehmen ist es für völlige Schaum­schläger unmög­lich nach oben zu kommen. Und fast überall finden sich auch normale und beschei­dende Menschen, die in Unter­nehmen weiter­ge­kommen sind, weil sie einfach gut sind.

3. Man braucht einen lücken­losen Lebens­lauf.

Alles muss belegt sein, Pausen sind verboten. Sogar drei Monate werden “über­schminkt”, weil es in Ratge­bern so steht. Warum man das auch anders sehen kann: Lücken werden immer normaler werden, weil es normal geworden ist, nach etwa fünf bis sieben Jahren Berufs­er­fah­rung nicht mehr direkt den Anschlussjob zu bekommen. Und weil viele auch mal gern ein paar Jahre pausieren und sich das auch leisten können. Erst recht, wenn zwei Karriere machen. Die Lücke ist der neue rote Faden!

4. Man bittet nicht einfach entfernte Bekannte um einen Gefallen.

Deshalb tun viele Menschen nicht, was absolut sinn­voll wäre: das eigene Netz­werk akti­vieren, auch entfernte Kontakte. Warum man das auch anders sehen kann: Wer selbst bereit ist, zu helfen, wenn er kann, wird auch Hilfe bekommen. Siehe Give und Take. Wer selbst aber ein Nehmer ist, muss sich nicht wundern, wenn keiner was für ihn/sie tun will.

5. Wenn er/sie nicht zurück­ruft, hat er/sie kein Inter­esse.

Das ist ein ausge­spro­chen häufig anzu­tref­fender Glau­bens­satz. Warum man das auch anders sehen kann: Die meisten Menschen sind über­schüttet von Infor­ma­tionen. In den E‑Mail-Bergen wird es immer schwie­riger die Spreu vom Weizen zu trennen. Jemand, der einmal versucht anzu­rufen oder zu mailen, hat man SOFORT vergessen. Mit Desin­ter­esse muss das gar nichts zu tun haben. Und selbst wenn: Man kann Desin­ter­esse in Inter­esse verwan­deln, auch durch Dran­bleiben.

6. Wenn das Unter­nehmen Inter­esse an mir hätte, würde ich schon längst Bescheid bekommen haben.

Die meisten Menschen deuten es als gutes Zeichen, möglichst schnell eine Absage oder eine Einla­dung zu bekommen und als schlechtes, nichts zu hören. Warum man das auch anders sehen kann: Die durch­schnitt­li­chen Zeiten bis zur Beset­zung einer Posi­tion liegen bei über 50 Tagen. Je anspruchs­voller der Job desto länger dauert es, bis Einla­dungen verschickt werden. Es kann auch ein Zeichen von Inter­esse sein, wenn man länger nichts hört.

7. Man geht nicht auf Xing-Profile der Personen, die einem demnächst im Vorstel­lungs­ge­spräch begegnen.

Denn: Dann würden die einen ja sehen. Und das ist irgendwie pein­lich. Warum man das auch anders sehen kann: Dass man sich die Profile ange­sehen hat, zeugt von Inter­esse. Es schadet nicht, es könnte sogar nutzen. So erfährt man viel­leicht etwas Privates, findet Verbin­dungen oder sieht wie jemand tickt. Wenn ich etwa sehe, dass ein Gesprächs­teil­nehmer promo­vierter Sozio­loge ist, kann ich andere Fragen erwarte als wenn es ein Jurist ist.

Eines meiner persön­li­chen Leit- und Lebens­mo­tive ist: “Egal, was du denkst, denk das Gegen­teil” von Paul Arden. Es ist der einfachste Leit­faden für Quer­denken, den es gibt. Wenn Sie also denken “heut­zu­tage muss man studieren” fragen Sie sich einmal, ob und unter welchen Umständen das Gegen­teil stimmen könnte (“heute muss man nicht studieren”). Denn tatsäch­lich gibt es keine Wahr­heiten, sondern maximal Wahr­schein­lich­keiten. Wir sollten unsere eigenen Glau­bens­sätze nicht allzu ernst nehmen. Sie sind nur Verein­fa­chungen und Abkür­zungen unseres Gehirns, nicht mehr und nicht weniger. Manchmal helfen sie und manchmal hindern sie einen.

Prak­ti­sche Hilfen rund um Karriere und Bewer­bungen erhalten Sie auf unserem mit dem Silber­siegel von Ekomi bewer­teten Online-Shop und Online-Bera­­tungs­­­portal Kexpa.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

7 Kommen­tare

  1. Jens Redmann 18. Juni 2014 at 17:58 — Reply

    … es werden noch ganz andere “Welt­bilder” einstürzen und es ist Zeit dafür!

  2. Krahmer 26. Juni 2014 at 13:34 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    vielen Dank für die ehrli­chen und aufbau­enden Worte.

    Mit besten Grüßen

  3. Finetta 29. Juni 2014 at 10:58 — Reply

    Vieles was Sie erwähnen kommt mir bekannt vor, das Fest­halten an der alten Arbeits­welt. Als für mich Anfang des Jahres das Bewerben anstand, habe ich so manches noch so gedacht. Mitt­ler­weile bin ich gelas­sener geworden, ich halte die Dinge am Laufen, und schaue was sich daraus entwi­ckeln könnte.
    Zumal es auch die Chance ist einen völlig neuen Beruf zu erlernen, einen neuen Weg zu gehen.

    • Hanne 30. Juni 2014 at 19:49 — Reply

      Hi Finetta,
      bewerben ja, Beruf wech­seln rat ich die nur wenn du genü­gend Asche auf der hohen Kante hast. Ansonsten mach dein Ding neben dem Haupt­beruf. Da hast du Zeit die notwen­dige Erfah­rung zu sammeln.

      G
      H

    • Sabrina 8. Juli 2014 at 16:30 — Reply

      Ich sehe das genauso. Durch eine Lücke im Lebens­lauf und eine Eigen­kün­di­gung habe ich jetzt endlich nach Jahren den Mut gefasst auf eigene Kosten zu studieren. Ich freue mich auf diese neue Heraus­for­de­rung!

  4. Boris 3. Juli 2014 at 16:45 — Reply

    Heut­zu­tage scheint die Arbeits­welt von Erwar­tungs­hal­tungen bestimmt zu werden. Dies betrifft vor allem Bewerber. Sie müssen in die Rolle passen, die ihnen über die Jahre zuge­schus­tert wurde. Warum sehen wir um Viertel nach Acht den anste­henden Spiel­film? Wieso arbeiten wir acht Stunden pro Tag? Wir wissen es nicht. Wir hinter­fragen es nicht. Wir sollten damit anfangen. Ein toller Beitrag!

  5. Michael 3. November 2014 at 12:57 — Reply

    Hallo, was ist an dem Vorur­teil dran, dass sehr viele Unter­nehmen, die von einem Bewerber erwarten, dass er Aufga­ben­stel­lungen löst und Konzepte präsen­tiert, dies nur ausge­nutzt wird, um sich Agen­turen zu sparen? Ich habe jetzt schon dreimal erlebt, wie ich trotz sehr guten Konzepten nicht den Zuschlag bekommen habe und Dinge aus dem Konzept von besagten Firmen sogar umge­setzt wurden. Wie kann man da einen Riegel vorschieben? Mit einer Vertrau­lich­keits­er­klä­rung? Oder spielt man sich damit dann als Bewerber gleich ins Aus? Ich bin momentan am verzwei­feln …

Leave A Comment