Kate­go­rien

Alles syste­misch oder was? Über ein Wort­un­ge­heuer und seine rela­tive Bedeu­tungs­lo­sig­keit

Published On: 24. Januar 2014Cate­go­ries: Aktuell

Syste­misch ist so etwas die die Recht­fer­ti­gung für alles. „Meine Coachingaus­bil­dung war syste­misch“, signa­li­siert Qualität und die Einhal­tung eines Stan­dards, von dem kaum einer weiß, was er eigent­lich beinhaltet.  Ist es nicht selbst­ver­ständ­lich, davon auszu­gehen, dass jeder Mensch Produkt seiner eigenen Wahr­neh­mung und Teil eines Systems ist, dass z.B. durch Inter­ak­tion zwischen Menschen und Umwelten ein System entsteht und sich verän­dert? Dass jeder Mensch nie losge­löst vom Kontext betrachtet werden kann, sondern im Zusam­men­hang gesehen muss? Inter­dis­zi­plinär sozu­sagen? (im System stehend). Das ist, kurz beschrieben das, was der Begriff inhalt­lich aussagt. Manchmal. Einige meinen auch Ablei­tungen aus der syste­mi­schen Fami­li­en­the­rapie, dazu habe ich aktu­eller bei Team­works geschrieben.

Auf das Thema “alles hängt mit allem zusammen” können sich natur­gemäß alle einigen. Das Fest­halten am Syste­mi­schen entspricht einer deut­schen Grund­logik zur Verein­heit­li­chung und Stan­dar­di­sie­rung. Im englisch­spra­chigen Web finden sich kaum Seiten mit „systemic coaching“ oder auch „systemic counsel(l)ing“ die drei ersten unter diesem Begriff gefun­denen Einträge bei Google haben eine de-Domain. Es muss also eine sehr unter­schied­liche Wahr­neh­mung der Bedeu­tungs­schwere (oder –leere) dieses Begriffs geben. Anderswo scheint sich die Allheil­wir­kung des Unworts jeden­falls nicht in diesem Ausmaß herum­ge­spro­chen zu haben wie im deutsch­spra­chigen Raum.

Da meine beruf­liche Orien­tie­rung in den Bereich Career Coun­seling, Karrie­re­be­ra­tung, Trai­ning, Lernn­be­glei­tung oder wie Sie es auch immer nennen wollen, Ende der 1990er Jahre statt­fand, bin ich noch nicht in diese Welle geraten. Ich habe mich auch immer viel wohler in der Bera­ter­rolle gefühlt – mich aber nie als besser­wis­sender Ratgeber verstanden. Meine Weiter­bil­dungen vermit­telten mir einen Tool-Experten-Psycho-Kommu­­ni­­ka­­tions-Mix: Schultz von Thun, Carl Rogers, Fritz Perls, Virginia Satyr, Trans­ak­ti­ons­ana­lyse etc. Von allem etwas – so wird es auch heute in einigen Coachingaus­bil­dungen serviert. Aber dann auch wieder nicht, denn in meiner Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie bekomme ich mit, wie unglaub­lich unter­schied­lich die Teil­nehmer aufge­stellt sind, die eine syste­mi­sche Ausbil­dung mit 150, 180 oder über 200 Stunden haben.

Die syste­mi­sche Welle begann um 2003 richtig groß zu werden. Plötz­lich bekam alles das Etikett „syste­misch“: NLP, die inte­­gral-spiri­­tu­elle Wilber-Rich­­tung – alle nennen und nannten sich syste­misch. Sie werden kaum eine Weiter­bil­dung finden, die nicht syste­misch heißt. Fast jeder versucht sich auch in einer Defi­ni­tion, aber ob eher intel­lek­tuell oder hands-on-formu­­liert, schlauer wird man nach dem Lesen nicht. Es sind Selbst­ver­ständ­lich­keiten: Natür­lich sind alles inter­agie­rende Systeme, darin agiert auch ein Nur-Berater. Und den Kontext muss er einbe­ziehen, selbst wenn er betriebs­wirt­schaft­liche Analysen macht.

Aber: Syste­misch ist auch nicht gleich System­theorie.

