Kate­go­rien

Ab wann bin ich erfolg­reich? Und wie fühlt sich das an?

Published On: 21. August 2014Cate­go­ries: Karriere

Fühlen Sie sich erfolg­reich? Wann hat man es aus Ihrer Sicht „geschafft“? Und Sie persön­lich: Haben Sie es geschafft? Erfolg ist relativ. Letzte Woche hat Maren Mart­schenko aufgrund meines Beitrags „Würden Sie 200.000 EUR ins Bloggen inves­tieren“ eine Diskus­sion über Erfolgs­kri­te­rien ange­stoßen. Diesen Beitrag hatte ich lange in Vorbe­rei­tung: Er behan­delt Erfolg aus Sicht der Persön­lich­keits­psy­cho­logie und persön­li­cher Werte­sys­teme. Und passt gut zu Marens Umfrage.

Erfolg­reiche sind weniger ordent­lich und besonnen

glückFür Erfolg gibt es immer eine subjek­tive Sicht und den Versuch der Objek­ti­vität. Die subjek­tive Sicht fragt „wie erfolg­reich fühle ich mich?“, die objek­tive defi­niert Krite­rien. Das haben etwa Frank Spinath und andere in einer Studie zu beruf­li­chem Erfolg anhand einer verglei­chenden Analyse des NEO PI‑R und Bochumer Inven­tars (BIP) gemacht. Sie defi­nierten Erfolg anhand des Berufs­status und des Gehalts. In dieser Defi­ni­tion ist ein Geschäfts­führer und selbst­stän­diger Unter­nehmer erfolg­rei­cher als ein Arbeiter. Dem stellten die Autoren die Selbst­ein­schät­zung als subjek­tives Krite­rium gegen­über.

Es stellte sich heraus, dass Dimen­sionen aus den Big Five Berufs­er­folg vorher­sagten – so die Facette Leis­tungs­ori­en­tie­rung aus der Big-Five- und die BIP-Dimen­­sion „Gewis­sen­haf­tig­keit“. „Ordent­lich­keit“ und „Beson­nen­heit“ (eher lang­sames Entscheiden) dagegen waren kontra-erfolgs­­­ver­­an­t­­wor­t­­lich. Wer zu ordent­lich und besonnen ist, verdient weniger — und ist damit objektiv weniger erfolg­reich. Was dafür spricht, so folgern die Autoren, dass Perfek­tio­nismus den Erfolg behin­dert. Klingt einleuch­tend. Erfolgs­re­le­vant waren weiterhin ein nied­riger Neuro­ti­zismus und, etwas abge­schwächt, auch Extra­ver­sion. Übri­gens gab es kaum Unter­schiede zwischen objek­tiver und subjek­tiver Erfolgs­ein­schät­zung – wer aus Sicht der Autoren erfolg­reich war, schätzte sich auch so ein.

Persön­liche Werte bestimmen Erfolg

Erfolg hat also viel mit der mensch­li­chen Psycho­logie zu tun. Ein anderes Konzept des Erfolgs spie­geln Wert­hal­tungen. Diese lassen sich mit dem Modell der Spiral Dyna­mics oder 9Levels erklären, das eine konti­nu­ier­liche Werte­ent­wick­lung beinhaltet. Bitte lesen Sie folgenden Grund­la­gen­ar­tikel, wenn Sie das System noch nicht kennen. So ist „roter“ Erfolg der Erfolg der Wett­be­werbs­ori­en­tierten, die sich gegen „die böse Welt“ durch­ge­setzt haben und einen Markt erobert haben. Es geschafft zu haben, hat hier viel mit Wider­stand über­winden und sich durch­setzen zu tun. Es gibt Gegner und Rivalen. Schauen Sie sich um in der Spea­k­er­szene; hier finden sich viele „Rote.“ Auch sehr viele Unter­nehmer ticken „rot“, wert­schätzen also “Erobe­rung”.

Wer seinen Erfolg blau defi­niert, hat die Dinge formal richtig gemacht und ist Prozessen gefolgt. Werte sind Korrekt­heit, Struktur und Planung sowie Kompe­tenz, die sich aus belegtem Sach­ver­stand ergibt. Erfolg­reich ist der Korrekte.

Orange Werte zeigen sich in der indi­vi­du­ellen Erfolgs­de­fi­ni­tion durch Zahlen, Rankings und Vergleich. Erfolg heißt bessere Leis­tungs­daten zu haben als andere. Anders als beim roten Erfolg wird „leis­tungs­arme“ Markt­durch­drin­gung jedoch nicht bewun­dert. Status spielt eine Rolle — aber anders als bei den “roten”, für die es nicht wichtig ist, welche Ausbil­dung jemand genossen hat: Man hat z.B. in Stan­ford studiert, was beim orangen Google und gene­rell im Silicon Valley goutiert wird.

