Kate­go­rien

Akade­miker, die eigent­lich keine sind und Bache­lors, die nichts taugen

Published On: 28. April 2015Cate­go­ries: Karriere, Klas­siker
Nicht jeder muss studieren

(aktua­li­siert 2.8.2024)

Jeder soll studieren. Das zumin­dest war lange die Forde­rung von Experten, die ein Studium vor dem Hinter­grund der Zukunft der Arbeit als Lösung für alle betrachten. Doch je mehr Bachelor- und auch Master­ab­sol­venten ich sehe und höre, desto mehr zweifle ich, dass ein Studium die beste Lösung für sie war. Die Akade­mi­sie­rung führt dazu, dass für Jobs für die früher nur eine Ausbil­dung nötig war, jetzt ein Master notwendig ist. Das senkt die Qualität. Und entspricht oft nicht den Stärken der Menschen. Dabei würden wir so drin­gend gute Hand­werker brau­chen.

Akade­miker auf dem Papier, aber nicht im Kopf

Viele führt das Studium in eine falsche Erwar­tungs­hal­tung. Sie sind keine Akade­miker im Kopf, sondern nur einem Ruf gefolgt. Sie wollen im Grunde ihres Herzens prak­tisch arbeiten, nicht am Computer. Sie haben kein Inter­esse am abstrakten Denken. Sie haben auch nicht den Drang, ihren Kopf immer und immer wieder neue Anre­gung zu bieten. Sie denken nicht analy­tisch, nicht konzep­tio­nell, nicht stra­te­gisch, weil sie das alles auch nicht inter­es­siert. Sie denken wie “Malen nach Zahlen”. Deshalb suchen Sie nach Tools und Methoden, Dosen­futter. Dann gibt es noch die prak­tisch Veran­lagten, die mangels Werk­un­ter­richt inzwi­schen nicht mehr wissen, dass sie das sind. Und von Eltern und Umfeld in ein Studium gedrängt werden, weil mit den Zahlen von gestern argu­men­tiert wird.

Schon gar nicht steuert sie intrin­si­sche Moti­va­tion an irgend­etwas, das wirt­schaft­lich rele­vant wäre. Ihnen gegen­über sitzen andere, viele, viele, die all das könnten, im strom­li­ni­en­för­migen Bewer­ber­aus­wahl­pro­zess aufgrund ihres Alters und der bishe­rigen, nicht ganz pass­ge­nauen Erfah­rungen an “fehlender Praxis” schei­tern. Das sind einige Selbst­denker darunter, aber wer will die schon? So ein Bachelor mit Tools im Gepäck ist einfa­cher zu führen.

Ideale Assis­tenten, die keine sein wollen

Die gab es schon immer: Menschen, deren Lernam­bi­tionen sich mit dem Erwerb des Scheines erschöpfen, weil sie Wissen nicht aus Inter­esse erwerben, sondern weil es vorge­geben ist und sie im Studium im Grunde nichts anderes machen, als die Schule weiter­zu­führen. Eigent­lich sind es ideale Assis­tenten, Zuar­beiter, Dienst­leister. Die jetzt nur die ersten „Akade­miker“ in der Familie sind und glauben, sie müssten „Entspre­chendes“ aus sich machen. Die gleich­zeitig aber nicht damit zurecht­kommen, dass es keine rich­tigen Berufe mehr gibt und damit kaum Halt in der Karrie­re­welt finden… Im Studium haben sie zudem ihre Persön­lich­keit nicht entwi­ckelt, so dass sie auch Schwie­rig­keiten haben mit Konflikten, Doppel­deu­tig­keit, unklaren Zielen und mangelnden Vorgaben zurecht zu kommen. Das ist genau das, was man in einem nicht voror­ga­ni­sierten Uni-Studium früher lernte als die Akade­mi­ker­quote unter 10% lag.

Welche Funk­tion hat über­haupt ein Studium?

Ich suche nach einer Begrün­dung. Eine ist viel­leicht: Mit Bologna hat das Studium seine Funk­tion als Persön­lich­keits­ent­wick­lungs­sta­tion verloren. Früher studierte man lang und breit, weil es einen inter­es­sierte. So kam ich mit einer Pause für eine dazwi­schen gescho­bene Ausbil­dung auf 13 Semester. Damit gehörte ich damals sogar noch zur schnel­leren Frak­tion.

Warum? Es ging uns nicht um einen Abschluss, es ging uns um einen Lebens­ab­schnitt.  Ich habe alles selbst heraus­ge­funden, das Lernen 100% selbst gestaltet… es gab über­haupt gar keine Anlei­tung. Einen Groß­teil meiner Kompe­tenzen habe ich außerdem vermut­lich auf Parties erworben. Insge­samt habe ich viele Gegen­sätze gesehen, vor allem aber gelernt, zu verstehen, welche unter­schied­li­chen Moti­va­tionen und Werte Menschen antreibt, denn genau das hat mich immer schon am meisten inter­es­siert. Dazu hätte ich bei einem Studium heute keine Zeit. Ohne dass hätte sich aber mein heutiger Job viel­leicht nie ergeben…

BWLer sind die neuen Büro­kauf­leute

Was das lange Studium am Ende gebracht hat, werde ich nie genau wissen. Zwar sind kaum Inhalte hängen­ge­blieben, aber jede Menge prägende Erfah­rungen. Dass ich niemanden brauche, der mir Ziele setzt, mich auch ohne Rahmen von außen selbst orga­ni­siere, mit ange­mes­sener Gründ­lich­keit analy­siere, mir einfach eine Meinung auch gegen den Strom bilde und keine Entschei­dungs­pro­bleme kenne – manche mögen es den Genen zuschreiben, ich bin da eher Situa­tio­na­listin. Ich bin über­zeugt, dass das Umfeld noch mehr prägt. Die gemachten und die nicht gemachten Erfah­rungen.

Glaubt man das, wird die Studierei für jeden mehr Probleme als Lösungen bringen. Die Vorhut sehen wir oft in Form von Absol­venten, die mit ihren Jobs und dem, was sie mit ihrem Studium anfangen können, unzu­frieden sind. Die sich weder selbst orga­ni­sieren noch Entschei­dungen treffen könnne. Übri­gens sehe ich das vor allem im wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Bereich, wo Bache­lors die neuen Büro­kauf­leute sind. Oder gezielt Teil­be­reiche wie Marke­ting studieren und dann schreck­lich über­flüs­sige Jobs machen müssen, etwa SEA-Anzeigen zusam­men­schus­tern. Inzwi­schen mit genAI.

Digi­ta­li­sie­rung frisst gerade die Jobs der BWLer

Und schauen Sie mal in das Berufs­be­rech­nungs­pro­gramm der Süddeut­schen Zeitung „wie wahr­schein­lich ist es, dass mein Job durch einen Computer ersetzt wird“: Für den Reise­ver­kehrs­kauf­mann berechnet es, mit einer Wahr­schein­lich­keit von 61%, dass der Job ersetzt werden wird. Bei Buch­hal­tern und Wirt­schafts­prü­fern sind es  91% (!), beim Steu­er­be­rater 99%. Alles BWL-Heima­t­­felder. Wo ich dies aktua­li­siere (der ursprüng­liche Beitrag war von 2015)  bringt es jetzt auch der Program­mierer auf 48%. Steu­er­be­rater haben sich inzwi­schen als sehr resis­tent erwiesen. Das liegt daran, dass sie Tech­no­logie extrem zeit­ver­zö­gert anwenden. Können sie sich (noch) leisten. Aber wie lang noch? Die Süddeut­sche ist kein Orakel.

Und genau das ist das zweite Problem bei einem verschulten Bachelor, der zudem nicht aus intrin­si­scher Moti­va­tion („egal, was es mir bringt, ich mache es für mich!“), sondern aus Berech­nung erworben wird („das ist meine Zukunfts­si­che­rung“). Karriere und wirt­schaft­li­chen Erfolg berech­nende Persön­lich­keiten neigten früher zu Jura und BWL, und tun es heut auch. Jura ist aufgrund der Dauer und des Durch­hal­te­ver­mö­gens, dass dieses Fach erfor­dert, immer noch besser geeignet als andere Fächer, diese Berech­nung auch zu belohnen, sofern man eine gute Note schafft. BWL ist es nicht mehr, auch der Schwer­punkt Finanzen rettet kaum, siehe oben. So flüchten immer mehr in Inge­nieur­wis­sen­schaften, denen das eigent­lich gar nicht liegt. Und die auch in den Strudel der Digi­ta­li­sie­rung gekommen sind.

Am Tropf der Indus­trie

Immer mehr Inge­nieure landen anschlie­ßend in Berei­chen wie CAD-Konstruk­­tion, die von Ausla­ge­rung bedroht sind, in Jobs, die nicht mehr bei Produ­zenten direkt, sondern Perso­nal­dienst­leis­tern sind, die am Tropf der Indus­trie hängen (was Jobsi­cher­heit höchst volatil macht, auch wenn hier das Süddeu­t­­sche-Programm “grünes Licht” gibt; es bezieht sich indes allge­mein auf Inge­nieur und betrachtet nicht einzelne Felder). Was vielen anfangs nicht bewusst ist, dass sie mit einem Studium oft auch gleich eine Branche und deren Werte und Globa­­li­­sie­rungs- oder inzwi­schen (2024) auch Deglo­ba­li­sie­rungs­status mitstu­dieren. So landet zum Beispiel der Elek­tro­in­ge­nieur, ohne es vorher zu wissen, in einer arbeits­tei­ligen, eher konser­­vativ-hier­ar­chisch geprägtem Umfeld. Durch die KI-Revo­lu­­tion nimmt das alles noch weiter Fahrt auf.

Der deut­sche Experte hat ausge­dient

Die Lösung? Wir müssen unbe­dingt weg vom Gedanken einer sich stetig aufbau­enden Karriere hin zum Mosa­ik­ge­dan­ken­kar­riere der Lynda Gratton (“The Shift”). Bewerber müssen endlich verstehen, dass es sein kann, dass sie gestern 100.000 im Jahr, heute gar nichts und morgen 50.0000 EUR verdienen können und sich vom Gedanken des stetigen Zuwachses verab­schieden und an eine Kurve gewöhnen. Wir müssen die Karrie­re­pla­nung auch ändern. Es geht mehr und mehr um Metho­den­kennt­nisse und mensch­liche Fähig­keiten. Ethik wird wich­tiger, das kann ich mit der Perspek­tive aus 2024 meinen zehn Jahre alten Gedanken hinzu­fügen.

Deut­sche Firmen müssen ihre begrenzte Sicht auf Fach­lich­keit aufgeben, also auch jenen eine Chance geben, die etwas Neues suchen und nicht immer mehr vom Glei­chen. Der Staat sollte erkennen, dass Weiter­bil­dung lebens­langes Gut ist und endlich nicht mehr Arbeits­lo­sig­keit versi­chern, sondern Bildung. Und zuletzt: Aus Berufs­be­ra­tern sollten Bildungs­be­rater werden, denn die Suche nach einem Beruf ist auch Kopf­sache. Wer anfängt nach Bildung zu suchen, trifft andere Entschei­dungen.

Womit wir dann auch beim Anfang meiner Kolumne wären und damit bei denje­nigen, die ein Studium für alle fordern. Wie wär´s ersatz­weise mit einer Bildungs­ver­si­che­rung? Bildung sollte nicht einge­impft werden in zweit-und dritt­klas­sigen Turbo-Studi­en­­gängen am Lebens­an­fang, sondern immer wieder aufge­frischt werden. In einem Arbeits­leben, das 40, 50 Jahre dauert, ist dazu Zeit genug.

Und kommen Sie mir bitte nicht mit Arbeit­ge­bern, die “Akade­miker” suchen. Sie suchen nicht wirk­lich Akade­miker, sie suchen Lösungen für ihre Probleme. Und Bache­lor­ab­sol­venten, die weder gute Arbeit machen noch mit dem Inhalt ihrer Arbeit zufrieden sind, lösen diese Probleme, wie man an der zitierten Studie sieht, ja auch nicht.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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62 Kommen­tare

  1. Kai G. Werzner 29. April 2015 at 9:33 — Reply

    Wau .… werte Frau Hoffert,
    ich bin geplättet sehr gute Analyse. Viele einfache Schritte könnten viele Situa­tionen entg­rampfen aber der Staat wünscht dies nicht! Ich möchte hier nicht einmal auf das Aus-Bildungs­­­system eingehen sonder eher den Fokus auf Arbeits­lo­sig­keit und die möglich­keit der eigen­stän­digen Weiter­bil­dung. Dies wird konse­quent ausge­schlossen. Z.B. darf nicht studieren wer Hartz IV bekommt. Wäre es denn nicht Sinn­voll diese erzwun­gene Frei­zeit effektiv nutzen zu dürfen, um seinen Wissens­stand aufzu­pol­lieren oder um inter­es­san­te­The­men­felder sich zu berei­chern. Nein dies ist nicht möglich! Die Arbeits­losen müssen unter Kontrolle gehalten werden und dürfen nur das lernen was wir Ihnen geneh­migen, da wir Ihnen ja die eigen­stän­digen Finan­zie­rungs­mög­lich­keiten von Weiter­bil­dung nahmen. Wie die staat­liche Weiter­qua­li­fi­ka­tion bei Hartz IV aussiehtund auf welchem Niveau ist hinrei­chend bekannt. Ich möchte hier mal keine Extreme aufzeigen welche ich auch kenne, wie wandern an der Alster oder spazieren gehen mit Lamas nicht zu vergessen die unsäg­li­chen Bewer­bungs­trai­nings oder Berufs­trai­nings, die eine Abwärts­spi­rale in die Depres­sion erst fördern. Ich möchte mal aus einer aktu­ellen Situa­tion berichten. Lusti­ger­weise ein Lehr­gang zum Perso­nal­ent­wickler. Die Kurs­in­halte waren nicht schlecht gewählt. Die Dozenten hingegen waren von “aller­erster Güte”. Ich möchte keine Dozen­ten­schelte betreiben alles ehrbare Berufe. Aber für das unter­richten großer Themen­be­reiche braucht es etwas mehr als nur das Fach­wissen sondern auch pädago­gi­sches und didak­ti­sches Geschick. Da unterichten IHK-Kauf­­leute mit AEVO mal Lustig und Flockig einen Kurs von 20 Akade­mi­kern was Betriebs­wirt­schaft­lehre den nun sei. Ganz ehrlich die AEVO ist nicht unbe­dingt die Lehr­be­fä­hi­gung sondern nur eine Ausbil­der­eig­nung. Dieser ganze Lehr­gang bei einem nicht so bekannten Bildungs­träger und ohnen IHK-Abschluß kostete 10.000,- Euro. Gut inves­tiertes Geld, da man ja für einige Monate mich aus der Statistik hatte. Für das gleiche Geld hätte ich einen berufs­be­glei­tenden MBA-Abschluß haben können. Wert­zu­schrei­bungen sind in Deutsch­land ja gar so wichtig und eigen­stän­diges Einar­beiten in ein Thema ohne einen aner­kannten Quali­fi­ka­ti­ons­nach­weis geht nicht erst recht nicht bei Hartz IVern.
    Und ja deut­sche Firmen lieben gerad­li­nige Lebens­läufe — ja keine Brüche, der rote Faden muß sichtbar sein natür­lich mit der richten Bran­chen­er­fah­rung, und um Gottes Willen keine Hand­werker die Geis­tes­wis­sen­schaften studieren, oder IHK-Kauf­­leute die Sozi­al­wis­sen­schaften studieren.
    Lebens­langes lernen Ja das ist schon Sinn­voll!
    Aber wir wissen doch ganz genau das wir die Arbeits­losen und Hartzer ganz drin­gend brau­chen vor allem auch die Hoch­qua­li­fi­zierten. Zum einen um die Löhne unten halten zu können und um anderer Seits viele Stellen über die Sozi­al­system finan­zieren zu können. Man kann davon ausgehen das jeder Arbeits­lose für die Jobsi­cher­heit einer anderen Person sorgt. Es gibt ca 4 Millionen Arbeits­lose die für Jobsi­cher­heit der Mitar­beiter bei den Agen­turen und Jobcen­tern, sowie bei den Bildungs­trä­gern und in den juris­ti­schen Berufen sorgen. Nein wir müssen einsehen Arbeits­lose sind für unsere Indus­trie und unseren Staat über­le­bens­not­wendig, die dürfen wir nur so bilden, daß Sie unter hoheit­li­cher kontrolle auch bleiben. Das ist ganz wichtig!
    Für mich stellt sich manchmal schon die Fragen oder wird immer häufiger auch an mich heran­ge­tragen: warum lernst du immer noch dazu — wo willst du das denn über­haupt anwenden — je mehr du dich fort und weiter­bil­dest des so geringer sind deine Jobchancen. Dies bestä­tigt auch meine Erfah­rung bei der IHK Bera­tungs­stellen für Weiter­qua­li­fi­ka­tionen. Hier sagte mir doch der Berater klar ins Gesicht: auch wenn Sie diese Quali­fi­ka­tionen erfolg­reich abschließen werden sie in dieser Region keinen Job bekommen. Mit diesem Lebens­lauf nein Sie sind Über­qua­li­fi­ziert! Intrin­si­sches Lernen wird nicht aner­kannt — stra­te­gi­sches Lernen lohnt sich nicht ohne das entspre­chende Vitamin B, da sowieso keine Jobs vorhanden sind und der Fach­kräf­te­mangel ja auf unbe­stimmte Zeit grad mal wieder verschoben wurde. Ebenso ist der bunte Blumen­straus an Quali­fi­ka­tion und Erfah­rung der Todes­stoß für den Lebens­lauf, welchen schon der Prak­ti­kant, wenn nicht gar schon das SAP-Bewer­­ber­­system, hat gründ­lich solche Lebens­läufe vor- und erfolg­reich aussor­tiert.
    Bildung und Ausbil­dung im (deut­schen) Kapi­ta­lismus ist sehr Ziel­ori­en­tiert wir Prof Huisken hier aufzeigt: http://bit.ly/1pWK9Ch
    .
    Mit freund­li­chen Grüße
    K.G.Werzner

    • Svenja Hofert 29. April 2015 at 10:30 — Reply

      Hallo Herr Werzner, danke für den Beitrag. Was die Dozenten betrifft, ist das Problem, dass diesen Job vorwie­gend Leute machen, die in ihrer Selbst­stän­dig­keit keine Alter­na­tive im besser bezahlten Bereich haben oder sehen. Dass diesen Dozenten so wenig bezahlt wird, zeigt den Wert, den man dieser Tätig­keit zuschreibt. Die Bildungs­träger haben oft gar nicht groß­artig die Wahl. Dass auf nicht-akade­­mi­­sches Personal gesetzt wird, hängt damit indi­rekt zusammen. Wobei ein Schein, siehe mein Text, auch keine Versi­che­rung ist, dass jemand sich auskennt UND schon gar nicht didak­tisch fähig ist. LG Svenja Hofert

      • Susanne Hoppe 12. Dezember 2019 at 22:11 — Reply

        Guten Abend zusammen
        ich melde mich aus dem Team Y heraus.
        Bei mir stimmen viele Klischees die dem y zuge­schrieben werden aller­dings passen auch Klishees die man Rithaa­rigen, Widdern, Mittel­ge­bo­renen, Sommer­sprossen Träge­rinnen, Frauen ab 30 und Menschen im alge­meinem zuschreibt.
        Aber nun gut, ich bin eine Schein­samm­lerin, da der Schein die Eintritts­karte in die Kino­vor­stel­lung ist.
        Ohne diesen wirst du den Film nicht sehen, viel­leicht etwas verpassen, viel­leicht auch nicht.
        Die Rege­lung dass man erst mit diesem Schein etwas aus probieren darf und sich nicht aus eigener Leis­tung beweisen kann, daran sind wir nicht schuld, finden bestimmt die Mehr­heit blöde aber fügen sich.

