Kate­go­rien

Büch­lein streck dich: Schreiben Sie bloß nicht, weil alle es tun…*

Published On: 30. August 2011Cate­go­ries: Führung

Der Spiegel (mal nicht Online, sondern Print) veröf­fent­lichte diese Woche einen leicht ironi­schen und doch ernst­zu­neh­menden 10-Punkte-Plan für den erfolg­rei­chen Weg zur Kory­phäe. Am Beispiel von Richard David Precht zeigte der Autor, wie so ein Super­ex­perte sich posi­tio­niert, etwa über die zunächst wahl­lose Teil­nahme an Talk­shows und anschlie­ßend dezi­diertem Sich-Rar-Machen. Die Moti­va­tion des schönen Richards Bücher zu schreiben, wird nun aber eine andere gewesen sein als die der wach­senden Schar von GSA-Spea­kern, die ein Buch brau­chen, um ihre Exis­tenz auf Vortrags­ver­an­stal­tungen (oder die Höhe der dort gezahlten Hono­rare) zu recht­fer­tigen, äh, zu unter­malen. Ich denke Richard wollte denken und schreiben und hatte keine Lust in einem Konzern zu arbeiten. Nur im letzten Punkt deckt sich die Moti­va­tion mit der vieler Berater, die auch so ein Buch wollen. Ergo: Deren Weg muss wahr­schein­lich ein anderer sein.

Die meisten Trainer, Berater, Coachs wollen mit einem Buch Werbung machen für sich selbst und ihr Thema. Es ist für sie Verkaufs­un­ter­stüt­zung. Leider gehen allzu viele dabei soge­nannten Autoren­ver­lagen auf den Leim, die Geld für die Veröf­fent­li­chung haben wollen oder das ganze als Druck­kos­ten­zu­schuss verkaufen. Das sind dann Verlage, die ähnlich klingen wie die am Markt etablierten, und in ihren Anzeigen schreiben „wir suchen noch Manu­skripte“. Problemlos kann man auf diese Weise 30.000 Euro und mehr aus dem Fenster schmeißen.  

Eins ist jeden­falls sehr sicher: Bücher werden Sie mit so einem Autoren­verlag nicht verkaufen, wenn Sie sich die Stapel nicht selbst unter den Arm klemmen.  Denn das ist schon mal anders bei einem guten Verlag: er ist im Handel präsent. Und präsent heißt: Die Bücher stehen da, lassen sich ansehen und nicht nur über Listen bestellen. Das zubuch­bare oder inte­grierte Lektorat bei solchen Verlagen ist zwar für Schreib­laien sinn­voll, reicht aber nicht entfernt heran an einen profes­sio­nellen Ghost­writer, der einen jour­na­lis­ti­schen Hinter­grund hat.  Problem ist, das manch einer der Trainer, Berater, Coachs sich an der Stelle über- und die Wirkung von Geschichten und Worten einfach unter­schätzt. Und ja, sehr viele Bücher sind gar nicht von denen geschrieben, deren Namen drauf steht. Fremd­schreiben lassen ist für die Qualität oft  nicht die schlech­teste Idee.

Man hört, dass Bera­ter­kol­legen, die  Bücher schreiben, sich nicht ins Manu­skript reden lassen wollen, und zum Beispiel auf selbst gewählten Titeln bestehen. Diese verein­zelt auftau­chende Eigen­wil­lig­keit an der Grenze zu Bera­tungs­re­sis­tenz ist natür­lich selten Erfolgs­zept und öfter Erfolgs­ver­hin­derer auf dem popu­lären Buch­markt. Denn hier hat das zehnte Buch zum Selbst­mar­ke­ting schlichtweg keinen Platz – da muss man sich was ganz anderes einfallen lassen.  Blöd, wenn das Andere nicht zum Bera­tungs­ge­schäft passt. Will man sein eigenes Thema durch­setzen, rate ich doch lieber Books on Demand, da kann man selbst bestimmen (und sollte bitte nicht am Papier sparen, manche dieser Bücher sind wirk­lich billig gemacht).

Ansonsten gilt bei BOD das gleiche wie bei den Autoren­ver­lagen: Verkaufen muss der Autor selbst, und das ist außer­halb des eigenen, vertrauten Kreises schwer, wenn kein größerer Verlags­name auf dem Buch­titel steht.  Aber wenn man das Teil sowieso nur an die Leute verkaufen will, die auch sonst im Trai­ning sind oder die Vortrags­halle füllen: Der durch­schnitt­liche Kunde merkt nicht, dass das Logo eines etablierten Verlags fehlt. Haupt­sache gedruckt, denken viele: es ist ein Buch, hurra!  Blöd nur, wenn es keiner liest und kauft.

Viele Trainer, Berater, Coachs wollen zu früh ein Buch schreiben. Es rangiert aus meiner Sicht zwischen verrückt und leicht­sinnig, das Projekt „eigenes Buch“ in den ersten drei Jahren einer Selbst­stän­dig­keit anzu­gehen, wenn das eigene Unter­nehmen gar nicht aufge­baut ist und die Kröten noch langsam ins Porte­mon­naie wandern. Konzen­tra­tion auf das Wesent­liche – Geld­ver­dienen – lautet dann meine Empfeh­lung.

Eine Bekannte von mir hat jahre­lang sehr erfolg­reich Impuls­vor­träge in Unter­nehmen gehalten. Immer wieder wurde sie ange­spro­chen „schreib doch mal ein Buch.“ Deshalb hat sie mich gefragt….  Doch irgendwie reichte der Inhalt nicht: wunderbar für einen Vortrag, zu dünn für ein Buch. Und durch Stre­cken wird man auch nicht lang.

 …sondern lieber erst dann, wenn Sie richtig was zu sagen haben. Richtig was zu sagen hat zum Beispiel die Autorin Susan Cain, über deren Buch „Still“ ich in den nächsten Tagen schreiben werde.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

3 Kommen­tare

  1. Lars Hahn 30. August 2011 at 19:37 — Reply

    Eben! Nicht jeder ist ein Autor, selbst wenn er was zu sagen hat.

    Ich zum Beispiel bin ein vorzüg­li­cher Multi­pli­kator: Ich lese tolle Bücher, zitiere daraus und empfehle sie in meiner Arbeit weiter. Sozu­sagen ein analoger Retweeter.
    Gute Autoren brau­chen solche Leute 😉

    P.S. Ist das eigent­lich Absicht, dass “Trainer, Berater, Coaches” durch die nahe­lie­gende Abkür­zung an Lungen­kranke erin­nert? 😉

  2. Svenja Hofert 31. August 2011 at 14:50 — Reply

    analoge Retweeter sind das, was ein Autor braucht — so profi­tieren wir beide, oder? BTC.… nee, ich rauche seit 11 Jahren nicht mehr… das hatte ich nicht im Blick 😉

  3. Wilhelm Zorem 4. September 2011 at 19:51 — Reply

    Zustim­mung!

    Ein Punkt fehlt noch. Der Schrei­ber­ling sollte im Thema stehen. Einige schreiben nach dem Motto: “Es ist alles gesagt, nur nicht von mir.”

    Inzwi­schen haben Leute Erfolg, die Boule­vard schreiben und reden. Diese Verkaufs­best­seller Fach­buch zu nennen ist bereits Real­sa­tire.

Leave A Comment