Grüne Erfolgs­werte stellen die Koope­ra­tion in den Mittel­punkt. Erfolg­reich ist, wer gut netz­werkt und zwar im Sinne des Give and Take von Adam Grant – nicht im roten Sinne des eigenen Vorteils. Erfolg ist hier auch mehr ein Wir als ein Ich — es geht ums zusammen.

Gelbe Erfolgs­werte schließ­lich defi­nieren sich über Indi­vi­dua­lismus, Auto­nomie und Kompe­tenz. Wobei die Kompe­tenz anders ausge­legt wird als bei Blauen. Erfolg­reich ist vor allem auch, wer einen eigenen Weg geht, mögli­cher­weise gegen übliche Strö­mungen. Gelbe sind Meinungs­bilder und oft zukunfts­ori­en­tiert.

Sich selbst wert-schätzen

Doch Werte hin oder her, nicht jeder kann sich mit indi­vi­du­ellem Erfolgs­stil und Werten als erfolg­reich annehmen.

Selbst viele objektiv erfolg­reiche Menschen sind nicht zufrieden, und manche Schau­spieler bringen sich sogar um, nachdem sie einen Oscar gewonnen haben (und was wäre ein größeres Zeichen des Erfolgs in diesem Gewerbe?). Das Wesen des Erfolgs ist es auch, dass er nicht unbe­dingt mit Zufrie­den­heit und Glück korre­liert. Leis­tungs­ori­en­tierte Menschen, also solche die wahr­schein­li­cher objektiv erfolg­reich sind, haben nie genug, mit dem was sie haben, weshalb sie immer auf der Jagd nach mehr sind.

Nicht-Erfolg ist manchmal schöner

Wenn Sie sich subjektiv nicht erfolg­reich fühlen, fragen Sie sich, ob nicht-erfol­g­­reich sein, am Ende des Tages viel schöner sein kann. Fühlt sich der Biologe, mit dem wir aufs Meer hinaus gefahren sind, erfolg­reich? Nein, das ist für ihn keine Kate­gorie. Es ist ihm egal. Es gibt für viele Menschen Wich­ti­geres als über Erfolg nach­zu­denken oder sich diesen selbst zuzu­schreiben. Schild­kröten retten oder Wale beob­achten zum Beispiel. Inso­fern seien Sie nicht frus­triert oder traurig, weil sie es „nicht geschafft“ haben. Schauen Sie nicht auf andere, die mehr machen als Sie und erfolg­rei­cher scheinen. Tun Sie, was Sie tun möchten und was Ihnen Freude macht. Das bringt Ihnen viel­leicht weder Geld noch hohen Berufs­status. Aber ihr kleines eigenes Glück. Und seien wir mal ehrlich: Die meisten Menschen würden, hätten Sie die Wahl zwischen Erfolg und Glück, immer das Glück wählen.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Dennis 21. August 2014 at 17:12 — Reply

    Aus diesem Beitrag konnte ich gleich mehrere inter­es­sante Eindrücke gewinnen. Erfolg scheint stark nach dem beruf­li­chen bzw. finan­zi­ellen Status eines Menschen defi­niert zu werden. Dennoch denke ich, dass es genau wie beim Glück, ebenso Ansichts­sache ist, ob sich jemand selbst als erfolg­reich bezeichnen würde oder nicht (Bsp. CEOs/Promis). Eine Fest­ein­stel­lung, nach einer jahre­langen Arbeits­lo­sig­keit, kann auch ein “Erfolg” sein. In dieser Situa­tion könnte sich ein Mensch glatt erfolg­rei­cher fühlen als ein gesetzter Manager.

