Kate­go­rien

Arbeit­geber für eine bessere Welt: Wie finden Bewerber nach­hal­tige und verant­wort­liche Unter­nehmen?

Published On: 7. Juli 2014Cate­go­ries: Führung
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Welche Unter­nehmen handeln sozial und ökolo­gisch verant­wort­lich? Wer nimmt Rück­sicht auf die Ressourcen dieser Welt und handelt mit Weit­blick? Wer verzichtet auf Kinder­ar­beit und auf Bestechung? Diese Frage stellen sich vor allem Bewerber, die böse Zungen als Idea­listen bezeichnen würden. Menschen, die Hess Natur tragen und Demeter auf der Stirn tragen. Doch so einfach kate­go­ri­sierbar sind Bewerber heute nicht mehr. Eine neue Gene­ra­tion will nicht mehr alles akzep­tieren, was Arbeit­geber ihnen vorsetzen. Frage ich jüngere Leute, so sagt mindes­tens jeder zweite, dass er/sie nicht für ein Unter­nehmen arbeiten würde, dass die Umwelt schä­digt. Je mehr sich der Arbeits­markt hin zu einem Bewer­ber­markt wandelt, desto mehr wird es Bewerber geben, die Arbeit­geber abstrafen, die sich egois­tisch und mit Blick auf den kurz­fris­tigen Share­hol­dervalue an den Ressourcen der Mensch­heit vergreifen. Doch wie finden Menschen, denen ökolo­gi­sche und soziale Nach­hal­tig­keit wichtig ist, passende Unter­nehmen, die ihren Vorstel­lungen von sinn­vollem Wirt­schaften entspre­chen? Eine kleine Reise.

Erste Station: Recrui­­ting- und Karrie­re­webseiten

Recrui­­ting- und Karrie­re­webseiten sind meist schlechte Anlauf­stellen. Dort geschieht, was geschehen muss, wenn man Marke­ting nach der old school macht (und das betreiben dann immer noch die meisten): Es wird hervor­ge­hoben, was hervor­ge­hoben werden soll und verschwiegen, was negativ ankommen könnte. Die einen machen das besser, die anderen schlechter. Über das, was ist, über die Funda­men­tal­werte eines Unter­neh­mens, sagt das alles wenig. Ich habe tolle Webauf­tritte gesehen und dahinter stand ein unpro­fes­sio­nelles Unter­nehmen.

Ein Anhalts­punkt: Die Quellen der Unter­nehmen? Manche Unter­nehmen berufen sich auf den Global Compact der United Nations.  Hier wird vor allem auf Dialog und Projekte gesetzt. Man vernetzt und enga­giert sich. Das ist schon mal was.

Zweite Station: Die Medien

Mit „grün“ lässt sich viel Aufmerk­sam­keit gewinnen. Oft ist es reines „Green­wa­shing“ oder „Gene­ra­­tion-Y-Sense­­ma­king“, also eine schlichte Employer-Bran­­ding-Maßnahme mit nichts Konkretem dahinter. Und wenn man nicht gerade „kik“ heißt, ist es auch eini­ger­maßen schwer für Jour­na­listen entspre­chende Pres­se­mel­dungen zu hinter­fragen. Viel­leicht gehet man bei offi­zi­ellen Maßnahmen deshalb lieber auf Nummer sicher: So krönte die Bundes­re­gie­rung die Unter­nehmen Tchibo und Hipp mit dem CSR-Preis, deren Enga­ge­ment durchaus nach­weis­lich ist.

