Kate­go­rien

Wo stehen Sie in der Spirale? 8 Typen Berater, Trainer, Coach

Published On: 21. Februar 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Copy­right: Svenja Hofert

Schon seit längerem  faszi­niert mich als das Entwick­lungs­mo­dell Spiral Dyna­mics. Nun mache ich eine kleine Serie daraus. Leider wird das Spiral­mo­dell oft als zu komplex wahr­ge­nommen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, es verständ­lich auch für Laien zu machen – mit der nötigen Dosis Humor und Selbst­ironie. Beginnen möchte ich mit den Bera­ter­typen, dabei beto­nend, dass Spiral Dyna­mics keine Typo­logie ist, sondern ein Entwick­lungs­mo­dell, aus dem man Analy­se­tools ableiten kann (auf das z.B.  9Levels-Betreiber Rainer Krumm  ausbildet). Laut Spiral Dyna­mics bauen alle Level aufein­ander auf und keines kann über­sprungen werden. Phasen des „Wir“ und „ich“ wech­seln einander ab. In jedem Menschen – also auch in jedem Berater, Trainer, Coach — sind letzt­end­lich alle Levels aktiv, die VOR seinem aktu­ellen biopsy­cho­so­zialen Bewusst­seins­zu­stand liegen. Es kann also durchaus sein, dass jemand auf einem Level stecken­bleibt… Oder zurück­fällt.

Der beige Berater, Trainer, Coach

Das beige Level ist ein Ich-Level und gilt der Exis­tenz­si­che­rung; hier geht es um das nackte Über­leben. Der beige Berater lebt in seiner Peer Group und gibt kosten­lose Ratschläge wie man in der Wüste Wasser findet. Nicht im Traum denkt er an eine kommer­zi­elle Nutzung seiner auf die Wild­schwein­jagd und Gänse­blüm­chen­ernte beschränkten Intui­tion. Eine Website hat er nicht, er mag und kennt auch keine Technik.

Der pupurne Berater, Trainer, Coach

Im Purpur­roten sieht sich der Mensch als Teil einer Gemein­schaft, die ein natür­li­ches Ober­haupt und gewach­sene Struk­turen hat. Tradi­tionen spielen eine wich­tige Rolle und damit ein fürsorg­li­ches „macht man so, das ist so gegeben“. Der purpurne Berater ist väter­lich  oder mütter­lich und sorgt sich um seinen Klienten.  Er hat mindes­tens thera­peu­ti­sche Neigungen, viel­leicht ist er auch spiri­tuell und betreibt Astro­logie und Wahr­sagen. Sach­liche Erklä­rungen und das “warum” spielen in seinem Kontext keine Rolle, Studien sind über­flüssig. Allein der Glaube ist das Wissen (Bemer­kung: ist noch ganz schön verbreitet…).

Seine Website setzt auf genau diese Themen, gött­liche Beru­fung führt zur behü­teten Gemein­schaft. We are familiy.

Der rote Berater, Trainer, Coach

Im roten Level, einem Ich-Level, geht es um Erobe­rung und Macht, viel­leicht auch Inno­va­tion. Der rote Berater will beherr­schen und möchte seine gute Idee – etwa eine Methode – welt­weit etablieren. Konkur­renten sticht er aus. Der liebe Kunde? Der soll ihm bitte Respekt zollen. Schließ­lich ist er Erfinder des… was auch immer, auf jeden Fall als Marke geschützt. Er hat Bücher geschrieben. Auf seiner Website gibt es Fotos in verschie­denen Posen, auf denen er Gewin­ner­mäßig rüber­kommt. Viel­leicht hält er darauf sogar ein Wein­glas in der Hand. Sein Rat ist mehr… Befehl. Wenn Berlus­coni Berater wäre…