        Es ist wenig Zeit seinen Inter­essen nach­zu­gehen oder sie mehr zu erfor­schen.
        So hüpfe ich aus dem Master heraus ins kalte Wasser und Frage mich gefühlt an Tag 3, wie das wohl 40Jahre so weiter gehen soll.
        5x13h für die Arbeit, 2x ausschlafen. 7ch blicke düster in die Zukunft, ich habe kein Durch­hal­te­ver­mögen, keinen Biss, weil mein Enga­ge­ment nicht für den Job entflammt, der mich doch eigent­lich ernährt.
        Man soll sich nie von einer anderen Person abhängig machen, aber wie sehr sollte man sich von einem Job abhängig machen? hier sehe ich die ähnlich grosse Gefahr.

        Jetzt sind meine gedanken abge­rutscht.
        zurück zum Thema.
        Das System ist halt nicht moti­vie­rend gestaltet sondern balan­ciert eine Depres­sion.
        Wie schon das Beispiel, wenn man mal in die Arbeits­losen Phase kommt und auch in der Unter­stüt­zung viele Einbahn­strassen entstehen.
        Die Moti­va­tion sollte insge­samt im Vorder­grund stehen, denn wenn sie erstmal geweckt wird mobi­li­sieren sich enorme Ener­gien die das ganze Umfelt in Schwung bringen und die Gemein­schaft stärkt

    • Scri­bonia Livia 6. Mai 2015 at 13:06 — Reply

      Hallo Herr Werzner,

      ich bin auch Jemand, die sich wie Seneca so schön formu­lierte, sich um lebens­langes Lernen bemüht. So habe ich mit 50 Jahren noch­mals ein BA Studium begonnen und absol­viert.
      Man kann mit Hartz IV sehr wohl studieren, aber in Teil­zeit und ein Fern­stu­dium, dann steht man dem Arbeits­markt weiter zur Verfü­gung. Hat man Glück, bezahlt es die Arbeits­agentur. Zur Zeit nehme ich an Kursen Teil, die sehr zahl­reich von MOOC ange­boten werden, alle auf Univer­si­täts­ni­veau, kostenlos und selbst­be­stimmt. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg.

      Herz­lichst S.L.

  2. Eva Reich­mann 29. April 2015 at 16:08 — Reply

    Das ist grund­le­gend mehr falsch. Das Ganze hat noch weitere Auswir­kungen, die man mit Blick nur auf den Arbeits­markt nicht sieht: eine stei­gende Anzahl von Studie­renden ist wegen des Akade­­miker-Hypes heute nur noch extrin­sisch moti­viert (“ich krieg ein Papier mit einem akade­mi­schen Titel/Abschluss — und damit hoffent­lich auch irgend­einen Job”) und betrachtet Studium nur noch als eine Abfolge von zu bestehenden Klau­suren. Das wiederum wirkt sich auf die Lehre aus — wir beraten und trai­nieren zahl­reiche hoch­mo­ti­vierte Univer­si­täts­leh­rende, die sich lerner- und kompe­tenz­ori­en­tierte didak­ti­sche Vorge­hens­weisen aneignen und dann damit konfron­tiert werden, dass die einzige Frage der Studie­renden lautet “Ist das klau­sur­re­le­vant?” — Während das System Hoch­schule gerade versucht, durch den Quali­täts­pakt Lehre die Hoch­schul­aus­bil­dung metho­disch zu verbes­sern steht auf der anderen Seite eine immer größere Zahl von Studie­renden, die ein Studium nur als Mittel zum Zweck sehen. — Das Gefühl, ohne Studium keine Karriere machen zu können oder nur ein halber Mensch zu sein, wird jedoch von den Eltern geschürt, die schon in der Grund­schule in Panik verfallen, dass das Kind später “keine Chancen” hat.
    Also: nicht nur Bologna-oder Hoch­­­schul-Bashing betreiben — sondern das Grund­pro­blem an der Wurzel packen, in dem Berufs­felder für die man keinen akade­mi­schen Abschluss braucht wieder inhalt­lich und gesell­schaft­lich aufge­wertet werden. (Was zugleich bedeutet, dass man nicht an deren Abschaf­fung durch “Indus­trie 0.4” arbeiten sollte … solange kein Konzept für das Leben einer Gesell­schaft mit zuviel Menschen und zu wenig attrak­tiver Arbeit besteht, denn darauf steuern wir hin, wenn alles tech­ni­siert und mecha­ni­siert wird.)

    • Svenja Hofert 29. April 2015 at 16:29 — Reply

      danke, Frau Reich­mann, absolut richtig. Ich frage mich auch, wo in der Indus­trie 4.0 die Arbeits­felder für Leute bleiben, die keine Roboter bedienen wollen… und Ihr Studium in bare Münze zu verwan­deln streben. Ist nicht nur der Bachelor, stimmt, aber die damit verbun­dene Verschu­lung ist schon ein wich­tiger Aspekt.LG SH

  3. Burk­hard May 29. April 2015 at 18:54 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    danke, schöner Artikel. Erfri­schend unge­schminkt und 100% kompa­tibel mit meiner HR-Erfah­rung.

    Was mir schon seit Jahren sauer aufstößt ist der Eindruck, dass wir nicht nur zuneh­mende Zahlen an akade­mi­sierten Nicht-Akade­­mi­kern haben, sondern zuneh­mend auch der quali­fi­zierte und vor allem kompe­tente Sach­be­ar­bei­tungs­be­reich den Bach runter geht.

    In den letzten Jahren war es oft schwerer eine anspruchs­volle Assis­tenz­stelle zu besetzten als so manche Inge­nieurs­po­si­tion. Eben weil kaum noch junge Menschen eine Ausbil­dung zum Büro- oder Indus­trie­kauf­mann aus Begeis­te­rung machen. Viel häufiger ist sowas die B‑Lösung statt Studium, oder eine Über­brü­ckung. Mehr nicht. Leis­tungs­träger in der Sach­be­ar­bei­tung entstehen anders. Und ja, die gibt es.

    Ich kenne kaum ein Unter­nehmen das in seinem Kern nicht von quir­ligen, prak­tisch denkenden, nicht-akade­­mi­­schen Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lenten zusam­men­ge­halten würde. Die Lücke werden gefrus­tete BWLer — die sich um ihre Karriere betrogen fühlen — ebenso wenig füllen, wie Computer.

    Schade eigent­lich.…

    Beste Grüße!

    • Svenja Hofert 29. April 2015 at 21:53 — Reply

      Hallo Herr May, oh ja, das Sach­be­ar­bei­ter­pro­blem. Höre (lese) ich diese Woche schon das 3. Mal. Das ist offen­sicht­lich ein ganz großes Thema. Aus meiner Warte: Will keiner sein, Assis­tenz ist “bäh”, aber Sach­be­ar­beiter noch mehr. Ich denke auch manch einer der neuen Akade­miker wäre hier gut aufge­hoben, müsste aber ordent­lich geschult werden… LG Svenja Hofert

  4. der große Zampano 29. April 2015 at 22:28 — Reply

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    leider ist es so, dass ein Studium eine der wenigen Letzten Chancen auf eine (wenn auch viel­leicht kleine) Karriere und somit adäquate Bezah­lung ist. Es ist nicht nur ein Gefühl, sonder trifft meiner Meinung nach den Kern wenn ich sage… Hand­werk hat einfach keinen goldenen Boden mehr. Syste­ma­ti­sches Lohn­dum­ping, Leih­ar­beit, Mehr­ar­beit ohne Bezah­lung, schlechte Behand­lung der Arbeiter etc. haben dazu geführt. Was hat ein Fach­ar­beiter denn von seiner Ausbil­dung? Das kann ich gern verdeut­li­chen. Anstatt Mindest­lohn gibt es nach 3 ½ Jahren Ausbil­dung dann z.B. 9,20eu/brutto (Tatsa­chen laut mehrerer Stel­len­aus­schrei­bungen und eigener Erfah­rung). Das sind bei 160 Stunden 1470eu/brutto. Natür­lich ist die Arbeits­stätte nur mit dem KFZ erreichbar. Wer soll mit Lohn­steu­er­klasse 1 davon leben können? Nein danke. Da ist es nur logisch und zwangs­läufig, dass die jungen Menschen vor diesem Schicksal an die Unis und Fh´s fliehen. Oder…. Warum sollte ein Jugend­li­cher über­haupt noch eine Ausbil­dung machen? Leis­tung und Bildung wird auch aus eigener Erfah­rung heraus syste­ma­tisch im hiesigen Arbeits­leben bestraft. Es geht nur um das abar­beiten gestellter Aufgaben. Jegli­cher Blick über den Teller­rand hinaus, wird hart bestraft. Damit es nicht dazu kommt wurden, z.B. in meiner ehema­ligen Berufs­schul­klasse die Besten syste­ma­tisch von ihren Ausbil­dungs­be­trieben in die Arbeits­lo­sig­keit “gedrückt”, denn ihre Leis­tungen und deren Bildung stellten eine syste­ma­ti­sche Bedro­hung für die Hier­ar­chien der zukünf­tigen Arbeit­geber dar. Ich kann es auch verstehen, dass ein Groß­teil der Jugend­li­chen gar keinen Bock mehr hat sich über­haupt syste­ma­tisch von den Unter­neh­mern vera**chen zu lassen. Ich vertei­dige nicht unbe­dingt die Art (teil­weise Lern­ver­wei­ge­rung, Drogen- und Alko­hol­konsum etc.) der Arbeits­ver­wei­ge­rung, aber meiner Meinung nach ist der jetzige Zustand ein kausales Ergebnis von dem, was die Unter­nehmer, ihre Verbände und deren Lobby­po­litik bzw. die Politik an sich seit Jahren säen. “If you pay peanuts, you get monkeys”.

    Bezüg­lich der aktu­ellen Kritik am Bachelor wundert mich etwas. Genau das System, welches nun einge­for­dert wird (Berufs­praxis etc.) hatten wir doch. Das waren die Berufs­aka­de­mien und Fach­hoch­schulen. Wer dagegen von Univer­si­täts­ab­sol­venten eine „Berufs­aus­bil­dung“ erwartet (wie scheinbar viele Unter­nehmer) hat einfach nicht verstanden wozu Univer­si­täten da sind. Sie sind Horte der Bildung, der Wissen­schaft, des humboldt­schen Bildungs­ver­ständ­nisses etc. und nicht des Fach­idio­ten­tums wie ständig aktuell gefor­dert. Wie Frau Hofert auch fest­stellt, ist ein Studium neben allen fach­li­chen Dingen ein Ort der indi­vi­du­ellen Persön­lich­keits­bil­dung. Wenn ich aber sehe, was z.B. aus den „alten“ Studi­en­gängen (ich bin stolzer Magister) durch Bologna geworden ist, so über­kommt mich das blanke Grauen. Kaum indi­vi­du­ellen Entwick­lungen und Spezia­li­sie­rungen mehr, sondern nur ein durch­schleifen nach „Norm“ und Schema F. Kein Wunder, dass der Bachelor kein posi­tives Echo findet. Meiner Meinung nach reicht der Umfang auch nicht aus, um über­haupt belast­bare und rele­vante Fähig­keiten und Kennt­nisse zu vermit­teln.

    Die Erfah­rungen von Herrn Werzner kann ich darüber hinaus nach­voll­ziehen. Da kann es schon sein, dass ein „Ausbil­der­schein“ ganz schnell mehr wert und viel besser ist als ein Univer­si­täts­stu­dium, Weiter­bil­dungen, Zerti­fi­kate, Arbeits­er­fah­rungen und eine Ausbil­dung zusammen. Was die Ausbil­der­eig­nung bedeutet, dass habe ich in meiner Ausbil­dung bei den Lehr­ge­sellen fest­stellen dürfen. Einha­cken auf die Azubis, welche besser als der Durch­schnitt waren, mehr nicht. Die „Klug­scheißer“ machen nämlich nur Probleme. Darüber hinaus ersetzt ledig­lich die Vermitt­lung von Fach­wissen (Ausbil­dung) keine Bildung, obwohl dieser Anspruch öffentl­lich verr­treten wird (charak­ter­liche Bildung der Azubis). An dieser Stelle mangelt es meiner Erfah­rung nach ganz gewaltig in der „hand­werk­li­chen Praxis“. Wie Herr Werzner so tref­fend ausdrückte. Nur der Zweck ist wichtig. Daher auch der alltäg­liche Hass auf die Geis­tes­wis­sen­schaften, denn sie vermit­teln, richtig gelehrt, Bildung und machen den Menschen mündig. Das ist aber in der Arbeits­welt nicht gewünscht. Der Chef hat eben recht, auch wenn es bei ihm nur für 10 Jahre Schule und 6 Klassen reichte. Es werden oft ledig­lich Sünden­böcke gesucht und die Ursa­chen bleiben oftmals unbe­rührt. Die Guts­her­ren­struk­turen in so manchem (mehrere eigene Erfah­rungen) KMU lassen nicht anderes zu. Oft wird auch der Begriff Markt­wirt­schaft (höhere Preise für mangelndes Gut, z.B. Arbeit bei sog. Fach­kräf­te­mangel) nicht kapiert. Wobei scheinbar gene­rell nur Markt­wirt­schaft herrscht, wenn es “den selbst­er­nannten Herren” nützt. Ein Arbeits­ver­trag ist eben so kein “martkt­wirt­schaft­li­ches einkaufen” einer Arbeits­leis­tung, sondern ein schrift­li­ches “Bettel­ein­ge­ständnis” des Arbeits­neh­mer­sklaven.

    …und was die Auswir­kungen eines bunten Blumen­straußes voller Quali­fi­ka­tionen betrifft, so kann ich Herrn Werzner nur zustimmen. Ich würde aber noch weiter gehen. Eine „Normale Ausbil­dung“, egal ob nun im angeb­lich gefragten tech­ni­schen Bereich, besser als 2,5 abge­schlossen ist anschei­nend fast eine Garantie für Arbeits­lo­sig­keit in diesem Lande.

    Weiter gehende „Tugenden“, wie auch Herr Werzner erwähnt, wie z.B. Grund­kom­pe­tenzen eines jeden Uniab­sol­venten (so war es mal) z.B. eigenes aufar­beiten auch schwie­rigster fach­fremder Themen­be­reiche, analy­ti­sche und konzep­tio­nelle Fähig­keiten, logi­sches Denken, beson­dere orga­ni­sa­to­ri­sche Fähig­keiten etc. etc. sind nicht mehr gefragt. Wieso neue Lösungen erar­beiten, wenn der Rubel auch so rollt? Haupt­sache oben beim “Wasser­kopf” kommt das Geld an und die Anteile können regel­mäßig abge­schöpft werden. Mehr ist nicht von Inter­esse. Poten­ti­elle Geis­tes­blitze, insbe­son­dere von sog. Quer­ein­stei­gern, stören hier nur.

    Abschlie­ßend bleibt mir nach über 160 Bewer­bungen nur, fest­zu­stellen, dass wir in einem sehr bildungs­feind­li­chen Land leben, welches um das goldene Kalb des Fach­idio­ten­tums tanzt.

    Abitur, Uniab­schluss (Abschluss gut), Ausbil­dung (Abschluss sehr gut), zerti­fi­zierte Weiter­bil­dungen, 4 Spra­chen, Sprach­zer­ti­fi­kate, Arbeits­er­fah­rung etc. etc. ….Achtung Sarkasmus: danke deut­scher Arbeits­markt

    • el nombre 5. Mai 2015 at 0:14 — Reply

      “Abschlie­ßend bleibt mir nach über 160 Bewer­bungen nur, fest­zu­stellen, dass wir in einem sehr bildungs­feind­li­chen Land leben, welches um das goldene Kalb des Fach­idio­ten­tums tanzt.”

