Kate­go­rien

Beruf­liche Neuori­en­tie­rung: „Aber dann gleich was Großes“ — Von der SAP-Bera­­tung zum Möbel­de­sign

Published On: 13. Juni 2012Cate­go­ries: Karriere

Es war nur ein kleiner Anstoß – der aber eine nach­hal­tige Wirkung hatte. „Entweder du leitest gleich die ganze Abtei­lung oder du machst etwas Eigenes. Aber dann gleich was Großes“, hatte ich zu Chris­tiane Kypke gesagt, die bis dahin als SAP-Bera­­terin zwar genug Joban­ge­bote hatte, aber ihren Gestal­tungs­willen, ihren Ehrgeiz und Quali­täts­an­spruch nicht ausleben konnte. Ein Jahr später bekam ich eine Mail, in der mich Chris­tiane auf „Wohn­Kon­trast“ hinwies und sich für die kleine Inter­ven­tion bedankte. Die Website und das dahinter stehende Geschäfts­mo­dell fand ich so beein­dru­ckend, dass ich sie zum Gespräch bat.  Zum Beispiel darüber, wie groß oder klein Frauen gründen.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Kypke: Wir haben in unserem Haus diese beson­dere Küche, die mein Mann und ich selbst gebaut und auch selbst entworfen haben. Immer wieder wurden wir darauf ange­spro­chen. Wo kann man die kaufen? fragte jeder, der sie sah. Da kam ich auf die Idee, die Küche zur Grund­lage meiner Geschäfts­idee zu machen. Heute ist sie in allen denk­baren Farben, in der gesamten RAL-Palette erhält­lich. Außerdem habe ich weitere Möbel entworfen, Modul­möbel für den gesamten Wohn­be­reich wie beispiels­weise Regale, Klei­der­schränke, Schreib­ti­sche, barrie­re­freie Küchen etc.

Wie geht denn das? Möbel­de­sign traut man einer SAP-Bera­­terin auf den ersten Blick nicht zu…

Manchmal schließen sich Kreise: Ich habe vor meinem Studium eine Ausbil­dung zur tech­ni­schen Zeich­nerin absol­viert. Die kommt mir jetzt als Möbel­de­si­gnerin zugute. Hinzu kommt einfach ein sehr gutes räum­li­ches Vorstel­lungs­ver­mögen. Bei der ersten Küche hat mein Mann mitge­wirkt, der von Haus aus Maschi­nen­bau­in­ge­nieur ist. Jetzt ist er aller­dings außen vor, er hat seinen Job und ich meinen.

Deine Möbel gibt es noch nicht in Serie. Siewerden von den Hamburger Elbe Werk­stätten, eine Einrich­tung für Menschen mit Behin­de­rungen, gefer­tigt. Warum hast du dich dafür entschieden? Aus Kosten­gründen?

Dass man in der Zusam­men­ar­beit mit Behin­der­ten­werk­stätten sparen kann, wird oft vermutet, stimmt aber nicht. Erst einmal möchte ich eine gute Sache unter­stützen, viel wich­tiger ist aber, dass die dort eine echt gute Arbeit leisten. Das Projekt­ma­nage­ment ist absolut profes­sio­nell und die Qualität einfach super. Außerdem haben sie dort wirk­lich hervor­ra­gende und sehr moderne Maschinen. Da gibt es in Hamburg nichts Vergleich­bares.

Weil du nicht gleich in Serie gegangen bist, ist das Start­ka­pital über­schau­baur geblieben. Ich vermute fast, manch männ­li­cher Gründer wäre in die Vollen gegangen, hätte wahr­schein­lich auch gleich eine GmbH gegründet. Du nicht, dein Motto war: Erst mal vorsichtig. Was siehst du als die Vorteile eines solchen Slow­Gro­wings?

Das stimmt, gerade Männer hätten eher zu einer GmbH tendiert, dabei ist das aufgrund des geringen Risikos gar nicht nötig. Männer sagen auch öfter: „Nimm dir gleich Ange­stellte“. Das ist aber im Moment über­flüssig. Später will ich auch ein Laden­ge­schäft, aber im Moment reicht das Home Office völlig aus. Die indi­vi­du­elle Produk­tion hat nur Vorteile. Der Kunde hat keine längere Warte­zeit als wenn er in einem Möbel­haus kauft, etwa drei Monate. Zudem ist jedes Stück auf ihn und seine Wohn­si­tua­tion abge­stimmt.

Welche Bedeu­tung hatte deine Vorer­fah­rung in der IT für die Grün­dung?

Natür­lich ist es sehr nütz­lich, sich tech­nisch gut auszu­kennen. So konnte ich fast alles selbst machen. Aber ein direkter Bezug zwischen SAP und Möbeln besteht wirk­lich nicht. Es ist mehr die erwor­bene Kompe­tenz, Dinge zu analy­sieren, zu durch­denken und umzu­setzen. Die nützt mir jetzt auch. Sonst ist es ein echter Neustart.

Wir sind etwa gleich alt. Wie ich bist du Mutter, Deine Tochter ist jetzt 22 Jahre. Hat dies eine Auswir­kung auf dein Tun?

Da muss ich einmal nach­denken… Ja, indi­rekt. Da sie jetzt aus dem Haus ist, kann ich so richtig loslegen. So kann ich aufs Ganze gehen kann. Auch zeit­lich.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. […] ehema­lige SAP-Bera­­terin Chris­tiane Kypke erzählt morgen im Inter­view, wie sie zu ihrer Idee Wohn­kon­traste gekommen ist  – und warum sie erst mal, typisch […]

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