In Grund­la­gen­bü­chern beschreiben Autoren syste­misch als prak­tisch ange­wandte System­theorie. Dabei gibt es viele System­theo­rien, allge­meine und spezi­elle.  Das Adjektiv „syste­misch“ macht die Spann­weite noch größer: Unter ihr erstreckt sich vom bunten Tool-Misch­­masch bis hin zur fern­öst­li­chen Philo­so­phie alles, was dem jewei­ligen Anbieter gefällt.

Auch „System­stellen“ hat sich in den Kreis gestellt, beruft sich also auf die System­theorie oder halt die syste­mi­sche Fami­li­en­the­rapie, von der es aber auch zahl­reiche Vari­anten gibt? Und Aufstel­lungs­ar­beit? Mir ist die Vari­ante nach Hellinger jeden­falls suspekt – und tatsäch­lich ist sie höchst umstritten in Fach­kreisen. Das ist etwas anderes als ein paar Püpp­chen hin und her zuschieben oder jene Art fort­ge­schrit­tene Rollen­spiele, die man im Bera­tungs­kon­text machen kann. Nein, nicht falsch verstehen, ich weiß, dass das es sehr effektiv sein kann, Situa­tionen aufzu­stellen, lesen Sie etwa mein Inter­view zum Coaching mit Handicap hier. Doch als Massen­ver­an­stal­tung aufge­zogen, regt sich meine Abnei­gung gegen Phäno­mene, die in Gruppen Reak­tionen entstehen lassen, die allein undenkbar sind und teil­weise gar nicht vom Mode­rator aufge­fangen werden können. Das jeden­falls höre ich von manchem Kunden.

Was ist der gemein­same Nenner?

Zurück: Ich will über die unter­schied­li­chen Ausle­gungen und den fehlenden gemein­samen Nenner sinnieren. Ich habe mir die Mühe gemacht, über rund ein Jahr über 25 Curri­cula zu verglei­chen. Und dabei fest­ge­stellt: es hat noch nicht mal jeder ein Curri­culum, es defi­niert nicht jeder Lern­ziele — manche sind darin sogar höchst ober­fläch­lich. Ich habe kaum eine einzige Über­ein­stim­mung gefunden. Der eine hat Schultz von Thun und der nächste Viktor Frankl im Plan. Nach DVCT-Ehren­­vor­­­stand Axel Janßen, mit dem ich neulich zwei Stünd­chen plau­derte ist es sogar noch mal ganz anders. Es geht nicht darum zu verstehen, in welchem System sich ein Klient bewegt und die entspre­chenden Fragen zu stellen und Inter­ven­tionen zu „verab­rei­chen“. Es geht darum, eine Wirkebene über eine komplett abstrakte Vorge­hens­weise herzu­stellen, über die keinerlei mentale Vorein­stel­lung des Coachs auf den  Klienten abfärben kann. Fragen wie „welche Bedeu­tung hat für Sie…?“ wären danach unzu­lässig, die Exper­tise eines Coachs, seine Feld­kom­pe­tenz komplett unwichtig. Spinne ich das weiter, wäre jede Selbst­dar­stel­lung des Coachs verboten, denn schon durch dessen Präsen­ta­tion im Internet findet eine Beein­flus­sung statt, die letzt­end­lich ein Stör­faktor dabei ist, dass der Klient sich komplett selbst helfen kann. Diese Art intel­lek­tu­ellen Coachings funk­tio­niert kaum bei weniger Gebil­deten (für eine Gesprächs­füh­rung im Sinne der Forde­rungen der ICF braucht man ein Ich-Entwick­­lungs­­­ni­­veau von mindes­tens 6 bzw. ein post­kon­ven­tio­nelles Denken nach Kohl­berg, stellte schon Otto E. Laske fest), allein an der Anmo­de­ra­tion, die Axel in seinem “Hand­buch Manage­ment Coaching” vorstellt, würden diese schei­tern. Manage­ment­coa­ching? Ich arbeite viel mit Kohl­berg, Kegan, Loevinger. Die meisten Manager denken nicht post­kon­ven­tio­nell und können dieser Logik gar nicht folgen.