Der blaue Berater, Trainer, Coach

Das blaue Level kulti­viert erneut das „wir“. Der blaue Berater arbeitet in Koope­ra­tion und ist dabei absolut korrekt. War purpur ein „macht man so, ist so gegeben“, ist das blau „macht mann so, wir haben es regle­men­tiert“. Mögli­cher­weise bietet der Blaue Super­vi­sion für Insti­tu­tionen, auf jeden Fall etwas Stan­dar­di­siertes, das er sehr gut gelernt hat.  Auto­di­dakten belä­chelt er, und einer seiner ersten Fragen lautet immer „was haben Sie denn studiert? Wo haben Sie denn Ihre Coaching-/Super­­vi­­si­ons­aus­­bil­­dung gemacht?“

Sein Team, denn allein arbeiten mag er nicht, hat klare Regeln und ist enga­giert dabei, seinen Kunden auch solche zu verpassen.  Die 10 Team­re­geln zum Abschluss eines Team­trai­nings haben ihren gedank­li­chen Ursprung im blauen Trainer. Verträge spielen eine große Rolle in seinem Leben. Und Ausnahmen von der Regel — keine.  Auf der Website stehen ordent­liche Sach­in­for­ma­tionen und ganz viele Verbands­zu­ge­hö­rig­keiten.

Der blaue Berater kennt offi­zi­elle Wege und Forma­lien. In seinem Welt­bild hat das Anschreiben drei Blöcke zu umfassen und der Lebens­lauf maximal zwei Seiten.  Frauen tragen dunkel­blaue Kostüme und die Haare zurück, Punkt. In Medien werden blaue Berater beson­ders gern zitiert. Ihre Botschaften sind so schön einfach. So geht´s (und nicht anders….) Social Media ist ihm ein Graus.

Der orange Berater, Trainer, Coach

Wieder ein Ego-Typ, einer der Leis­tung und Karrie­re­ori­en­tie­rung schätzt.  Deshalb richtet sich sein Angebot als Berater bevor­zugt an Top-Manager, kommer­zi­elles Inter­esse ist der Motor. Als Karrie­re­be­rater empfiehlt er Schritte, die sinn­voll für den Lebens­lauf sind, weil sie das Geld seines Kunden mehren und damit auch seins.

Da Geld sein Thema ist, könnte er sich auch im Gehalts­coa­ching betä­tigen. Nach einer Zeit als Berater und Trainer entscheidet er sich, aus dem Gedanken der Gewinn­ma­xi­mie­rung heraus, als Speaker tätig werden.  Ah, ja, Frau Clinton.

Hat er es zu Ruhm gebracht, verkauft er auf seiner Website DVDs zu horrenden Preisen. Auf die Spitze treibt er es, wenn er haus­ei­gene Werbe­bro­schüren als Buch heraus­bringt und für viel Geld in seine Commu­nity bringt.

Der grüne Berater, Trainer, Coach

Zehn Wir zu viel…  Der grüne Berater wird nicht allein sein wollen und findet sich deshalb bevor­zugt in Büro­ge­mein­schaften und Co-Working-Spaces. Er hat eine natür­liche Abnei­gung gegen zu viel Selbst­dar­stel­lung und eigent­lich…. Eigent­lich arbeitet er doch viel lieber in einem Unter­nehmen, zusammen, mit anderen. Wenn nicht, agiert er in einem Netz­werk. Wachsen ist nicht sein Inter­esse, er bleibt inter pares und will kein primus sein. Gemein­same Grün­dungen, Koope­ra­tionen und Netz­werke haben hier ihren Ursprung. Oranges Konkur­renz­denken ist verpönt. Er ist sehr aktiv in Social Media und setzt dabei auf Dialog (was dem orangen Berater voll­kommen abgeht).