      Genau so ist es.
      Dabei tönt es aus der Politik doch “Bildung und Leis­tung muss sich lohnen” (ebenso wie “Die Rente ist sicher”) — lol

    • Siemes 20. Februar 2016 at 21:30 — Reply

      Auch wenn ich als Sozi­al­wis­sen­schaft­lerin mit kauf­män­ni­scher Ausbil­dung schmun­zeln musste, entspricht das genau meinen Erfah­rungen. Quer- und Mitdenker werden nicht gesucht — im schlimmsten Fall raus­ge­mobt. Und dann hört man dieses Geplärre vom Fach­ar­bei­ter­mangel. Da wird einem doch nur noch übel.

  5. Markus Ober­ender 30. April 2015 at 7:59 — Reply

    Wenn man den Menschen die Wahl lässt zwischen verschie­denen Schul­formen und verschie­denen Formen beruf­li­cher Bildung, dann ist es für mich nur logisch, dass mit der Zeit “Ungleich­ge­wichte” entstehen.

    Ich meine, wer geht denn frei­willig auf die Real­schule, wenn er auch auf das Gymna­sium gehen könnte? Welcher Betrieb stellt frei­willig einen Fünf­zehn­jäh­rigen Haupt­schüler ein, wenn er auch einen Sech­zehn­jäh­rigen Real­schüler oder gar einen Acht­zehn­jäh­rigen Abitu­ri­enten für eine Ausbil­dung gewinnen kann? Wir leben alle in einem Konkur­renz­system und wählen doch nicht die weniger hoch ange­se­hene Alter­na­tive. Dass mitt­ler­weile sehr viele ein Studium wählen, obwohl es gar nicht deren Neigung entspricht, wundert mich nicht.

    Dass wir mehrere paral­lele Bildungs­wege haben, das ist das eigent­liche Problem! Ich finde, dass es nur eine Schul­form für alle Schüler bis 18 Jahren geben sollte, die man mit verschie­denen Schwer­punkten abschließen können sollte. Die Lehrer könnten zur Diffe­ren­zie­rung auch das Noten­spek­trum besser ausreizen.

    Und in der beruf­li­chen Bildung sollte es auch nur einen “Weg” geben. Eine straffe Vermitt­lung fach­li­cher und metho­di­scher Grund­lagen im Bachelor ist doch völlig in Ordnung. Ein vertieftes Studium kann im Master ange­boten werden.

    • der große Zampano 30. April 2015 at 9:41 — Reply

      Sehr geehrter Herr Ober­ender,

      bezüg­lich Ihres Argu­mentes eines vertieften Studiums “ledig­lich” im Master habe ich eine andere Meinung.

      Als Magis­ter­ab­sol­vent kann ich bestä­tigen, dass ich trotz vertie­fender Beschäf­ti­gung mit den Studi­en­in­halten und begin­nender Spezia­li­sie­rung auch im Grund­stu­dium die fach­li­chen und metho­di­schen Grund­lagen erworben habe. Dafür gab es ja die zwin­gend zu erbrin­genden Prüfungs­vor­leis­tungen. Meiner Meinung nach bedarf es keiner verschulten Zwangs­maß­nahmen, wie sie teil­weise um Bachelor einge­setzt haben. Durch den hohen Verschu­lungs­grad werden dann auch ganz schnell aus heraus­for­dernden Haus­ar­beiten “einfache” Ankreuz­tests.

      Es sollte bereits, wie im “alten” Uni-System ab dem ersten Tag die persön­liche Spezia­li­sie­rung geför­dert werden, denn nur so werden gebil­dete und vor allem hoch moti­vierte Menschen aus einem Studium “entlassen”.

      Was die Fach­hoch­schule bzw. Berufs­aka­demie betrifft, so war die “straffe Vermitt­lung laut Lehr­plan” doch “früher” an der Tages­ord­nung. Das alles noch kombi­niert mit Praxis­ein­heiten. Dies hat den Unter­neh­mern aber scheinbar nicht gereicht.

      Ande­rer­seits gibt es dann aber auch teil­weise gravie­rende Unter­schiede zwischen den Absol­venten der verschie­denen Weiter­bil­dungs­formen. Nicht unbe­dingt zum Vorteil der verschulten Formen.

      Es wird auch immer wieder vergessen, dass die verschie­denen “Ausbil­dungs­formen” andere Bildungs­ideale “symbo­li­sieren”. Eine Ausbil­dung für alle produ­ziert nur Einheits­brei, da man auf diesem Weg nie den indi­vi­du­ellen Bedürf­nissen der einzelnen Menschen gerecht werden kann.

      Es würde ausrei­chen, in Orien­tie­rung am alten System, die Qualität der Ausbil­dung allge­mein zu verbes­sern und viel­leicht einmal ordent­liche Löhne zu zahlen. Dann verschiebt sich auch der Fokus des “früher Nicht­stu­denten” wieder in Rich­tung Ausbil­dung.

      Wenn ich aber sehe, wie z.B. in “meinem” Bundes­land die Schul­bil­dung syste­ma­tisch zerstört wird, dann hab ich da wenig Hoff­nung. Es hilft nicht sog. angeb­lich nutz­lose Fächer (Was ist das über­haupt?) zu kürzen oder einzu­stampfen, sondern es muss eine breite Bildungs­platt­form für alle entspre­chend ihres Leis­tungs­ni­veaus (inkl. Förde­rung) geboten werden.

    • Svenja Hofert 30. April 2015 at 13:59 — Reply

      Hallo Herr Ober­ender, über die Schule könnte man sich sicher noch mal ganz anders streiten. Längere gemein­same Zeit fände ich gut. Aber das mit der straffen Vermitt­lung sehe ich genau nicht so. Die Frage ist doch, wozu wir studieren: um Futter für den Arbeits­markt zu produ­zieren oder mit einem Bildungs­ideal im Kopf (es muss nicht nur Humboldt sein). Und ich sehe: Mit straffer Vermitt­lung erreicht man weder das eine noch das andere, sondern nur Fast-Food-Lernen ohne nach­hal­tigen Effekt auf persön­liche Skills.
      LG Svenja Hofert

  6. marksum 1. Mai 2015 at 0:00 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich bin aktuell (leider) Wirt­schafts­ab­sol­vent und befinde mich im (leider) Bachelor.
    Warum habe ich das Ganze über­haupt gemacht?

    Ich wollte unbe­dingt Lehrer werden, da ich auch schon geschei­tert und wieder aufge­standen bin und ich das Wissen und die Moti­va­tion, die ich hatte, weiter­geben wollte.

    Dank der Univer­sität und diesem Wahn­sinn in unserer Gesell­schaft, habe ich die Moti­va­tion für das Studium schnell verloren und wollte und will es nach wie vor abbre­chen. Ich tue das nicht, weil auch hier wieder unzäh­lige Stellen und Bekannte gesagt haben “das sieht schlecht für den Lebens­lauf aus” “ein Bachelor ist auch ein Abschluss” etc.

    Ich finde: Der Bachelor ist kein Abschluss und schon gar kein akade­mi­scher Abschluss! Ja, das Niveau ist tief (nur perma­nentes auswen­dig­lernen und wenig Tiefe), dennoch ist es sauschwer (Wort für Wort wird in dämli­chen “Ankreuz­tests” abge­prüft, was für Gedächt­nis­welt­meister sicher­lich leicht ist, aber nicht für die Leute, die noch mit dem “verstehen” lernen und nicht alles auswendig wie Roboter aufsagen können).

    Dementspre­chend fühle ich mich von der Univer­sität und von der Gesell­schaft ziem­lich “verar…”, um es mal hart zu formu­lieren.

    Ich gebe mein Bestes, habe ein klares Ziel, will was für die Gesell­schaft tun, bin poli­tisch aktiv (was ja angeb­lich die Jugend nicht mehr macht), erwei­tere meinen Hori­zont und und und…

    Nur die Unter­nehmen auf diesen ach so tollen Messen hier in der Stadt an der Uni sagen mir als 26-Jährigen ausge­bil­deten (hab eine gemacht nach der Real­schule) 3. Semester, ich sei noch viel zu früh dran, um ein Prak­tikum zu machen, weil das nur was für 6. Semes­tler sei.
    Das ist doch die reine Schi­kane aus meiner Sicht.

    Dann gibt es noch zu Hauf Profes­soren (namhafte BWL-Profes­­soren in Deutsch­land!!!) und Dozenten, die in JEDER Vorle­sung stolz verkünden “Akade­miker haben nur 2 % Arbeits­lo­sig­keit” etc.
    Ich glaube dem Käse nicht, da die ganzen Geis­tes­wis­sen­schaftler und auch andere es ziem­lich schwer haben einen Job zu finden und wenn, dann machen sie wie bald wohl jeder in diesem Land irgend­einen Billigjob oder gar 3 Jobs, wie es auch bald wohl “normal” an der Tages­ord­nung stehen wird, um die teure Miete (hier kostet eine 2‑Zimmer-Wohnung über 1000 €!) über­haupt noch bezahlen zu können.

    Aber um beim Punkt zu bleiben:
    Ich würde gerne mit meinem bunten Lebens­lauf arbeiten und hab auch — im Gegen­satz zu den ganzen Prada-BWL-Jubel­­per­­sern — realis­ti­sche Gehalts­vor­stel­lungen (ich brauche hier im Monaco Deutsch­lands einfach 2000 € netto als Einstiegs­ge­halt, hatte nach der Ausbil­dung als Versi­che­rungs­a­zubi 1300 € verdient ohne sicht­bare Gehalts­er­hö­hung inner­halb der 5 Jahre seitdem). Die gehen nämlich vom 60.000 € im Jahr aus, na klar. Da kommt der Oster­hase und der Weih­nachts­mann und bringt die Kohle im Koffer oder im Sack vorbei. Da muss man schon lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

    Insge­samt bin ich auch einer, der zu erfahren ist, um an die Kinder­gar­tenuni zu gehen (ja, es sitzen 17-Jährige in der Uni, die sehr pein­lich über­heb­lich und was nicht alles sind).

    Leider bekomme ich auf meinen Bewer­bungen aber nur Absagen oder noch schlimmer, gar keine Antwort!
    Ich habe ein Abitur von 2,1, eine Ausbil­dung, einen Bache­lor­schnitt von 2,6 aktuell und da liegt der Hase im Pfeffer. Bachelor und 2,6. Nicht zu gebrau­chener Abschluss und schlechte Note.
    Note, Note über alles könnte es lauten hier­zu­lande. Wenn man eben nicht 100 % das jewei­lige Skript auswendig lernt, dann bekommt man keine Topnote.
    Ich finde das affig und verdum­mend, aber ich fahre auch keine Topnoten ein.

    Daher finde ich, das Studium ist sauschwer. Aber es hat kein Niveau! Und das demo­ti­viert mich. So sehr, dass ich aus diesem Land (ja, gehts uns denn nicht so gut??) auswan­dern möchte, obwohl ich eben nach schweren fami­liären Tragö­dien sehr auf Fami­li­en­nähe Acht gebe.

    Mein Fazit daher: In diesem Land komme ich mich irgendwie veräp­pelt vor als Student. Das Studium hat kein Niveau, es ist aber schwerer geworden als früher (das sagen die Älteren, die hier ein Studium belegen schon selbst!). Das liegt am stupiden Auswendig lernen. Mitschuld haben die Profes­soren, die sich keine Mühe geben zu einem großen Teil und nach der Wirt­schaft trachten. Meine Zukunfts­chance sehe ich im Moment daher als kata­stro­phal an. Mein Ziel hab ich schon lange aufge­geben, man quält sich durch die Studi­en­zeit und hofft, noch was anderes machen zu können.

    Ich will hier keine reprä­sen­ta­tive Meinung darstellen. Es ist aber meine Meinung und mein Erlebnis. Ich bitte daher, nicht drauf­zu­hauen.

    Besten Dank und herz­li­chen Gruß,
    Markus

    • Svenja Hofert 2. Mai 2015 at 13:57 — Reply

      Hallo Markus, in meinem Blog haut niemand drauf, der würde direkt gesperrt 😉 Sie schil­dern nur, wie es vielen geht. Ich kann das mit dem Auswen­dig­lernen 100% nach­emp­finden, da ich nicht nur mein Studium aus alter Zeit sondern auch eines aus aktu­eller erlebt habe — samt des Unter­schieds in der Beur­tei­lung von Seminararbeiten/Klausuren. Zudem sehe ich es bei meinem Sohn. Dieses Check­­listen-Benoten kommt mit Pseu­do­ge­rech­tig­keit daher — und bewirkt nur eins: Man bemüht sich um Noten, aber nicht um Inhalte. Auswen­dig­lernen kann keine Lösung sein. 2% Akade­mi­ker­ar­beits­lo­sig­keit ist dann ein Gerücht, wenn Akade­miker Boxspring­betten in Möbel­häu­sern verkaufen… Trotzdem lassen Sie sich nicht entmu­tigen, suchen Sie z.B. nach Ausstei­gern aus der Karrie­re­mühle, die eigene Firmen gegründet haben. Da gibt es eine Menge, die ticken anders. liebe Grüße Svenja Hofert

      • Dennis Vogt 25. Februar 2016 at 13:04 — Reply

        Hallo Frau Hofert, hallo Markus,

        zunächst vielen Dank für Ihre Antworten. Ich denke das Problem liegt hier etwas tiefer begraben. Gerade an Univer­si­täten ist es aus meiner persön­li­chen Erfah­rung so, dass man Studie­rende insbe­son­dere auf eine wissen­schaft­liche Lauf­bahn vorbe­reiten soll. Hier muss man die beson­deren Umstände betrachten, die auf einen ange­henden Wissen­schaftler zukommen: Insbe­son­dere Stel­len­knapp­heit und gerin­gerer Verdienst als in der Wirt­schaft. Wissen­schaft erhält von der Gesell­schaft begrenzte Mittel, um die dortigen Arbeits­plätze halten zu können. Um die Stellen- und Mittel­knapp­heit wissen die Verant­wort­li­chen für Lehre, also die Profes­soren und Dozenten natür­lich sehr gut bescheid. Das ist auch ein Grund, warum ein Studium als harte Willens- und Charak­t­er­prü­fung den Ange­stellten einer Univer­sität nur in die Hände spielt. Warum durch gute Lehre gute Konkur­renz züchten? Womög­lich noch Konkur­renz die besser sein wird als man selbst und einem dann in 3–4 Jahren den ohnehin wacke­ligen Arbeits­platz streitig macht? Hat man dann diese Charak­t­er­prü­fung nach langer Zeit und ohne wirk­li­ches Geld zu verdienen abge­legt, darf man, wenn man dann System­kon­form genug denkt, auf einen Platz im akade­mi­schen Betrieb hoffen.

        Das ist zumin­dest ein Grund, warum Lehrende an Univer­si­täten wenig bis gar keine Anreize haben sich um gute Lehre zu bemühen. Wenn man genauer über die Struk­turen in der Wissen­schaft nach­denkt, wird man denke ich weitere Gründe finden. Dagegen hilft auch kein ober­fläch­li­ches “die Lehre evalu­ieren” wie es heute an Univer­si­täten gerne gemacht wird. Das Problem steckt da eher in der Orga­ni­sa­tion des Job- und Sozi­al­sys­tems Wissen­schaft.

        Dass Studie­rende an einer Univer­sität eher wissen­schaft­lich erzogen werden sollen, erklärt dann auch ein Stück weit die Proble­matik im Kontrast zwischen Studium und Berufs­welt. In den beiden Welten herr­schen andere Anfor­de­rungen und Ziel­vor­gaben. Während im Studium gerade insbe­son­dere Wissen (know-that) insbe­son­dere in wissen­schaft­li­cher Sprache hono­riert wird, kommt es in der Berufs­welt viel mehr auf das Können (know-how) an (ich kann mir ehrlich gesagt nicht wirk­lich vorstellen, dass dieser Umstand auch vor Bologna jemals anders gewesen sein soll).

        Frau Hofert, Sie schreiben:

        “Trotzdem lassen Sie sich nicht entmu­tigen, suchen Sie z.B. nach Ausstei­gern aus der Karrie­re­mühle, die eigene Firmen gegründet haben. ”

        Mache ich denn eigent­lich nicht auch irgendwie Karriere, wenn ich unter­neh­me­risch tätig bin und eigene Firmen gründe?

        Liebe Grüße

    • Eugen Kloster 24. Mai 2015 at 16:59 — Reply

      Hallo Markus ! Deine Erfah­rung hat mich beein­druckt. Glaub mir, Du bist nicht allein! Gestern habe ich noch eine Absage bekommen, trotzt all meinen Fleiß, guten Noten, Erfah­rung ect. Im Lande läuft vieles schief.

      Ich bin auf d.Suche nach Leuten mit denen ich gemeinsam was aufbauen möchte. ( ein paar Ideen habe ich bereits)

      Es wäre nicht schlecht Kontakt mit Dir aufzu­nehmen !! Melde Dich, wird mich freuen !! (eu-kloster@t‑online.de)

      Und kämpfe weite auf alle Fälle !!! Nicht aufgeben !!!

      P.S. Gestern habe ein Brief an den Minis­ter­prä­si­denten geschickt !!
      Die sind dafür da und nicht “Ich” für die.

      Freund­liche Grüße
      Eugen Kloster

  7. Thomas Deiler­hang 1. Mai 2015 at 10:05 — Reply

    Hallo zusammen,
    die Proble­matik ist seit einiger Zeit so bekannt.
    Inter­es­sant wäre, was Sie jungen Menschen nach Ihrer beruf­li­chen wirt­schaft­li­chen Ausbil­dung raten würden.
    Denn eines ist in meiner Situa­tion bekannt, möchte ich einen Arbeits­platz wo ich mir neue Abläufe und ähnli­ches entwi­ckeln und den AG vorstellen, wird fast IMMER ein Titel gefor­dert und nicht das persön­liche Poten­zial.

    Würde mich über Anre­gungen freuen.