Haben Sie Niklas Luhmann gelesen? Sein Buch „soziale Systeme“ von 1987, das eine ganze Gene­ra­tion von Coachs beein­flusst haben müsste, steht auf Platz 11.000 bei Amazon. Ich weiß, was das für abso­lute Verkaufs­zahlen unge­fähr bedeutet. Das ist in Summe ein winziger Bruch­teil der 5.000 neu ausge­bil­deten Coachs pro Jahr, die sich auf System­theo­rien beruft. Das scheint mir irgendwo seltsam. Oder könnte es etwa so sein, dass viele es machen wie ich im Deutsch­un­ter­richt – für Inter­pre­ta­tionen nur das Inhalts­ver­zeichnis lesen. Geht. Reicht aber nicht für kriti­sche Distanz. Viel­leicht ist das der Grund, aus dem das Postulat des Syste­mi­schen so unkri­ti­siert bleibt.

So schließt sich der Kreis: Da wird ein Begriff verwendet, um sich auf etwas zu berufen, was keiner richtig und im Detail kennt – und was auch deshalb eine derart breite Inter­pre­ta­tion erlaubt.

Fazit: Was in Weiter­bil­dungen unter dem Namen “syste­mi­sches Coaching” vermit­telt wird, ist keine einheit­liche Methode, sondern ein Misch­masch aus vielen Ansätzen mit hohem Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum.

tabellesystemisch

In eigener Sache

Ursprüng­lich hatte ich vor, eine Coachingaus­bil­dung für die Teil­nahme an unserer Weiter­bil­dung „Karrie­re­ex­perten Profes­sional“ voraus­zu­setzen. Nach einigen Gesprä­chen bin ich tief ins Zwei­feln gekommen. Ich vermute, dass in vielen dieser Ausbil­dungen vor allem das Selbst­be­wusst­sein über dauerndes Lob gestärkt wird, nicht aber die kriti­sche Selbst­wahr­neh­mung durch einen ehrli­chen Spiegel (den vorzu­halten wäre ja dem kommer­zi­ellen Inter­esse schäd­lich). Deshalb kann man wohl nicht die Glei­chung aufstellen Coachingaus­bil­dung = persön­li­chen Reife­pro­zess (ausrei­chend) durch­laufen.

Wir haben die Krite­rien nun umde­fi­niert. Bessere Indi­zien für persön­liche Reife als eine solche Weiter­bil­dung sind wohl zwei­erlei: Feld­kom­pe­tenz, also fundierte Berufs­er­fah­rung und Ausbil­dung sowie “Reife”. Ersteres kann man durch den Lebens­lauf erfahren, letz­teres bleibt der Selbst­ein­schät­zung vorbe­halten. Und wir haben kurzer­hand eine Basics Karrie­re­ex­per­ten­wei­ter­bil­dung ins Programm genommen sowie eine Schu­lung zum Umgang mit Kompe­tenz und Poten­zi­al­ent­wick­lungs­me­thoden. Sie suchen ein Werk­zeug, das Ihnen unvor­ein­ge­nommen hilft, sich selbst im Dschungel der Coachingaus­bil­dungen zu orien­tieren. Syste­ma­ti­sche Hilfe zur Selbst­hilfe bietet unser Kurs „Coach werden?“.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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21 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 24. Januar 2014 at 16:15 — Reply

    Treffer. Syste­mi­scher Coach scheint momentan eine sehr gefragte Berufs-/Aus-/Wei­­ter­­bil­­dungs­­­be­­zeich­­nung zu sein. Ich frag dann immer nach, was denn syste­misch genau heißt und erhalte erfri­schend unter­schied­liche Antworten.

    Meine nächste Frage lautet dann auch: Was habt Ihr dort getan und was habt Ihr gelernt. Meis­tens ist das wesent­lich erhel­lender, wenn auch bisweilen ernüch­ternd.

    Merke: In Ausbil­dungen geht es um Inhalte und TUN, weniger um Mode-Begriffe.

    P.S. Ständig möchten Menschen mit mir Syste­misch Kaffee­trinken. Da muss ich dann leider passen!