  2. Kai G. Werzner 22. August 2014 at 18:28 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hoffert,
    wieder­einmal ein sehr inter­es­santer Kurz­vor­trag von ihnen. Jedoch ein zwei kleine Kritiken, da ich mich im Augen­blick auch sehr starkt mit den Themen Werte und Tugenden in der Arbeits­welt ausein­ander setze.
    Sollten Sie vorher nicht einmal versu­chen zu defi­nieren, was verstehen Sie bzw. die Wirt­schaft oder auch andere Orga­ni­sa­tionen wie z.B. das Militär oder die Politik oder auch die Geheim­dieste unter dem Begriff Werte. Werte stammt ethy­mo­lo­gisch vom Begriff Wert ab, also ich, ein anderer, eine Insti­tu­tion, Reli­gion oder Gesell­schaft bestimmen einen Wert.
    Verstehen wir hier im deutsch­spra­chigen Raum unter Werte schon allein das gleiche oder haben wir hier schon ost-west oder auch nord-süd Unter­schiede? Werden die Werte diktiert um uns Gefügig zu machen? Hängen wir eigend­lich den rich­tigen Werten an? Vergl. hierzu Big5 (haben doch starke Ähnlich­keiten mit den Kopf­noten aus der Schul­zeit) zu den Wert­vor­stel­lungen die z.B. Gunther Dueck aufzeigt (z.B. Krea­ti­vität, Schön­heit usw.) in seinen Büchern und Vorträgen.
    Viel­leicht wäre auch eine ausge­wo­gene Mischung ange­bracht aus all den soge­nannten ökono­mi­schen (Big5) und den ‑ich möchte sie mal- künt­le­ri­sche Werte nennen.
    Jedoch sehe ich als Geis­tes­wis­sen­schaftler halt auch einen stän­digen zeit­li­chen Wechsel von soge­nannten Werten.
    Ich persön­lich würde mal lieber mit Prof. Peter Nieschmidt spre­chen: wir sollten die altgrie­chi­schen und auch die christ­li­chen Tugenden wieder­ent­de­cken anstatt nur von Werten zu reden.
    Hierzu empfehle ich die Vorträge bei YouTube von:
    Peter Nieschmidt — Rolle und Wert­schät­zung mensch­li­cher Arbeit im gesell­schaft­li­chen Wandel
    Peter Nieschmidt — Mitar­bei­ter­füh­rung auf dem Prüf­stand — Führungs­han­deln statt Führungs­tech­niken 1+2.

    Ich hoffe mit meinen und den Gedanke von Dueck und Nieschmidt einen kleinen Beitrag zu dieser — meines Erach­­tens- wich­tigen Diskus­sion gelie­fert zu haben.
    Mit freund­li­chen Grüßen
    Kai G. Werzner

    • Svenja Hofert 24. August 2014 at 14:11 — Reply

      Hallo Herr Werzner, danke für Ihre guten Gedanken und klugen Ergän­zungen. Nein, der Werte­be­griff ist nicht einheit­lich. Manche stellen ihn in die Nähe der Motive. Und ganz eindeutig werden Werte von der Gesell­schaft geformt. Man lernt, was wert-voll ist und was nicht. Und leider, da gebe ich Ihnen absolut recht, sind wir hier sehr einseitig geworden. Wir be-werten das Kogni­tive viel, viel höher. Das zeigt sich schon in der Gehalts­hier­ar­chie. Oder im Unter­richt: Was darf ausfallen? Kunst, Musik, Sport… Geschichte. Ich habe seit längerem einen Beitrag über die Bedeu­tung von Musik fürs die Persön­lich­keits­ent­wick­lung in der Schub­lade, der passt dazu. Auch den Begriff Tugend finde ich hier span­nend. Eine offene Frage ist nicht zuletzt die, ob eine Gesell­schaft Werte vorgeben darf oder sollte — und wenn ja, wie werden diese bestimmt. Schon sind wir im Bereich Ethik. Ich schaue mir Peter Nieschmidt mal an, bin erst gerade aus dem Urlaub. Und viel­leicht mache ich ein Follow-up. Liebe Grüße an Sie Svenja Hofert

  3. Kai G. Werzner 22. August 2014 at 18:48 — Reply

    Nach­trag:
    Viel­leicht sollte Mann oder Frau auch neben Werte und Tugend auch über den Begriff Sinn­stif­tend sich gedanken machen.
    Zu welcher Kate­gorie gehört denn eigent­lich der Begriff Erfolg?
    Meines Erach­tens gehört dieser selbst zu den Wert­be­griffen.
    Mit freund­li­chen Grüßen
    Kai G. Werzner

    • Svenja Hofert 24. August 2014 at 14:13 — Reply

      Ja, sehe ich auch so, Erfolg ist ein Wert — jeden­falls wenn man Erfolg in eine Rich­tung defi­niert wie es besagte Studie tut. LG SH

  4. Kai G. Werzner 22. August 2014 at 18:52 — Reply

    Nach­trag 2
    In wieweit ist Mann oder Frau in dieser Gesell­schaft durch die soge­nannten Wert­be­griffe denn eigend­lich Fremd­be­stimmt?

    Mit freund­li­chen Grüßen
    Kai G. Werzner

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