Kate­go­rien

Beruf­lich neu orien­tieren? Dann gehen Sie jetzt mal in den Keller

Published On: 12. Juni 2013Cate­go­ries: Führung, Karriere

Wann haben Sie zuletzt Ihren Keller „bereist“? Wenn Sie an eine beruf­liche Klima- oder Luft­ver­än­de­rung denken, sind Keller­auf­ent­halte besser als jedes Well­ness­wo­chen­ende. Hier können Sie Lachen, sich Erin­nern und viel­leicht sogar beruf­liche Vorstel­lungen konkreter fassen. (aber warten Sie, bis das Wetter schlechter wird ;-))

Ich fand dort bei meiner letzten Keller­reise ein albernes Gedicht über eine Käse­ku­chen­ge­sich­tige Tante, das ich mit 11 Jahren auf der Schreib­ma­schine geschrieben hatte. Ich sehe vor mir, wie der Deutsch­lehrer aus Käse­ku­chen­ge­sich­tige Tante mit Rotstift die „Tante mit dem Käse­ku­chen­ge­sicht“ macht – und erin­nere mich an mein Deutsch-Trauma und die Tatsache, dass Schule Krea­ti­vität nach­ge­wie­sener­weise den Garaus macht.

Um Ihren Zielen auf die Spur zu kommen, ist so eine Reise in die Vergan­gen­heit super! Denn: Wer das Gestern erkennt, sieht oft auch die Zukunft leichter.

Sie sind gar nicht auf der Suche nach etwas Neuem? Dann nutzen Sie Keller­aus­flüge, um zu über­prüfen, ob Sie noch auf dem rich­tigen Weg ist.

Es geht dabei nicht darum, von den Inter­essen der Schul­zeit einen Beruf abzu­leiten – das geht nur ansatz­weise, und was ist heute schon ein Beruf? Doch jeder wird erkennen, dass viele Dinge von gestern immer noch Bedeu­tung haben – und wenn nicht, ist viel­leicht gerade das ein Anlass darüber nach­zu­denken, was die verschwun­denen Dinge aus ihrem Leben verdrängte. Ich erin­nere mich an eine Kundin, die über zwanzig Jahren im Berufs­leben das Lesen “vergessen” hatte und es wahn­sinnig genoss, in der Mitte des Lebens diese Leiden­schaft wieder zu entde­cken. Ein neuer Beruf war da gar nicht nötig, nur etwas mehr Zeit.

Manche Menschen lassen sich sehr von außen steuern, folgen zufäl­ligen Feed­backs statt inneren Eingaben. Andere wurden irgend­wann einmal von jemand, der weise genug ist, wahre Talente zu sehen – ein Lehrer oder Mentor — ermu­tigt, wenige schöpfen das voll­kommen aus sich heraus.

Norbert Blüm hat einmal in einem Inter­view mit der ZEIT Ursula Leyen mit dem Begriff „innen­ge­leitet“ charak­te­ri­siert. Dieser Begriff gefiel mir ausneh­mend gut, weil er Worte für ein Phänomen findet, das Persön­lich­keits­tests nur unzu­rei­chend beschreiben: Innen- und Außen­lei­tung — das hat nichts mit Intro- oder Extra­ver­sion zu tun. Ich sehe einen großen Unter­schied in der Zufrie­den­heit innen­ge­lei­teter und außen­ge­lei­teter Menschen wahr­nehme. Die innen­ge­lei­teten folgen dem, was sie treibt. Manchmal hindern sie Umstände, aber im Grunde haben sie einen Fahr­plan. Die Außen­ge­lei­teten folgen den anderen – und verlieren dabei manchmal die eigene Iden­tität. Wer bin ich, wenn niemand mich ruft? Außer­halb des Kontexts der anderen? Oft stellt sich diese Frage erst, wenn man alles erreicht hat.

landkarte

Gehen Sie also mal in den Keller. Unter­nehmen Sie einmal eine Reise mit Ihrer ganz persön­li­chen Land­karte. Ich habe bei Face­book gerade eine solche Land­karte zum Down­load hinter­legt. Sie können aber auch verschie­dene DIN-A4-Blätter beschriften und im Raum verteilen:

