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Die Arbeitswelt hinter den schönen Zahlen
Die Arbeitslosigkeit sinkt, das freut uns alle.
Was mich allerdings ärgert: Kaum jemand schaut hinter die Kulissen. Und da sind die Zahlen dann immer noch gut, aber doch geschönt. Etwa eine Million Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen sind offiziell nicht arbeitslos. Diese Menschen sind oft “geparkt” — und meiner Erfahrung nach nach mehr als zwei Qualifizierungsmaßnahmen auf den ersten Arbeitsmarkt gar nicht mehr vermittelbar. Kein Wunder: Neulich hörte ich, dass in solchen Maßnahmen nicht Goethe, sondern das SGB II auswendig gelernt wird. Oder: Dass immer mehr Langzeitarbeitslose als Dozenten “gecastet” werden, von Personalvermittlern, die von der Arbeitsagentur z.B. 18 EUR pro Stunde kassieren, um 12 Euro an die die Dozenten zu zahlen. Diese Langzeitarbeitslosen unterrichten dann z.B. Bewerbungstraining. Soviel zum Sinn mancher “Maßnahme”.
Auch die 1‑Euro-Jobs tunen die Statistik. 1‑Euro-Jobs sind eben auch nur Jobs, findet nämlich die Agentur für Arbeit. Und so gelten 1‑Euro-Jobber nach § 16 II SGB II nicht als arbeitslos — das sind immerhin über 300.000 Menschen, die die Zahlen schönen. Diese Menschen haben zwar durchaus Jobs, sind aber alles andere als gleichberechtigte Arbeitnehmer: Sie sind staatlich “zwangsverpflichtet” und dürfen z.B. nicht länger als neun Monate in dem gleichen Job bleiben — auch wenn sie das wollten. Darüber hinaus verdrängen Sie Festanstellungen, verhindern also auch Stellenzuwächse.
Nicht zu den Arbeitslosen zählen auch all die Menschen, die sich mit unterbezahlten Honorarverträgen durch das Leben schlagen. Auch nicht dazu zählen Leute, die in “reicher” Partnerschaft leben oder Geld aus anderen Quellen aufzehren.
Schön, dass der Markt wieder atmet, schön, dass es wirklich spürbar leichter geworden ist, Jobs zu finden. Aber bitte: es ist noch sehr viel zu tun. Vielmehr driften wir mehr und mehr ab in eine Zwei-Jobklassengesellschaft.
Wer an Hintergründen interessiert ist: Wikipedia hat in diesem Bereich wirklich gute Artikel, zum Beispiel zum Thema 1‑Euro-Job.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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