  2. Markus Väth 24. Januar 2014 at 19:07 — Reply

    Dazu gibt es ein schönes entlar­vendes Kapitel bei Viktor Lau, “Schwarz­buch Perso­nal­ent­wick­lung”. Manches dort ist über­zeichnet, aber viele trifft einfach auf den Punkt. Ebenso übri­gens das Kapitel über NLP. 🙂

    • Svenja Hofert 25. Januar 2014 at 10:17 — Reply

      @markusväth danke für den Hinweis, werde mir das gleich mal bestellen. Es gibt ja auch Uwe Kanning als Kritiker der PE. Sein Buch habe ich auch für Bespre­chung auf den Plan, glaube aber, das zielt eher auf Tests.

  3. Bernd Slag­huis 24. Januar 2014 at 20:03 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    ist Ihr Fazit, dass alle Coaches und auch Berater eigent­lich von der Methodik syste­misch arbeiten (weil immer das Umfeld einbe­zogen wird) und daher dieser neumo­di­sche Zusatz eigent­lich über­flüssig ist? Mag sein, das ist eine span­nende Frage und ich bin gespannt auf die weiteren Kommen­tare. Für mich als diesen Titel tragenden Coach gehen mir die folgenden Gedanken durch den Kopf:

    Syste­mi­sches Coaching ist für mich ganz eng mit dem syste­­misch-konstruk­­ti­­vis­­ti­­schen Modell und daraus abge­leitet mit den einge­setzten Methoden und Fragen im Coaching­pro­zess verbunden. Ich bemerke in den Coachings, dass es gerade die Fragen sind, die die Systeme der Klienten explizit einbe­ziehen, den Klienten weiter­bringen. Viel­leicht stellt aber auch jeder nicht syste­mi­sche Coach diese Fragen, wie z. B. “Woran würde XY bemerken, dass Sie einen Schritt weiter sind?” und “Wie wäre das für sie/ihn?”.

    Auch die Aufstel­lungs­ar­beit (ich mache ausschließ­lich Struk­tur­auf­stel­lungen) kann extrem hilf­reich sein, um dem Klienten neue Perspek­tiven auf sein Anliegen zu ermög­li­chen. Nicht jede Aufstel­lung muss aber zwin­gend syste­misch sein. Ich bin bei Ihnen, dass Hellinger und insbe­son­dere seine Arbeit der letzten Jahre sehr frag­würdig ist.

    Auch meine Grund­hal­tung als Coach wird durch den syste­mi­schen Ansatz geprägt. “Alles gewinnt seine Bedeu­tung, seinen Sinn und seine Wirkung erst in einem Kontext.” Das Verständnis für und die Verän­de­rung von Verhal­tens­weisen inner­halb der Systeme (Familie, Kollegen, Freunde, …) und deren inter­agie­rende Wech­sel­wir­kungen sind für die Klienten oft ein weiteres und wich­tiges Puzzle­stück im Lösungs­pro­zess. Ich hatte vor kurzem eine junge Mutter im Coaching, die sich eine bestimmte posi­tive Verän­de­rung bei ihrem 3‑jährigen Sohn wünschte. Nun — die Mutter saß mir gegen­über, nicht das Kind. Als Syste­mi­scher Coach gehe ich davon aus, dass eine gewünschte Verän­de­rung des Verhal­tens eines Mitglieds im jewei­ligen System durch die Verän­de­rung des eigenen Verhal­tens herbei­ge­führt werden kann. Bei der Mutter hat es funk­tio­niert und es funk­tio­niert auch bei meinen Klienten im Karrie­re­coa­ching, die schon vergeb­lich versucht haben, ihren Chef zu ändern, aber meist frus­triert aufgeben und sich jammernd zurück­lehnen … denn alle anderen sind ja so schlecht und böse und die kann man ja schließ­lich nicht ändern 😉

    Neuen Klienten erkläre ich zu Beginn, was für mich Syste­mi­sches Coaching bedeutet und auch wenn wir viel­leicht alle als Coach und Berater immer die Systeme einbe­ziehen (ist das denn so?), stellt Syste­mi­sches Coaching in meinen Augen ein Unter­schei­dungs­merkmal in der Methodik durch seine starke Fokus­sie­rung des Gesprächs eben auf die Systeme dar. Meine Klienten finden das span­nend und syste­misch im Sinne von struk­tu­riert und alles abklop­fend passt zu mir als Person — also nicht zuletzt auch ein gutes Verkaufs­ar­gu­ment. Ich bleibe also gerne und mit Über­zeu­gung weiterhin Syste­mi­scher Coach 🙂