  8. diesdas 2. Mai 2015 at 19:58 — Reply

    BWL & Jura gehen nicht, sind beide total über­laufen. In den Inge­nieur­wis­sen­schaften und der Infor­matik wird es in naher Zukunft auch so aussehen. Medizin ist eigent­lich das perfekte Studium, aber da braucht man ein 1.0er Abi dafür. Das ist auch der Grund warum es so perfekt ist.

    Was soll man denn heute bitte noch studieren\lernen, um als junger Mensch die Aussicht auf einen Arbeits­platz zu haben, der wenn möglich mit mehr als 8.5€ brutto pro h bezahlt wird?

    Zu dem Frey­Os­borne Paper:
    Hab mir die Methodik jetzt nicht genau durch­ge­lesen, finde es jedoch komisch dass forschende Berufe wie Histo­riker und Ökonom eine so hohe Wahr­schein­lich­keit haben, von Compu­tern ersetzt zu werden.

    Bezüg­lich der intrin­si­chen Moti­va­tion im Studium: Man sollte es der jungen Gene­ra­tion nicht verübeln, wenn diese auch ohne intrin­siche Moti­va­tion studiert. Eine Ausbil­dung ist keine Alter­na­tive. In der Berufs­schule wird einem nicht sonder­lich viel beigebracht und das Gehalt nach der Ausbil­dung ist durch den Mindest­lohn schon vorge­geben. (Wenn man denn über­nomen wird) Da bietet ein Studium die anspruchs­vol­lere Bildung\Ausbildung (je nach Fach) und es besteht zumin­dest eine winzige Chance auf eine solide Anstel­lung.

  9. Bülent Ecevit 4. Mai 2015 at 13:59 — Reply

    Hallo liebe Frau Hofert,

    endlich mal ein Blog der mir gefällt. Ich könnte gerade die Wände hoch gehen, denn ich bin wieder mal arbeitslos. Das dritte mal. Aber nie länger als 3 Monate. Was mich zur Weiß­glut bringt ist meine Ohnmacht gegen­über den “Bachelor-Perso­na­­le­rinnen” und noch viel mehr gegen­über dem Alltags-Rassismus. Ich habe BWL nach dem guten alten deut­schen Diplom studiert und abge­schlossen, nach vielen Jahren des Arbei­tens für das eben­jene Studium. Und jetzt bin ich nicht mal gut genug für ne saublöde Sach­be­ar­bei­ter­stelle! Mir wird unver­blümt mitge­teilt, so wie bei dem größten Verkehrs­dienst­leister Deutsch­lands, dass die für die Einstel­lung zustän­dige sich jemand “flap­siges” “nicht studiertes” will. Obwohl alle am Gespräch betei­ligten sagten, wie profes­sio­nell ich bin und das sie nie Hand­outs von den Bewer­bern bekommen haben. Also an der Quali­fi­ka­tion lag es bestimmt nicht. “Die” wollen keinen mit türki­schem Hinter­grund. Aber im Vertrieb, ja den verdammten Vertrieb, wollen mich ALLE rein­ste­cken. Da passe ich ja wunderbar rein. Was ich möchte ist egal. Scheiß Vertrieb. Ich könnte kotzen. Wegen des Vertriebs­drucks leben wir alle in der sog. Finanz­krise. Alle wollen verkaufen verkaufen. Niemand will kaufen. Eviden­ter­weise führt das zum Kollaps. Und was mich noch mehr auf die Palme bringt, ist die Wider­sprüch­lich­keit der Menschen. Wenn wir postu­lieren, dass alle Menschen ungern bspw. im Warte­zimmer eines Arztes oder in der Schlange im Super­markt warten, aber gleich­zeitig alle Menschen ungern Streß auf der Arbeit haben wollen, dann führt das doch zum Wider­spruch. Hoch lebe die Ellen­bo­gen­ge­sell­schaft. Das aktuell subjek­tive Emfinden ist immer das schlimmste. Das habe ich meinen Kunden immer gesagt. Danach war Ruhe. Eine andere Wider­sprüch­lich­keit des Menschen­tums. ALLE Menschen wollen ehrlich, gerecht und zuver­lässig bedient werden. Zu mir ist noch NIE ein Mensch gekommen der gesagt hätte, “junger Mann bitte betrüge mich”. Ergo frage ich mich wer dann so Papiere wie Lehman-Brot­hers und anderen Scheiß verkauft? Ein hoch auf die provi­si­ons­ge­trie­bene Entloh­nung. Das System muß notwen­di­ger­weise schei­tern. Oder hätte jemand da draußen vor zig Jahren gedacht, dass man der Bank zuerst Geld geben muß um es dort zu parken? Stich­wort Nega­tiv­zinsen. Mich macht das alles ziem­lich müde. So wie Sie, Frau Hofert, geschrieben haben, dass die BWL’er die neuen Sach­be­ar­beiter sind. Das stimmt. Jedoch nicht für mich als Migrant zweiten Grades. Tolle Bezeich­nung für einen Menschen. Zuerst waren wir “Gast“arbeiter. Nach Jahr­zehnten wurden wir Ausländer geschimpft, als klar war die gehen nie mehr zurück. Wiederum nach Jahr­zehnten wurden wir Migranten genannt bzw. Menschen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Die Gesell­schaft entwi­ckelt sich. Für mich entwi­ckelt sich die Gesell­schaft zu langsam. Nehmen wir die großen Los Angeles Riots in den USA, aktuell in Balti­more. Wann lernen wir Menschen das Herkunft, Ethnie, Alter, Geschlecht ABSOLUT irrele­vant sind. Wann lernen wir in DEUTSCHLAND, dass Ausgren­zung egal wie geartet, zu Ausgren­zung führt und zur Verzweif­lung. Was ist los mit Euch Menschen? Wo bleibt die Entwick­lung in den Köpfen? Beispiels­weise als Leonardo Fibo­nacci die arabi­sche Ziffer Null nach Europa brachte, wollte der Papst ihn dafür hängen. Egal wie man es nennt. Die Zwick­mühle beginnt bei jedem im Kopf.

  10. Lisa Krohlow 3. Juli 2015 at 19:33 — Reply

    Ich wollte mich eigent­lich nur für diesen Beitrag bedanken, der mir gerade mehr als den Atem raubt. Wie kann es sein, dass dieses Schu­b­laden-Denken hier auch noch unkom­men­tiert abge­nickt wird? Ich kann meine Wut darüber kaum in Worte fassen… Sie schreiben davon, dass man sich nicht aus rein wirt­schaft­li­chen Gründen für das Aneignen (oder Rein­prü­geln) von Kennt­nissen für einen schön klin­genden Titel entscheiden soll, sondern allein dafür den Durst nach Wissen zu stillen. Aber genau diesen Menschen, die leiden­schaft­lich ihren Wissens­er­werb als Ihre selbst­ge­wählte Passion betreiben, stellen Sie sich in den Weg. Warum? Weil die Menschen sich nicht für den stau­bigen Hörsaal, sondern für andere Wege entschieden haben? Ich bin Handels­fach­wirt (ja, ein Bachelor), aber das ist erst der Anfang. Durch diese berufs­be­glei­tende Weiter­bil­dung kam ich zum ersten Mal mit den mini­malen Grund­lagen des Perso­nal­we­sens in Berüh­rung. Noch während der Weiter­bil­dung und dem Job verbrachte ich jede freie Minute damit auto­di­dak­tisch Fach­wissen aufzu­saugen und verla­gerte kurz darauf meinen Arbeits­platz in die Perso­nal­ab­tei­lung. Nicht um Geld zu verdienen, sondern um zu lernen und meine Leiden­schaft zu leben. Als ich an die Grenzen der Wissens­ver­mitt­lung an meinem Arbeits­platz stoß. Begann ich die nächste Bachelor-Weiter­­bil­­dung zur Perso­nal­fach­kauf­frau. In der gesamten beschrie­benen Zeit und auch heute noch besteht jede Sekunde des Tages aus Vertie­fung und Erwei­te­rung meiner Kennt­nisse. Ja, ich verdiene nebenbei Geld mit dieser Leiden­schaft und ich stoße bei meiner Entfal­tung durch Orga­ni­gramme und Struk­turen an Grenzen. Aber durch Erwei­te­rungen im Tätig­keits­feld und durch Hart­nä­ckig­keit komme ich an meine Erfah­rungen… und wenn wiederum die Grenzen erreicht sind werde ich wohl den Master machen. Und nun stellt sich jemand hin und packt alle ach so geld­geile und beschränkte Bachelor-Absol­­venten in nen großen Topf, rührt noch eine Menge fehlende soziale Kompe­tenz mit unter und serviert es mit einem lauten Aufschrei: “Was bilden die sich ein?”. Das mag durchaus vermehrt zutreffen, aber diese Pauscha­li­sie­rung kenne ich sonst nur vom Springer Verlag. Es wird die Auto­ma­ti­sie­rung des Bewerber-Verfah­­rens (zu Recht) verteu­felt, aber was würde denn mit meiner Bewer­bung bei einem Befür­worter dieser Thesen geschehen. Da würde eine leiden­schaft­liche Bewer­berin für jeden belie­bigen Platz im Perso­nal­wesen ohne einen Hauch der Chance abge­schmet­tert, weil mein Lebens­lauf einen roten Faden hat, 2 Bachelor-Weiter­­bil­­dungen drin stehen und dann auch noch ohne Fest­le­gung auf eine spezi­elle Rich­tung daher­kommt? Das ist binärer als jede Bewerber-Soft­­ware. Ich weiß, dass ich das Thema zu persön­lich nehme, aber das mag der Tatsache geschuldet sein, das jeder Perso­naler der Ihren Beitrag nickend gelesen hat, wohl keine Ambi­tionen hat, sich dieses beschrie­bene Insekt Bachelor näher anzu­sehen… Und dann sehe ich mich schon in dem verstaubten Hörsaal sitzen, über­voll von Theorie, doch ohne das Herz der uner­schöpf­li­chen HR-Welt: dem Personal.

    • Svenja Hofert 6. Juli 2015 at 10:24 — Reply

      Hallo Frau K, ich verstehe leider über­haupt nicht, was Sie mit dem Beitrag ausdrü­cken oder sagen wollen, außer dass Sie ihn in der Tradi­tion der Springer-Presse sehen. Tut mir leid, deshalb kann ich es auch nicht kommen­tieren. Sorry und herz­liche Grüße Svenja Hofert

  11. anonyme Student 14. August 2015 at 12:48 — Reply

    Eines der besten Arti­keln, die ich je von Ihnen gelesen habe. Ich studiere im Bachelor Wirt­schafts­in­ge­nieur­wesen und habe zuvor eine drei­jäh­rige Berufs­aus­bil­dung absol­viert. Zuge­geben bin ich viel älter als die anderen Studenten. Viele fangen mit 18 Jahren das Studieren an und sind sehr unreif, können kaum alleine Entschei­dungen treffen und müssen ständig nach Rat suchen. Welcher Fächer belege ich? Wo gibt es die besten Noten und und. Ständig geht es um Noten?? Man belegt nix was keine Noten bringt!! Es müssen Fächer sein, wo man auch eine 1,0 schafft sonst kommt das gar nicht in Frage. Viele sind nicht mal team­fähig und können nicht analy­tisch denken. Sind im Kopf sehr kindisch und können kaum für Ihr handeln die Verant­wor­tung tragen. Das merken auch die Profes­soren, wo Studenten ständig fragen ob der Besuch von der Vorle­sung verpflich­tend ist. Ja, Studium ist heute eher die Fort­ste­zung von Schule, aber über­haupt nicht einfach, da man heute schon 500 Seiten auswendig lernen muss. Wer es nicht packt oder quer­denkt hat schon verloren. Bitte Wort für Wort und “Skript­ge­treu” dieses unsin­nige Wort stammt von einem Marke­ting Lehr­stuhl — wieder­geben. Wer es anders hinschreibt, bekommt null punkte.

  12. Ich Heiße 22. August 2015 at 16:21 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich bin gerade “akut” auf Jobsuche und möchte mir nach andert­halb erfolg­losen Jahren jetzt nicht die leise aufkei­menden Chancen verderben. Daher schreibe ich anonym, was sonst eigent­lich nicht meine Art ist.

    Da ich (noch) an einer Uni tätig bin (möchte diese unse­lige Begris­tungs­praxis — ausführ­liche Schil­de­rungen anderswo — aber endlich verlassen), kann ich nur bestä­tigen, was Markus erlebt und was andere aus wieder anderen Perspek­tiven kriti­sieren:
    Das Studium trägt kaum noch zur Persön­lich­keits­bil­dung bei. Das liegt auch an der Verschuung, Anwe­sen­heits­pflicht, Sammeln von Leis­tungs­punkten (Stich­wort: Bologna). Es hat seine Ursache aber mMn in erster Linie darin, dass die propa­gierte “Akade­mi­sie­rung der Arbeits­welt” zusammen mit der nun vergleichs­weise kurzen Studi­en­dauer und den mund­ge­recht verpackten Lern­mo­dulen auch Menschen an die Uni zieht, die dort nicht gut aufge­hoben sind, und die aus verschie­denen Gründen mit “Bildung” nichts anzu­fangen wissen. Klas­si­schen Ursa­chen­zu­schrei­bungen pflichte ich hier nicht bei: Ich komme selbst aus einem nicht-akade­­mi­­schen Eltern­haus und war (dennoch) intrin­sisch moti­viert und brauchte auch weder fach­lich noch metho­disch jemanden, der mich an die Hand nimmt. Eben klas­sisch “durch­ge­boxt” oder auch mal gemein­same Sache mit Kommi­li­tonen…
    Selbst­kri­tisch muss ich aber wohl
    im Rück­blick sagen: persön­lich und karrie­re­tech­nisch hätte ich eine_n Mentor_in wohl drin­gend nötig gehabt. Denn irgendwie “flutscht” es nicht bei mir.
    Ich habe einen “Dr.” in einem anwen­dungs­be­zo­genen Bereich (wenn auch “Dr. phil.”), verfüge über Ausland­see­fah­rung, Sprach­kennt­nisse, arbeite in Koope­ra­ti­ons­pro­jekten mit der Indus­trie und kümmere mich intern um die IT.
    Letz­teres — angeb­lich ein Feld mit Arbeits­kräf­te­mangel — wäre auch meine Wunsch­branche. Ich weiß, dass mir einige (weil sehr teure!) “Zerti­fi­zie­rungen” fehlen. Aber glaube niemand, so ein AG, bei dem man sich beworben hat, ruft mal an und fragt: “Können Sie sich vorstellen, Zerti­fikat A und B in der Probe­zeit nach­zu­holen und dafür zunächst mit einem gerin­geren Gehalt einzu­steigen?” Da sucht man lieber jahre­lang die bereits fertige eier­le­gende Woll­milchsau, lässt sich Aufträge und Folge­auf­träge entgehen, statt eine moti­vierte, quali­fi­zierte, lern­be­reite Kraft weiter­zu­bilden!

    Bin gespannt, was Sie dazu sagen Frau Hofert!

    An alle anderen: viel Erfolg dort, wo Sie gerade stehen.

    Beste Grüße

    • Volker 29. August 2015 at 13:47 — Reply

      Das ist ja gerade das Dilemma, dass der Begriff Studium, der im Ursprung ausschließ­lich mal etwas mit Persön­lich­keits­ent­fal­tung, Forschung und Entde­ckung zu tun hatte, heute im Zuge der Ameri­ka­ni­sie­rung per Bachelor und Master zur erwei­terten Berufs­schule oder ersatz­weisen Berufs­aus­bil­dung benutzt wird. Mich wundert es nicht, denn wenn man heute in Stel­len­an­zeigen liest, dann sucht die Wirt­schaft, die früher einen Außen­dienstler gesucht hätte, heute einen Outdoor-Sales­­ma­­nager. Mir verdrehen da manchmal die Augen, wie die Wirt­schaft mit simplen Stel­len­an­ge­boten rum protzt.……
      Und genau wie Sie, würde ich mir wünschen, dass die Politik Lohn­zu­zah­lungen für eine Einglie­de­rung zur Anpas­sung fehlender Kennt­nisse bereit stellt, damit man über­haupt eine Chance bekommt, dem firmen­spe­zi­fi­schen 100%-Anforderungsprofil der Wirt­schaft gerecht zu werden.

  13. Volker 28. August 2015 at 17:06 — Reply

    Daumen hoch Frau Hofert,
    endlich mal jemand, die diesen “Intel­li­genz haupt­sache Akademiker”-Wahnsinn durch­schaut und auch den Wert Älterer mit klas­si­scher Berufs­aus­bil­dung und entspre­chender Praxis-Erfah­rung erkennt.
    Praxis­er­fah­rene Quer­ein­steiger eine Chance geben und sich mal zeigen lassen, was sie drauf­haben, das könnte sich besser rentieren, als immer nur auf junge, uner­fah­rene Bache­lors zu setzen.
    Wenn die Perso­naler alle so wie Sie denken würden, dann hätte ich mit meinen 2 Berufs­aus­bil­dungen und 9 Jahre voll­haf­tender Selbst­stän­dig­keit mit unver­schul­detem Absturz infolge Geschäfts­auf­gabe der Stamm­kund­schaft in der Wirt­schaft längst wieder eine Anstel­lung als Arbeit­nehmer. Doch mit meinen 43 Jahren passe ich Perso­na­lern offen­sicht­lich nicht in das Raster eines voll­be­last­baren jungen Bache­lors, der gerade erst die private Fach­hoch­schule absol­viert hat. Ich habe sogar schon in persön­li­chen Gesprä­chen versucht, dies Poli­tiker zu erklären, doch die scheinen es nicht zu verstehen.

