Kate­go­rien

Arbeits­lo­sig­keit: Männer haben Pech

Published On: 16. Dezember 2009Cate­go­ries: Führung

Gerade hat die Bundes­agentur für Arbeit eine Studie mit den „Auswir­kungen der Krise auf den deut­schen Arbeits­markt“ heraus­ge­bracht. 2010 sehen die Studi­en­au­toren eher schwarz und rechnen mit rund 4,5 Millionen Arbeits­losen. Dabei sieht es in Deutsch­land im Vergleich zu anderen EU-LÄndern gut aus: Die Arbeits­lo­sen­quote ist im euro­päi­schen Vergleich unter­durch­schnitt­lich und liegt mit 7,6% nied­riger als im Schnitt der 27-EU-Länder (9,2%). Arbeits­lo­sen­hoch­burg ist Spanien mit 19,3%. Inter­es­sant: Männer sind weitaus stärker von der Arbeits­lo­sig­keit betroffen sind als Frauen. Bei weiterer Betrach­tung ist das aber wieder logisch: Zum einen steigt die Zahl der Teil­zeit­jobs an, während Voll­zeit­stellen wegbre­chen. Zum anderen arbeiten Frauen nun mal gerne in den Schlecht­zah­ler­bran­chen Dienst­leis­tung, Gesund­heits­wesen und Bildung. Und dort hat die Krise keine Löcher hinter­lassen.

 

Nicht ganz klar ist mir aller­dings, inwie­weit unter­schied­liche Zähl­weisen hier mit hinein­spielen. Wird bei uns nicht viel herun­ter­ge­spielt? Dass 1‑Euro-Jobber nicht arbeitslos sind und Teil­nehmer an Weiter­bil­dungs­maß­nahmen nicht als arbeitslos gezählt werden ist bekannt. Auch der Anteil der Grün­­dungs­­­zu­­­schuss-Antra­g­steller steigt stetig an. Oft ist der Grün­dungs­zu­schuss dabei nur eine Verlän­ge­rung der Arbeits­lo­sig­keit um neun Monate. Und selbst wenn nicht: Auch wenn die Arbeits­agentur dies annimmt, so ist mir kaum eine Exis­tenz­grün­dung bekannt, die bereits im 10. Monat ein regel­mä­ßiges und den Unter­halt sicherndes Einkommen bescherte. Erst recht nicht bei frei­be­ruf­li­chen Grün­dungen. Ich selbst regis­triere darüber hinaus immer mehr Menschen, die sich nie bei der Bundes­agentur für Arbeit melden würden und auch kein Hartz IV beziehen. Diese Menschen über­brü­cken die Krise mit dem Ersparten. Hat jemals eine Insti­tu­tion diese Gruppe erfasst?

 

Die wich­tigsten Fakten der Studie auf einen Blick – mit meinen eigenen Kommen­taren 😉

  • Von der Krise sind vor allem Männer betroffen, kaum Frauen – jeden­falls nicht direkt schon durch sinkende Löhne
  • Es gibt mehr Teil­zeit + 210.000 Stellen 2009, aber weniger Voll­zeit: — 350.000 Jobs
  • Vor allem verar­bei­tende Bran­chen und die Metall­in­dus­trie sind von der Krise betroffen.
  • In Ostdeutsch­land ist der Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit weit weniger stark, geht sogar zurück. Die Prägung durch kleine und mittel­stän­di­sche Unter­nehmen zahlt sich aus
  • Stabil ist der Dienst­leis­tungs­sektor und der Bereich Bildung – leider aber auch schlecht bezahlt, wenn man nicht gerade Lehrer ist
  • Stärkste Anstiege der Arbeits­lo­sig­keit bisher: Januar bis April 2009, aber: Einen Zuwachs an Stellen gibt es auch nicht wirk­lich, eher eine Seit­wärts­be­we­gung.
  • Beson­ders stark betroffen sind junge Menschen – und viele der Betrof­fenen sind Absol­venten, die gar nicht mitge­zählt sind, da sie sich ohne Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld kaum regis­trieren lassen.
  • Rund 432.000 Arbeit­nehmer wurden dank der Kurz­ar­beit bisher nicht entlassen. Doch die Autoren der Studie sagen selbst, dass ein dauer­haftes Halten der Kurz­ar­beiter die Lohn­stück­kosten erhöht und unwirt­schaft­lich ist.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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