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Wie viel Selbstwirksamkeitserwartung haben Sie?
Diese Woche wurde das Wort “betriebsratsverseucht” von der Duden-Redaktion als “Unwort des Jahres” ausgezeichnet. Mir begegnete zeitgleich ein ähnliches Unwort wieder. Es ist eines der zentralen Karrierebegriffe überhaupt: Die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) — für die Engländer unter uns “perceived self-efficacy” (englisch klingt es nicht ganz so unwortig). Es ist der wissenschaftliche Begriff für einen Teil dessen, was ich in meinem Karrieremacherbuch als Karriere-IQ bezeichne. Es besagt, dass Menschen, die sehr von sich und ihren Kompetenzen und Möglichkeiten überzeugt sind, leichter ihre Ziele erreichen. Sie stecken sich auch höhere Ziele als Menschen mit niedriger SWE, suchen die Herausforderung und sind auch überzeugt, diese zu bewältigen. Sie zweifeln nicht und besitzen ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Im Beruf sind sie auf der Gewinnerseite und auch bei Bewerbung hat naturgemäß jemand mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung die Nase vorn. Er wird zum Beispiel nicht dazu neigen, es dem anderen recht machen zu wollen und Antworten zu liefern, die das Gegenüber erwartet — was eine der größten Fallen im Vorstellungsgespräch ist, denn dem anderen-nach-dem-Mund-reden ist ein Authentizitätskiller. Jemand mit hohem SWE wird nicht daran zweifeln, einen Job zu finden und schon deshalb eher Glück haben. Berufliche Um- und Neuorientierungen: Kein Problem bei hoher SWE!
“Kann man das lernen?” fragen sich viele. Ich bin überzeugt, dass das bis zu einem bestimmten Grad durch eine langsame Umprogrammierung des Denkens geht. Ich habe es oft genug bei meinen Kunden gesehen. Veränderungen der eigenen Haltung zu sich selbst und der Erwartungen an die eigenen Möglichkeiten sind möglich, nur brauchen sie manchmal viel Zeit und kleine Schritte. Doch nur wer über Grenzen des gewohnten Denkens und Handelns zu gehen wagt, kann sich verändern. Und meine These ist, dass oft das Handeln vor dem Denken kommt. Wer sich einmal anders — z.B. mutiger, mit höherer Erwartungen an die eigene Kompetenz — präsentiert und dafür gutes Feedback bekommt, verändert auch sein Denken.
“Hohe Selbstwirksamkeitserwartung, pah! Solche Leute leiden doch an hoffnungsloser Selbstüberschätzung”, sagen die anderen. Dass kann man heute abend vermutlich wieder bei der DSDS-Vorauswahl sehen: Menschen, die ein verzerrtes Selbstbild haben. Die Selbstwirksamkeitserwartung führt dann nicht zum Erfolg, sondern nur zum peinlichen Auftritt. Das hat dann aber psychopathologische Züge. Wohl auch deshalb sind die Grenzen manchmal fließend und wohl aus diesem Grund attestieren nicht wenige Psychologen manchen Top-Managern eine “Art” seelischer Krankheit. Die SWE muss also auf einem gesunden Seelenboden gewachsen sein, damit sie auch “wirkt”.
Einen Test zur Selbstwirksamkeitserwartung gibt es übrigens in Tom Diesbrocks sehr empfehlenswerten Buch “Freiheit — eine Gebrauchsanweisung”.
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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