  14. Trajan 11. Dezember 2015 at 17:54 — Reply

    Auch ich kann nichts posi­tives über die Zeit nach der Uni schreiben! Es wird einem unmög­lich gemacht eine fach­ge­rechte Arbeit zu finden, da zu sehr auf Quali­fi­ka­tion geachtet wird. Was soll das? Eine Chance und eine zweite hat man verdient. Immer nur lese ich von Anfor­de­rungen in den Stel­len­an­ge­boten, die ja welt­fremd sind und daran geht die Bewer­bung zugrunde! Ich finde das nicht richtig. Warum stellt man nicht um und nimmt den Bewerber ernst, um ihn einzu­ar­beiten? Das ist nicht schwer und gibt ihm endlich eine Chance sein Studium prak­tisch anzu­wenden.

    Wo ist der Wert des Akade­mi­kers? Ist der schon nicht mal mehr wert, dass er eine Arbeit hat? Die Refom aus B. hat mich auch nicht beigeis­tert. Ich finde das schlimm und unge­recht. Statt­dessen in Kursen seine Quali­fi­ka­tionen verbes­sern, die ja nun auch nicht geschenkt und auf Wunsch da sind. Da ist es auch nicht mal so einfach das passende dabei zu finden.

    Mit diesen Schwie­rig­keiten sehe ich keinen Sinn mehr warum ich studiert habe. Es gibt anschei­nend gar keinen Bedarf mehr an Menschen mit Bildung, die auch einen Mehr­wert schaffen können. Damit wird doch der Sinn eines Akade­mi­kers abge­schafft. Was soll er tun und in Aushilfs­jobs sich glück­lich fühlen? Dafür hat er nicht studiert! Wo ist die Wert­schät­zung und warum gibt dir niemand eine Chance?

    Recht auf ange­mes­sene Arbeit habe ich. Wie will man Akade­miker in ein soziales Abseits stellen? Das ist doch absurd und unver­schämt.

    Meine Wort­wahl ist stel­len­weise direkt, aber das musste mal gesagt werden.

  15. Marie Malte 14. März 2016 at 9:48 — Reply

    Frau Hofert trifft es auf den Punkt. Wie oft höre ich von Studenten, die studieren, weil es ja für die Zukunft ganz wichtig sei und man das machen müsse. Abitur allein zähle ja nichts. Diese jungen Menschen wisse selbst gar nicht, warum sie das machen und die Moti­va­tion wird dementspre­chend sein. Bei der Job Suche später wird es auch nicht hilf­reich sein, wenn man vorher etwas studiert hat, was man gar nicht so wirk­lich machen wollte.

  16. Chris 2. November 2016 at 16:18 — Reply

    Meine Kommi­li­to­ninnen, die nebenbei in der JUNGEN UNION sind haben alle komi­scher­weise den BACHELOR gemacht und das auch in fächern wie Philo­so­phie und Germa­nistik und haben danach sofort einen guten job bekommen VITAMIN B sei dank

  17. Florian Leidner 8. Dezember 2016 at 22:03 — Reply

    Wow, so viele schlaue Posts hier… Schade nur, daß gerade in Inge­nieur­be­rufen die Inge­nieure den Bau Bau verkom­pli­zieren, weil Ausschrei­bungen von Dipl. Ing. gemacht werden, die keinerlei Taug haben und seltsam, daß es eagal ob Bachelor oder Master, Dipl. Ing. oder oder weiß der Teufel,… im Endef­fekt nur die Wenigsten eine Ausschrei­bung hinbe­kommen, die annä­hernd den Tatsäch­lich­keiten entspre­chen. Frau Wirt­schafts­be­ra­terin,… bitte tun sie doch der arbei­tenden Bevöl­ke­rung einen Gefallen und führen sie nicht weiter den Irrglauben an den vermeint­li­chen Intel­lekt der Menschen vor der effek­tiven Fähig­keit der prak­ti­schen Hand­ar­beit. Ein studierter Kopf nutzt gerade im Inge­nieur­be­reich keinem, wenn der schlaue Kopf kein Bild waage­ge­recht aufhängen kann.

  18. Ansgar Eber­mann 1. Februar 2017 at 12:01 — Reply

    Ein sehr inter­es­santer Artikel, der viele zutref­fende Fest­stel­lungen beinhaltet.

    Bezüg­lich eines Punktes möchte ich mich jedoch nicht anschließen:

    “Und schauen Sie mal in das Berufs­be­rech­nungs­pro­gramm der Süddeut­schen Zeitung „wie wahr­schein­lich ist es, dass mein Job durch einen Computer ersetzt wird“: Für den Reise­ver­kehrs­kauf­mann berechnet es, mit einer Wahr­schein­lich­keit von 61%, dass der Job ersetzt werden wird. Bei Buch­hal­tern und Wirt­schafts­prü­fern sind es übri­gens 91% (!), beim Steu­er­be­rater 99%. Alles BWL-Heima­t­­felder.”

    Diese scheinbar so einfache wie grif­fige “Berech­nung der Wahr­schein­lich­keit” sollte mE nicht unge­prüft über­nommen werden, auch wenn diese u.a. aus SZ kommt. Denn jeden­falls im Hinblick auf die letzt­ge­nannten Berufe (WP und StB) ist dies mE nur sehr einge­schränkt zutref­fend. Beide Berufe sehen ‑und dies wird Ihnen jeder in diesem Berufs­feld Tätige auch bestä­­tigen- häufig die Bera­tung von Mandanten zu sich perma­nent ändernden gesetz­li­chen Vorschriften vor; im Falle des StB sei hier beispiel­haft die Bera­tung eines Mandanten zu einer komplexen Geset­zes­än­de­rung im KStG/GewStG genannt, welche weder bisher in der Recht­spre­chung behan­delt wurde, noch im Schrifttum bespro­chen wurde. Eine solche Bera­tung kann auch insbe­son­dere (und erst recht) kein “Compu­ter­pro­gramm” über­nehmen. Ein Teil der Buch­hal­tungs­tä­tig­keiten wird — dies ist zutre­f­­fend- von solchen Compu­ter­pro­grammen über­nommen werden können; dies ist jedoch weder eine “neue Erschei­nung”, noch ersetzt dies die Kontrolle durch eine natür­liche Person, die die gesetz­li­chen Grund­lagen selbst versteht.

    Daher ist die These, dass diese Berufe zu über 90 Prozent “von Compu­ter­pro­grammen ersetzt werden” scheinbar so einleuch­tend, aber eben auch nur sehr bedingt zutref­fend. Ferner sollte mE bei derar­tigen Studien nicht vergessen werden, dass solche “Berufs­for­scher” die tatsäch­li­chen Berufs­felder, die dort unter­sucht werden, nur bedingt kennen können.

    Viele Grüße

  19. Daniel 8. Februar 2017 at 20:36 — Reply

    Hallo,
    auch ich finde den Artikel sehr inter­es­sant.
    Ich finde auch, dass man im späteren Alter auch die Weiter­bil­dung fördern sollte. Ich bin auch in einem Inge­nieur­büro für Elek­tro­pla­nung ange­stellt mit dem Titel Staat­lich geprüfter Tech­niker, also kein Ing. oder Bachelor, Master. Auch wir haben junge Master Absol­venten einge­stellt, die zuvor bei uns nebenbei gejobt oder ihre Prak­tikas, Master­ar­beit geschrieben haben. Aus Erfah­rung kann ich sagen, die Mitar­beiter die frisch von der Schule kommen brau­chen 2–3 Jahre bis man sie alleine auf eine Baustelle vor Ort schi­cken kann.
    Auch bin ich der einzige mit meinen 45 Jahren, der gerne, Themen­be­reich, die zu meiner Planung gehören, zu Weiter­bil­dungen geht. Leider werden solche Weiter­bil­dungen nicht vom Staat geför­dert, so das die Firma oder der Mitar­beiter diese zahlen muss.
    Auch finde ich den Absatz “Akade­miker auf dem Papier, aber nicht im Kopf” sehr gut. Leider ist es in Deutsch­land noch so, dass es sehr wenige Chefs gibt, die einen entspre­chend dafür Zahlen was man kann, statt auf den akadi­mi­schen Grad zu schauen. Auch bei höheren Weiter­bil­dungs Quali­fi­ka­tionen wird man wieder herab gedrückt, weil man kein akade­mi­schen Grad hat, trotz des Wissens. Hierbei kann ich auch gut aus Erfah­rung spre­chen, da ich gerne die Quali­fi­ka­tion Sach­ver­stän­diger für Elek­tro­an­lagen erlangen wollte, mit mehr als 10 Jahren Erfah­rung in diesem Bereich. Voraus­set­zung war leider ein Abschluss mit Studium.
    Ich appel­liere an alle, die das lesen, seit im späteren Arbeits­leben nicht träge, macht was draus.

  20. Torben 25. Februar 2017 at 3:46 — Reply

    Es ist fatal, wenn die Politik behauptet wir brau­chen mehr Bildung und studie­rende und Absol­venten

    das ist sogar ganz schlimm und führt dazu, dass sogar für einfache Sach­ar­bei­ter­stellen Personen mit einem Master genommen werden.
    Wohin soll das denn bitte führen?

    sind vergeu­dete Ressourcen

  21. C.Neef 9. März 2017 at 0:08 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    vielen Dank für Ihren tollen Blog, den ich erst vor Kurzem entdeckt habe. Viele sehr gute Analysen, den ich zustimmen kann.
    Ich fürchte, dass die berech­tigte Frage nach der Qualität (nach welchen Krite­rien) der Akade­miker gar nicht das wich­tigste ist, sondern wir tenden­ziell dahin kommen, dass es nur noch Jobs für Mecha­tro­niker und Soft­ware­inge­nieure gibt oder ähnli­ches (die die Computer und Roboter program­mieren und warten). Die Digi­ta­li­sie­rung der Berufe ist das eigent­liche Problem, bei der vormals unter­schied­liche Anfor­de­rungen an Intel­lekt, Motorik und hand­wer­li­chem Können darauf redu­ziert wurden, unter­schied­liche Soft­ware­pa­kete zu “bekli­cken”, sei es nun im Büro, als Konstruk­teur, als Medi­en­ge­stalter oder als Kompo­nist. Die beruf­li­chen Erleb­nis­welt verarmt zuse­hends. Alle sitzen vor dem Monitor, nur die Soft­ware ist eine andere. Eine trau­rige Entwick­lung. Es geht lang­fristig nicht so sehr um die Frage ob Akade­miker, Bachelor oder sonst was, sondern ob wir MINT-Menschen durch ihre wirt­schaft­liche Rele­vanz eine gesell­schaft­liche Wertig­keit zubil­ligen, die wir den Krea­tiven, Sensi­tiven und Viel­sei­tigen verwähren. Es sind Wert­aus­rich­tungen in Rich­tung mart­kon­forme Demo­kratie. Wobei Konfor­mität der größte Gegen­satz zu den Krea­tiven ist. Wenn sich alles rechnen muss, wird “auspro­bieren” unbe­zahlbar. Ein Manko aller auf Effi­zient und Leis­tung opti­mierten Systeme. Wir sind aber Menschen und sollten unsere Bedürf­nisse in den Mittel­punkt stehen, egal wie effin­zient die Maschinen sind.

  22. Felix S 21. Juli 2017 at 18:18 — Reply

    Für mich geht Ihre Analyse größ­ten­teils an der Realität vorbei. Zum Einen boten die grund­sätz­li­chen Einstiegs­chancen auf dem Arbeirs­markr zu Ihrer Zeit deut­lich mehr Moti­va­tion als heut­zu­tage. Aktuell müssen sich Studenten selbst bei Prak­tika in Unter­nehmen durch mehr­stu­fige Asses­s­­ment-Prozesse kämpfen, die vergleichbar sind mit Einstel­lungs Moda­li­täten für obere Führungs­po­si­tionen vor zehn Jahren. Viele Studenten absol­vieren bespiels­weise heut­zu­tage ein duales Bachelor Studium im Bereich der BWL. Das heißt 3 Monate Lehr­phase an der FH, 3–6 Monate Praxis­phase usw. Die Lehr­in­halte werden keines­falls gekürzt sondern auf 3 Monate kompri­miert, nebenbei muss man sich für die nächste Praxis­phase bewerben und schon anfangen für Klau­suren zu lernen. Das ist nicht zu verglei­chen mit einem roman­ti­schen 13-Semester-Studium. Daher finde ich es etwas eindi­men­sional sich selber und die eigene Gene­ra­tion für das ach so große Inter­esse an der Materie und das Talent zur Selbst­or­ga­ni­sa­tion zu loben, während heute Studenten den glei­chen Stoff in sechs (halben!) Semes­tern erlernen müssen und am oben beschrie­benen Modell gleich­zeitig arbeiten gehen und Bewer­bungs­ver­fahren bestehen müssen. Dazu gehört eine ordent­liche Portion Inter­esse, Selbst­or­ga­ni­sa­tion und Fleiß. Sich mehr Zeit für ein Studium zu lassen ist doch gar nicht drin, weil jedes Unter­nehmen die eier­le­gende Woll­milchsau sucht, die mit 24 einen Abschluss von 1,x vorweist, Ausland­see­fah­rung hat, 17 Spra­chen spricht und am besten schon 5 Jahre Berufs­er­fah­rung mit bringt. Fakt ist: Heutige Studenten haben DEUTLICH höhere Anfor­de­rungen und mehr Druck als Studenten vor 10 oder 20 Jahren. Umso frus­trie­render ist es, wenn man sich einer Gene­ra­tion von Welt­meis­tern gegen­über­sieht, die sich selbst — nost­al­gisch voll­kommen verklärt — beweih­räu­chert und Lobes­hymnen auf die alten Zeiten singt und der neuen Gene­ra­tion Kompe­tenz, Inter­esse etc. abspricht. Seien Sie alle froh, dass Sie die Plätze nicht täuschen müssen. Ich garan­tiere Ihnen, vielen von Ihnen wäre die Bilder­buch­kar­riere zu heutigen Bedin­gungen nicht passiert 😉 Beste Grüße

    • Svenja Hofert 23. Juli 2017 at 16:40 — Reply

      Hallo Felix, Sie haben sicher recht, dass ich das aus meiner Perspek­tive nicht mehr beur­teilen kann und mögli­cher­weise Aspekte nicht sehe. Der Artikel ist auch schon etwas älter. Ich glaube ich würde ihn heute etwas anders schreiben. Ich sehe mehr Unter­schiede, ja nach Uni und Hinter­grund. Das war früher einheit­li­cher. Danke auf jeden Fall fürs Feed­back! Svenja Hofert 24.07.2017

  23. Anna 31. August 2017 at 18:11 — Reply

    Ich habe als allein­er­zie­hende Mutter das Abitur nach­ge­holt, weil ich mich nach der Fami­li­en­grün­dung stark für Psycho­logie inter­es­siert habe.
    Mitt­ler­weile stehe ich vor meinem Bache­lor­ab­schluss Psycho­logie , den ich nur mit 2,4 mache, da ich in den ersten Semes­tern immer mit Büchern lernte. Ich habe Skripte entworfen, Studien und Bücher gelesen.
    Die Noten mittel­mäßig.
    Die wurden erst besser, als ich verstanden habe, dass Auswen­dig­lernen von Folien gefragt ist- die besten Auswen­dig­lerner haben Einsen geschrieben.
    Die Lust und das Inter­esse an der Psycho­loge ist nach dem Studium fast bei Null.
    Ohne Master­platz darf ich mich nun noch fragen, ob ich anstelle eines Studi­en­kre­dites nicht viel­leicht doch besser Hartz 4 bean­tragt hätte statt jahre­lang zu lernen?
    Und da wird von einem Mangel an Psycho­the­ra­peuten gespro­chen?
    Abso­lute Kata­strophe.

  24. Sven 3. Februar 2018 at 13:20 — Reply

    Zufällig bin ich auf den Artikel gestoßen und auch wenn er schon älter ist kann ich mir nicht verkneifen meine Meinung dazu zu schreiben.

    Ich stimme zu, dass heute viele junge Menschen studieren, obwohl es eigent­lich nicht wirk­lich zu Ihnen passt. Leider bleibt Ihnen aber auch gar nichts anderes übrig, da selbst anspruchs­lose Jobs ein Studium erfor­dern, obwohl es wirk­lich nicht notwendig wäre. Das führt aller­dings auch dazu, dass es schwer ist für, dieje­nigen die aus Inter­esse studiert haben, einen entspre­chenden fordernden Job in der Viel­zahl der Jobs zu finden.

    Wo ich geteilter Meinung bin ist die Bologna reform, denn eigent­lich tut Sie genau das, was Sie soll. Sie schafft eine beruf­liche Ausbil­dung an den Univer­si­täten für die Arbeit­geber. Auf der einen Seite hätte ich als Master­ab­sol­vent natür­lich viel lieber das Diplom gemacht, weil es mehr Frei­heit und mehr Zeit bedeutet. In den MINT Fächern sind die Inhalte vom Bachelor und Diplom fast iden­tisch und der Bachelor ist von der Hard­s­kills für die meisten Jobs schon über­qua­li­fi­ziert. Leider fehlt es durch die Verschul­dung an Soft­s­kills, deshalb auch der Eindruck, dass Bache­lors nichts können. Aber hier muss man vorsichtig sein, denn wenn der Bachelor nach 6–7 Semes­tern fertig ist und nicht nach 10+ Semes­tern, kann man das nicht einfach verglei­chen. Ich würde mal sagen in den 4 Semes­tern, die der Bachelor im Job verbringt über­holt er den Diplomer in der Hinsicht. Nur was leider verloren geht ist alles, was keinen direkten für den Arbeit­geber hat, Lebens­er­fah­rung z.B.. Aber für Lebens­lauf­op­ti­mierer und deren HR Gegen­seite ist sowas ja auch gar nicht rele­vant.

