Kate­go­rien

Wie viel Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung haben Sie?

Published On: 23. Januar 2010Cate­go­ries: Führung

Diese Woche wurde das Wort “betriebs­rats­ver­seucht” von der Duden-Redak­­tion als “Unwort des Jahres” ausge­zeichnet. Mir begeg­nete zeit­gleich ein ähnli­ches Unwort wieder. Es ist eines der zentralen Karrie­re­be­griffe über­haupt: Die Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung (SWE) — für die Engländer unter uns “perceived self-effi­­cacy” (englisch klingt es nicht ganz so unwortig). Es ist der wissen­schaft­liche Begriff für einen Teil dessen, was ich in meinem Karrie­re­ma­cher­buch als Karriere-IQ bezeichne. Es besagt, dass Menschen, die sehr von sich und ihren Kompe­tenzen und Möglich­keiten über­zeugt sind, leichter ihre Ziele errei­chen. Sie stecken sich auch höhere Ziele als Menschen mit nied­riger SWE, suchen die Heraus­for­de­rung und sind auch über­zeugt, diese zu bewäl­tigen. Sie zwei­feln nicht und besitzen ein ausge­prägtes Selbst­be­wusst­sein. Im Beruf sind sie auf der Gewin­ner­seite und auch bei Bewer­bung hat natur­gemäß jemand mit hoher Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung die Nase vorn. Er wird zum Beispiel nicht dazu neigen, es dem anderen recht machen zu wollen und Antworten zu liefern, die das Gegen­über erwartet — was eine der größten Fallen im Vorstel­lungs­ge­spräch ist, denn dem anderen-nach-dem-Mund-reden ist ein Authen­ti­zi­täts­killer. Jemand mit hohem SWE wird nicht daran zwei­feln, einen Job zu finden und schon deshalb eher Glück haben. Beruf­liche Um- und Neuori­en­tie­rungen: Kein Problem bei hoher SWE!

“Kann man das lernen?” fragen sich viele. Ich bin über­zeugt, dass das bis zu einem bestimmten Grad durch eine lang­same Umpro­gram­mie­rung des Denkens geht. Ich habe es oft genug bei meinen Kunden gesehen. Verän­de­rungen der eigenen Haltung zu sich selbst und der Erwar­tungen an die eigenen Möglich­keiten sind möglich, nur brau­chen sie manchmal viel Zeit und kleine Schritte. Doch nur wer über Grenzen des gewohnten Denkens und Handelns zu gehen wagt, kann sich verän­dern. Und meine These ist, dass oft das Handeln vor dem Denken kommt. Wer sich einmal anders — z.B. mutiger, mit höherer Erwar­tungen an die eigene Kompe­tenz — präsen­tiert und dafür gutes Feed­back bekommt, verän­dert auch sein Denken.

“Hohe Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung, pah! Solche Leute leiden doch an hoff­nungs­loser Selbst­über­schät­zung”, sagen die anderen. Dass kann man heute abend vermut­lich wieder bei der DSDS-Vorauswahl sehen: Menschen, die ein verzerrtes Selbst­bild haben. Die Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung führt dann nicht zum Erfolg, sondern nur zum pein­li­chen Auftritt. Das hat dann aber psycho­pa­tho­lo­gi­sche Züge. Wohl auch deshalb sind die Grenzen manchmal flie­ßend und wohl aus diesem Grund attes­tieren nicht wenige Psycho­logen manchen Top-Mana­­gern eine “Art” seeli­scher Krank­heit. Die SWE muss also auf einem gesunden Seelen­boden gewachsen sein, damit sie auch “wirkt”.

Einen Test zur Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung gibt es übri­gens in Tom Dies­b­rocks sehr empfeh­lens­werten Buch “Frei­heit — eine Gebrauchs­an­wei­sung”.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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