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Bewegung! Wir brauchen ein neues Verständnis von Change Management

So entsteht keine fließende Bewegung, typisch für das, was wir “Change” nennen und was auch als “Transformation” verkleidet mit Druck einhergeht.
Da ist kein Flow, keine fließende Bewegung. Nur ein Pressen, ein Krampf und oft ein Kampf. Und viele, die sich dann nach viel Eigenreflexion endlich locker machen, gehen mit ihrem neuen grenzziehenden Selbst in die Selbst-Ständigkeit.
Dort wo man dann zum Beispiel dafür eingekauft wird, dass man jenen Druck rausnehmen soll, den die Unternehmen in Wahrheit behalten wollen. Svenja Hofert
Change ist nicht Bewegung
Change bedeutet, dass das Jetzt anders werden soll. Dabei wird ausgeblendet, dass es das Jetzt nur als Momentaufnahme gibt. Es ist schon weg, wenn wir es spüren. Spüren wir es nicht, existiert nur eins: die vergangene Erinnerung.
Die gräbt sich bevorzugt mit ihren negativen Seiten ein — und will laufend wiederholt werden.
Was spielt beim Change eine Rolle?
Beim Change geht es darum, dass etwas im Jetzt, das es wie gesagt nur als Vergangenheit gibt, anders werden soll.
- Es geht um Ziele und Outcome (wenn nicht sogar nur um Output).
- Was rauskommen soll, wird von oben diktiert, verkauft oder hübsch verpackt.
- Das System funktioniert aufgrund der vergangenen Erfahrung weiter genau wie bisher oder zumindest ähnlich.
- Damit „Neues“ möglich wird, braucht es Druck bis hin zum Erzwingen, weil es die anderen Mittel nicht oder nur selten gibt: emphatische und zugleich klare Begleiter der Lernprozesse.
Ein Beispiel:
Ein Unternehmen muss sich ändern, die Geschäftsfelder brechen weg. Das Top-Management steht unter Erfolgsdruck und gibt den eigenen Druck nach unten weiter.
Da die normale Reaktion ist, auf Druck mit Gegendruck zu reagieren, machen dann alle eine Plank anstatt zu laufen.
Was spielt bei Bewegung eine Rolle?
Hier geht es darum, die Starrheit zu lösen, damit Energien fließen können.
- Wenn die Anspannung weg ist, wird plötzlich alles möglich.
- Wer locker ist, spürt das Jetzt und sieht die Zukunft.
- In der Flow-Zone entstehen Dinge, die man nicht planen kann.
Bevor ich zum praktischen Teil komme, noch ein paar Worte zum Druck. Druck kann subtil sein. Dann ist das „du musst“ nicht ausgesprochen. Es wird stattdessen in immer neue Fragen und Anliegen verpackt.
Der Körper speichert Druck als Anspannung
Der Körper speichert Anspannung. Jene, die durch falsche Haltung bedingt ist, genau wie die psychische. Trennen lässt sich das sowieso nicht. Jede Anspannung ist immer psychisch und physisch zugleich. Wenn ein Dirigent mit dem Orchester schwingt und dieses mit ihm, ist dies eine ganzheitliche Bewegung.
Aber wehe, er denkt darüber nach, ob er gut genug ist. Die Zielzone der Bewegung ist schließlich „Flow“, immer etwas unterhalb der Überforderung angesiedelt. Und Flow funktioniert nicht, wenn man auf sich konzentriert ist und nicht auf die Situation.
Im Change entsteht dieser Flow schon deshalb selten. Was tun? Wenn ihr schon den Druck durch den Change nicht abschaffen könnt, achtet auf euch — und klärt eure Haltung. Was mache ich mit, und was nicht? Woran kann ich sogar wachsen, wenn ich es anders betrachte?
Zoom out
Eine konkrete Technik ist das Zooming out. Zoom steht hier nicht für das Computerprogramm, sondern für Fokus. Man löst sich dabei aus einer verengten Perspektive, indem man den Fokus erweitert. Warum will ich das so sehr? Wieso halte ich daran fest? Was steht wirklich hinter meiner ersten Antwort auf das Warum? Was sehe ich nicht?
Der Blick wird so erweitert. Und dann entsteht Bewegung.
Dieser gekürzte Text wurde zunächst über meinen Substack-Newsletter versendet. Hier finden Sie auch eine Audiodatei zum Hören.
Foto von Ady April: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-der-uber-weissen-zaun-springt-1030794/
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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