    Tja so einer­seits sind die Lobes­hymnen auf das Diplom schön und gut, aber wenn es dafür sorgt, dass sich Bachelor ständig anhören dürfen, dass der Bachelor ja gar kein rich­tiger Abschluss sei, igno­riert man die Leis­tung, die dafür notwendig war. Tatsäch­lich ist es eher so, dass der Bachelor fach­lich anspruchs­voller ist als ein Diplom, mehr Stoff in weniger Zeit. Ich weiß nicht wie es früher war, derzeit ist es tatsäch­lich so, dass viele Studenten nicht aus Inter­esse an Inhalten studieren und auch gar nicht wirk­lich studieren, sondern nur ECTS abar­beiten, aber ehrlich gesagt, glaube ich das war früher auch nicht anders.

  25. Ne Inge­nieur 15. Juni 2018 at 20:31 — Reply

    Sehr geehrte Leser,
    ich finde nicht so gut, dass es für Uni Maschi­nen­bau­ab­sol­venten jahre­lang nur wenig Bedarf gab.
    Zum Glück ist seit 2014 nicht mehr so viel von Inge­nieurm­angel die Rede. Das war eine schwere Zeit.
    Die Studenten nehmen ihr Studium heute oft ernster als wir (oder ich) früher (im Vordi­plom jeden­falls). Infolge der schlechten Nach­frage macht mir das (dass ich im Vordi­plom nicht zügig genug studierte) mutmaß­lich immer noch Probleme (nach über 16 Jahren seit dem Diplom­ab­schluss).
    Jetzt wech­sele ich ins Lehr­erfach, und da scheint vieles noch beim Alten zu sein. Gescheites geht eben langsam. Damit meine ich, in die Welt der Schule “einzu­bre­chen” ist nochmal ein jahre­langer Kraftakt- aber dabei lasse ich mir etwas Zeit. Zum Glück habe ich Unter­stützer, denn ich wohne in keiner Tech­nik­ge­gend, und bei Hartz IV ist das Problem die regional bedingte Willkür der Behörden (nicht nur des Jobcen­ters selbst, wenn man mal krank werden oder auch nur Rat bei bestimmten Krank­heiten einholen möchte. Man kann leicht Behand­lungen erfahren, die lange dauern, aber gar nicht gewünscht sind- aber das ist wie gesagt ein regio­nales Problem). Schön, dass nicht mehr dauernd vom Inge­nieurm­angel geredet wird, das erschwert die Jobsuche nämlcih immer noch.
    Freund­liche Grüße, Ne Inge­nieur

  26. klaus 21. Juni 2018 at 19:58 — Reply

    Die Kommen­tare sind ja schon zahl­reich und da noch etwas hinzu­zu­fügen, ohne Redun­danz zu erzeugen, ist nahezu unmög­lich. Meine Hoch­ach­tung für ihren gewagten, mutigen und ehrli­chen Text, mit dem sie viel von sich selbst preis geben und sich sicher nicht sehr vieel Freunde bei ihrer poten­zi­ellen Kunden­kli­entel in der Wirt­schaft machen — es sei denn, sie haben es mit Führungs­kräften zu tun, die weder narziss­tisch veran­lagt sind noch den persön­li­chen Profit als oberstes Ziel auser­koren haben.

    Mein Lieb­lings­satz:
    “Ihnen gegen­über sitzen andere, viele, viele, die all das könnten, im strom­li­ni­en­för­migen Bewer­ber­aus­wahl­pro­zess aufgrund ihres Alters und der bishe­rigen Erfah­rungen nicht einge­stellt werden. Die viel­leicht als Selbst­denker auch nicht immer ganz einfach zu führen sind.”

    Genau vor diesem Problem stehen wir in diesem Land (nicht nur). Wir haben eine Viel­zahl an hoch­qua­li­fi­zierten Fach­kräften — und da meine ich nicht nur die Akade­miker, denn wir benö­tigen genauso die Menschen, die die Gedan­ken­kon­strukte in die Praxis umsetzen — die sind aber nicht erwünscht, weil man sie für ihre Quali­fi­ka­tion bzw. ihr Können bezahlen muss und weil sie nicht bei jedem neuen Projekt wie erschro­ckene Pferde mit Scheu­klappen in alle Himmels­rich­tungen losrennen, was natür­lich nach außen sehr viel Agilität zeigt, von der Effek­ti­vität her aber das sinn­lo­seste Verhalten über­haupt ist. Ich kann mich da an ein Zitat meines Physik­profs erin­nern, der mal nach einer Sems­ter­klausur in einem Gespräch mit mir meinte, er könne nicht verstehen, weshalb die Studenten ihre Aufga­ben­blätter umdrehen, anschlie­ßend die Formel­samm­lung öffnen und sofort mit dem Rechnen beginnen, anstatt sich erst einmal mit der Aufga­ben­stel­lung ausein­an­der­zu­setzen. Ich konnte ihm die Antwort geben: der Zeit­druck. Das Haupt­pro­blem unserer Gesell­schaft, übri­gens durch die BWL verur­sacht. Ich erin­nere nur an den häufig bemühten Terminus TTM (Time to market), der im Übrigen zu einer Zunahme der Fehler­häu­fig­keit /Fehlfunktion/Ausfallrate von Produkten führt. Ganz schlaue Unter­nehmen benutzen ihre Kunden als Versuchs­ka­nin­chen für ihre halbaus­ge­go­renen Produkte. Glän­zendes Beispiel hierfür sind unsere ach so inno­va­tiven Soft­­ware-Firmen, deren Entwick­lungen ständig irgend­welche Aktua­li­sie­rungen erfor­dern. Ich freu mich immer, wenn es beispiels­weise bei Micro­soft immer heißt, das neue Betriebs­system sei so sicher wie keines zuvor und nach 2 (in Worten zwei) Wochen kommt dann schon die erste Exploit-Warnung. Hahaha.

    Zurück zum Thema. Für mich haben sehr viele Personaler/innen einen erheb­li­chen Vater-/Mut­­ter­­kom­­plex, denn woher soll die Vorein­ge­nom­men­heit gegen­über Mitar­bei­tern im fort­ge­schrit­tenen Alter kommen. Es gab einmal Zeiten, da hatte man vor diesen Menschen ob ihrer Erfah­rung die höchste Achtung, das hat sich mit dem Jugend­wahn und der von Kohl einge­läu­teten „geistig-mora­­li­­schen Wende“ komplett geän­dert. Aber auch der Erzie­hungs­stil der angeb­lich modernen Eltern spielt eine gewich­tige Rolle. Da wird die Zustän­dig­keit für pädago­gi­sche Inter­ven­tionen auf den engen Kreis der Familie redu­ziert, die speziell in solch expo­nierten Kreisen die geringste Quali­fi­ka­tion besitzt.

    Ein anderes Thema ist die Bologna-Geschichte. Hier hat die Indus­trie ihren Kopf durch­ge­setzt. Natür­lich profi­tieren auch die Hoch­schulen, deren Durch­satz sich wesent­lich erhöht hat. Ich höre noch heute die Klage­lieder der wirk­lich bemit­lei­dens­werten Profes­soren, wenn sie die Zahl der zu betreu­enden Studenten sahen. Da konnte so mancher der Versu­chung nicht wider­stehen, seine Vorle­sung in einer maximal akade­mi­schen Sprache so unver­ständ­lich wie nur irgend möglich abzu­halten und die Prüfungs­fragen anschlie­ßend mindes­tens ebenso verklau­su­liert zu präsen­tieren, stel­len­weise mit Fallen gespickt, die unter dem Druck der Prüfungs­si­tua­tion nur all zu leicht zu über­sehen waren. Durch­fall­quoten von um die 80 % waren nicht selten und stei­gerten das Ego des Profs, anstatt ihn darüber nach­zu­denken zu lassen, was da wohl falsch läuft. Anschlie­ßend jammerte die Wirt­schaft über den Mangel an quali­fi­zierten Arbeits­kräften. Gut, dabei sollte man auch stets bedenken, dass an einer Univer­sität eigent­lich für die Forschung ausge­bildet werden sollte, nicht für die Wirt­schaft, da die Anfor­de­rungen dort ganz andere sind. Aber unser deso­lates Schul­system ist ja ausrei­chend oft bemüht worden, und es wird so lange bestehen bleiben, so lange wir denen seine Beibe­hal­tung über­lassen, die davon profi­tieren. Unser Schul­system setzt nur auf einen einzigen ganz bestimmten Lern­typus, jeder andere wid gnadenlos ausge­siebt. Das hilft natür­lich auch, die Abgänger möglichst konform zur darauf folgenden Maschi­nerie zu machen.

    Die Nach­frage der Wirt­schaft an den Univer­si­täten führte letzt­lich aber auch zu der immer weiter ausein­an­der­drif­tenden Menta­lität zwischen gewerb­li­chen Ange­stellten und den Akade­mi­kern. Die einen sahen hinunter, die anderen hinauf, mit den bekannten Folgen. Aktuell kulmi­niert das gerade in den schon längst nicht mehr als maßvoll zu bezeich­nenden Bezügen von Vorständen in der deut­schen Wirt­schaft. Eine vernünf­tige Rela­tion zwischen Leis­tung (Arbeit/Zeit oder besser Ergebnis/Zeit) ist schon sehr lange nicht mehr gegeben. Und viele Menschen in den Führungs­etagen sind eigent­lich über­for­dert, weil sie so gar nicht den Blick für große Zusam­men­hänge besitzen. Wie sonst könnte es passieren, dass jetzt wieder Vorstände der Auto­mo­bil­kon­zerne fest­ge­nommen werden, weil sie bewusst mit krimi­neller Täuschung gear­beitet haben? Wobei sie sicher nicht die einzigen sind.

    Was mich zu einem anderen Thema führt: Kapi­ta­lismus und Kommu­nismus (das, was Marx beschrieben hat). Beides ist eigent­lich mit dem Menschen auf seinem aktu­ellen Entwick­lungs­ni­veau nicht möglich. Weder Kapi­ta­lismus noch Kommu­nismus sind per se schlecht, sie sind eben nur derzeit nicht umsetzbar, das hat die Geschichte bisher gezeigt. Beide Systeme dürfen/können nie ohne externe Steuerung/Regelung funk­tio­nieren, es bedarf stets eines regelnden Eingriffs, wie ihn etwa die soziale Mark­wirt­schaft bot. Die These, der freie Markt würde sich selbst regu­lieren, ist eigent­lich spätes­tens seit der Banken­krise wider­legt, wird wurde nun durch den Diesel­skandal erneut wider­legt (nur zwei Beispiele – es gibt derer unzählig viele). In einem entfes­selten Markt versucht der Mensch zu mani­pu­lieren, wo er nur kann – und damit ist die Selbst­re­gu­lie­rung ausge­he­belt.

    Das führt wieder zurück auf das Problem der angeb­lich fehlenden quali­fi­zierten Arbeits­kräfte, denn Gewinn lässt sich nur maxi­mieren, wenn williges, billiges Volk bekomme, das sich wie auch immer beweisen will, weil es mitunter über eine noch nicht ausge­reifte Persön­lich­keit verfügt, mit der es viel­leicht den stel­len­weise unver­schämten Forde­rungen Paroli bieten könnte. Ande­rer­seits funk­tio­niert natür­lich das Instru­ment Angst ausge­zeichnet, damit lässt sich der Groß­teil der Mensch­heit gefügig machen, speziell wenn es um die Aufrecht­erhal­tung der Lebens­grund­lage geht.

    Jawohl, sie haben absolut Recht. Weder Bachelor noch Master können das bieten, was früher ein normales Studium ermög­lichte – sich inter­dis­zi­plinär zu infor­mieren. Ich sehe das mitt­ler­weile nicht mehr anders als bei den Hoch­leis­tungs­milch­er­zeu­gern. Da werden die Kühe auf maxi­males Ergebnis getrimmt, ein Leben als Kuh ist nicht mehr drin, weil sie keine Weiden mehr sieht und nach ein paar Jahren ihrer Schul­dig­keit wird sie geschlachtet, weil ihr Körper einfach nicht mehr in der Lage ist, die Milch­quote zu stemmen (klar, sie muss dafür ja jedes Mal ein Kalb austragen). Weshalb rennen heite so viele Menschen in den Burn out? Dabei ist es mir egal, ob das eine Mode­be­zeich­nung für eine beson­dere Form der Depres­sion ist. Fakt ist, dass Menschen unter bestimmten Belas­tungen mit Depres­sionen reagieren, was bei Männern ganz anders aussieht als bei Frauen und deshalb oftmals nicht erkannt und in der Über­hö­hung noch als beson­derer Leis­tungs­wille miss­ver­standen wird.

    Mein Fazit: die Mensch­heit dege­ne­riert sich selbst durch falsch verstan­denen Kapi­ta­lismus, der einzig und allein durch psycho­neu­ro­ti­sche Persön­lich­keits­de­fi­zite und Narzissmus getrieben ist.

  27. Johannes Eich­korn 31. Juli 2018 at 4:58 — Reply

    Vielen Dank für diesen Artikel wirk­lich gut.
    Ich frage mich schon länger warum meine Gene­ra­tion so unglaub­lich blind ist, dieses ‘System’ nicht zu ändern. Es fehlt nicht am Wissen wie es besser geht. Wir alle könnten es besser!
    Meiner Einschät­zung nach glaubt aber niemand ehrnst­haft daran. Viel­leicht sind wir alle viel zu beschäf­tigt mit allem und nichts zugleich — um bloß nichts zu verpassen. Lebe koschtet.Spaß koschtet und der Bmw auch. Kein Risiko eingehen sonst sinken die geringen Chancen, noch mehr, sich mal einen leisten zukönnen.
    Es ist ein knall­harter Konkur­renz­kampf.
    Zu wenige Jobs ? Zu viele Menschen ?

    Es hängt so viel damit zusammen das wirk­lich niemend mehr durch­blickt( hat und wird ). Kapi­ta­lismus + Digi­ta­li­sie­rung + Mensch sein × Leben und Spaß ÷ durch Druck von innen und außen = häää

    Und wer mal ein wenig Sicher­heit gefunden hat in diesem schwie­rigen Arbeits­markt will sie nicht loslassen und vertei­digt sie. Sonst kann man den Yoga Kurs der dich viel­leicht etwas von dem Stress befreit gar nicht mehr finan­zieren.

    Wie es früher war weiß ich nicht aber hätte es gefeiert in der Uni rauchen zu können. War sicher alles etwas mehr wie ein gutes Dinner und heute ist das so Fast Food. Gut abge­packtes Auswendig gelerntes nach­bla­b­bern. Selbst denken Wieder­stand und die Karriere ist vorbei ( gut evt. Hat mal einer Glück.)
    Das Problem ist kriti­sches Hinter­fragen bringt nichts es lieber Konflikt­scheu bleiben und mit mitte 40 dann in die Lebens­krise.

    Es wäre schön wenn sich etwas ändert doch ich befüchte es wird nich schlimmer bis es dann in der nächsten Gene­ra­tion den Knall gibt wie damals 68

  28. Thomas 12. Dezember 2018 at 10:24 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich schätze Ihre Analysen norma­ler­weise immer sehr doch leider ist dieser Beitrag für mich als Bashing gegen Bachelor-Absol­­venten zu sehen.
    In den USA und im UK habe ich Cousins und Cousinen, die auch nur einen Bachelor haben und danach direkt Karriere machen und keine Probleme haben, etwas zu finden. Dieses Prinzip ist dort sehr aner­kannt und schon seit Jahren so. Da würde keiner auf die Idee kommen, denen vorzu­werfen, sie wären schlecht ausge­bildet usw. Außerdem sollte es möglich sein mit einem Bachelor den Berufs­ein­stieg zu schaffen. Die Bache­lor­stu­di­en­gänge sind prall gefüllt mit Stoff, Prak­tika und sons­tigen schweren Akti­vi­täten. In BWL, Chemie und sogar in den Sozi­al­wis­sen­schaften gibt es Prak­tika und massig Statistik und Mathe-Kurse und Module. .

    • Svenja Hofert 12. Dezember 2018 at 12:39 — Reply

      Hallo, natür­lich muss man diffe­ren­zieren. Die Qualität der Ausbil­dung unter­scheidet sich sehr. Hinzu kommt ein unklares Bildungs­ver­ständnis. Akade­miker sind eben nicht mehr Vor- und Neudenker, und das macht sich in den Ausbil­dungen bemerkbar. Viel­leicht ist die Akzep­tanz für Bache­lors im Vergleich zum Zeit­punkt der Entste­hung des Beitrags eher gestiegen — aber die Nach­hal­tig­keit der (Aus-)Bildung meiner Meinung nach nicht. Gleich­zeitig steigt die Zahl der Promo­vie­renden und Inhaber mehrerer Abschlüsse, was auch zeigt, dass sich die Wahr­neh­mung für die “Höhe” von Bildungs­ab­schlüssen verschiebt.

  29. Frank2 13. Dezember 2018 at 12:13 — Reply

    Warum sollen Mathe­matik ist Statistik Kurse zu einem Berufs­ein­stieg quali­fi­zieren? Ich habe mit diesem ganzen Zeugs nie etwas real anfangen können. Ganz andere Dinge werden anschlie­ßend benö­tigt. Von den auswendig gelernten Folien ist das Aller­meiste nach wenigen Monaten vergessen. Ich finde der Artikel ist aktu­eller denn je!