    • Svenja Hofert 25. Januar 2014 at 10:14 — Reply

      Nein, das ist absolut nicht das Fazit. Das Fazit ist, dass das syste­­misch-konstruk­­ti­­vis­­ti­­sche Vorgehen, die Methodik unter­schied­lich ausge­legt wird. Das voll­kommen verschie­dene Tools und Inhalte vermit­telt werden und nicht dasselbe. Das ist das einzige und das ist auch die zentrale Aussage, siehe mein Vergleich der Ausbil­dungs­in­halte. Schauen Sie sich mal an, was jemand vermit­telt der eine NLP-ange­hauchte syste­mi­sche Ausbil­dung anbietet, dann jemand der inte­grales syste­mi­sches Coaching lehrt, Chris­to­pher Rauen, die IHK, ILS und die Hamburger Schule u.a. Axel Janßen. Dann wissen Sie was ich meine. Und da müssten Sie eigent­lich sehen, dass das was Sie gelernt haben nicht das sein kann, was die anderen lernen bzw. das die Über­schnei­dungen minimal sind 😉 Und dann nehmen Sie noch einen Master­stu­di­en­gang hinzu. Alles heißt syste­misch. LG Svenja Hofert

  4. Tanja Ries 24. Januar 2014 at 21:39 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    der Unter­schied zwischen Ihnen und “Denen” mag weniger im syste­mi­schen Ansatz liegen, den in der Grund­hal­tung der Coaches und Berater_innen. Berater_innen beraten, das braucht natür­lich Feld­kom­pe­tenz, Coaches sind Wegbe­gleiter — die Kutsche — die i.d.R. die Haltung in sich tragen, dass der Coachee die einzige Person ist, die! inner­halb ihrer­seits Systems, die Lösung kennt. Oder etwas salopp ausge­drückt: Der Klient ist kompe­tent. Der Coach begleitet den Coachee in seinem Lösungs­fin­dungs­pro­zess u.a. mit Hilfe syste­mi­schen Frage­stel­lung neben all dem anderen was jede_r so noch im Gepäck hat.
    Auch wenn viele — klar kommu­ni­ziert — zwischen diesen Rollen wech­seln, so finde ich diesen Unter­schied zwischen Coach und Berater_in doch weitaus markanter, denn deren Ausbil­dungs­an­satz.

    Beste Grüße. Tanja Ries

    • Svenja Hofert 25. Januar 2014 at 10:04 — Reply

      Hallo Frau Ries, ja, die Haltung ist ein wich­tiger Aspekt. Ich möchte auch gar nicht “ich” und “die” sagen und das damit auf Personen beziehen. Es geht mir in diesem Beitrag wirk­lich nur um den Begriff und dessen Nutzung. Die Haltung ist ein weiteres Thema, da haben Sie mich auf eine Idee gebracht. LG Svenja Hofert

  5. […] Syste­misch ist so etwas die die Recht­fer­ti­gung für alles. „Meine Coachingaus­bil­dung war syste­misch“, signa­li­siert Qualität und die Einhal­tung eines Stand (RT @SvenjaHofert: Alles syste­misch oder was?  […]

  6. Timo v. Wirth 26. Januar 2014 at 13:12 — Reply

    @Svenja_Hofert: Meiner Meinung nach gibt es in der Tat keine gemein­samen Heran­ge­hens­weisen oder Hand­lungs­prin­zi­pien für das “Syste­mi­sche” in der bera­tenden Tätig­keit mit Menschen.

    Weniger im Syste­mi­schen als vermeint­lich abso­luter Wert sollte die Qualität z.B. von Weiter­bil­dungen gesucht werden, sondern darin, auf geeig­nete (weil z.B. praxis­re­le­vante) Art und Weise etwas über sich selbst und seine Haltung in Bezug auf die Arbeit mit Menschen lernen zu können.

