Kate­go­rien

Besser leben mit… Kollege Viel­redner

Published On: 22. Oktober 2010Cate­go­ries: Aktuell

In lockerer Folge stelle ich Ihnen Kolle­gen­typen vor, die einem selbst Zeit, Kraft oder Nerven kosten. Heute ist der Viel­redner dran. Neulich beob­ach­tete ich so einen in der Bahn: Auf der gesamten Fahrt nach Berlin unter­hielt er das Abteil. Seine drei Mitrei­senden kamen kaum zur Wort.

Kaum hat einer was gesagt, präsen­tierte der andere seine eigene Geschichte: mindes­tens 10 Mal so lang und laut. Ich  bin sicher, seine Mitrei­senden — alle waren Mitar­beiter eines größeren Unter­neh­mens — hätten liebend gern mal Ruhe gehabt.

Der Teufels­kreis sieht so aus:

  • Viel­redner spricht ohne Punkt und Komma.
  • Sie fühlen sich genervt, unter­legen oder über­fahren.
  • Sie sagen aber aus Höflich­keit nichts, sondern nicken oder bestä­tigen “mhm”.
  • Viel­redner fühlt sich bestä­tigt und redet noch mehr.

Was tun in so einer Situa­tion? Es gibt nur einen Weg raus aus diesem Teufels­kreis des Viel­re­dens: Unter­bre­chen! Vergessen Sie die übli­chen Höflich­keits­re­geln. Die meisten Viel­redner sind eher unemp­find­liche Zeit­ge­nossen, die dankbar für Kritik sind, auch direkt und unge­schminkt. Wären Viel­redner sensibel, würden sie nämlich merken, wie andere sich abwenden, den Blick senken, sich in die Ecke gedrängt fühlen.  Viel­leicht sind sie auch irri­tiert, weil sie wenig Gegen­wund bekommen. Umso wich­tiger ist es, etwas zu sagen.

Leider ist der Typus Viel­redner sehr verbreitet. In jedem Seminar sitzt mindes­tens einer. Dieser Typ wird von Unter­nehmen beson­ders gern für Verkaufs­jobs ausge­wählt. Der Grund ist, dass die fehlende Sensi­bi­lität bei einem bestimmten Verkaufs­stil hilft, der zum Beispiel in Banken sehr verbreitet ist (ja, protes­tieren Sie: aber meine Bank­be­rater waren immer SO). Viel­­redner-Verkäufer ziehen ihren „Arbeits­auf­trag“ durch, zum Beispiel die Präsen­ta­tion lang­wei­liger Finanz- und Versi­che­rungs­pro­dukte. Nur ein über­deut­li­ches „Nein“, laut und mögli­cher­weise verbunden mit Aufstehen (falls das Zula­bern im Sitzen erfolgte), kann sie stoppen. Sagen Sie, was das Einreden mit Ihnen macht und thema­ti­sieren Sie dies mit einem “Ich”-Satz.

Weitere Tipps zum Umgang mit lästigen Kollegen finden Sie in “Ich hasse Teams. Wie Sie die Woche mit Kollegen über­leben.”

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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