Kate­go­rien

Die Arbeits­welt hinter den schönen Zahlen

Published On: 5. Januar 2007Cate­go­ries: Führung

Die Arbeits­lo­sig­keit sinkt, das freut uns alle.

Was mich aller­dings ärgert: Kaum jemand schaut hinter die Kulissen. Und da sind die Zahlen dann immer noch gut, aber doch geschönt. Etwa eine Million Menschen in Quali­fi­zie­rungs­maß­nahmen sind offi­ziell nicht arbeitslos. Diese Menschen sind oft “geparkt” — und meiner Erfah­rung nach nach mehr als zwei Quali­fi­zie­rungs­maß­nahmen auf den ersten Arbeits­markt gar nicht mehr vermit­telbar. Kein Wunder: Neulich hörte ich, dass in solchen Maßnahmen nicht Goethe, sondern das SGB II auswendig gelernt wird. Oder: Dass immer mehr Lang­zeit­ar­beits­lose als Dozenten “gecastet” werden, von Perso­nal­ver­mitt­lern, die von der Arbeits­agentur z.B. 18 EUR pro Stunde kassieren, um 12 Euro an die die Dozenten zu zahlen. Diese Lang­zeit­ar­beits­losen unter­richten dann z.B. Bewer­bungs­trai­ning. Soviel zum Sinn mancher “Maßnahme”.

Auch die 1‑Euro-Jobs tunen die Statistik. 1‑Euro-Jobs sind eben auch nur Jobs, findet nämlich die Agentur für Arbeit. Und so gelten 1‑Euro-Jobber nach § 16 II SGB II nicht als arbeitslos — das sind immerhin über 300.000 Menschen, die die Zahlen schönen. Diese Menschen haben zwar durchaus Jobs, sind aber alles andere als gleich­be­rech­tigte Arbeit­nehmer: Sie sind staat­lich “zwangs­ver­pflichtet” und dürfen z.B. nicht länger als neun Monate in dem glei­chen Job bleiben — auch wenn sie das wollten. Darüber hinaus verdrängen Sie Fest­an­stel­lungen, verhin­dern also auch Stel­len­zu­wächse.

Nicht zu den Arbeits­losen zählen auch all die Menschen, die sich mit unter­be­zahlten Hono­rar­ver­trägen durch das Leben schlagen. Auch nicht dazu zählen Leute, die in “reicher” Part­ner­schaft leben oder Geld aus anderen Quellen aufzehren.

Schön, dass der Markt wieder atmet, schön, dass es wirk­lich spürbar leichter geworden ist, Jobs zu finden. Aber bitte: es ist noch sehr viel zu tun. Viel­mehr driften wir mehr und mehr ab in eine Zwei-Jobklas­­sen­­ge­­sel­l­­schaft.

Wer an Hinter­gründen inter­es­siert ist: Wiki­pedia hat in diesem Bereich wirk­lich gute Artikel, zum Beispiel zum Thema 1‑Euro-Job.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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