Kate­go­rien

Brau­chen kleine Firmen andere Mitar­beiter als mitt­lere und große…?

Published On: 16. November 2010Cate­go­ries: Führung

Eindeutig ja! Eigen­stän­diger müssen sie sein, außerdem gestal­tungs­freu­diger: je kleiner das Unter­nehmen, desto mehr.  Personal, Marke­ting, Vertrieb, Admi­nis­tra­tion: Wer in einer Firma mit weniger als 10 Mitar­beiter arbeitet, macht meist alles, wozu der Chef nicht mehr kommt. Das ist span­nend für Menschen, die Auto­nomie mögen und mitwachsen wollen. Das ist dagegen frus­trie­rend für alle, die eine Einwei­sung brau­chen und Schwie­rig­keiten haben, sich einen eigenen Rahmen zu stecken.

Sie müssen ein wenig sein wie der Chef selbst und Dinge in die Hand nehmen wollen und können. Sie dürfen sich nicht scheuen, auch einmal dort zuzu­pa­cken, wo sie eigent­lich über­qua­li­fi­ziert sind.  Das heißt: Auch mal Löcher in die Wand bohren (danke an meine Assis­tentin, die den Bohrer schwingt!) oder den Boden wischen, wenn der Winter Schlieren aufs Parkett zieht.

Wer genaue Vorgaben braucht, ist in einem Klein­un­ter­nehmen meist schlecht aufge­hoben. Da der Chef keine Zeit zum Einar­beiten hat (oder, so geht es mir als Chefin zumin­dest, manchmal selbst nicht genau weiß, was wo läuft) , über­wiegt die kalte Wasser-Methode. Unsi­cher­heit über Vorge­hens­weisen kommen da schlecht an. „Machen“ ist auf jeden Fall eine gefrag­tere Qualität als Abwarten und Disku­tieren.

Weil Sie dicht mit dem „Chef“ zusam­men­ar­beiten, müssen sie mit diesem harmo­nieren und „zweiter Mann“ oder „zweite Frau“ sein  können. Launen aushalten gehört bei den eher chole­ri­schen Tempe­ra­menten (die sich häufiger selbst­ständig machen) wahr­schein­lich dazu. Auch die Lern­be­reit­schaft ist gefor­dert. Da Klein­un­ter­nehmer selten Weiter­bil­dungen anbieten, heißt es auch hier: selbst lernen oder sich eigen­ständig Weiter­bil­dungs­mög­lich­keiten suchen. Da liegt manches im Argen: Im Zweifel bringen Sie sich alles selbst bei und gehen dabei, zum Beispiel bei Excel, viel zu kompli­zierte Wege und die Effi­zienz kommt zu kurz. Gut, dass es inzwi­schen viele Förde­rungen für kleine Unter­nehmen gibt. Sagen Sie das Ihrem Chef – im Hamburg winkt z.B. der Weiter­bil­dungs­bonus.

Aus den oben genannten Gründen sind beson­ders oft eher intui­tive Typen, also Menschen mit hoher Vorstel­lungs­kraft und Bewusst­sein für Möglich­keiten, die sich in Klein­un­ter­nehmen wohl fühlen, außerdem viele bezie­hungs­ori­en­tierte Wir-Gefühl-Menschen. Wie Sie diese Mitar­beiter als Chef finden? Defi­nieren Sie genau, wen Sie suchen und was Sie brau­chen. Und dann suchen Sie in Ihrem Umfeld. Bitten Sie Kollegen, Ihre Suche weiter­zu­leiten, fragen Sie. Und machen Sie nicht den größten Chef-Fehler über­haupt: Angst vor zu viel Kompe­tenz oder Über­qua­li­fi­ka­tion zu haben.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Jasmin Siever­ding 17. November 2010 at 11:44 — Reply

    Wie Recht Sie doch haben! In Klein­un­ter­nehmen geht es gar nicht anders, als über den Teller­rand hinaus­zu­schauen. Der Vorteil dieser dichten Vernet­zung und einer flachen Hier­ar­chie: die linke Hand weiß in den meisten Fällen, was die rechte macht. Und umge­kehrt. Der Perso­naler sitzt neben dem Vertriebler und die PR-Abtei­­lung ist auch nicht weit. Einen brei­teren Über­blick kann man gar nicht bekommen.

  2. Jan 17. November 2010 at 12:58 — Reply

    Sie treffen mit diesem Blog­bei­trag den Nagel auf den Kopf! Gerade in kleinen Unter­nehmen sind andere Quali­fi­ka­tionen an die Mitar­beiter zu stellen, als in großen Konzernen. Gerade das Thema Soft-Skills ist hier sehr wichtig: Den Chef so nehmen wie er ist und evtl. auch mal zwischen den Zeilen lesen hilft hier enorm. Ich persön­lich habe jedoch fest­ge­stellt, dass in kleinen Unter­nehmen die Chefs eine persön­li­chere Bezie­hung zu den Mitar­bei­tern aufbauen und so mehr Verständnis für private Belange aufweisen.

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