Kate­go­rien

Der typi­sche Trainer, Berater, Coach — aus der Sicht des Reiss Profils

Published On: 22. November 2012Cate­go­ries: Karriere, Mensch & Orga­ni­sa­tion

Je länger ich im Geschäft bin, desto über­zeugter bin ich, dass die Zufrie­den­heit im Job in erster Linie Moti­va­tionen und Inter­essen bestimmen. Und die können so ganz anders aussehen als die Kompe­tenzen. Vorstel­lungs­ge­spräche können nicht mal eine Ahnung davon vermit­teln, was jemand aufgrund seines Moti­va­ti­ons­pro­fils entwi­ckeln könnte.

Etwa 200 Profile habe ich seit 2008 ausge­wertet sowie ca. 100, die mir ihr Reiss-Profil aus einer vorhe­rigen Bera­tung mitge­bracht haben. Das ist viel zu wenig für irgend­eine statis­ti­sche Aussage, aber genug, um Tendenzen fest­zu­stellen. Welche Moti­va­tionen prägen welche Jobs?

In diesem Artikel möchte ich mich zunächst den Persön­lich­keits­merk­malen von Bera­tern, Trai­nern, Coachs widmen. Wer die Reiss-Profile nicht kennt: 16 Motive liegen in verschie­denen Ausprä­gungen vor. Zum Beispiel ist jemand mit „grüner Macht“ eher geneigt, Führung zu über­nehmen, will Einfluss und leisten. „Rote Macht“ dagegen möchte unter­stützen, helfen und die Dinge und Menschen lassen, wie sie sind.

Berater – die grüne Macht

So gut wie immer hatten die Berater eine „grüne Macht“, das heißt sie waren leis­tungs­ori­en­tiert und wollten Einfluss nehmen. Hinzu gesellt sich im Bereich stra­te­gi­scher Bera­tung oft eine „grüne Neugier“, d.h. ein höheres theo­re­ti­sches Inter­esse. Eine hell­grüne, also noch nicht so stark ausge­prägte Neugier scheint mir mit dem Inter­esse an Modellen und Analysen einher­zu­gehen, während eine dunkel­grüne eher mit inhalt­li­cher Detail­ori­en­tie­rung korre­liert.

Bei Mitar­bei­tern namhafter Unter­nehmen ist „Status grün“ ausge­prägt, was wohl in der Natur der Sache liegt: Die hier­ar­chi­schen und auf nach außen sicht­bare Beloh­nung von Leis­tung ausge­rich­teten Struk­turen fordern das. Jemand mit „Status rot“ hätte nicht den Impuls diesen zu folgen, würde sich fragen „was soll das?“ Das kann auch passieren, wenn die Unab­hän­gig­keit ausge­prägt ist (sie ist bei Steven Reiss der Gegenpol zur Team­ori­en­tie­rung) und zudem die „Aner­ken­nung rot“. Mit „Aner­ken­nung grün“ fügen sich Berater öfter in die Systeme ein, wollen gut sein und besser werden, neigen zur Fehler­ver­mei­dung, was fast auto­ma­tisch zum „Over­per­forming“ führt. Vor einiger Zeit habe ich ein Inter­view mit dem ehema­ligen Chef von McKinsey gelesen, der genau diese Persön­lich­keits­struktur (Over­per­formen aufgrund Angst vor Fehlern)  als Erfolgs­re­zept für Berater beschrieb.

IT-Berater und Berater im Inge­nieur­um­feld haben das Motiv Aner­ken­nung oft weniger ausge­prägt, besitzen zudem häufiger eine prak­ti­sche Neugier, d.h. Theorie inter­es­siert sie nur so lange, wie sie für die Praxis nütz­lich ist.

Coachs – die Gelben

Coachs sind oft „Gelbe“, d.h. sie sind flexibel zu allen Seiten, können sich überall hinein­ver­setzen. Es sind auch, um die Worte von Top-Führungs­­­kräf­­te­­coach Gudrun Happich zu nutzen, die morgen hier im Inter­view zum Thema Reiss-Profile  und Führung spre­chen wird, „Diplo­ma­ten­pro­file“.

Oft treibt Gelbe das Gefühl um, nichts richtig zu können. Haben sie eine eher nied­rige „gelbe“ oder sogar “rote” Macht, können sie sich in der Selbst­stän­dig­keit allein schwerer steuern. Fehlt ihnen der zusätz­liche Auto­­nomie-Impuls durch „grüne Unab­hän­gig­keit“ und haben sie z.B. Bezie­hungen oder Team­ori­en­tie­rung “grün”, mögen nicht so gern alleine für sich arbeiten.

Trainer – die Gesel­ligen

Trainer sind auch häufiger „gelbe“. Oft haben sie aber noch ausge­präg­tere „grüne Bezie­hungen“ als Coachs, d.h. sie mögen das gesel­lige Beisam­men­sein. Entwi­ckeln sie sich zum Speaker, kommt der Impuls daraus recht oft aus „Status“ und/oder „Macht“.

Je gelber die Person, desto besser sind meiner Meinung nach ihre natür­li­chen Mode­ra­­tions-Fähi­g­keiten. Trainer mit „grüner Macht“ haben eine Neigung zu domi­nieren, während solche mit grüner Neugier manchmal mit ihrem Wissen über­for­dern, gerade wenn sie es vorwie­gend mit Prak­ti­kern zu tun haben.

Bei „grüner Ordnung“, d.h. viel Struktur und Genau­ig­keit, sind Trainer top-vorbe­­reitet und super struk­tu­riert, mein Ausbilder ist so, sehr empfeh­lens­wert für jemand mit einer eher flexi­blen, ergo nicht-orden­t­­li­chen Haltung wie ich (denn ich bewun­dere das und schaue mir ab, wie es geht). Bei mir konnte es früher passieren, dass ich irgendwo rein­ging und aus dem Stand impro­vi­sierte. Einmal hatte ich das Thema eines Semi­nars vergessen und musste binnen Sekunden auf acht Stunden Trai­ning umschalten, auf das ich nicht eine Sekunde vorbe­reitet war. Es klappte.

Der Schuss kann aber nach hinten losgehen. Deshalb schaffe ich es, nämlich aus meiner grünen Macht und peu a peu ange­lernter Ordnung, inzwi­schen nach außen weitest­ge­hend und manchmal (wenn es wichtig ist) sogar äußerst struk­tu­riert zu wirken. Ohne es zu sein.

Sie sehen: Mit einem Motiv kann man ein anderes kompen­sieren. Eine bessere Basis zur Persön­lich­keits­ent­wick­lung gibt es kaum.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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