Kate­go­rien

Brauche ich große Namen im Lebens­lauf?

Published On: 8. Januar 2010Cate­go­ries: Führung

Heute kam eine anonyme Frage in meinem Xing-Forum an, die ich hier noch mal anders aufgreifen und kommen­tieren möchte. Es ist eine der häufigsten Fragen zur Karriere über­haupt. Ein junger Consul­tant wollte wissen, ob große Namen im Lebens­lauf wichtig seien. Seine Kollegen agru­men­tierten, es sei schlecht, wenn er — wie jetzt — bei einer kleinen, unbe­kannten Consul­ting­firma arbei­tete. Eine Firma, der es nicht mal wichtig war, ob er einen Bachelor oder Master hatte! Die Arbeit aber machte ihm Spaß.

Sollte er also die Firma wech­seln, um einen besseren Namen im Lebens­lauf zu haben? Nein. Auch wenn Status — und dieses Denken und Argu­men­tieren hat ganz viel mit Status zu tun — sicher wichtig ist. Machen wir uns nichts vor: Für viele Menschen ist das namhafte Unter­nehmen, die schicke Uhr und das tolle Auto ein Antrieb, für manche sogar DER Antrieb schlechthin. Wer diesen Antrieb selbst hat, beur­teilt auch andere Menschen leicht danach. Ein Porsche-Fahrer, der das Auto aus Status­gründen fährt (und nicht etwa oder nur aus Freude am Schnell­fahren) geht auto­ma­tisch davon aus, dass auch andere Menschen dieses Auto toll finden. Was für mich als über­­­zeugte-Saab-Fahrerin beispiels­weise nicht gilt.

Zurück zum Lebens­lauf. Da ist es genauso. Es kann sein, dass ein Perso­naler posi­tiver auf große Namen reagiert, wobei er mal eine größere Saab- (mein Händler offen­barte mir einmal den Glau­bens­satz vieler Saab-Fahrern: “Ich unter­scheide mich von anderen, mag das Indi­vi­du­elle und protze nicht”) und mal eine größere Porsche-Affi­­nität (vermu­tetet Glau­bens­satz: “dieses Auto zeigt, dass ich ein rechter Kerl bin und Kohle habe”) haben könnte. Auch möglich, dass ihn Status gene­rell null inter­es­siert. Da gibt es genug Menschen, bei denen das so ist. Ja, gerade der Perso­nal­be­reich in den unteren Etagen zieht oft weniger status­ori­en­tierte Menschen an. Es kann also sein, dass dem Perso­naler der große Name an sich völlig wurscht ist.  Und mal das ganze Status­be­dürfnis beiseite geschoben: Auf einer normalen Fach­kräf­te­ebene wird ein Bewerber sicher nicht nur deshalb einge­stellt, weil er — z.B. bei BMW — gear­beitet hat. Es sind die Spezial‑, Methoden- und Prozess­kennt­nisse, die wirk­lich wichtig sind. Und die Prozesse bei BMW und VW ähneln sich — das ist der Grund aus dem ein BMW-Bewerber bei VW bessere Chancen hätte als der Bewerber aus einer unbe­kannten Consul­ting­firma. 

Zurück zur Ausgangs­frage “brauche ich große Namen im Lebens­lauf?” Der Faktor, dass ein Mensch auch ohne Marken­namen in seienm CV Spaß an der Arbeit hat, ist sicher der Entschei­dende. Status und der Wunsch, große Namen im CV zu haben, sind ein wesent­li­cher Antrieb bei der Jobsuche jüngerer Menschen. Später, meist schon mit der ersten Berufs­er­fah­rung, wird das bei vielen immer unwich­tiger. Man verschiebt Status auf das Auto vor der Tür, wenn sowas über­haupt eine Rolle spielt. Berufs­ein­steiger merken schnell, dass Zufrie­den­heit im Job mit anderen Dingen zu tun hat: mit der Aufgabe, den Möglich­keiten, den Heraus­for­de­rungen, der Schwie­rig­keit (oder Leich­tig­keit) von Aufgaben, mit Entwick­lungen, Verän­de­rungen, (befrie­digter) Neugierde… und auch mit den Menschen um einen herum. Da ist es viel­fach völlig egal, wie die Firma heißt und wie groß sie ist.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Flug Austra­lien 8. Januar 2010 at 13:54 — Reply

    Große Namen können unter Umständen auch nega­tive Auswir­kungen haben. Manche Firmen sind unbe­liebte Arbeit­geber oder auch dafür bekannt, was alles bei Ihnen schief geht.
    Wenn dann ein solcher Name auf dem CV erscheint und iden­ti­fi­ziert wird, wirkt sich das sicher­lich nicht gut aus.
    Dann ist es doch besser in einer unbe­kannten Firma zu arbeiten und unvor­ein­ge­nommen beur­teilt zu werden.
    Wie in dem Eintrag auch schon steht: Am Ende zählt die Person und ihre Leis­tung.

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