  • Land der ersten 5 Lebens­jahre
  • Land der Grund­schul­zeit
  • Land der Schul­zeit bis 10. Klasse
  • Land der Ober­stufe
  • Land der Lehre/des Studiums
  • Land des ersten Jobs
  • Insel der Träume

Wer sich wirk­lich gründ­lich orien­tieren will, sollte sich mehrere Tage nehmen, um jedes Land zu reflek­tieren (geht neben dem Job, man muss sich das nur als Denk­thema stellen). Man kann auch immer wieder zurück­kehren, denn natür­lich ist im Keller nichts nach Jahren geordnet.

Und wenn Sie struk­tu­riert an dem Thema weiter­ar­beiten wollen, empfehle ich Ihnen unseren Kexpa®-Kurs „Beruf­liche Neuori­en­tie­rung“ oder gleich das ganze Programm (drei Kurse) „Klar­heit über mich“.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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8 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 12. Juni 2013 at 11:55 — Reply

    Und im über­tra­genen Sinne füge ich hinzu: Wer Angst hat, in seinen Keller zu schauen, weil dort zu viel Unauf­ge­räumtes liegt oder weils dort dunkel ist, der sollte eine starke Lampe mitnehmen oder jemanden fragen, ob er mitkommt.
    Es gibt ja auch hilf­reiche profes­sio­nelle Aufräum­dienste, wie die Autorin dieses Arti­kels, oder?!

    • Inga von Thomsen 12. Juni 2013 at 13:05 — Reply

      … und auch dieses Aufräumen im Keller setzt ja besten­falls unglaub­liche Ener­gien frei. Auch das kann zu sehr viel Klar­heit und Tatkraft führen!

      Mit krea­tiven Grüßen,
      Inga von Thomsen

      • Svenja Hofert 12. Juni 2013 at 14:08 — Reply

        Danke­schön! LG Svenja Hofert

    • Svenja Hofert 12. Juni 2013 at 14:09 — Reply

      ja, ich gehe auch mit in den keller und sortiere. nur die Psyche muss (weitest­ge­hend) klar sein, sonst hilft meine werte Kollegin mit psycho­lo­gi­schem Coaching. LG Svenja

  2. Bianca 18. Juni 2013 at 11:09 — Reply

    In meinem Keller stehen ein Schlag­zeug, ein Bass und diverse Gerät­schaften zum Verstärken — ich kann im Keller die sprich­wört­liche Sau raus­lassen 😉
    Einer Freundin passierte es neulich, dass sie ihr Strick­zeug im Keller sah und sie sich fragte, warum sie schon so lang nicht mehr ans Stri­cken dachte. Eine Woche später lag das Wohn­zimmer voller Woll­knäuel und die Gute ist wieder voll dabei — ähnlich wie in deinem Lese­bei­spiel entdeckte sie ihre Liebe zur Hand­ar­beit wieder 🙂

  3. Finetta 22. Juni 2013 at 19:00 — Reply

    Manchmal ist es gut in den Keller zu gehen und aufzu­räumen. Es lassen sich Dinge wieder­finden, die lange Zeit vernäch­las­sigt worden sind. Gerade in meiner jetzigen schwie­rigen beruf­li­chen Phase, hinter­frage ich vieles. Und entdecke lang Verschol­lenes, wie das Schreiben, nur einfach auf eine andere Art.
    Und das Aufräumen unter­bricht den Rhytmus der Gewohn­heit, lässt Inne­halten und neue Ideen entwi­ckeln. Daraus wird ein neuer span­nender Weg, mit Kurven und Wirrungen.

  4. Doreen Mager 31. August 2015 at 21:19 — Reply

    Und was macht man wenn man wie ich zwar einen Keller hat in dem ein paar gut sortierte Sachen aus dem Haus­halt stehen aber leider keinerlei Erin­ne­rungen oder ähnli­ches aus der Vergan­gen­heit? Dann kann ich zwar laut singen ohne das mich jemand hört(hoffe ich) aber viel weiter komm ich dann leider auch nicht mehr

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