Dritte Station: Zerti­fi­zie­rungen

Es exis­tieren derzeit verschie­dene Zerti­­fi­­zie­rungs- und Ratin­gan­sätze. Die meisten beruhen auf einem frei­wil­ligen Ansatz. Das heißt, die Unter­nehmen können sich zerti­fi­zieren lassen, müssen aber nicht. Eines der weicheren Systeme ist das so genannte Werte­ma­nage­ment WMS nach Josef Wieland. Hier wird der ethi­sche Zustand des Unter­neh­mens erfasst. Ziel ist diesen laufend, also prozess­ural zu verbes­sern. Unter­nehmen müssen einen Frage­bogen ausfüllen; das alles ist frei­willig. Nach der SA 8000 zerti­fi­zierte Unter­nehmen müssen schon etwas mehr auf den Tisch legen: Unter anderem versi­chern sie, dass sie auch für die „Sauber­keit“ in der Liefer­kette ihrer Subun­ter­nehmer gerade stehen. Außerdem haben sie sich verpflichtet, einen Lohn zu zahlen, der die Exis­tenz sichert, auch in dritte Welt-Ländern. So hat sich unter anderem Tchibo hat sich den Regeln dieser Norm verpflichtet. Nicht alle sind so enga­giert: Was von großen Marken zu halten ist, kann man auch hier bei Aktiv gegen Kinder­ar­beit nach­lesen.  (Rand­be­mer­kung: Natür­lich lässt sich treff­lich streiten, ob Kinder­ar­beit nicht auch den Menschen in den Ländern nützt und ethi­sche Antworten auf diese Fragen sind nicht einfach, weshalb ich denke, dass Wirt­schafts­ethiker in der globalen Welt Zukunft haben.) Unter­nehmen, die sich nach der AVE der Außen­han­dels­ver­ei­ni­gung zerti­fi­ziert sind, können die oben genannten beiden Faktoren – exis­tenz­si­chernder Lohn und Verant­wor­tung für die Supply Chain — ausklam­mern. Eine Über­sicht über die verschie­denen Stan­dards finden Sie hier bei der Bertels­mann Stif­tung. Den klarsten Anhalts­punkt für eine ethisch weiße Weste liefert das Rating der unab­hän­gigen Agentur Oekom. Sie vergeben Noten von A+(Sehr gut) bis D- (mise­rabel) – und zwar ohne Unter­neh­mens­auf­trag. Das heißt, es wird unge­fragt geprüft. Dem Rating liegt ein komplexes Bewer­tungs­schema zugrunde, zum Beispiel sind Unter­nehmen in verschie­dene Klassen einge­teilt, die darauf beruhen, wie sehr sie die Umwelt beein­flussen. Natur­gemäß hat ein Auto­mo­bil­her­steller mehr natür­liche Nega­tiv­punkte als eine Bank, wobei auch diese die Umwelt beein­flusst, etwa indem sie Umwelt­sün­dern Kredite gibt oder nicht. Will man als Bewerber also wirk­lich harte Fakten, so scheint mir kein Weg an der Oekom vorbei­zu­gehen. Ich richte gerade meine Anla­ge­stra­tegie danach aus und stelle mir ein eigenes Port­folio auf Basis hier gut bewer­teter Unter­nehmen zusammen. In Deutsch­land bekommen etwa Linde ein B sowie die deut­sche Telekom und Adidas. A+ konnte bisher keine deut­sche Firma errei­chen. Aller­dings: Die Daten­bank ist nicht offen für jeden zugängig.

Für “gute” Unter­nehmen zu arbeiten, gibt sicher mehr Sinn als für Umwelt­sünde. Dennoch gebe ich zu bedenken, dass soziale und ökolo­gi­sche Verant­wort­lich­keit wenig über das Klima aussagen, das in einem Unter­nehmen herrscht. Unter­neh­me­ri­scher Erfolg und nach­hal­tiges Handeln stehen aber sehr wohl in einem Zusam­men­hang, sagt Oekom. Unter­neh­me­ri­scher Erfolg wird von guten Mitar­bei­tern getragen. Was wenn die erfolg­reichsten Unter­nehmen demnächst die mit dem größsten Nach­hal­tig­keits­be­mühen sind?

In meinem Buch “Karriere mit System”, das am 10.9. erscheint stelle ich Workli­fe­styles vor, einer der von heißt Better World. Er erfasst Menschen, denen genau der oben beschrie­bene Sinn wichtig ist.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Bertram 1. August 2014 at 13:46 — Reply

    Der Demo­gra­fi­sche Wandel gibt bereits jetzt den Ton an. Die nächste Gene­ra­tion ist nicht mehr gewillt, unter­neh­me­ri­sche Tunicht­gute zu unter­stützen und wird ihnen damit in den kommenden Jahren auf den Zahn fühlen. Obwohl ich dem positiv gegen­über stehe, sehe ich darin auch sehr viel Glori­fi­zie­rung der aktuell “gehypten” Nach­hal­tig­keit. Es wird sich zeigen, ob diese auch den nötigen Geschäfts­sinn mit sich trägt. Ein inter­es­santer Beitrag!

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