    Eine reflek­tier­tere und ressour­cen­ori­en­tier­tere Haltung, die z.B. das Erleben von Perspek­ti­ven­wechsel, Lösungs­ori­en­tie­rung und huma­­nis­­tisch-ethi­­sche Grund­werte inte­griert, kann dann den Blick auf den Gesamt­kon­text einer Person oder eines Teams erleich­tern und damit die Erwei­te­rung von Hand­lungs­mög­lich­keiten für den Kunden begüns­tigen.

    Haltung und Einstel­lung des Coaches sind für mich die zentralen Faktoren für nütz­liche Bera­­tungs-Täti­g­keit.

    Lebens­er­fah­rung kann eine Voraus­set­zung sein, eine bestimmte Lebens­hal­tung in Bezug zu mensch­li­cher Inter­ak­tion gewonnen zu haben.

    Das greift mir aber zu kurz. Es geht doch darum, wie ich persön­lich mit den in meinem Leben gemachten Erfah­rungen umge­gangen bin und wie ich daraus Schlüsse gezogen habe, die meine Einstel­lungen und Haltung (und natuer­lich mein Verhalten) schritt­weise verän­dert haben.

    Eine zentrale Frage ist daher: wie ermög­li­chen z.B. Coaching-Ausbil­­dungen die Reflek­tion eigener Lebens­er­fah­rungen? Und geben Sie den Teil­neh­menden ausrei­chend Möglich­keit, aus dieser Reflek­tion konstruk­tive, neue Hand­lungs­wege in den persön­li­chen Inter­ak­tionen und Bezie­hungen zu entde­cken.

    Dann kann das eigene Handeln auch als system­be­zo­gener oder reflek­tierter hinsicht­lich der Einflüsse verschie­dener System­ele­mente werden; und damit syste­mi­scher als zuvor …

  7. Pippi­lotta 26. Januar 2014 at 18:50 — Reply

    Es scheint ja im Moment modern zu sein, sich als Coach mit dem Label “syste­misch” zu schmü­cken und sich mit diesem Begriff auf die System­theorie Niklas Luhmanns zu beziehen.
    Als Sozio­login habe ich Luhmanns System­theorie als einen sowohl inhalt­lich als auch sprach­lich hoch komplexen Ansatz kennen­ge­lernt. Gegen­über empi­ri­scher Über­prü­fung und prak­ti­scher Anwen­dung erweist er sich als äußerst sperrig. Diesen Ansatz auf prak­ti­sches Coaching-Handeln herun­ter­bre­chen zu wollen, erscheint mir sehr ambi­tio­niert. Schlicht alles als “syste­misch” zu bezeichnen, was in irgend­einer Form das Umfeld einer Person — Familie, Freunde, Beruf — mit einbe­zieht, wird der Luhmann­schen Theorie wohl kaum gerecht.
    Im Netz habe ich im Coaching Lexikon einen Artikel zur System­theorie (http://www.coaching-lexikon.de/Systemtheorie) gefunden, der die Begriff­lich­keiten des Ansatzes ganz gut erklärt. Leider steht dort aber nichts zur prak­ti­schen Umset­zung im Coaching.
    Gibt es zu dem hier im Beitrag bzw. den Kommen­taren genannten syste­­misch-konstruk­­ti­­vis­­ti­­schen Coaching-Ansatz empfeh­lens­werte Lite­ratur?

    • Mag.a Irene Pollak, Wien 27. Februar 2014 at 17:39 — Reply

      Zu Ihrer Frage nach syste­mi­scher Lite­ratur: Arist von Schlippe/Jochen Schweitzer, Lehr­buch der Syste­mi­schen Bera­tung und Therapie. Dann wir der Begriff “syste­misch” gleich viel weniger beliebig erscheinen.