  30. Nicole Muster­frau 6. Juni 2019 at 6:48 — Reply

    Guten Tag Frau Hofert,
    Ein sehr guter Beitrag wie ich finde und defi­nitiv sehr reali­tätsnah geschrieben. Aber, ich gehöre zu dem Teil an B. Die eigent­lich keine sind und kann ihnen dafür auch Beweg­gründe liefern.
    Ich gehöre zu denje­nigen mit Real­schule, die eine Ausbil­dung absol­viert haben. In meinem Fall war das eine Ausbil­dung zur PTA an einem Berufs­kolleg. Wenn ich jetzt im Nach­hinein die Komple­xität meiner Ausbil­dung und dem ersten Teil meines Studiums gegen­über stelle, war die Ausbil­dung die größte Heraus­for­de­rung. Und trotzdem studiere ich berufs­be­glei­tend an einer privaten Fach­hoch­schule, weil es für mich keine Alter­na­tiven gibt.
    Nachdem ich nun viele Jahre in meinem Beruf gear­beitet habe, wollte ich mich gerne auf einen Bereich spezia­li­sieren, aber das geht bei uns nicht. Es besteht keine Möglich­keit der Weiter­bil­dung oder Weiter­qua­li­fi­zie­rung. Unsere Arbeit­geber haben daran auch kein Inter­esse, schließ­lich könnten wir dann mehr Geld verlangen, als die 12€ Stun­den­lohn, die vertrag­lich fest­ge­setzt sind. Und das für eine Arbeit, bei der wir tagtäg­lich das respekt­lose Verhalten unserer Kunden ertragen, gehetzt werden aber uns ja kein Fehler unter­laufen darf oder 10 Arbeits­be­reiche abde­cken müssen.
    Sicher, es gibt auch Kunden, denen wir wirk­lich helfen können und die mit einem Lächeln das Geschäft verlassen ( das ist das einzige was ich an meinem Beruf liebe).
    Nur reicht das halt nicht. Alles steht und fällt auch mit dem Verhalten der Arbeit­geber.
    Deshalb habe ich für mich beschlossen mit einem Psycho­logie Studium neu zu beginnen und sobald wie möglich meinen Beruf hinter mir zu lassen. Der Wirt­schaft ist das nicht genehm- auf Bewer­bungen erhalte ich wegen des fehlenden roten Fadens fast ausschließ­lich nega­tives Feed­back. Für Prak­tika und als Werk­stu­dentin bin ich eben­falls nicht genehm- zu teuer, zu alt, nicht gut genug quali­fi­ziert, what ever.…
    Prak­ti­sche Erfah­rung ist heute nichts mehr Wert. Und wenn ich meinen Hori­zont schon erwei­tern möchte- warum dann nicht etwas studieren? Mir persön­lich macht das Studium Spaß, bei jedem Modul lerne ich auch für mich, das “aufgeben” nicht in mein, Reper­toire gehört. Ich bin nicht beson­ders tech­nik­affin, aber für mein Studium lerne ich den Umgang mit Micro­soft Office, poliere mein Englisch auf und gewinne nach und nach Selbst­ver­trauen zurück, das meine Arbeit­geber mir erfolg­reich genommen haben.
    Ich kann Menschen verstehen, die gleich studieren und sich diesen Leidensweg ersparen.

  31. Tobias Thiele 18. Juni 2019 at 9:15 — Reply

    Soviel Recht­schreib­fehler oh Je, aber auf Bwler rumha­cken. Aus meinem Bekann­ten­kreis haben alle mit Bwlstu­dium nach wie vor super Karrie­re­moeg­lich­keiten auch mit Bachelor.

    • T. 27. Februar 2021 at 13:56 — Reply

      Ihnen selbst sind aber auch einige Recht­schreib­fehler passiert, wie man sieht…

  32. Hotz Blitz 30. August 2019 at 16:49 — Reply

    Die Gene­ra­tion “Baby­boomer” mal wieder… Lasst uns Millen­nials doch in Ruhe. Wir machen schon unser Ding, keine Sorge. Auch aus meinem Bachelor-Abschluss konnte ich viel gewinnen und Lebens­er­fah­rung sammeln. Klar, durch das anschlie­ßende Master­stu­dium habe ich erst richtig begriffen, wie wichtig Mathe­matik ist, um die Welt zu verstehen. Unsere Gene­ra­tion hat ohnehin kein Inter­esse, sich diesen alten gesell­schaft­li­chen Struk­turen zu fügen. Wenn wir unsere primi­tive Lebens­form auf diesem Planeten erhalten wollen, müssen wir umdenken.

  33. vanessa 4. Februar 2020 at 13:26 — Reply

    Super inter­es­santer Artikel. Ich selbst studiere und höre es auch immer wieder von anderen Prak­tikum dass man studieren muss um später Erfolg im Beruf zu haben aber warum genau man studiert und der Spaß daran hält sich auch in Grenzen. Ich arbeite neben dem Studium noch von Zuhause und das ohne abge­schlos­sene Ausbil­dung und bin damit auch schon sehr erfolg­reich. Finde der Artikel hat einige span­nende Ansichten offen gelegt. Liebe Grüße Vanessa

  34. Stefanie Mayer 16. Februar 2020 at 20:55 — Reply

    Das Problem liegt halt darin, dass immer mehr Unter­nehmen für einen beruf­li­chen Aufstieg ein Studium verlangen.

    Eine Freundin hat bei einem größeren Konzern gear­beitet. Sie hat zuerst die Ausbil­dung zur Indus­trie­kauf­frau gemacht und ist dann dort als Projekt­mit­ar­bei­terin im Einkauf gelandet. Sie hat dort jahre­lang gute Arbeit geleistet.Als eine Projekt­lei­ter­stelle frei wurde, hat sie sich darauf beworben und obwohl sie die fach­liche Erfah­rung mitbrachte, hat die Stelle ein Externer gekriegt. Der Grund war, dass der Externe studiert hatte. Ohne Studium ist ein beruf­li­cher Aufstieg also nicht möglich.

    Ich nenne gerne noch ein anderes Beispiel, wo die Ausbil­dung auf dem Arbeits­markt nichts (mehr) wert ist. Die Ausbil­dung zum Fremd­spra­chen­kor­re­spon­dent ist eine zwei­jäh­rige schu­li­sche Ausbil­dung, die anspruchs­voll ist und mit der die Absol­venten früher in Export­ab­tei­lungen Fuß fassen konnten. Absol­venten werden jedoch heut­zu­tage behan­delt als wären sie Hilfs­ar­beiter. Eine Perso­nal­ver­mitt­lerin sagte mir mal, dass Fremd­spra­chen­kor­re­spon­denten höchs­tens im Call­center einge­setzt werden können obwohl man dort Dinge lernt, die man auch gut in einer Export­ab­tei­lung einsetzen kann. Das sehen die Arbeit­geber aller­dings nicht. Viele jungen Menschen nutzen diese Ausbil­dung inzwi­schen nur, um danach auf die BOS zu gehen und dann zu studieren. Diese Absol­venten haben dann, nach ihrem BWL-Studium auch gute Posi­tionen erhalten. Dieje­nigen, die “nur” die Fremd­spra­chen­kor­re­spon­den­ten­aus­bil­dung gemacht haben, arbeiten jetzt zum Mindest­lohn am Flug­hafen oder in Call­cen­tern.

    Assis­tenz­stellen will, wie oben bereits bemerkt, auch keiner mehr machen. Dies könnte daran liegen, dass man als Assis­tenz häufig ausge­nutzt wird und der “Fußab­streifer” ist, wenn mal was nicht rund läuft. Ich habe nach meinem Über­set­zer­stu­dium eine Assis­tenz­stelle ange­treten, was ich inzwi­schen bereue. Ich absol­viere nun ein berufs­be­glei­tendes Abend­stu­dium in der Hoff­nung, danach eine verant­wor­tungs­volle Posi­tion zu erhalten, bei der ich nicht nur Befehle ausführe, sondern mich mit eigenen Ideen einbringen darf. Ich bereue es, dass ich nicht von Anfang an BWL studiert habe, sondern mir einreden habe lassen, etwas zu studieren, das mir Spaß macht. Aber so ist das, wenn man aus einer Arbei­ter­fa­milie kommt und die erste mit Abitur ist.

    • Arno 8. August 2020 at 12:34 — Reply

      Den Erfah­rungen von Frau Mayer kann ich mich nur anschließen. Nach 3,5 Jahren Ausbil­dung mit Abschluss­prü­fung im Bereich Elek­­tronik- und Auto­ma­ti­sie­rungs­technik wurde man mit Halb­jahres, dann mit Einjah­res­ver­trägen abge­speist. Gleich­zeitig wurde verlangt, dass das Fach­wissen immer auf dem aktu­ellsten Stand der Technik ist, dies auch entspre­chend ange­wendet wird und auch Spezia­li­sie­rungen erfolgen (bspw. Mess­technik, Analy­sen­technik, Verfah­rens­technik etc.). Stän­dige Erreich­bar­keit für den Kunden ist selbst­ver­ständ­lich.
      “Aufstiegs­chancen” bzw. Gehalts­er­hö­hungen wurden IMMER an Bedin­gungen geknüpft, wie etwa Auslands­ein­sätze, 3‑jährige Weiter­bil­dung zum staatl. geprüften Tech­niker, Studium, 24/7 Stör­dien­st­ein­sätze. Ob die eigent­liche Arbeit gut und fach­ge­recht ausge­führt wurde, war da nicht als vorrangig zu betrachten und auch ob die gefor­derten Bedin­gungen für den jeweilgen Mitar­beiter über­haupt durch­führbar waren, war nicht von belang.
      Junge Kollegen stri­chen oftmals nach wenigen Jahren entnervt die Segel, da diese ihren Lebens­un­ter­halt trotz guter Ausbil­dung und Job in einer sicheren Branche nur noch schwer bestreiten konnten und wanderten in andere Bereiche ab, die bereits unter Fach­kräf­te­mangel litten und immer noch leiden.
      Während­dessen wurde akade­mi­scher Nach­wuchs akqui­riert, der zwar div. Titel trug und auch (mehr oder weniger) entspre­chendes theo­re­ti­sches Wissen vorweisen konnte, jedoch in den meisten Fällen mit der Praxis über­haupt nicht klar kam. Warum man z.B. aus dem Bereich Maschi­nenbau Leute heran­schaffte, obwohl dies über­haupt kein Schwer­punkt war, bleibt rätsel­haft.
      Lapi­dare Antwort der dama­ligen Geschäfts­füh­rung: “Akade­miker gehen aufgrund der fundierten, theo­re­ti­schen Ausbil­dung “ganz anders” an Problem­stel­lungen und Aufgaben heran.”.
      Das Ende vom Lied: Eine genauso hohe Fluk­tua­tion, wie bei den vorher genannten jungen Kollegen, da viele mit der Aufga­ben­stel­lung wenig bis gar nichts anfangen konnten und auch gehalts­tech­nisch natür­lich “nicht sofort” schwer aufge­fahren wurde. Die Kollegen, welche sich in die Materie gut einar­beiten konnten, wurden dann meist von Herstel­ler­firmen, mit denen man in Kontakt war, unter viel besseren Kondi­tionen abge­worben oder wech­selten in andere Bran­chen über.

      Fünf­zehn Jahre später: Die Geschäfts­füh­rung und Abtei­lungs­lei­tung wurden ausge­tauscht. Man setzt auf Personal und Nach­wuchs aus den “eigenen Reihen”, akade­mi­sche oder sons­tige Titel sind keine zwin­gende Grund­vor­aus­set­zung mehr für das Begleiten einer anspruchs­vol­leren Posi­tion, sondern die tatsäch­lich gezeigte Leis­tung. Inter­es­sen­schwer­punke werden ermit­telt und gezielt geför­dert. Junge Mitarbeiter*innen werden während ihrer (akade­mi­schen) Ausbil­dung an die Themen heran­ge­führt. Und was soll man sagen: Es funk­tio­niert und trägt bereits Früchte. Warum man erst auf das böse Erwa­chen warten musste: Unbe­greif­lich.
      Verkrus­tete Hiera­chien und Vorge­hens­weisen müssen aufge­bro­chen und es muss sich der aktu­ellen Markt- und Wirt­schafts­lage ange­passt werden. So platt das auch klingen mag. Ein Verharren auf alter, über­holter Büro­kratie kann niemals zum Erfolg für irgend­je­mand führen. In anderen Ländern hat man dies bereits vor etli­chen Jahren erkannt.

  35. Bei 24. Oktober 2020 at 1:03 — Reply

    Akade­miker muss derzeit nicht immer konzep­tio­nell, ganz viel Akade­miker sind konzep­tio­nell und dogma­tisch.
    Sie wissen nur von Praxis getrennte sinn­lose Theorie oder Konzepte. Sie werden Artikel schreiben und veröf­fent­li­chen, nachdem sie das theo­re­ti­sche Denken abge­schlossen haben, das Grund­schüler erle­digen können..
    Leider ist es wirk­lich schwierig für viele Wissen­schaftler zu der Praxis, weil ihr Denken wird gefixt.
    Die viele aktu­ellen wissen­schaft­liche Arbeit sind wirk­lich keinen Blick wert. Zu viel Arbeit, die auf Praxis beruht, wird nur ein wenig erle­digt und veröf­fent­licht.
    Meisten Wissen­schaftler hält seine Arbeit jedoch für sehr wert­voll und seine Denk­weise für richtig, mit solcher Arbeit…
    Die Notwen­dig­keit einer Sache ändert sich ständig, genau wie die Konzept und die Theorie in der Vergan­gen­heit wich­tiger sind als die Praxis, aber jetzt sind sie gleich­wertig.
    In einigen Berei­chen ist die Praxis häufig wich­tiger als die Theorie, beispiels­weise in der Infor­matik.

  36. Mike 5. Februar 2021 at 15:16 — Reply

    Frau Hofert,

    auch wenn Ihr Beitrag bereits ein paar Jähr­chen auf dem Buckel hat, so spreche ich Ihnen dennoch gerne zu, also auch heute noch im Jahre 2021.

    Ich neige leider dazu, immer Aufsätze zu verfassen. Bitte nicht ins Negativ rücken deswegen 🙂

    Ich für meinen Teil bin 1980 geboren, sprich ich war eine der ersten Gene­ra­tionen, die sich (sofern Inter­esse vorhanden war) sich mit der IT effektiv ausein­an­der­setzen konnte, bzw. sich bekriegt hat. Sprich es gab Computer für alle zu einem erschwing­li­chen Preis, ohne wie heut­zu­tage als “Nerd” abge­stem­pelt zu werden. Ab zirka 1998 bis 2000 wurde langsam aber sicher auch der Haus­an­schluss des Inter­nets für mehr oder weniger Alle einge­führt.

    Von den Gene­ra­ti­ons­be­zeich­nungen Boomer, X, Y, Z, usw. halte ich nicht viel, da es ja weiterhin Personen sind mit eigenen Inter­essen. Ich kann schlecht eine ganze Alters­gruppe in eine Schub­lade schieben. Ich kenne genug Schul­kol­legen von früher, die sich mit meinem Thema nicht beschäf­tigt hatten 😉

    Zu mir:
    Meinen ersten Stand­rechner konnte ich mir aus eigenen Stücken 1998 zulegen und diesen hatte ich (gefühlt) alle 2–3 Wochen neu aufge­setzt (Windows 95 / 98, da war das bei den Jugend­li­chen mehr oder weniger normal); beim rumpro­bieren habe ich Fest­platten zerstört, Kurz­schlüsse, einmal sogar einen kleinen Brand verur­sacht und vieles mehr. Jetzt kann ich ja drüber lachen 🙂 Das war — wenn auch damals finan­ziell für mich und meine Eltern ein Fiasko — aber im Rück­blick betrachtet für mich eine extrem lehr­reiche Zeit, die mir sehr viel gebracht hat — und das ganz ohne Schule oder Univer­sität. Ich konnte (und durfte) noch Fehler machen, je wenn man nicht sogar Fehler machen MUSSTE, um etwas zu lernen (das Try-and-Error-Prinzip — merke: Fest­platten mit offenen Plati­nen­teilen nicht mit der Plati­nen­seite nach unten auf eine leitende Ober­fläche legen). Es gab noch keine Such­ma­schienen, geschweige denn Internet, die alle Probleme mehr oder weniger behan­delten oder wo man nach­lesen konnte, wie jemand etwas gelöst hatte. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass in diesem Bereich man am meisten durch herum­pro­bieren sehr viel lernen konnte.

    Nach zwei Jahren Warte­zeit, weil es keine Lehr­stellen damals in meiner Umge­bung gab, musste ich auf einen Hand­werks­beruf, den Glaser lernen. Eigent­lich wäre ich gern in die Rich­tung Büro­kauf­mann oder Rich­tung Computer (heut­zu­tage IT genannt) einge­stiegen. Aber wer zwei Jahre lang eine Lehr­stelle sucht verliert sich, das Wunsch­ziel zu bekommen.

    Auf Grund von Rücken­pro­blemen, kurz nach meiner 3,5 jährigen Ausbil­dung, konnte ich eine Umschu­lung vom Staat zum Büro­kauf­mann (Lehr­beruf) in Anspruch nehmen. Ich hatte also weder die Zeit, noch hatten meine Eltern oder ich die Mittel, um ein Studium für mich zu finan­zieren. Zusätz­lich da ich auch den Präsenz­dienst mit 600 Euro pro Monat bekommen hatte in dieser Zeit­spanne.

    Auch das Eigen­in­ter­esse fehlte damals für ein Studium, ein Studi­en­platz wäre in der Nähe nicht vorhanden gewesen. Ganz zu schweigen von meinen dama­ligen Noten aus der Haupt­schule (glaube das ist in Deutsch­land die Real­schule? 5tes bis 8tes Schul­jahr), der Durch­schnitt war 3 (1 gut bis 5 durch­ge­fallen), bei zwei Fächern hatte ich sogar eine Nach­prü­fung zwischen der Note 4–5. Ein Studium wäre bei mir damals defi­nitiv nach heutigen Maßstäben in die Binsen gegangen (keine Moti­vaton dazu), ich wäre auch nirgends zuge­lassen worden mit diesem Noten­schnitt.

    Dies hing aber im Nach­hinein betrachtet stark von dem Lern­stoff und den Lehr­kräften ab.
    Ein Fach lag mir über­haupt nicht (Geografie), konnte aber dank eines Lehr­­kraft-Wech­­sels mich von einer knappen 4,5 auf eine 3 verbes­sern.