Der gelbe Berater, Trainer, Coach

Genug der Gleich­heit! Das gelbe Level ist das erste, das eine neue Bewusst­seins­stufe reprä­sen­tiert, der second tier. Alle anderen Berater-Levels agieren in der abso­luten Selbst­über­zeu­gung, mit ihrer jewei­ligen Ausrich­tung richtig zu liegen. Gelb nicht — er weiß, dass in ihm alle vorhe­rigen Level vereint sind. Deshalb kann er sich auch auf alle einstellen und mit allen auf Augen­höhe reden. Der gelbe Berater weiß, dass die Welt die Unter­schiede in Mensch, Gruppe, Orga­ni­sa­tion und Kultur braucht.  Wissen ist sein Ego-Motor, Kompe­tenz geht ihm über alles. Er postu­liert Offen­heit, Krea­ti­vität, lebens­langes Lernen und Auto­nomie.  Und verdammt… nichts.

Ratschläge gibt er ausge­wogen und passt sich dabei perfekt an sein Gegen­über an. Er sucht in ihm die Stufe, auf der er gerade steht, wohl wissend, dass er maximal Impulse für das nächste Level geben kann, aber niemals für das über­nächste. In einem orangen Karrie­risten kann man so die Flamme des grünen Kollek­tivs entzünden. ypisch der orange  Karrie­rist, der nach einem Burnout durch Yoga seine grüne Seite entdeckt und nun … ins Gelbe herauf­steigt.

Die nächste, zweite Stufe im Second Tier ist türkis, Social Busi­nesses wie “Das Geld hängt an den Bäumen” verkör­pern erste Ansätze, worum es hier geht. Der türkise Berater, Trainer, Coach wäre Teil einer selbst­losen Gemein­schaft, deren Streben der Sinn und die bessere Welt ist. Vermut­lich gibt es ihn noch nicht in Rein­kultur, weshalb er in meiner Grafik nicht auftaucht. Er müsste aus der Schwarm­in­tel­li­genz kommen, Status, Geld und Kommerz dürften keine Rolle spielen, eine höhere Spiri­tua­lität und die Achtung vor allen Lebens­wesen steuert ihn. Nach­hal­tig­keit ist sein Thema, aber nicht so wie es abge­bildet ist in Unter­nehmen (hier dient das türkise Nach­hal­tige einer orangen Gewinn­ma­xi­mie­rung).

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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4 Kommen­tare

  1. Natalie Schnack 22. Februar 2013 at 16:09 — Reply

    Hallo Svenja,
    sehr span­nend, Deine Ausfüh­rungen zu Spiral Dyna­mics und zu der Zuord­nung von Berater-Typen zu den verschie­denen Stufen.
    Ich habe erst vor Kurzen im Rahmen meiner NLP Ausbil­dung damit ange­fangen, mich mit diesem Modell ausein­ander zu setzen — sehr span­nend.

    Ich freue mich nun auf die Fort­füh­rung Deiner Serie dazu.

    Herz­liche Grüße
    Natalie

  2. Heiko Stein 23. Februar 2013 at 10:01 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    Ihren Blog lese ich immer mit Inter­esse und Neugier — und bin über einen Ihrer früheren Beiträge auf Spiral Dyna­mics aufmerksam geworden. Ein inter­es­santes Modell, das die mensch­liche Entwick­lung in der Wech­sel­wir­kung mit Lebens­be­din­gungen und Werte­sys­temen beleuchtet und zu erklären versucht. Gerade die Komple­xität des Modells ermög­licht dabei die Anwen­dung sowohl auf einzelne Indi­vi­duen (in ihrer Viel­schich­tig­keit), als auch auf Orga­ni­sa­tionen und Kulturen als Entwick­lungs­mo­dell (und nicht als Typo­logie).

    An dieser Stelle hinter­lässt der heutige Beitrag bei mir Frage­zei­chen. Je eindi­men­sio­naler (und weniger komplex) man das Modell einsetzt, um so größer empfinde ich die Gefahr, dass es (bewusst oder unbe­wusst) zur Typen­lehre wird. Sie weisen zwar ausdrück­lich darauf hin, dass es keine Typo­logie ist, aber es gibt dann eben doch 8 stati­sche Typen Berater, Trainer, Coach … und die gedank­liche Einord­nung erfolgt unwei­ger­lich. Viel­leicht gelingt mir aber auch die klare Filte­rung von Humor und Selbst­ironie nicht oder die komplette Berater-“Typologie” ist eher Satire als sach­liche Darstel­lung. Dann dürfte es aus meiner Sicht jedoch für Laien schwierig werden, denen Sie SD ja nahe­bringen wollten …