  8. Holger Nauheimer 10. Februar 2014 at 18:54 — Reply

    Ausge­zeich­neter Denk­an­stoß! Vielen Dank. Wort­hülsen kommen und gehen. Auch ich nutze “syste­misch” mittel­fre­quent seit über zehn Jahren, aber das Korrek­tur­pro­gramm meine Compu­ters kennt das Wort immer noch nicht und versucht hart­nä­ckig, es mit “syste­ma­tisch” zu ersetzen (musste oben zwei mal händisch korri­gieren). Tja, der Coaching­markt ist diffizil, und ich weiß gar nicht, ob man etwas anderes als Klien­ten­feed­back für eine Quali­täts­eva­lu­ie­rung nutzen kann — auch wenn das, was Sie schreiben, natür­lich in Schwarze trifft — der Coach schafft das Coaching­system, das der Klient entweder in seinem Gehirn verdrahtet (bzw. in seinen Synapsen veran­kert) oder eben nicht.

  9. Mag.a Irene Pollak, , Dipl. Lebens- und Sozi­al­be­ra­terin, Wien 15. März 2014 at 7:29 — Reply

    Wer sich intensiv mit syste­mi­schem Coaching beschäf­tigt erkennt, dass es sich in erster Linie um eine spezi­elle Haltung handelt, nämlich forschende Einstel­lung und Beschei­den­heit, Empa­thie, Selbst­re­fle­xi­vität, Refle­xi­vität, Neutra­lität und Allpar­tei­lich­keit, Ausein­an­der­set­zung und Trans­pa­renz, Geduld. Dafür braucht es schon zwei drei Jahre Grup­pen­trai­nung und Face-to-Face-Trai­­ning. Da Haltung und Inter­ven­tionen aus der syste­mi­schen (Familien)Therapie entstammen und diese bereits gut evalu­iert sind (siehe etwa Wirk­sam­keit der syste­mi­schen Therapie/Familientherapie, Hogrefe Verlag) gilt die Wirk­sam­keit heute als gesi­chert.

  10. Waldemar Pelz 29. Oktober 2015 at 0:39 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    nachdem Viktor Lau einen vernich­tenden Beitrag (Inter­view) zum “syste­mi­schen Ansatz” im Spiegel veröf­fent­licht hat, bin ich gebeten worden, ein wissen­schaft­li­ches Gutachten zum Syste­mi­schen Coaching zu erstellen. Es soll die Diskus­sion hier berei­chern. Siehe:
    http://bit.ly/1kTxD5r

    • Svenja Hofert 29. Oktober 2015 at 8:50 — Reply

      Hallo Herr Pelz. vielen Dank. Das spie­gelt vieles, was ich als Laie im “Bauch­ge­fühl” habe und hatte. Finde gut, dass da endlich mal drüber gespro­chen wird, da es ein nicht anzu­rüh­rendes Tabu ist. LG Svenja Hofert

    • Samuel Dette 15. Juli 2017 at 8:20 — Reply

      Herr Pelz, vielen Dank für ihr wissenschschaft­li­ches Gutachten!

      Eine Frage dazu: Wie kann im ersten Absatz eine Auswer­tung von Quellen aus dem Jahre 2016 stehen, wenn ihr Kommentar schon 2014 verfasst wurde? Wird die Publi­ka­tion regel­mäßig über­ar­beitet und den aktu­ellen Ekennt­nissen de Wissen­schaft ange­gli­chen?

      Vielen Dank,

      Samuel Dette

  11. Margit Nowotny 30. Oktober 2015 at 21:45 — Reply

    Hallo Frau Hofert,
    ich empfehle zur Lektüre:
    http://bit.ly/1Mn9nhQ

    http://bit.ly/1Mn9l9W

    Ihr Artikel ärgert mich, weil sie darin ebenso undif­fe­ren­ziert mit dem Begriff “syste­misch” umgehen, wie viele der von Ihnen gesich­teten Curri­cula.

  12. Anonym 15. Dezember 2015 at 17:21 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    Danke für diese Inter­es­sante Sicht­weise! Ich lese immer gerne Ihr Blog.

  13. Walter 4. August 2016 at 16:10 — Reply

    Kleider machen Leute — und “syste­mi­sches Coaching” klingt einfach gut. Dennoch gibt es auch hier sinn­volle Hinter­gründe.
    Die Einsicht, dass es sinn­voller ist, zunächst die eigenen Gefühle zu verba­li­sieren, ist schon der erste Schritt zu einer sinn­vollen Lösung.

  14. […] Einen sehr lesens­werten Artikel zum Thema finden Sie auch bei meiner Kollegin Svenja […]

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