    Aus meiner Sicht wäre es sinn­voll gewesen ein Studium nicht an die Haupt­schul­zeit zu binden, sondern auch später problemlos nach­holen zu können. Das ist in Öster­reich leider so nicht direkt machbar.

    Durch die vielen Jahre im Eige­n­en­ga­ge­ment in diesem Bereich konnte ich mir quasi auto­di­dakt ein allge­meines Wissen im Bereich der IT (Computer) selbst­ständig anlernen, natür­lich in späterer Folge ergänzt durch verschie­dene einzelne Kurse von Volks­hoch­schulen, Fern­lehr­uni­ver­si­täten (bspw. Humboldt) und einige mehr auf volle, eigene Kosten. Nach meiner Umschu­lung rutschte ich vom Rezep­tio­nist in der Annahme einer LKW-Werk­­stätte wegen meines logi­schen Verständ­nisses ins Lager zur (Re)Organisation, später wech­selte ich dann in ein anderes Auto­haus, wo ich die IT-Struktur inklu­sive Haus­server aufbaute — und das alles ohne Ausbil­dung.

    Danach folgte ein Platz als Fili­al­leiter eine IT-Verkaufs­stelle. Nach mehreren Einbrü­chen in der Filiale wurde mein Arbeits­ver­trag leider gekün­digt.

    Vor etwa 10 Jahren habe ich mich, also nahezu direkt nach der Kündi­gung der IT-Verkaufs­stelle, in diesem Bereich selbst­ständig gemacht und bin damit als Allrounder, die es — es sei erwähnt — seit dem Studi­en­boom kaum noch gibt, extrem gut gefahren. Sprich: Direkt­be­treuung und Unter­stü­zung bei Netz­werk­pla­nungen, einzu­set­zende Soft­ware, Schu­lungen usw.

    Aller­dings sind meine Kunden auch primär Privat­kunden, weniger Firmen (hat versi­che­rungs­tech­ni­schen Hinter­grund: Privat­per­sonen verklagen eher selten bei Ausfall wegen Einkom­mens­au­fall 😉 ). Firmen bevor­zugen weiterhin (meiner Erfah­rung nach) einen Ing.- oder Dr.-Titel oder einen Betreuer / Betreu­er­firma mit viel Kling-Bim, denn Personal mit dieser Ausbil­dung ist aus Prinzip vertrau­ens­wür­diger und die haben mehr Ahnung (laut einem Stück Papier). Also was ich bislang von meinen Firmen­kon­takten so heraus­hören konnte. Ironisch betrachtet natür­lich.

    Fakt ist, dass ich als “Auto­di­dakter” und sich mit dem Thema befas­sender Mensch ich mich durchaus in der Lage sehe, komplexe Proble­ma­tiken, die mehrere Fach­be­reiche betreffen zu behan­deln und damit Probleme zu lösen, die unsere spezia­li­serte Ausbil­dungs­in­itia­tive in West­eu­ropa nicht mehr hervor­bringt.

    Meiner Meinung nach sind 90% der Studie­renden, und die einen Abschluss machen, reine Experten auf einem Gebiet, haben aber vom Groß­teil der Materie (auf die es auch ankommen kann, sprich die Neben­be­reiche) gar keine Ahnung!

    Auch wie in Ihrem Text heraus­zu­lesen, dass das meiste Wissen rund­herum vergessen wurde, weil es nicht wichtig ist für den Kern­be­reich der Ausbil­dung. Haupt­sache die nächste Prüfung bestehen. Das ist aktuell wich­tiger, als die fach­li­chen Kompe­tenzen auch prak­tisch nutzen zu können.

    Ich möchte jetzt die Studie­renden nicht alle schlecht machen, es gibt Ausnahmen! Und in deren Spezi­al­fach sind diese Leute auch teil­weise richtig gut, da komme ich nichtmal ansatz­weise als Auto­di­dakter hin, auch nicht mit bekannten Such­ma­schinen. Es gibt auch Studie­rende, die sich zeit­wäh­rends mit deren Thema befasst haben und auch allround­tech­nisch sich gut auskennen.

    Aber als Beispiel Gegen­bei­spiel: In Hagen­berg (Anm.: dort ist der Sitz einer bekannten und welt­weit renom­mierten IT-Ausbil­­dungs­­­stätte von Öster­reich für Program­mie­rung) studierte eine jüngere Dame. Ihr Note­book war extrem langsam, ab und an hing sich das Gerät auf, teil­weise mit einem Blue­screen. Sie fragte MEHRERE Profes­soren dort, wo das Problem liegen könnte: Die Rück­mel­dungen waren das Gerät sei zu langsam, ein Treiber ist schuld, “am besten kaufen Sie sich ein neues Note­book” usw. Da ihr Vater mich als Betreuer hatte frage er bei mir an und schil­derte mir die Symptome per Telefon. Erste Rück­mel­dung von mir: Die Fest­platte oder das Netz­teil ist defekt; das war von der Erfah­rung her am nahe­lie­gensten. Einen Tag später schaute ich mir das Gerät an und tatäch­lich: Die Fest­platte wies Fehler auf, ich konnte aber den Inhalt auf einen neuen Daten­träger spie­geln, einbauen und die Probleme waren weg. Inner­halb von einer Stunde. Und die Probleme sind bis heute nicht mehr aufge­taucht.

    Meine Meinung dazu: Selbst Profes­soren können nicht alles wissen, es ist mir bewusst. Aber wenn ich keine rich­tige Ahnung habe, muss ich eben sagen “dieses Problem kann ich mit meiner Erfah­rung (sprich Kompe­tenz) nicht lösen, such’ Dir bitte wen anderen!”.

    Unter­haltsam fand ich auch ein persön­li­ches Kommentar eines Dienst­leis­ters, der mir eine mecha­tro­ni­sche Arbeit durch­ge­führt hatte (eine Repa­ratur von mehreren Platinen — ich hab von Elek­tronik / Mecha­tronik erstens keine Ahnung und zwei­tens kein Equip­ment um das zu repa­rieren — dürfte ich auch recht­lich nicht — oder zu prüfen):

    Die “Pfuscher” (Anmer­kung von mir: also die Leute, die den Beruf weder erlernt noch studiert haben, also so wie ich) fügen seiner Firma und der Branche sowieso massiv laufend Schäden zu. Das Schmun­zeln vor Ort konnte ich mir damals gerade noch so zurück­halten.

    Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass die Repa­ra­turen dieser “Fach­werk­stätte” pro Instand­set­zungs­ar­beit etwa 120 Euro gekostet hatten (ein Austausch­teil hätte 150 Eur inkl. zwei Jahre Garantie gekostet), fünf von sechs “repa­rierten” Gegen­ständen aber nach maximal drei Wochen wieder in die Brüche ging mit dem glei­chen Fehler­bild. Der Repa­ra­tur­dienst meinte, er kann nur eine garan­tierte Lauf­zeit von einem Tag geben. Und das trotz Studium und einer Werbe­kam­pagne, wo so macher Groß­kon­zern blass werden würde. Spezia­li­siert und mit Vollgas Rich­tung Abgrund, also meine beschei­dene Meinung — aber ich bin ja nur ein “Pfuscher”! Es geht natür­lich nicht, dass ein Dienst­leister versucht, auf der Seite des Kunden zu stehen. Wo kommen wir denn da hin! (Das nicht sicht­bare Ironie­schild bitte nicht über­sehen)
    Manchmal frage ich mich, warum ich als selbst­stän­diger Dienst­leister eine 3jährige Garnatie auf Funk­tion meiner Arbeiten und Geräte kostenlos dazu­gebe… und ich habe bislang keine Rekla­ma­tionen bekommen.

    Mit anderen Worten: Es wären die Kunden, also beispiels­weise Firmen, gut beraten sich nach Dienst­leis­tern oder Personal umzu­sehen, die sich mit dem Allge­mein­wissen, sprich Allrounder darstellen, statt nur auf Experten zu setzen. Auch wenn kein Uni-Zerti­­fikat vorliegt.

    Wobei Spezia­listen durchaus ihre Berech­ti­gung haben. Wenn ich eine spezia­li­sierte Frage zu Daten­banken habe orga­ni­siere ich mir auch einen Spezia­listen und doktore nicht Tage dran rum um es hinzu­kriegen. Oder probiere es einfach und zerlege dann unbe­darft eine Daten­bank, weil ich keine Ahnung davon hab. Dafür gibt’s eben Personal mit Spezi­al­aus­bil­dung. Das kriegt man auch mit einer Such­an­frage im Internet nicht hin.

    Aller­ings sehe ich keinen Sinn, im Jahr (nur von mir geschätzt) 20.000 Leute in eine Rich­tung als Experten landes­weit auszu­bilden, wenn nur 2.000 gebraucht werden.
    Die Allrunder sterben aus, weil niemand in der Wirt­schaft eine Berech­ti­gung für dieses Personal sieht (auch gerne Quer­ein­steiger oder Auto­di­dakte).

    Ich für meinen Teil igno­riere inzwi­schen Anfragen von Personen mit Titel, sofern diese nach 1990 abge­schlossen wurden:
    Meist sind diese Personen entweder a) extrem über­heb­lich oder b) wissen grund­sätz­lich auf Grund deren Papier­zer­ti­fikat aus Prinzip alles besser, auch wenn es nicht der Wahr­heit entspricht.

    An dieser Stelle möchte ich mich gege­ben­falls für meinen Aufsatz entschul­digen, ich hatte es am Anfang kurz ange­schnitten 🙂

    In diesem Sinne, es kann nur besser werden — der Boden der Sinus­kurve ist erreicht!

    LG
    Mike (Öster­reich)

  37. Gassner 9. Oktober 2021 at 5:58 — Reply

    Ich finde die State­ments als auch den Text sehr einseitig. Es fehlt eine diffe­ren­zierte Sicht­weise, zuge­geben dies ist für Personen, welche keinen Spaß am Lernen haben und geis­tige Heraus­for­de­rungen suchen, sicher­lich sehr fordernd und wie inzwi­schen üblich, wird alles über einen Kamm geschoren.
    In einem Land wie Öste­reich gelten übri­gens Personen über 35 alt zu alt auf dem Arbeits­markt und Alters­dis­kri­mi­nie­rung ist normal. Eine pauscha­lierte Bewer­tung von Personen mit akade­mi­schen Graden pauschal bestä­tigt massives Schub­la­den­denken. Und für meinen Geschmack haben einfach noch nicht genug Menschen erfahren, wie Akade­miker mit Berufs­aus­bil­dung vorweg und weiteren Quali­fi­zie­rungen im ALG2 drang­sa­liert und jahre­lang ausge­bremst werden, weil insbe­son­dere die in der Rela­tion vergleichs­weisen gering gebil­deten Mitar­beiter geis­tigen Neid ausleben. Eine Anfrage habe ich nie igno­riert, da ich mir tatsäch­lich jede Bewer­bung anschaue und keine Arro­ganz nötig habe.

  38. Georg 24. Oktober 2021 at 21:17 — Reply

    Ein nicht uner­heb­li­ches Problem ist die fehlende Aner­ken­nung des deut­schen Ausbil­dungs­ab­schlusses im Ausland. Im angel­säch­si­schem Raum (insbe­son­dere den USA) kommt der Bache­lor­ab­schluss (wenn auch nur am Commu­nity College) dem IHK-Abschluss gleich. Für einen Bundes­bürger, der in den USA arbeiten möchte ein Problem, da das Visum beim H1B-Arbeits­­visum einen akade­mi­schen Grad voraus­setzt (wenn man nicht zwei­stel­lige Jahre Berufs­er­fah­rung vorweisen kann).

  39. Kuti 24. Dezember 2021 at 19:26 — Reply

    Ich brauche bitte Ihre Unter­stüt­zung und Exper­tise. Ich bin 28 Jahre alt, habe vor 4 Jahren mein Bachelor of Arts in BWL abge­schlossen. Einer meiner Schwer­punkte war die Beschaf­fung & Logistik. Ich wusste lange nicht wo und in welchem Bereich ich genau arbeiten soll (habe bis heute eine Sach­be­ar­beiter ähnliche Tätig­keit im Bereich Rech­nungs­wesen ausgeübt, um Berufs­er­fah­rung zu sammeln + SAP Weiter­bil­dung gemacht). Heute tendiere ich mehr zum Thema Logistik und will mich da weiter­ent­wi­ckeln. Ich tue mich heute schwer, eine Studium gerechte Stelle zu finden. Ich habe Angst, dass mein Bachelor auf dem Arbeits­markt nicht mehr gut ankommt. Ich weiß, dass die KI im Anmarsch ist. Ich will für die Zukunft gut aufge­stellt sein und spiele auch mit den Gedanken in Rich­tung IT zu gehen. Was denken Sie über meine Gedan­ken­gänge? Was würden Sie mir in meinem Fall empfehlen? Was lohnt sich noch zeit­lich? Es würde mich sehr freuen, wenn eine so erfolg­reiche Frau wie Sie mir helfen kann.

  40. Anony­mi­siert von Redak­tion aus Schutz­gründen 28. März 2022 at 17:27 — Reply

    Hallo,
    vielen Dank insbesonderer/hier für die Kommen­tar­mög­lich­keit.

    Ich habe als Wissen­schaftler und Luft­­fahr-Indus­­trie­in­­ge­­nieur dann bei Nach­fra­ge­rück­gang probiert, als Lehrer an einer Schule ange­stellt zu werden.

    Dabei sind hinder­lich:
    1. dass die Reisen nicht bezahlt werden (auch nicht vom Jobcenter, das meine Anträge die ganzen CoViD Jahre hindurch nicht inmal beant­worten geschweige denn bear­beiten)
    und
    2.
    es gibt wenige auch zur Beset­zung vom Minis­te­rium aufgrund von Gesetzen frei­ge­ge­bene Stellen und
    3.
    werden dort auch eher Leute mit klang­vollen Titeln genommen, also für Tech­nik­un­ter­richt: Vertriebs­leute. Das mag daran liegen, dass die Schüler vor ihnen auch mehr respekt haben, denn es wirkt so als kämen sie aus unge­kün­digter Stel­lung.

    Da wir die technik nach China ausge­la­gert haben, haftet Inge­nieuren immer der Verdacht an, sie haben “den Scnhl­auss verpasst”, egal wie sie sich weiter­bil­deten.

    Möchte also davor warnen in Summe, hier zu viele Stellen zu erwarten. Wenn man beim Jobcenter ist, wird das hier noch frecher, weil sie denken, man sei unfähig, wenn “schon eine Schule Einen nicht möchte”. In meinem Falle erwägt das Jobcenter Starn­berg und erwirkt auch straf­recht­liche Konse­quenzen, wenn man dann etwas länger Kunde bleibt (ich habe tlw. mit ALG‑2 promo­viert und das JC findet, jetzt muss ich verrentet werden, und hat das auch im Allein­gang ohne Begut­ach­tung etc. getan).

    Mit freund­li­chen Grüßen
    XX

    zZt. München
    promo­vierter Plas­ma­phy­siker und ET-Inge­­nieur von der Bundes­wehruni

  41. Chris 5. November 2022 at 12:42 — Reply

    Hallo, so ist sie, die schöne Arbeits­welt.
    Wenn die Jungen nur Scheine sammeln, dann ist es nicht ihre Schuld. Was sollen sie machen?
    Die Unire­form wollten viele nicht, der Arbeits­markt (Slaven­handel wie ich es nenne) wollte es.
    Man muss es realis­tisch betrachten, der Arbeit­markt will Leute die intel­li­gent genug sind um ihre Arbeit zu machen, das wars. Wer zu viel nach­denkt ist nicht erwünscht, zu gefähr­lich. Wir verblöden, unser Leben dreht sich um Arbeit, Geld und Konsum, sehr ameri­ka­nisch, sie wollen ja ameri­ka­ni­sche Verhält­nisse. Die haben wir schon, ein Haus­meister ist jetzt ein “Faci­lity Manager”, toll nicht war?
    Sicher­heit hat es nie geben und wird es nie geben und viel wollen die öde der Sicher­heit nicht.
    Arbeit­geber dachten immer das sie die Mäch­tigen sind und am längeren Ast sitzen, nun die Jungen wollen den Quatsch nicht mehr. Richtig so, ein Leben lang arbeiten um dann eine Mindest­pen­sion zu kassieren, nachdem man Jahr­zente die alten durch­ge­füt­tert hat, nein! Ameri­ka­nisch muss es werden, weg mit dem Schein­hei­ligen Sozi­al­staat (Harz 4) und her mit dem System der Selbst­ver­ant­wor­tung!

  42. Stephanie 25. September 2024 at 12:46 — Reply

    Besser hätte ich es nicht ausdrü­cken können.

    Ich habe nicht d. Chance gehabt zu studieren, mich aber immer stets weiter gebildet. Das habe ich aber von meinen Eltern gelernt.

    Ich habe schon so viele Erwach­sene getroffen, die nach d. Ausbil­dung denken, sie sind fertig und leben vor sich hin.

    Das Problem liegt in d. Köpfen d. Menschen.

    Das Inter­esse sich frei­willig weiter­zu­bilden, ist bei 0, da einem ja auch ständig erzählt wird, dass nur Experten es wissen und man selber als kl. Gesell­schafts­mit­glied als dumm gesehen wird.

    Viele Studierte sind einge­bildet und würdigen die Hand­ar­beit nicht.

    Die heutigen Studenten lernen nur auswendig, was aber auch nicht hängen bleibt.

    Denke es hat auch viel mit d. Psycho­logie d. Menschen zu tun, denn d. Trau­mata d. Krieges ist nicht verar­beitet.

    Obwohl ich immer nur an d. Armus­grenze gelebt habe, habe ich mich fort­ge­bildet.

    Denn geht nicht, gibt’s nicht.

    Oder wie d. IHK hier in Berlin wirbt ” weeste nischt, wirste nischt!”

    Danke für die tollen Worte! 😊

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