    Mir als beken­nendem Kritiker von Typo­lo­gien und Schub­la­den­denken hätte Ihr Beitrag SD nicht näher gebracht, sondern eher in weite Ferne gerückt … 😉

    Beste Grüße

    Heiko Stein

    • Svenja Hofert 23. Februar 2013 at 10:36 — Reply

      Danke­schön für Ihren Kommentar. Sie haben sicher Recht, dass das ein zwei­schnei­diges Schwert ist – einer­seits sehr stark verein­fa­chen, andrer­seits erklären und für Verständnis gewinnen wollen.
      Warum diese Verein­fa­chung als eine Art Satire? Erstens ist ein wenig meine Art, Dingen durch Humor und Ironie Leich­tig­keit zu geben. Das hat mir den Zugang zu mir selbst und den unter­schied­lichsten Menschen immer erleichtet; aber natür­lich: manchmal über­schreitet man Grenzen: Ironie versteht nicht jeder.
      Zwei­tens habe ich fest­ge­stellt, dass Komple­xität nicht ankommt. Machen wir uns nichts vor: Das Buch von Beck/Cowan wird kaum jemand bis ins letzte studiert haben oder gar sich alle Inhalte gemerkt. Für mich war es kurz vor Guenter Duecks “Omniso­phie”, tolle Gedanken, aber insge­samt zu komplex (wobei Duecks frühe Werke weit mehr in Rich­tung unver­ständ­lich gehen als SD…). Und ich habe im Reiss-Profil Neugier an der Schwelle zu grün. Heißt: Ich denke konzep­tio­nell, theo­re­ti­sches Wissen gern, aber nicht bis auf Seit 1002 § 16 b. — da fehlt mir dann der prak­ti­sche Bezug. Nun habe ich viel mit anderen Trai­nern und Bera­tern zu tun, viele haben eher prak­ti­sche Neugier (rot im Reiss-Profil). Die werden so ein Buch erst recht nicht lesen. Statt dessen nutzen sie auf ihren Folien immer noch Maslow, den Mehrabian Myth und all diese Dinge, die man so lernt in Trai­ner­aus­bil­dungen. Ich trage den Funken Hoff­nung in mir, dass ich durch grobe Verein­fa­chung mehr erreiche. An dieser Stelle empfehle ich Lesern mit prak­ti­scher Neugier das Buch von Rainer Krumm: An sich eine unzu­läs­sige Verein­fa­chung mit vielen bunten Bildern und weitest­ge­hend ohne Meme — wiewohl nicht ironisch.
      Noch was, das mir hier einfällt: Wenn ich mir Texte anderer Berater über SD anschauen, finde ich z.B. inter­es­sant zu sehen, dass kaum jemand sich traut, von den Formu­lie­rungen bei Wiki­pedia oder im Buch von Beck abzu­wei­chen. Das ist für mich entweder Denk­faul­heit oder ein Zeichen, dass es nicht verin­ner­licht ist. Denn nur wenn man etwas verein­fa­chen kann, lässt es sich an eine brei­tere Masse tragen. Komple­xität wird aus- und gleich­ge­schaltet.
      also, ein schönes Wochen­ende — ich muss jetzt arbeiten. ohne spiral dyna­mics 😉 Svenja Hofert

  3. […] Copy­right: Svenja Hofert“Schon seit längerem faszi­niert mich als das Entwick­lungs­mo­dell Spiral Dyna­mics. Nun mache ich eine kleine Serie daraus. Leider wird das Spiral­mo­dell oft als zu komplex wahr­ge­nommen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, es verständ­lich auch für Laien zu machen – mit der nötigen Dosis Humor und Selbst­ironie.”  […]

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