Kate­go­rien

Daten­kraken, leider unter­be­lichtet: Mein Online-Formular-Test

Published On: 28. November 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Seit ich 1998 das erste Buch zu dem Thema veröf­fent­lichte, damals unter Pseud­onym Svenja Koch, verfolgte mich das Thema Online-Bewer­­bung. Jahre­lang gab ich Inter­views, war irgend­wann genervt von immer denselben Fragen, denn das Thema und die zuge­hö­rige Medi­en­kom­pe­tenz entwi­ckelte sich im Vergleich zu Social Media wirk­lich im Schne­cken­tempo…  und hab die Online-Bewer­­bung dann 2007 mit der letzten Aktua­li­sie­rung eines Eich­­born-Buchs inner­lich ad acta gelegt.

Im Zuge meiner neuen E‑Book-Stra­­tegie (ja, mein E‑Book-Expe­ri­­ment startet bald hier im Blog) arbeite ich nun einige meiner Erfolgs­bü­cher um – es gab welche, die verkauften sich 25.000 x über die Jahre —  und aktua­li­siere sie zeit­gemäß. Gerade sind die Online-Bücher dran, in denen vieles nicht mehr stimmte.

Dazu habe ich aktu­elle Zahlen und Fakten recher­chiert und auch gleich einige Fake-Accounts bei Aldi, Allianz, BMW etc. ange­legt – um erstaunt fest­zu­stellen, dass kein einziges System ein test@googlemail.com“ und ein „Frau Test Test“, die 2011 geboren ist, um im glei­chen Jahr ihr Abi zu machen als Fälschung zu erkennen. Das sollte compu­ter­tech­nisch doch heute möglich sein. Zumal die Daten, wie teils zu lesen ist, zu statis­ti­schen Zwecken genutzt werden. Senkt mein Eintrag jetzt den Alters­schnitt drama­tisch? Uij, ich hoffe, der Algo­rithmus ist klug genug 😉

Bei dieser Gele­gen­heit bin ich auf eine Entwick­lung gestoßen, die mir erklärt, warum in der aktu­ellst verfüg­baren Stepstone-Umfrage immer weniger Bewerber Online-Formu­lare nutzen (nur noch 10% 2011, versus 13% in 2008). Der Grund scheint mir offen­sicht­lich: Die Online-Bewer­­bung — also die über Formu­lare und Soft­ware — ist zu einem closed job der Konzerne geworden. Es geht nur noch über das Formular und nur noch mit zuvo­riger Regis­trie­rung. Das war mal anders.

Während ich bei der deut­schen Bahn und wo ich sonst noch so shoppen gehe, ohne Regis­trie­rung kaufen kann und das auch rege nutze, muss ich im Bereich Karriere für die Bewer­bung meine Daten zwin­gend hinter­lassen – ohne wirk­lich in jedem Fall sicher sein zu können, dass mich nicht demnächst die Werbe­ab­tei­lung mit ihrem Spam bombar­diert. Erstaun­lich lax formu­liert finde ich die Daten­schutz­er­klä­rungen, die aus meiner Sicht oft  Werbe- und PR-Zwecke nicht wirk­lich eindeutig ausschließen. Entweder die Nutzung wird gar nicht thema­ti­siert oder es steht etwas da wie bei  BMW — „Ihre Daten werden — ohne Ihr ausdrück­li­ches Einver­ständnis — nicht an sons­tige Personen oder Dritte weiter­ge­geben“. Ich vermute fast, dass im weiteren Verlauf irgendwo ein Kreuz­chen gesetzt werden könnte, dass das “ausdrück­liche Einver­ständnis” nach­träg­lich einholt.

Zum Dank für die Regis­trie­rung, mit der man seine Daten an unbe­kannte Systeme über­gibt, muss man im Fall von Aldi wirk­lich unsin­nige Formu­lare ausfüllen, die tages­ge­naue (!) Daten­an­gaben ähnlich wie bei einer Flug­bu­chung über Opodo erfor­dern.  An welchem Tag habe ich mein Abitur gemacht? Keine Ahnung. Es gibt wirk­lich wich­ti­geres, das Firmen inter­es­sieren sollte. Aber ohne den genauen Tag geht das Formular partout nicht in den nächsten Schritt. Verrückt, ich meine die Versionen, die ich vor 2007 getestet hatte, waren besser.

Welche begehrte Fach­kraft tut sich so etwas an? Doch wer in Konzernen arbeiten will, kommt an den Formu­laren nicht vorbei. E‑Mail-Bewer­­bungen sind dort nicht erlaubt. Ich habe einen kleinen Test­be­richt gemacht. Relativ gut gefallen unter den 5 Dax-Unter­­nehmen hat mir die Allianz. Fand ich am klarsten, Daten­schutz­er­klä­rung einfach und verständ­lich. Auch das Formular ist eines der besseren, kurz und knapp und indi­vi­duell zuge­schnitten auf das Unter­nehmen, Ausfüll­zeit kaum 5 Minuten. 5 Minuten — das versu­chen Sie mal bei Aldi.…

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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