Kate­go­rien

Wirbel um den Grün­dungs­zu­schuss, Teil 2

Published On: 22. Juni 2010Cate­go­ries: Führung

Wie gestern berichtet: Bis die neuen Rege­lungen greifen können, gelten die alten. 

Diese besagen:

1.Der Grün­dungs­zu­schuss ist eine Muss-Rege­­lung. Er muss gewährt werden, wenn die Voraus­set­zungen erfüllt sind. Und die heißen: Busi­ness Plan, fach­kun­dige Stel­lung­nahme, „echte“ Selbst­stän­dig­keit (keine Schein­selbst­stän­dig­keit).

2. Der Grün­dungs­zu­schuss wird vorerst für neun Monate gewährt. Er umfasst das Arbeits­lo­sen­geld I und oben­drauf 300 EUR.

3. Für weitere sechs Monate können auf Antrag bei der Agentur für Arbeit 300 Euro pro Monat zur sozialen Absi­che­rung gewährt werden, „wenn eine inten­sive Geschäfts­tä­tig­keit und haupt­be­ruf­liche unter­neh­me­ri­sche Akti­vi­täten darge­legt werden“ (O‑Text SGB III).

4. Der Grün­dungs­zu­schuss muss spätes­tens neun Monate nach Eintreten der Arbeits­lo­sig­keit bean­tragt werden.

5. Sobald der Grün­dungs­zu­schuss bean­tragt ist, wird das eigent­liche Arbeits­lo­sen­geld gestoppt. Es kann also zwischen dem Antrag und der Geneh­mi­gung zu einer Zeit „ohne Geld“ kommen.

Kann der Grün­dungs­zu­schuss trotz derzei­tiger Muss-Rege­­lung abge­lehnt werden? Ja, denn es gibt bereits jetzt Schlupf­lö­cher bei der Inter­pre­ta­tion. „Bei begrün­deten Zwei­feln an Kennt­nissen und Fähig­keiten kann die Agentur für Arbeit die Teil­nahme an Maßnahmen zur Eignungs­fest­stel­lung oder zur Vorbe­rei­tung von Exis­tenz­grün­dungen verlangen“ – so steht es im SGB III.  Das bedeutet, die Gewäh­rung des GZ kann von der Teil­nahme an einem Kurs abhängen – so etwa im Land­kreis Lüne­burg, wo Teil­nehmer eine Grün­der­werk­statt aufsu­chen müssen.

Auch an der Trag­fä­hig­keit können Zweifel ange­meldet werden oder an der Kompe­tenz der fach­kun­digen Stelle, die diese ausstellt. Weiterer Knack­punkt kann die Formu­lie­rung sein, wonach eine haupt­be­ruf­liche Selbst­stän­dig­keit ausgeübt werden muss. Es gab Fälle, in denen die Bundes­agentur für Arbeit, vorbe­rei­tende Tätig­keiten nicht als Selbst­stän­dig­keit aner­kannte. Dies ist vor allem für jene Frei­be­rufler haarig, die lange akqui­rieren müssen, bevor sie einen Auftrag bekommen.  Einer meiner Kunden, IT-Free­lancer im Projekt­ge­schäft, wurde die haupt­be­ruf­liche unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit in Abrede gestellt, weil dieser inner­halb der neun Monaten Grün­dungs­zu­schuss nur ein klei­neres Projekt ange­nommen hatte. Natür­lich ist so etwas grober Unfug. Und selbst­ver­ständ­lich ist Akqui­se­tä­tig­keit eine unter­neh­me­ri­sche Akti­vität. Doch wenn die BA “nein” sagt, droht im Zweifel Papier­krieg — und im Extrem­fall eine gericht­liche Ausein­an­der­set­zung.

Fazit: Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum gibt es bereits jetzt. Auf einer relativ sicheren Seite sind Sie, wenn Sie die Tipps von morgen berück­sich­tigen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Klaus Schaum­berger 10. August 2010 at 21:52 — Reply

    Prak­ti­sche Beispiele finde ich immer am besten. So ist für andere Exis­tenz­gründer nach­voll­ziehbar was außer­halb des Regel­ab­laufs für den Grün­dungs­zu­schuss möglich und realis­tisch ist. Gerne mehr von diesen prak­ti­schen Beispielen, vielen Dank dafür.

    Klaus Schaum­berger

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